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Kr. W
TÜFDISCHE RUNDSCHAU
Seite !Ö3
Die Wabablteo lo Transjordanlca
Jerusalem. (J.T.A.) Der Qcsandte des Sultan-
„icliMi Najd In Damaskus, gab am 25. Februar
£j. in nt, daß 10 000 Wahabiten, die Ibn Saud, den
ytan von Najd, gegen die Haschimiten unterstützen,
' (tf dem Kommando des. Emire Abdel Aziz, die
g fC n2cnach Trans jordanlcn übe räch ritten
h ,bcn, und sich auf dem Marsche nach Amman,
L, Re gcntrnsltz des Emirs A b d tt 11 n h, befinden.
Während der Kampfe an der Grenze wurden tau-
{fl d Anhänger Abdullahs getötetoderver»
t . p ndct; die gesamte Grenzbevölkerung be¬
iladet sich auf der Flucht nach dem Innen-
| Jlt d. Wie der Gesandte von Najd in Damaskus weiter
plllcll», Ist es das Ziel der In Transjordanien einge¬
drungenen Wahabiten, den Emir Abdullah aus
ie m Lande zti vertreiben.
Die Wahabiten waren schon einige Male in Trans-
wdanlcn eingedrungen, das bekanntlich In dem bri-
tischen Mandat für Palästina eingeschlossen tet Im
jugust vorigen Jahres hatten die Wahabiten die Haupt-
jiadt Transjordaniens, Amman, eingenommen. Im Inter¬
ne der Sicherheit Palästinas entsandte damals die Pa-
Ilstlna-Rcgierung ein Korps britischer Gendarmerie nach
Tfonsjordanlcn; es gelang ohne große Opfer, die Waha-
jücn aus dem Lande hinauszudrängen.
Emir Abdullah Ist der zweite Sohn Husseins.
rj,n Saud hat gelobt, nicht zu ruhen, bis er alle Olicdcr
der Haschlmitcn-Dynastie von ihren Thronen verjagt
mBen wrref.
Sir Alfred Moads Abschied von pjilstioa
Jerusalem. (J<T. A.) Sir Alfred Mond trat am 24.Fe-
truir die Rückreise von Palästina nach England an. Am Tage
x incr Abreise rlchtelc er eine Botschaft an die amerikanische
bdcnhelt Im Zusammenhang mit der dort gegenwärtig vor
,<h sehenden Kcren Hajessod-Kampagne. In dem Schreiben
Sir Alfred Monds heißt es u. a.:
Nach eingehender Prüfung der Läse In Palästina
freue ich mich, sagen zu können, daß der in den letzten vier
[ihren erzielte Fortschritt ein überraschender ist.
Der Wiederaufbau Erez Israels Ist gesichert, wenn nur das
Bf Fortsetzung der Aufbauarbeit notwendige Qcld geschafft
litd. Jeder Dollar, der jetzt geleistet wird, bringt mehr
Salrcn, als es zehn Dollar nach zehn Jahren bringen werden.
Jt höher der Autbaufonds, desto besser die Ergebnisse. Wenn
rc Geldspenden I» ups am einfließen werden, so wird das
kt Entwicklung des Landes sehr schaden, die Untcrnchnnin-
»•tu müssen vor der Gefahr des plötzlichen Kapitalmangel»
ittchützt werden. Die schon jetzt in Palastina lebenden amcrl-
bischen Juden fühlen sich sehr glücklich und hoffen, daß
»eitere amerikanische Juden hierher kommen werden, um am
Aufbau des Landes mitzuarbeiten. Soviel Menschen als möglich
»Oten das Land besuchen, denn in jedem, der Erez
hnel sieht, erwacht der Wunsch, zu helfen. In Palästina muß
i".m durch die jüdischen Gründungen geschaffen werden, die
Refjicruntr ist nicht imstande, Irgendwelche Unterstützung zu
Kslen. wenn die neuen Siedlungen subventioniert werden,
» werden sie sehr bald eine Stufe der Produktivität erreichen.
Auf allen.Gebieten ist in Palästina eine zunehmende Tätigkeit
n merken, in erster Reihe sind größere Kreditgewährungen
ßr Häuserbau, Industrie-Gründungen und Landentwicklung
wlwendlg.
