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nistischc Welt steht hinsichtlich verschiedener Fragen
vor bedeutungsvollen Entscheidungen. Es ist daher not¬
wendig, daß der kommende ZloHistcnkongrcß eine
machtvolle Kundgebung der zusammengeballten zio¬
nistischen Energie und de» zionistischen Wollen* werde.
Deswegen muß überall eine Zählung! der Kaders vorge¬
nommen werden, die zu un« stehen. Darum müssen die
nächsten Wochen der Propaganda der zionistischen Idee
und der Sammlung der Schekollm gehören. Wir rufen
insbesondere die Zionistcn in Deutschland auf, sich dieser
Arbeit zu widmen." Vorbereitung des XIV. Zionistcn-
kongresses, Zählung der zionistischen Anhänger — das
Ist dis Gebot der Stundet M. W.
I
Amcrys Antwort an die Araber
Utbcr den von uns bereits erwähnten Empfaug der pa¬
lästinensischen Araber durch Kolonialminlster Amery berichtet
der „Haaretz": Am 21. April empfing' Amery die vereinige
Delegation aller arabischen Parteien Palästinas. Scheich At
Faruki sprach über die schwierige Lage der Fellachen.
(Auf Verlangen der Fcllachenpartc t erwähnte AI
l'aruki die Balfour-Deklaration Oberhaupt
nicht.) Nach ihm sprach Am min Tumlml aus Sichern,
der sich über die schnelle Entwicklung der zionistischen Ein¬
wanderung nach Palästina beklagte, die bei den Arabern große
Sorge erwecke. Die Juden kauften alle Böden, und die Re-
icrunjr unterstütze durch ihre Politik die Zionistcn, indem sie
tu Fellachen schwere Steuern auferlege un£ sie zwinge, ihre
Böden xum Verkauf zu stellen.
Minister Amery erklärte, er freue sich sehr, die Vertreter
so vieler arabischer Parteien des Landes vor sich zu sehen,
er müsse jedoch seinem großen Bedauern darüber Ausdruck
geben, daß In ihren Ansprachen Dinge enthalten gewesen
seien, die nicht zutreffen. Er sei jetzt durch das Land gc-
fahren und habe gesehen, daß die Lage der Fellachen sehr
viel besser sei als vor dem Kriege. Neben anderen Gründen
sei dies besonders auf die großen Kapitalien zurückzuführen,
die durch die Zionistcn ins Land gebracht wurden, und auf die
neuen Arbeitsmethoden, die diese tingeführt haben. Er glaube,
daß die Fellachen keinen Orund zur Unzufriedenheit mit der
Regierung hätten. Wenn sie irgendwelche Forderungen hätten,
könnten sie sie direkt vor den High Commissioncr bringen.
Jede Furcht vor der Einwanderung der Juden sei auf Orund
der Statistik unbegründet. Vor fünf Jahren zählte man In
Palästina 5 r >«X> Juden und 57000') Araber. < jegenw/irtig gibt es
im Linde HO000 Juden, während die Zahl der Araber Mi
"50WO angewachsen ist. Es ergebe sich also, daß trotz der
Einwanderung der Juden die Zahl der Araber immer noch viel
größer Ist, als die der Juden. Die Befürchtungen seien ihm
also unverständlich, da er überzeugt sei. daß die Einwanderung
der Juden allen Bewohnern des Landes nur Nutzen bringt.
Mau habe hier auch das Hussein gegebene Versprechen er¬
wähnt. Dieses Versprechen sei eingelöst worden, und Hussein
habe eine unabhängige Regierung erhalten. Das den Be¬
wohnern Palästinas gegebene Versprechen bestehe aus
zwei Teilen, und die englische Regierung werde genauest
diese beiden Teile des den Juden und Arabern ge¬
gebenen Versprechens einhalten. Audi die Klage, daß
die Araber in 'der Regierung keine Vertretung hätten,
kci unbegründet. Dreimal selten wurde ihnen eine Ver¬
tretung iit der Regierung angeboten und. von ihnen stets ab¬
gelehnt. Sobald die Bewohner des Landes die Forderung
jiach einer repräsentativen Instanz erheben werden, werde die
palästincnnlscne Regierung entsprechend den erwähnten frü¬
heren drei Vorschlägen zur Zusammenarbeit bereit sein. Amery
betonte zum Schluß nachdrücklichst, daß keine Aenderungen In
der Politik der britischen Regierung eintreten würde, zumal
diese Politik von dem Völkerbünde bestätigt worden sei.
