Seite
Seite 2
„Die # Welt"
Nr, 25
wir von- jetzt ab die grosse, aber unausweichliche
Pfl cht haben, jeder nach seiner ganzen Macht und
seinem ganzen Vermögen dahin zu arbeiten, dass
unsere Fonds vervielfacht werden, bis sie die not¬
wendige Höhe erreichen.
Ein begeisterter Mahnruf muss sich erheben und
durch alle Länder gehen. Wir brauchen Geld! Schaffen
wir das Geld! Und der heilige Zweck muss der starken
Agitation Schwung und Weihe geben.
Es muss eine begeisterte und anfeuernde Werbe¬
arbeit sein, wenn es uns ernst ist um unsere Sache,
wenn wir in Wahrheit die neuen Makkabäer der Arbeit
sind, wie ür. H e r z 1 uns genannt hat.
Noch einmal müssen wir, jetzt in einem grösseren
Augenblicke, die Arbeit für die „ J ü d i s c h e G o 1 o n i a 1-
bank" aufnehmen, die wir vor zwei Jahren begonnen
haben. Viele Möglichkeiten grosser Erfolge haben sich
uns seither erschlossen, um vieles sicherer schreiten
unsere Hoffnungen einher.
Um so viel grösser muss unsere Thatkraft und
Ausdauer sein. Noch ist für die „Jüdische
Colonialbank", gar in den westlichen Ländern,
kaum das Erste gethan worden. Noch haben nicht ein¬
mal alle Zionisten ihre Shares erworben. Noch sind
weite Kreise Aussenstehender aufzuklären und anzu¬
werben.
Jetzt aber heisst es, keinen Augenblick kostbarer
Zeit mehr verlieren.
Fassen wir zusammen, was wir an Kraft der
Begeisterung, an Macht der materiellen Mittel besitzen.
Eine Parole muss jetzt durch die Länder fliegen,
in denen Zionisten wohnen: Zionisten! Arbeitet
für die „Jüdische C o 1 o n i al b a n k ft ! B. F.
Schekeltag in Deutschland.
Wir erhalten folgendes Telegramm : Unser Schekel¬
tag war ein Freudenfest voll Sang und Weihe. Dr. Friede¬
mann sprach von der heiligen Bedeutung des Schekels,
Dr. Zlocisti von jungjüdischer Kunst. Die Schekelzahl
hat sich verdoppelt. Das ist erst der Anfang. Wir werden
sie vervierfachen.
*
Breslau. Die S chekeltags-Versammlung nahm
einen äussert befriedigenden Verlauf. Sämmtliche zionistischen
Redner des Abends fanden lebhaften Beifall bei dem zahl¬
reich versammelten Publicum. Das Schekelergebnis ist ein
um 100% höheres als im Vorjahre. Schachtel.
.. ♦rwbjn D^run naDK
Landesconferenz der galizischen Zionisten in
Lemberg.
(16. und 17. Juni 1901.)
Mit grosser Genugthuung können wir auf die Landes¬
conferenz der galizischen Zionisten zurückblicken. Sie hat
während ihrer Tagung eine Arbeit geleistet, deren segens¬
reiche Wirkungen für den galizischen Zionismus bestimmt
nicht ausbleiben werden, wenn die leitenden Personen die
Directiven und Gesichtspunkte, die ihnen in Lemberg
geboten wurden, streng beobachten und unerschütterlich
auf die Verwirklichung der Beschlüsse hinarbeiten werden.