Die Kadoorle-SUdl
Jerusalem. (J.T.A.) Mr. E. S. KadOorle ist be-
rrits In Palästina eingetroffen. Er erwartet hier seinen Neffen,
Mr. Menascc Abraham Ourgi, der mit ihm- zusammen die
Vorbereitungen für den Bau der Kadoorle-S tadt in
Nähe von Afuleh treffen soll. Mr, Qurgl ist einer der
lälirciKlen Zlonlstcn In Bagdad.
Dr. Ariel B c n z I o n, der Vertreter des Keren Hajcssod
Nahen Osten, ist in Jerusalem eingetroffen. Sein Besuch
«tht mit der Legung des Grundsteins zur Kadoorie-Sledlung
ta Zusammenhang.
Bevor Herr Kadoorlc Konstantlnopel verließ, um
tich nacli Palistina zu begebet, überreichte er der jüdischen
Gemeinde eine große Geldsumme für die verschiedenen Anstah
^ Er spendete 15.000 Pfund für den Bau einer jüdischen
Stkule zu Balat, dem Irmsten Viertel Konstantinopels; 10.000
'«"Hl für den Ankauf eines Grundstückes zwecks Aufbaues
««» Kadoorle-Pavillons des Krankenhauses; 2.000 Pfund
das jüdische Waisenhaus; 2.000 Pfund für den Hilfs-
to8 <» der Bnel Brith; ferner namhafte Summen für andere
•oMllilge Zwecke.
fresse «Tee des Keren Haiessed la Berlin
. I ür den 26. Februar, 4»/i Uhr nachmittags, hatte das Prä-
7™* des Keren Hajessod für Deutschland die Vertreter der
dun l ihjcäöou tur ucuiauiiauu uic ytiunti un
vl.i-r en Presse zu einem Prcssc-Tce, verbunden mit der
'Führung de« neuesten Paläsliua-Films, In das Hotel Adlon
3' «den. Die namhaftesten Vertreter der deutschen Jcrur.
*lk leisteten der Einladung Folge. Der Relchsaußen-
wister Stresemann, der sein Erscheinen angekündigt
/''• mußte im letzten Augenblick wegen der Erkrankung
" Reichspräsidenten seinen Besuch absagen. Vom Aus-
/'tlgen Amt waren u. a. erschienen: Staatssekretär
ü'.ii c i!thofen, der designierte Generalkonsul für Pa.
C»»> Och. Lcgatlonsrat Dr. Nord. Legationsrat Prof. Dr.
t^ernheim, Konsul Dr. Kall seh, Gch.-Rat Dr.
J 8li Konsul Litten, Konsul Zicmke, Herr v. Basse.
it\ et A,lc E roßcn Zeitungen und viele Provinzblätter haben
" tlniadung Folge geleistet, manche Blatter waren durch
n ^ f e prominente Rcdaktionsmitglicder vertreten,
ftt. i ""»tkonsul Landau, Vizepräsident des Keren Ha.
*«. . ,0r Deutschland, hieß die Erschienenen willkommen,
Ä f die Vorführung des Films begann. Der Film zeigte
, 0 '"Bilder aus dem alten Palästina, dann eine reiche Folge
tjh !; <Jern aus dem Aufbauwerk des heutigen Palästina. Man
itl en Chaluz von seinem Eintreffen im Lande an bis zu
Tätigkeit als Glied des arbeitenden Palästina. Man sah
jlf fb clt in den modernen Industriellen Anlagen, sowie in den
f|.," tn Apfelsinen- und Tabakplantagen. Auch Bilder vom
Anü cbcn « vt "" Haifacr Technikum und den Rudenberg-
!tur tn rollten vorüber. Der auch In technischer Beziehung
l Un t Cene Film fand das lebhafte Interesse und den Beifall
"Anwesenden.
tkiL n eln « Pause hielt der Präsident der Zionistischen Ver.
Ä n e für Deutschland, Kuit Blumenfeld, eJnt An-
/A ,c he an die Oiste, in der er Erläuterungen zu dem Film
W?Ä d| f neueate Entwicklung in Palästina schilderte. Zum
m,t b «»ntwortete Herr Blumenfeld mehrere yon den Jour-
^" Cl » »n ihn gestellte Fragen.
ci ö cEä ^.U.
Der neue Wohobi-Fcldzufj — Erschwerung der Palästinafohrten — Der Dodenvcrlcauf
der Agudas Jfisroel — Choluzkonfercnz in Berlin — Anrwort nach Amerika
RW. Berlin, 1. März.