Amery uad Hoare bei Mnssollil
Rom. (J.T.A.) Der hrltlsrhe Kolonialminlster L. S.
Amery und der Staatssekretär für Luftwesen Hoare sind
auf ihrer Rückreise von Palistina nach England in Rom
eingetroffen. Sie wurden vom Ministerpräsidenten Musso¬
lini empfangen und hatten mit Ihm eine längere Unter¬
redung.
Rückkehr Dr. Welzmanas «eh Loadon
Wie „New Judaea" berichtet, hat Dr. Welz mann am
28. April die Rückreise aus Palästina nach London angetreten.
Sokolow verbleibt noch in Palästina.
JUEDISCHE RUNDSCHAU
Nr.3 S
ErMÜrougen Amcrys an die Pressevertreter
Wir haben bereits über den Empfang der Pressevertreter
in Jerusalem durch Kolonlalmlnistcr Amery berichtet und geben
nachstehend nach ilerlchtcu der palästinensischen Zeitungen
die Erklärungen Amery» ausführlich wieder. An dem Empfang
nahmen ungefähr 30 Journalisten teil, darunter als Vertreter
der arabischen Presse der Redakteur des „Mcmt nf Slierk".
Minister Amery führte u. a. ans:
Ich habe nun selbst alles gesehen und genfirt. Die In-
formieriiug durch Zclliingftclcgraimiic kommt t.o!chcn persön¬
lichen Eindrücken an Ort und Stelle nicht gleich. Alle», was
ich gesehen und gehör» habe, hat mich geradezu überrascht,
so vor allem der große und rasche Fortschritt In der Ent¬
wicklung des Landes. In England hört man so vfcl über
politische Streitigkeiten zwlkchcn den Zionistcn und Ihren
Gegnern, so daß niemand rieh vorstellen kann, wns> - Iiier mit
wirtschaftlichem Gebiete geleistet wurde. Aber ich freue mich,
feststellen zu'könncn, daü die Politik die Grenzen Jerusalems
kaum überschreitet. In allen anderen von mir besuchten
Orten habe Ich gesehen, d*B die Bewohner in gemeinsamem
Einvernehmen sich viel mehr mit der Entwicklung des Landes
befassen, ah mit Politik. Die Bewohner der Siedlungen utin
Dörfer haben sehr viel für die Verbesserung der wege, die
Bewässerung und die Vervollkommnung der landwlrtschnft-
' liehen Methoden getan. Sehr gute Arbeit wurde für die
Hebung der Gesundheit geleistet. Große Bodenstriche, die als
Malariancstcr bekannt waren, winden vollkommen sanier«, und
man findet jetzt dort kräftige und gesunde Arbeiter, sei es
luden, sei es Araber. Oanz. besonders gesorgt wurde auch
für die Hebung der gesundheitlichen Verhältnisse bei den
Kindern, von denen ja die Zukunft der Nation abhängt.
Oroße Fortschritte weist auch das Erzichungswesen auf. Auch
die Aufforstung, die für die Regelung der Niederschläge von
großer Bedeutung Ist, entwickelt sich schön. 'All diese Kennt-
nissc habe Ich nicht Im Ilaiiplstab geschöpft, sondern aus ftt-
tlmcn Ocsprächcn mit den Vertretern der Gemeinden und den
palästinensischen Beamten in den einzelnen Kreisen.
Oroße Entwicklung macht sich auf allen Gebieten des
Lebens und der Kultur bemerkbar. Trotz der geographischen
Kleinheit des Lander. Ist noch Platz für große Arbeit zugunsten
aller Palästina bewohnenden Völkpr, die alle fleißig sind begabt
sind. An der feuchtenden Zukunft des Landes
zweifle irh keinen Augenblick. Die britische Regierung hat
bereits mehrfach erklärt, daß es ihr ernster Wille Ist, das
Land zum Wohle aller Einwohnen zu entwickeln, ohne den
einen Teil Ücm anderen vorzuziehen. t Dic Politik der pa¬
lästinensischen Regierung lut sicher niemals zwischen den
verschiedenen Einwohnern unterschieden, und die Erklärungen
von Chiirrhlll. die man sich sich wieder zu Oemlite führen
sollte, und' die die Oiiuidl.ige für diese Politik r.ebcii, c.c
langten getreulich zur Durchführung . Die palästinensische
Regierung wird sich auch weiterhin nach ihnen richten. Diese
Erklärungen Churchills bezweckten, die Besorgnisse der Araber
zu zerstreuen, daß in Palästina ein alle beherrschender jü¬
discher Staat gegründet werden soll. Es wird darin klar¬
gestellt, daß die Juden hier ein Nationalheim errichten wollen,
in dem sie ohne jede Störung ihr kulturelles und wirtschaft¬
liches Lehen, wie auch das Leben Ihrer Gemeinden entwickeln
können in Uebcrcinstinunuiig mit ihren nationalen vjkstrc-
hungeu und ihrer historischen Vcrknüpfiirit mit dem Lande.
