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O en tr Or g-azx
■* Prämuncralions-Preis.
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Kür Kantoren «nd Kuttusveanrle
in Hesterreich-Angarn
Ganzjährig.fl. 4.—
Halbjährig . .... fl. 2.—
Kür Kantoren und ßnttusöeamle
im Ausland
Ganzjährig.8 Mark
oder 4 Rubel.
Kür private und Inflitute
Ganzjährig ..... st. 6.—
Ar die IntereAsen der Ermlorm
mul HrljusLeNmten.
E^scheint jeden zehnten Tag.
Begründer: Obercantor äks.vvl» 8 Lirsr»
Wedaclian
Idminikralion
Wien
I I. Novaragasse Nr. 21 .
Infer « te
werden billigst berechnet.
Mauuscripts w-rden nicht
rerournirt.
ASonnements- uni» Insertion»-
Seträge fi»0 in Mi«,» jahkSar.
Nr. 1.
Wien, 1. Jänner 189V.
1V. Zähmung.
Einladung ;ur PrÄnumrration
auf die
״Gesterreich.-Ungar. Lantoren - Zeitung."
N)ir ersuchen unsere geehrten Lesern um rechtzeitige
E r ne u e r u n g ihres Wonne.ments . chr den ersten. Tagen d:s
Ntonates Jänner, und machen sie darauf aufmerksam, dass
ganzjährig- halbjährig und vierteljährig —
Cin Gulden pfO CUtartal — abonnirt werden kann.
Gleichzeitig bitten wir um freundliche Zuführung neuer
Abonnenten aus (Lollegen- und Bekanntenkreisen, zu welchem
Zwecke wir gern H-robeMlMrnern zur Verfügung stellen.
Die NdministraLion
der ״Vesterr.-ungar. Lantoren-Zeitung."
Wien, am 1. Jänner 1890.
Zn allen Lebenssphären ist cs eine psychologisch tiefbe-
gründete Gepflogeubcit, am Abschlüsse eines Jahres aus die
bedeutsamen Vorfälle und Ereigniße, die sich in diesem Zeitab-
schnitte abgespielt haben, einenRückblick zu werfen, um anS den
gesammelten Erfahrungen und den angestellten Beobachtungen
einen sicheren Wegweiser für die fernere Thätigkeit zu gewinnen.
Wenn wir nun von diesem Gesichikpunkle aus in dem uns
gegebenen Wirkungskreise Umschau Hallen und die verschiedenen,
im abgelaufenen Jahre in der ״österr.-ungar. Canloren-Zeitung"
angeregten Berussfragen Revue pasfiren lassen, so ist keine so
sehr geeignet, unser Interesse in solch' hohem Grade zu fesseln,
als jene Frage, die die letzten Nummern dieses Blattes vollauf
in Anspruch nahm; und darum wollen wir derselben auch in
der ersten Nummer des neuen Jahrganges unsere Äusmcrk-
s amkeil widmen.
In diesem Beginnen werden wir noch durch den Umstand
bestärkt, dass trotz der zahlreichen Enuncialioneu. die wir bereits in
dieser Angelegenheit veröffentlicht haben, neuerdings Stimmen laut
werden, welche zum Theile die ausgesprochenen Ansichten bestätigen,
zum Theile aber auch neue Gesichtspunkte eröffnen. Unter den
Zuschriften, welche urs in den letzten Tagen zukamen, ist die des
Herrn Neligionsprosessors Gerson Wolf in Wien besonders
bemerkenswert. Dieselbe lautet:
,.Geehrter Herr Redaetenr! Forscht man nach den
ן Ursachen, die den AnlisemiliSmnS in's Leben riesen und ihn zu
Jadr n kommen ließen, so sindet man, dass die Hanptursache der
! Eoncnrrenzneid ist. Der Greißler, der Schuster, der Arzt, der
! Advocat, der Professor u. s. w. fürchtet die Coucnrrenz der Inden,
und da man das nicht gerade heraussagen will, so bat man Systeme
erfunden, die den Hintergedanken ein Mäntelchen nmbängen sollen.
Der Doctor Angelicns, der heilige Augustin sagte: ״ Es
ist der Triumph der Tugend über das Laster, dass selbst daS
Laster den Schein der Tugend annimmt." Was toll man aber
, dazu sagen, wenn wir Juden unter uns exclusiv werden? Vor
einiger Zeil hat ein jndiiches Journal in Deutschland befürwortet,
dais man in Deutschland keine Rabbiner und Prediger anS
Oesterreich berufe. Wie natürlich, blieb man die Antwort nicht
schuldig. Nun bcsürwortit die ״ Cantoren-Zeitung", dass man in
j Oesterreich keine Cantoren ans Rußland berufe. Wohin soll ein
j solcher Vorgang führen? Ich zweifle nicht daran, dass dieser
! Vorschlag im Interesse der Sache gemacht wurde, aber dass er
j einen bässlichen Beigeschmack hat, wird sich nicht bestreiten lassen.
ן Ich würde auch geschwiegen haben; aber da der Gedanke
austaucht בערכאות שלהם zu gehen, die Sache bei Len Behörden
anhängig zu machen, so möchte ich mir erlaube», auf daS
Entschiedenste davon abzuraten, denn erreichen wird man, wie
ich glaube, nichts, wohl aber wird man 2V ,'1 תלול machen/ ׳
Vor Allem müssen wir dem geehrten Einsender für das
Interesse danken, .das er durch diese Zuschrift der Sache der
Cantoren bezeugt. Es kann immerhin als ein Erfolg bezeichnek
weiden, dass die in diesen Blättern laut gewordenen Bedenken
auch in weitere Kreise dringen, die unserem Stande nicht ange»
Hören. Zudem ist Herr Professor Wolf eine weil über seinen
Wirkungskreis hinaus bekannte Persönlichkeit, ein hervorragender
Gelehrter, ein vorzüglicher Kenner der jüdischen Geschichte, und
namentlich, wie selten Jemand, bewandert in der Geschichte der Ent-
Wicklung des Jndenthums in Oesterreich, llm so mehr ist es aber zu
bedauern, dass von solcher Seite die angeregte Frage falsch
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