Den letzten Nachrichten zufolge Ist der Kampf In
Arabien, der einige Zelt geruht halte, wieder nini-
gebrochen. Ucbcr die Eigenart dieses Kampfes und die
nach der Einnahme von Mekka entstandene Situation
Informierte vorzüglich eine Artikelserie, die der bekannte
Arabien-Forscher J. St, Phllby, der frühere Ratgeber
des Emir Abdullah In Transjordnnlcii, der wegen «hier
Meinungsverschiedenheiten über die englische Regle-
rungspolltlk in Trnnsjordanlcn seinen Posten verließ,
vor einigen Tagen im Londoner „Daily Telegraph" ver¬
öffentlicht hat. Phllby hat Ende des vorigen Jahres
eine Reise In das Krlegsgcblct unternommen und schil¬
dert jetzt die Lage der beiden Parteien. Man .bekommt
daraus einen Eindruck vor allem von den Minlatur-
Dlmcnsloncn dieses ganzen Krieges, sowie der beteiligten
Staaten. Die Stadt Djcddah, die von den Wahabls be-
lagert wurde, zählte einschließlich aller Flüchtlinge und
des Heeres nur zirka 30000 Menschen. Die Wahabis
In Mekka waren vom Meer abgeschnitten und bald stellte
sich Mangel an gewissen lebenswichtigen Gütern ein,
was natürlich zu Wucher und Unzufriedenheit des Volkes
Anlaß gab. Die Frlcdcnsbcdingungcn der Wahabis, die
vor allem Abdankung König Alls forderten, konnten von
All nicht akzeptiert werden; bald erlangte die Kriegs-
partcl wieder die Oberhand und eine Tat militärischer
Prestige-Sucht von Alis General entfesselte neuerlich
den Kampf. Anfang Februar wurde das Bombardement
von Djcddah gemeldet, als Philby bereits wieder In
London war. Es Ist schwer, sich In der Fülle der
widersprechenden Nachrichten auszukennen, so daß Hr
bis heute nicht wissen, ob Djcddah gefallen Ist oacr
nicht Allem Anschein nach aber hatten sich dort Alis
Truppen und die Wahabis haben es vorgezogen, ihren
Angriff zunächst In einer anderen Richtung zu ent¬
falten." Sie sind in Transjordnnlcn eingedrungen und be¬
drohen die Herrschaft des Emirs Abdullah. Ibn Saud
hat dem ganzen Hause der Haschimiten Vernichtung
geschworen, und er scheint planmäßig vorzugehen. Es
Ist noch nicht bekannt, was die englische Regierung zu
tun gedenkt. Vielleicht wird sie Abdullah ebenso preis¬
geben, wie sie Hussein preisgegeben hat, obwohl die
NichtVerteidigung eines Mandatsgebietes gegen eindrin¬
gende äußere Feinde ein gefährliches Präjudiz wäre.
Aber auch von einer anderen Seite scheint man die hoch-
fliegenden Pläne Ibn Sauds mit Mißtrauen zu betrachten.
Schon vor einiger Zeit würde gemeldet, daß Mustapha
Kcmal Pascha dem Sultan der Wahabis hat bedeuten
lassen, er rate ihm, seine Eroberungen einschließlich
Mekkas aufzugeben und in 6ein Hochgebirge zurückzu¬
kehren. Es ist verständlich, daß die junge Türkei, die
bisher während der Zelt Ihrer eigenen Inneren Konsoli¬
dierung 6lch an den Vorgängen In den ehemals türki¬
schen Gebieten völlig dcslntercsslcrt erklärt hat, den
Grofimaclitpläncn Ihn Sauds nicht gleichgültig gegenüber¬
stehen kann. Der Plan der Schaffung eines großen arabi¬
schen Reiches unter Ausschaltung der Haschimiten würde
bedeuten, daß Ihn Saud nach Beseitigung des Haschi¬
miten Fclsul in Bagdad bis an die Grenze des türkischen
Reiches vordringt. Ibn Saud hat die Absicht, eine all-
muslimische Versammlung einzuberufen, um die Frage
der Heiligen Statten zu lösen. Vielleicht spielt auch die
Kallfatsfragc In seinen Erwägungen eine Rolle. Es
scheint aber, daß sein Kampf aufgehört hat, ein religiöser
Sektenkrieg zu sein. Jedenfalls sind die Vorgänge, die
sich heute In unmittelbarer Nähe Palästinas nb«plclcn,
einer aufmerksamen Betrachtung wert Die Verschie¬
bung der Machtverhältnisse Innerhalb der benachbarten
Islamischen Staaten, mit denen Palästina In enger Ge¬
meinschaft zu leben gezwungen ist, kann auch uns
nicht gleichgültig seht.