Die Einwanderung ►oll der Aufnahmefähigkeit des I.omlcs
angepaßt sein. Aber alle Klagen der Araber, seit jeher bis
zum heutigen Tage, zeigen, daß sie die vollkommene Ein¬
haltung der in dieser Erklärung gegebenen Versprechungen
nicht beachten. Seihst die Zionlutcn begreifen, daß ihre Ent-
•wlcklung-nur bei g'ciehz.iüiger Entwicklung der Araber'mög¬
lich sei.
Der Redakteur des „Merat al Sherk" erklärt darauf,
daß er nach Rücksprache mit arabischen Führern auch in
ihrem Namen wohl «saugen dürfe, daß beide Parteien jetzt
endlich jrden weiteren Streit über die Balfour-Drklaration und
d.is Maud.it unterlassen ho'lllcn. Er erwähnt f.oduin den in
Aussiebt gestclllen repräsentativen Rat und zweifelt nicht,
daß die Araber und Juden einerseits und die Regierung anderer¬
seits die Meiniingssiiillcrenzcn vergessen könnten, um an der
eniflnsninrn Arbeit ruguns|i-n des I .niilrt teilzunehmen. I >le
cj^ieruiig müllic auf diesen Legislative ('ouncil wieder zurück¬
greifen. Als Antwort hierauf erklärt Minister Amery: Die
britische Regierung versuchte seit Jeher, die Einwohner Pa-
lästinaH zur Mitarbeit heranzuziehen, .iiier alle drei von der
palästinensischen Regierung bisher unterbreiteten Vorachlaj'c
wurden von den arabischen Führern nur feindselig aufgenom¬
men. E< hat zuerst eine beratende Körperschaft gegeben, die
gut gearbeitet hat und deren Kompetenzen erweitert werden
sollten. Aber Matt darüber zu ber.itni, haben die nrahNrhr.ii
Führer die Durchführung nicht nur gestört, sondern auch die¬
jenigen Notabein, die Sitze In diesem Advisory Council ein¬
genommen hatten, zur Resignation bewogen. Sodann schlug
Jod Süß
Roman von Lion Feuchtwanger. •)
r.
Die im Zeichen der idealistischen Ocschlchtsphilosophie
stehende jüdische Geschichtsschreibung hat es bis Jetzt unter¬
lassen, Erscheinungen der jüdischen Geschichte, die vorwiegend
aus "ökonomischen Ursachen her zu verstchea waren, in den
Krcla Ihrer Betrachtungen clnzubezlehen und sie in ihrer
Wirkung für die Ocsamtentwlcklung genügend zu würdigen.
Dieses Ucbcrschcu oder doch zumindest diese Unterschätzen?
soziologisch relevanter Tatsachen verschloß der jüdischem
Geschichtsschreibung <ias tiefere Verständnis grade der Zelt-
abschnitte im jüdischen Qeschlchtsablauf, in denen dje Juden
fast ausschließlich als wirtschaftliche Potenzen eine Rollo
spielten. Dies trifft vor ollem zu für das 16., 17. und 18.
Jahrhundert, die wir r.ach Sombart als die Zeit der Ent-
Ktehung de* Kapitalismus und die Ausbildung des modernen
Staats betrachten ksmueu. DaQ die Judsn an der Entstehung
und Ausbildung des Kapitalismus stark beteiligt waren, dürfte
nach Sombarts Studien feststehen. Sie wurden, nachdem
Zünfte und Stände In ihm unangenehme Konkurrenten erblickt,
aus den Stldlcn verwiesen und gerieten unter die Schulz-
gcwolt der Fürsten, die in ihnen gerade die benötigten.
