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„Die $ Welt"
Nr. 30
Die Zionisten des Westens jedoch rerutieren sich ja zu
grossem Theile aus dem gutsituierten Mittelstande. Wer
könnte nun die Behauptung wagen, dass diese Zionisten
ihrer Pflicht gegenüber der Colonialbaiik das letzte Genüge
geleistet hätten?
Und wer könnte die Behauptung wagen, dass die mei¬
sten Zionisten ihrer Agitationspflicht, ihrer Schekelpflicht,
ihrer Schuldigkeit gegenüber der zionistischen Presse bis
zum äussersten nachkämen? An Ansporn und Gelegenheit
fehlt es ja nicht, und die Begeisterung in den Versammlun¬
gen raucht auch bei uns in Oesterreich hoch auf.
Von dem Studium unserer Sprache, Literatur und
Geschichte im Westen wollen wir lieber schweigen. Wer
bei uns das grosse Opfer der Bequemlichkeit bringt, eine
Stunde des Tages Hebräisch, unsere ISTationalsprache, zu
lernen, wird ja geradezu angestaunt.
Unserer jungen Parteiorganisation haften noch viele
Mängel an. Sie muss noch manche Jugendfehler überwin¬
den. Vor allem aber müssen ihre Mitglieder sich selbst
überwinden. Durch rastlose Selbstzucht müssen wir uns
zur Erkenntnis emporarbeiten: Zionist sein, Jieisst Opfer
bringen.
Organisation und Leitung der jüdischen Arbeiter¬
vereine.
Von D. Hasterlik.
(Schluss.)
Lesehalle und Bibliothek: Die Lesehalle
soll es ermöglichen, das* die Mitglieder des Vereines
in Bezug auf Zeitungen dieselben Ansprüche befriedigt
finden, die s : e sonst an ihr Kaffeehaus stellen, um sie
vom letzteren zur Frequenz der Vereinsräume hinüber¬
zuziehen. Den Mitgliedern steht die Benützung frei,
Nichtmitglieder haben die minimale Gebür von 6 h
za zahlen. Ueber Vorgänge, die das öffentliche Inter¬
esse hervorrufen, ist auf Grund der Zeitungsnachrichten
täglich ein halbstündiger Vortrag zu halten. Eine so
ausgestaltete, gut geleitete Lesehalle hat sich in der
Praxis stets als eines der besten Agitationsniittel be¬
währt. Im Lesezimmer wird bei der Ausgabe der
Zeitungen der Vorgang eingehalten, dass ein Blätter¬
verzeichnis aufliegt, woraus jeder sich seine Zeitung
auswählt. Auf Wunsch bekommt er für das gewählte
Blatt eine Marke, die der Zeitungsvervveser gegen das
Gewünschte umtauscht. Die Marken werden nach Ver¬
langen umgetauscht. In einem Briefkasten im Lese¬
zimmer können Wünsche und Beschwerden hinterlegt
werden, deren Erledigung die Section übernimmt. Die
Bibliothek wird wissenschaftliche und belletristische
Werke, durch den Biblothekar sorgfältig gesichtet, ent¬
halten.
Presscommission: Die Presscommission hat
die Pflicht, alle Publikationen zu veranlassen, Einladungen
und Versammlungsberichte zu pubiicieren, Vereins¬
nachrichten herauszugeben und die Berichte der ein¬
zelnen Sectionen regelmässig geordnet zum Drucke zu
befördern. Die Vereinsnachrichten sollen sich jeden
Monat einmal über alle Vorgänge innerhalb des Vereines
verbreiten, die diesen Zeitraum ausfüllen. In Zeitungs¬
form britigen die Nachrichten den jeweiligen Stand und
Zuwachs der Bibliothek und der Lesehalle, die Feste
des Vereines und deren Programme, den Fortgang ,der
Lehrcurse, eine Mitgliederliste und den vollständigen
Wortlaut aller abgehaltenen Vorträge, letzteren zu dem
Zwecke, um die verhindert gewesenen Mitglieder zu
informieren.
Stellenvermittlung: Die Stellenvermittlung
wird bedeutende Erfolge haben, wenn ein Verband von
Arbeitervereinen besteht, deren jeder ein Vermittlungs¬
bureau hat, so dass unter energischer und geschickter
Leitung ein reger Austausch von Angeboten der Arbeit¬
geber erfolgen kann. Unbedingt erforderlich ist ein Unter¬
stützungsfonds für Conditionslose unter den Mitgliedern
Von Seiten der Vermittlungssection sind alle Zionisten
dringend aufzufordern, Arbeitsnachweis und -Bedarf an
die Section bekanntzugeben.
Sport- und Gesangssection: Diese Ab¬
theilung hat in ihrem Ressort die wichtige Aufgabe
der körperlichen Hebung der Juden gedeihlich zu er¬
füllen und hat Gelegenheit, sich zu bethätigen auf dem
Gebiete des Turnens, Radfahrens, Schwimmens, der
Touristik u. s. w. Der Umfang der Betheiligung an den
einzelnen Sportzweigen kann natürlich nur vom phy¬
sischen Können der Mitglieder bestimmt werden. Der
Gesang wird sich bestimmt mit der Pflege der Touristik
und des Radfahrens entwickeln.
Wenn wir noch die Tanzsection erwähnen, die
bei dem oberflächlichen Charakter des Durchschnitts¬
materials, das unserer Agitation zur Verfügung steht,
einen Anziehungspunkt ersten Ranges bedeutet, so haben
wir alle Gomites und ihre Aufgaben erschöpft, und der
Tüchtigkeit und Intelligenz der Leitung bleibt es über¬
lassen, von den Hilfsmitteln des Vereines erfolgreichen
Gebrauch zu machen, um die Corporation zur Blüte
zu bringen und darin zu erhalten. Das Budget des
Vereines wird ungefähr folgendes sein :
Mitgliedsgebüren:
Einschreibgebür: 50 Damen ä 40 h, 50 Herren
ä 60 h ................K 50
Mitgliederbeitrag wöchentlich 20 h.....„ 1040
Lesehalle 18 Besucher täglich ä 6 h • . . . „ 378
Bibliothek (Strafen), Maculatur...... . „ 25
K 1493
Tanz-Unterricht:
35 Sonn- und Feiertage, Schülerübung und
Gesammtubung, 30 Damen ä 30 h, 30 Herren
ä 40 h................K 735
70 Dienstage und Donnerstage, 15 Herren ä 40 h,
15 Damen ä 10 h.......... . „ 630
K 1365
Vergnügungen:
Gesellige Vereinsabende und Feste.....K 150
Ausfluge und Gartenfeste........ . . „ 25
K 175
Diverse Einnahmen:
Verkauf von Flugschriften und Lehrbüchern . K 25
Summe . . . . „ 3058
Ausgaben:
Local..................K 1400
Beleuchtung, Beheizung..........„ 300
Reinigung............... . „ 120
K 1820
Tanzlehrer, Ciavierspieler.........K 350
Zeitungen................„ 300
Diener, Porto, Drucksachen....... . „ 530
K 1180
Zusammen . . . . K 3000
Ueberschuss . . . K 58