Die Handhabung der Immlgratlonsgcsetze
bei Regelung des Touristenverkehrs nach Palästina In
dieser Saison (s. den Polnischen Brief In der vorigen
Nummer der „J. R.") ist ein schönes Beispiel dafür, wie
sehr Bürokratismus Selbstzweck werden kann und wie dann
vor dem Idol bürokratischer Exaktheit der ursprüng¬
liche Sinn der Satzung völlig zurücktritt. Die Immlgra-
tionsbestimmungen haben den Zweck, Palästina vor
Immigranten 2U schützen, die dort keine BcschMÜgung
finden können und daher dem Lande zur Last fallen.
Als soldrc haben diese Bestimmungen zweifellos eine
gewisse Berechtigung und wir haben uns Immer gegen
die sozusagen abstrakte Demagoge jener Zlonlstcu ge¬
wendet, die durch einen Regen von Protest-Resolutionen
etwas an der Realität der Tatsachen ändern zu können
glauben. Die Iinmlgratlonsbcstlnunungcn können mir
den einen Zweck haben, sowohl das Land als auch die
Immigranten selbst vor den Folgen einer unüberlegten
Handlungsweise zu schützen. Leider aber ist es so, daß
bei der praktischen Durchführung solcher Maßnahmen
bald Sinn und Zweck in den Hintergrund gerät und man
sich nur an den Buchstaben hält Vor dem Tribunal des
toten Ocsctzesbuchstaben haben sich diejenigen vergan¬
gen, die als Touristen ins Land fuhren und später, als
sie dort eine geeignete Beschäftigung ausfindig machten,
t>ci der sie Ihr. Auskommen finden konnten, Im Lande
verblieben. Aber faktisch haben doch diese Menschen
nichts getan, wa6 dem Lande schadet, sondern Im Oo
gcntcll, sie haben eine Lücke Im wirtschaftlichen Orga¬
nismus, die sie entdeckt hatten, ausgefüllt Es Ist nicht
leicht, zu sehen, wie es denn eigentlich anders 6cln
K)ll. Man knnii doch keinem Menschen zumuten, dnß
er sich unbedingt schon hier festlegt, und über seine
etwaige Tätigkeit in Palästina Entscheidungen trifft, ohne
an Ort und Stelle gewesen zu sein. Es hat für Ihn keinen
Sinn, eine Elnwandcrungscrlniibnls nachzusuchen, er muß
zuerst das Land kennen lernen. Was Ist da nattlrllclier,
als daß er als Tourist fährt und — vielleicht ganz unvor¬
hergesehen — sich dann im Lande entscheidet, dort zu
bleiben. Es mag sein, daß irgendwelche krassen Unregel¬
mäßigkeiten, die wir nicht kennen, das englische Kon¬
sulat in Warschau zu seinen rigorosen Maßnahmen ver¬
anlaßt hat. Es mag sein, daß die Ocsamthcit der pol¬
nischen Juden zu leiden hat unter den Folgen der Hand¬
lungsweise Einzelner. Dennoch .wäre diese Art und
Welse der Handhabung der Einwanderungsvorschriften
von einem Itöhcrcn Gesichtspunkt aus nicht zu billigen.
Die Touristik wird nach und .nach ein wichtiger In¬
dustriezweig in Palästina, sie bringt nicht nur Oeld ins
Land, sondern sie ist auch die beste Propaganda für das
Land. Angesichts dieser Tatsachen müßten die verant¬
wortlichen Behörden die Touristik mit allen Mitteln
'fördern, sie selbst anregen, alle Erleichterungen suchen,
statt dessen sehen wir zum Erstaunen ein System bürokra¬
tischer Schikane, das wahrscheinlich viele Leute ver¬
anlassen wird, ihre Reiscpläue aufzugeben. Es wäre
o. E. dringend notwendig, daß die zionistische Exeku¬
tive die Aufmerksamkeit der Palästina-Regierung auf
diese Dinge lenkt, und um eine Aufklärung bittet Die
Palästina-Regierung müßte verstehen, daß man einer
Erscheinung wie der Touristik nach Palästina nicht mit
„Sanktionen" gcgenübcrtrclcn kann, sondern einzig und
allein mit dem Wunsche, das Wohl des Landes zu fördern.
