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bandelt erit^ciuf, jumcift. auch als boniinircnbc Stimme an stritt.
Die in drel'-r Nummer durch allzureiche Fioriruren verzierte
miisikati'che Iitnüraiion de» weibeoolicn und selbst von Lewan-
doweki sonst ruhrg bebandellen Sabbaihgrnhes Boi challoh muh
entjchledkn nie eine pe ׳ !örillche Zrncksichtnahrne für cliren leicht-
ft bitten Eanior antge fasst werden, sonst wäre dieses exorbitante
Vorkoiumuis rlnerktä! Irch. Eine interessante. Abweichung von der
notrchen Art, die Melodie des jeweiligen Beclio dodi-Nesrarns
nach einer Melodre singen zu lassen, bietet Lewandowski
durch das Änssplunen des Muslkgedaukeirö auch ans den B 66 Ü 0
dodi-Text, wvdnrm das U.iprnn.,ß 1 u 0 tiv der Beclio dodi-Drelodie
znlüct..edräugt euch-.in:; der Grund snr dieses Vorkommnis
dürste in der U pprgkeil des Melodreuflusses, welche einen räumlich
größeren Lex: ic.iuipuiü», zu suchen sein; unS erscheint diese
iuteltssanie Pointe weniger gerechisertigt, als die althergebrachte
Marder, den gl. !.Den Text anch mit einer gleichen Melodie zu
illnürrreu. Beesto dodi ist bBannilich ein Slrophenticd mit
einem wrederledrenden 9r-. ׳ srain, und snr diesen letztcrn sollte,
unseres EraLtens, die gleiche Nielodie mit denr gleichen Texte
übereu.strmuierr. Niü tsdestoweniger liefen Lewandowski selbst
mrt iricJer Äbnormitäl einen stbätzenswenhen Beitrag für die
Ardeirs- und Dtrikerwcilerririg auf lynagogalgcsanglrchem Gebiete.
Als werterer Beleg bicirrr muß anch der Umstand angeführt
werden, dat» der Änior nicht allein einen Becho dodi in F-Moll
Drervierterlacl für die drei Worben und einen Beclio dodi tu
G ־ Dur Dreiviertettacl für Cie Sefirah, zwei überaus gelungene
Ärveiren, sondern logar ernerr Beclio dodi irr G-Dur Viervierte'-
tact für den Mona! Eliul gelreser t bat; die in der letzterwähnten
Nummer verarbeircten Neoiive von 2'' und N°N sollen gleichsam
als Prolog für die kommenden, ernsten Tage gelten und durch
ihre charakierisliiche Tonsarbcu das Herz der Zuhörer vor-
bereiten.
Demselben Zdeengnng begegnen wir auch bei den von
Lewandowski in sicbensacher Alt bearbeiteten יהדשהל . Archer
dem der Originalmelodie nachgearbeitetcn, in De8-Dur Sechs-
achteltact, liefe 11 der Componist anch einen in G-Dur Bicrvierlel-
tact vollständig frei behandelten. Die hierans solgender! fünf
rvkitcren ck 6 elrad 86116 I 1 u erweiien sich, wie bereits erwähnt, als
vollständige Gelegenhettscomposiiionen. die vielleicht hie nrrd da
angefochten, in nrerilorischer Beziehung jedoch entschieden hoch-
gebalten werden müssen; der eins, Nr. 67 6-Dur Vierviertel-
tact, ist für den Nenmorid'abbath vor den GlranukBab-Tagen.
der andere, Nr. 68 D-Dur Biervierteliact. für die Neumonds-
Verkündigung vor Pessach, der dritte, Nr. 69 in G-Dur Bier-
vierteltact, für den gleichen Zwtck vor Scliewuoth, der vierte,
Nr. 70 in G-ÄI0I1 Dreivrertelract, für den Neumond Aw und
der hfcle, N:. 71 in C-Dur Viervierkeltact, als Nenmondsver-
küudigung für den Monat FlluI bcstirnmt; in sämmtlichcn
Piecen erscheinen die eniiprechendcn traditionellen Melodien
ltesftich verwendet und werden ihre charakteristrschc Wirkung
gewiss nicht verseblcn.
