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Oesterreichisfeh-ungarische
Pränumerations-Preie
KLr Kerti«smi1glikd«r:
Vanzjävrig ... ft. 5 —
Halbjährig - - - st- 2.50
Vierteljährig י - st. 1-25
Monatlich ... st. —45
Kür Aichlmitgtieder:
Tanzjährig ... st. 5 —
Halbjährig ... st. 3.—
Vierteljährig . . fl. 1.50
Monatlich . . . fl. —.50
Kür das Knsland:
Banzjäbrig ... st. 7 •—
12 Mark oder 6 Rubel.
Organ
für die (foanmit-JaiErrsscn jüdischer Cantoren.
Erscheint jeden achten Tag. - ׳ l
Begründer: Obercantor IcrAob ^ ־ ־ ;
l^etlnciion
Adrrrrnistratro»
W i e 11 .
II., Novaragasse 27.
Snfcrato
werden billigst berechnet.
Manuscripte werden nicht
rerournirt.
Nr. 1
Wien, 8. Jännrr 1887. 7. Jahrgang.
!flirr die Entwickelung des Synagogen-
gesanges.
Von Ober-Cantor Z». Singer in Wien.
II. Serie.
■ •_ XI. ■■־• ' ™ ■
Im vorigen Aufsätze stellten wir eS als eine bedeutungs-
volle Thal hm, dass Lewandvwski schon bei Herausgabe feines
Kol rinnah utefillah die Hanptzüge des Mufikausbaues der von
ihm neugestalteten, gottesdienstlichen Synazogengesänze vor-
zeichnete und dieselben, wie es einem fachmännischen Meister-
bewnsstsein ziemt, auch in seinem zweiten, vierstimmigen Werke
Todah wesimrah getreulich festhielt; allein dieses Festhalten an
dem einmal für richtig befundenen Grundgedanken darf keines-
Wegs zu der irrigen Anschauung veranlassen, als wären diese
beiden Werke mit einander durchwegs identisch, d. h. dieselben
Compositiouen, welche dort zweistimmig behandelt wurden, seien
hier lediglich in der vierstimmigen Umarbeitung wkedergegeben.
Die beiden Werke Lcwandowcki's Lol rinnal! und Todah
wesimrah bieten, wie bereits früher erörtert, nicht allein in
räumlicher und formeller Beziehung, sondern hauptsächlich, was
Reichhaltigkeit des verarbeiteten Stoffes betrifft, einen solch' auf-
fällenden Gegensatz, dass eine Jdeniificirung beider Werke ent-
schieden ausgeschlossen erscheint. Von den 91 Nummern der im
1. Thcile des Todah wesimrah befindlichen Sabbathgesäuge
sind nur 30 a 118 Kol rinnah entnommen und 61 vollständig
neu hinzucomponirt, und diese 30 aus Kol rinnah übernommenen
Nummern umfassen zumeist nur Nesponsorieu und Chafanolh-
Motive, welch' letztere selbstverständlich nicht umwandlungsfähig
sind, sondern möglichst in der Originalfassung wiedergegeben
werden müssen; nur ein geringer Bruchthcil von Chorfätzen mußte
Eingang finden, weil dieselben, wie der Eomponist in der Vor-
rede zu Todah wesimrah auch andeulet, bereits in vielen
Gemeinden gesungen und Gemeingut derselben geworden wären.
Bei Lewandvwski, wie bei jedem andern synazogalen Com-
poniften, müssen die Musikschöpfungen naturgemäß in drei Ab-
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tbeilungen gruppirt werden 1. das Cantorrecitative ( חזנות )»
2. die Chorresponsorien und 3. die Auffübrungsnummern-
Ueber Cantorrecitative im Allgemeinen und über die Lewa«-»
J dowski'sche Behandlung derselben insbesondere haben wir bereits
I unsere Anschauungen erschöpfend kundgegebsn. Dieselben können
die weitgehendste Mannigfaltigkeit erfahren nnd dennoch dem
' Laienohre gleichartig klingen, wenn sie nur auf der Basis eines
strenggefügten Systems aufgebaut erscheinen; Chorresponsorie«
jedoch müssen unangetastet beibehalten werden; die verschieden-
artige Aufstellung und Wiedergabe derselben muß jederzeit eine
Schädigung des liturgischen Gesanges im Gefolge haben. Diese
Gleichartigkeit derselben unter allen Verhältnißen ist das Eo-
lumbusei für die strengeinheitliche Form des katholischen Gottes-
dienstes, und die einer besseren Sache würdige Zähigkeit in der
Aufstellung vieler, von einander abweichender, synagogalsr Chor»
rssponsorien trägt redlich Autheil an jenen Schäden des modernen
jüdischen Gottesdienstes, denen man jetzt beinahe machtlos gegen-
übersteht. Die Aufnahme der in Kol rinnah befindlichen Chor-
responsorien in das neue Werk Todah wesimrah kann dennoch
keineswegs als eine Schwäche des Werkes Todah wesimrah
aufzefastzt sondern muß vielmehr als eine nach jeder Richtung
hochbedeutende Thatsache dankbar begrüßt werden.
Was die Ausführungsnumern betrifft, finden wir in Todah
wesimrah einen solchen Schatz der m a n n i g f a l t i g ft e n Be-
arbeitungen gleicher Gebetsstellen, wie dieselben in keinem
anderen Werke gleicher Gattung anzntreffen find. Das Werk
weist zehn vollständig durchgearbeitete לכה דודי mit den
abwechslungsreichsten, thematischen Vorwänden und in den
mannigfachsten Formen auf; Nr. 13, לבה הודי in D-Dur Drei-
vierteltacr, ist bezüglich der Aufführung wohl der leichteste, an
Kkangfchönherten jedoch nicht minder reich als die andern; für
größere entsprechend geichulte Eynagogenchöre bietet die reich-
figurirte und bei wehoju limschiso mir einer packenden Fnghette
ausgestattete Nr. 11, Lecho dodi in O-Dur Viervierteltact. eine
ungemein dankbare musikalische Gabe. Gleiches kann auch von
Nr. 15, Lecho dodi in As-Dur Dreivierteltact, registrirt werden,
nur muß der aufführende Chor über brillante Baste verfügen,
indem die Baßstimme dieser Piece mit besonderer Vorliebe be»