Die letzte Nummer der Blätter der Agudas Jis-
rocl (l)cllngc zum „Israelit") in Frankfurt a. AV, bringt
an leitender Stelle eine Aufforderung der Palästina-
Zentrale zum Kauf von Palästina-Boden, den die Agudas
Jlsrocl im Emck Jcsrccl gekauft hat. Sic hat -1000 und
später 17 001) Du natu erworben, die „nach dem Urteil
der Sachverständigen außerordentlich günstig" sein
sollen. Die Palästina-Zentrale der Agudas Jisrocl bietet
diesen Boden öffentlich zum Verkauf an und zwar für
22 £ pro Dunam. Der Leser dieser Ankündigung traut
seinen Augen nicht und meint, es müsse sich um einen
Druckfehler handeln, wenn nicht die Addition der als
Teilzahlungen angegebenen Beträge dieselbe Summe er¬
gäbe. Dies Ist eine Tatsache, an der die Oellcntlich-
kelt nicht vorübergehen kann. Nach unserer 6chr genauen
Kenntnis kostet der Boden Im Emck Im Einkauf durch¬
schnittlich 3—4 £. Es handelt sielt ausschließlich um
landwirtschaftlichen Boden, zum Teil sogar von mittlerer
Qualität, manche Käufe wurden von den Gesellschaften
der Zionistischen Organisation nicht abgeschlossen, well
für den betreffenden Boden selbst ein Preis von H'a bis
2 £ zu hoch schien. Es Ist ein völliges Rätsel, wie die
Agudah dazu kommt, diesen Boden zu 22 £ den ahnungs¬
losen Käufern anzubieten. Es gibt dafür nur zwei über¬
haupt mögliche Antworten. Entweder die Agudas Jisrocl
treibt einen unglaublichen Bodenwucher und verdient
etwa 500 n /o an den Böden — vielleicht will sie auf diese
Welse Ihre Parteiorganisation finanzieren —; oder aber
die Agudas Jisrocl ist selbst ein Opfer ihrer eigenen
völligen Uncrfahrcnltclt und Ahnungsloslgkcit, und hat
tatsächlich einen Preis bezahlt, der dem von Ihr gefor¬
derten nahekommt. Ist das letztere der Fall, dann kann
auch njeht genug protestiert werden im Interesse der
Allgemeinheit gegen ein solches Vorgehen beim Boden-
kauf, das die Preise zu einer uiicruchwingllchen Höhe
hinauftreiben muß und geeignet ist, dem jüdischen Volke
das Kommen nach Palästina völlig unmöglich zu machen.
Wir wissen nicht, ob die neuen Ratgeber der Agudas
Jisrocl, die in der neuen Zeitschrift der Palästina-Zentrale,
auf die wir noch zurückkommen werden, Dutzende von
Selten mit der Kritik der zionistischen Aufbauarbeit
vollschreiben, auch für diese famose Bodenpolitik der
Agudas Jisrocl verantwortlich sind. Jedenfalls muß un¬
bedingt gefordert werden, daß die Agudah sofort hin-
reichende Aufklärungen gibt.
Noch eine Bemerkung kann nicht unterdrückt wer¬
den. Die Konferenz der ngudlstlsclicn Palästina-Zentrale
In Frankfurt a. M. konnte sich gar nicht genug tun In
der Versicherung, daß die Agudah In echt kaufmänni¬
schem Oclst die Palästina-Arbeit führen werde. In
Ihrem Prospekt wurde auch betont, daß die Ansicdlungs-
kosten sich bei der Agudah viel niedriger stellen werden,
und daß für 100—400 £ eine landwirtschaftliche Existenz
für eine fünfköpfige Familie geschaffen werden könne.
Wir erlauben uns die Frage: wie stellen sich die Fach¬
männer der Agudah diese billige Kolonisation vor bei
einem Bodenpreis von 22 £? Wir sagten schon, daß wir
jede Tätigkeit in Palästina begrüßen und uns auch über
den neuen Kurs der Agudah freuen. Es gibt aber auch
eine Tätigkeit, die dem Lande mehr schadet als nützt
Es muß darüber gewacht werden, daß eine solche Tätig*
kelt dem Volke als das dargestellt wird, was sie in
Wlr'"rhkelt Ir
*
Die Chaluz'Konfcrenz, die'am 2-.. r^oiuar
In Berlin eröffnet wurde, tagt noch weiter, während dies«