Mögen nun die Anschanurrgen bezüglich der Nothwerrdigkeit
dieser und ähnlicher Arbeiien noch io sehr von einander ab-
weichen, den didaclischeu Werlb der ans denselben sich ergebenden
Gesichtspunkte dürste wobl Niemand anzweis.lrr. Lewandowski
muß als der allererste Kämpe in die vordersten Nerbeu all'
jener Streiter für das von den Vätern ererbte GesarrgSmaterial
hingestellt werden, der mit künstlerischem Z.ntsinn und väterlicher
Fürsorge Umschau hält au: dem weiterr Plane des jüdischen
Tradilionkgesanges, der jede Torrblüthe ans ihren Knnstwerth prüft
und es niemals verabsäumt, dieselbe in den Nahmen ies
modernen Synagogengesauges hineinzusügen. Haben es Ändere
a.us dem Gewissen, gleich gesanglichen Baals-Priestern, unsere
Heiligtbümer hintangesetzt und fremde Klänge dem jüdischen
Gottesdienste einverleibt zu haben, und verhall! anch der
von dieser Stelle zu wiederholten Malen versuchte Notbschrei
für die Rückkehr zum Alten angesichts der Wissens- und Theil-
nahurslosigkeit wirkungslos in den Lüsten: die Geschichte bleibt
sich unter allen Umständen getreu; sie wird und must einstens
zu Gerichte sitzen rrnd den Frevler abunheilen, wie sie dem
Gerechten den Lorbeer der Anerkennung gewiss nicht vorerrt-
halten wird. — Als ein solcher Gerechter erscheint nun Lewandowski
ans dem Gebiete des SynagogengesangeS. Nicht etwa, weil
ihn! die Glücksgüter des uroderncir kirchlichen SynagogcrUanges
unerreichbar dünken, wendet er sich von demselben ab; Lewan-
dowski, ein Fürst irn Reiche der Töne, hätte cs wahrlich vermocht,
solche Glücksgüter mit vollen Händen zu spenden, und er spendet
sic auch dort, wo die Gabe gcrechtscrtigt erscheint, sondern seine
ideale und gesättigte Küustlergesiuining zeichnet ihm mit eherrrem
Griffel die Gemarkung vor, wo der eine Styl rrrrmöglich, der
andere jedoch nothwendig wird. Wenn Lewandowski z. B. das
Cantorrecitativ בלכת שבע Nr. 80 für den Sabbath-2Iu88at' mit
Orgelbegleilring, also in absolut irroderner Fassung componirte,
so sind es weder die aus Honigseim und Monderrschein deuten-
den, für die Synagoge geradezu trivialen Opernmelodien, noch
die dem so sehr beliebten Kirchenstyle entnommenen Kirchentönc,
welche seinem geistigerr Auge vorschweberr, sondcrrr der argbe-
drängte, bescheidene Sang der Väter erfüllt sein Herz, und
gleich heihen Blutstropfen qtitllm die ehrwürdigen Töne aus
diesem Herzen hervor, verwandeln sich in synagogale Notcnköpse,
welche niemals die Vasallen des sie begleitenden Instrumentes
sein wollen, vielmehr dasselbe zur Unterwürfigkeit unter ihren
souveränen Willen zwingen; man ftuöirc drcse Piece, man
beachte die Dcclamalion und die bescheidene, geradezu unter-
wtnfige Qrgelbegleitnug, und man muh alsbald znm Bewusstsein
gelangen, was synagogal-geiaitgliche Poesie bedeutet.
Solchen poetischen Schönheiten begegnet man überall in
dem Werke Todali wesimrah, wo nur ein Anknüpfungspunkt an
das Traditionelle vorhanden, sogar das Neumondlicd mit deutschem
Texte .Es wird nicht untetgehen rc.' Nr. 63, ist durchweht von
dem Geiste der B08el1-11aelr0de8elr-Bentschen-Melodie. Diese
von Lewandowski verzerchnete Thailache wird ganz entschieden
ein mächtiger Weckruf sein für alle Zene, welche die Wieder-
gebnrt des SynagogengeiangeS entweder irr dem Opern- oder
Kirchenstyle suchen, und wird gewiss ihre heilige Mission dadurch
erfüllen, dass die erschütternde Wirkung solcher in der Tradition
wurzelnder Synagogengcsänge im Gegensätze zu dem sonst
üblichen Style endlich und endgilrig den Weg vorzeichncn wird,
wie mau für die Synagoge schreiben soll. Möge man uns der
Schwärmerei bezichttgen, wir sind stolz daraus, dass unsere Ge-
siunung und Anschauung, wie nicht minder die mannigfachsten
Studien uns ans eine Bahn gelenkt, welche über Nah und Kurz
als die allein richtige anerkannt werden muh, es ist der Fort-
schritt ans dem Gebiete des Allen. (Forts, folgt).
Aus -er Praxis.
Von W. Mntner,
Ccintor und Lehrer, Lunzlcin (Schlesien).
I.
Es liegt mir fern, meine Ansichten als die allein richtigen
biiizustetlen; ober das kann ich sagen, dass daS, was ich schrei-
den will, sich aus langjährige Erfahrung und Beobachtung grün-
det. Gesang und Orgel spiel haben sich im Gebiete unseres ...