Wir haben in mehreren Artikeln die Situation des galizischen
Zionismus, wie sie vor der Lemberger Conferenz bestand,
genügend beleuchtet. In die planlose Organisation und nicht¬
einheitliche Propaganda ist nun Ordnung und System
gebracht worden. I^ang.e, gr ündhehe ^ Debatten..., haben es
ermöglicht, ein neues* für sämmtliche zionistische Vereine
Galiziens verbindliches Organisationsstatut zu schaffen,
dessen Vorzug vor allem darin besteht, dass dadurch die
galizischen Zionistischen Vereine in die gesammt-öster»
reiehische Organisation einbezogen wurden. Damit wurde
ein einheitliches Vorgehen einer imponierend starken Ge¬
meinschaft ermöglicht Es ist selbstverständlich, dass die
äussere Eiöheit der geradlinigen und ungestörten Entwick¬
lung des österreichischen Zionismus zugute kommen wirdl
Ganz besonders jetzt, wo der Oimützer Ziönistentag ein6
Durchbildung und Ausgestaltung des Baseler Programmen
vor allem in Hinsicht auf die Fragen der körperlichen,
wirtschaftlichen und geistigen Hebung der Juden vor¬
genommen hat, und das österreichische Landescomile* an
die Durchführungsarbeiten schreitet, ist eine Wechsel¬
wirkung zwischen den östlichen und westlichen Ländern
Oesterreichs nicht nur erwünscht, sondern geradezu not¬
wendig. Die Conferenz aber hat nicht allein den Organi-
satioDömodus. geregelt, sondern auch einen äusserst in-
structiven und sicherlich wertvollen Meinungsaustausch in
einigen principiellen Fragen des Zionismus hervorgerufen.
Vof allem ist über die wirtschaftliche Frage lange und ein¬
gehend gesprochen worden. Manche Delegierte haben diesem
Gegenstände ihre besondere Aufmerksamkeit zugewendet.
Allerdings wurden Vorschläge laut, die sowohl ihrem
Umfange, als auch dem Inhalte nach weit über die
gegenwärtigen Möglichkeiten der Durchführbarkeit hinaus-
giengen.
Mit dankenswerter Beschränkung würde dem ent¬
gegen von anderen Delegierten mit vollem Nachdruck
darauf hingewiesen, dass — wie dies auch in Olmütz zum
leitenden Gesichtspunkt erhoben worden war — mit aller
Vorsicht nur an jene Actionen geschritten werden möge,
die „bereits gegenwärtig Aussicht auf Erfolg haben und
nicht zu grosse Anforderungen an die Leistungen der Or¬
ganisation stellen". So soll vom Kleinen ins Grosse die
Regelung des Wirtschaftslebens der galizischen Juden er¬
folgen. Es wurde auch nicht verabsäumt, unzweideutig zu
erklären, dass diese Actionen nur im Rahmen des Zionismus
und unter steter Festhaltung des Endzieles unternommen
werden dürfen, dass sie ferner keinen agitatorischen Cha¬
rakter tragen, sondern einen Bestandtheil des zionistischen
Programmen bilden. Die Uebereinstimmung mit den Be¬
schlüssen des Oimützer Zionistentages fand ihren endlichen
Ausdruck darin, dass dessen Programmthesen zur ein¬
stimmigen An-nahme gelangten. Es entspricht einem natür¬
lichen Bedürfnisse der galizischen Juden, dass insbesondere
jenem Punkte des wirtschaftlichen Programmes, der die Be¬
gründung von Vorschusscassen erfordert, ein erhöhtes In¬
teresse entgegengebracht wurde. Auch hier wurde mit
Recht darauf hingewiesen, dass unbedingt mit kleinen und
vorsichtig betriebenen Gründungen der Anfang gemacht
werden müsse, nachdem vorher die Grundlagen eingehend
geprüft wurden. Auch die Frage der politischen Betäti¬
gung kam zur Sprache. Das Ergebnis einer längeren De¬
batte war, dass die Conferenz sich dahin einigte, im gegen¬
wärtigen Augenblicke von einer offiziellen politischen Theil-
nahme abzusehen, dort jedoch, wo eine politische Betäti¬
gung nothwendig erscheint, diese nur im Einverständnis
mit der Districts- und Landesleitung zu entfalten. Die
folgenden Referate über Agitation, Presse und hebräische
Sprache boten viele dankenswerte Anregungen. Es gelang
den Bemühungen der Conferenz, die Beschlüss dem Geiste
des Organisationstatutes anzupassen und so auch in Rück¬
sicht auf diese Gegenstände eine äussere und innere Einheit
herbeizuführen.
Wir können den Delegierten der Lemberger Con¬
ferenz nur Dank wissen für ihren Fleiss und den Ernst,
. ; niit,dem sie gearbeitet haben. Es liegt nur*,an ihnen und
den Vereinen, die sie vertreten haben, die nützlichen und
bedeutungsvollen Beschlüsse in That umzusetzen. Wir