Geldgeber fanden. So verständlich es ist, daß die Juden
Ihre finanzielle Leistungsfähigkeit in den Dienst der Höfe
sind der Fürsten stellten, so eigenartig ist die daraus sich
zwangsläufig gestaltende Entwicklung, die schließlich In einem
engen DQndnls zwischen Fürst und Jude Ihren symbolhaften,
und doch sehr realen Ausdruck fand. Den Höhepunkt dieser
Vereinigung von Herrscher und Jude bildet dsiPhlnomen
der Hofludcn,
n. , 'V
Die Institution der Hofjuden, d. h. die Ernennung jüdischer
Ploanzleute des 17. und 18. Jahrhunderts zu Hoflieferanten,
nofbankle» und nicht selten Ihre Erhebung in den Adels-,
stand, diente vor allem dazu, die ausgiebigen Finanzquellen
der Juden f ür die dauernden Kriege und den persönlichen,..
•> Drclmtsktnverlag 1925.
K
dlo Regierung den Arabern eine Arah Agency vor, aber n
dieser Vorschlag wurde abgelehnt. Ich glaube, dal) c , J,;..
die Sache Großbritannien» |»t, mit Bitten an die Araber hcrii'
zutreten, an der Arbeit teilzunehmen, aber die Absicht '•'
zur Arbelt heranzuziehen, besteht nach wie 'vor. und es |,' 4 .,,
nnr von ihnen ab, einen der ihnen gemachten Vorschlag a,
zut.ehireti. * "
Auf die Frage, wann da» neue ni'irgerschaftsgcsrtz u ,
öl f entlieht werden wird, erklärte Amerv, daß die Ver/öwiun"
hauptsächlich mit der Verzögerung der UnlerfrrürjimV <i, v
Friedensvertrages ir.lt der Türkei zusammenhänge. t; r * M
gleich nach seiner Rückkehr nach London seinen Standpunkt I-
dieser Frage präzisieren, um die Veröffentlichung des B.ir« t .'
schaflsgesetze» zu beschleunigen. AucU die Einführung V
neuen Währung »oll möglichst beschleunigt werden.
Auf die Frage, ob der Minister nicht die Möglichkeit
mit Hilfe der Regierung zu einer gemeinsamen Arbeit aller Fl-
völkerungsteile zu kommen, ctklärle Amery: Man nma ,,
Betracht ziehen, daß alle Parteien in Palästina glauben, von
Regierung benachteiligt zu werden. Dies beweist am bt«<-
wie unparteiisch die Regierung Ist. Die Regierung tu, u y.;
zeugt, daß es in Palästina keine grundlegenden Intern^.!
gegensätze gibt. Es gibt zwar Verschiedenheiten der M,
nungen -und Anschauungen, aber sicher auch die Möglich'«-
zu gemeinsamer Arbeit. Sodann erklärte Amery noch, <ufl ,;.*,
Colonial Office die Frage der demokratischen Wahlen In ,|,
Stadtgemeinden studieren wolle. Er hoffe, daß möglichst ba't
eine entsprechende Verordnung herauskommen werde, Am«.'
schloß mit Worten der Begeisterung über die Scfuinhcf-
und Vielfarbigkeit des Landes, das sicher eines der schönste
Länder der ganzen Welt sei.
Die Joseph Fels-Stillung
Der Gouverneur von New York hat laut amtlicher f>
kanntgabc der Joscpb-l'ch-Stiftung die Legalisation erte:!«
Die Stiftung bezweckt: Aufklärung der jüdischen und d«.
uiclitj'üdischcn Welt über die Geschichte und die Mbsb
Israels; Ansicdluug von Juden in Palästina auf unpolitisch
Grundlage; Wiederaufbau und Förderung des jüducln-
Lehnt! in Palästina, fA» daß dort ein Zufluchtsort !ur unter
slrückte Juden, sowie ein Er/ichiings- und Kulturzentrum |.
die Juden der ganzen Welt entstehen solle; Förderung de
religiösen und ethischen Gedanken in der Welt, iujI«
auch Besserung der wirtschaftlichen Bedingungen; Fördcrw
der menschlichen Entwicklung.
Präsident der Stiftung ist die Gattin de; verstorbene-
Joseph Fels. Vizepräsident ist Mr. Alex Aaronsofu
Schatzmeister Mr. Maurice Fels, Sekretär Pr\>!. Ir-
Wallis.
In einem Interview mit dem J.T. A.-Vcrtreter sagte Mi
Feh: Vor dem Krieg waren mein Denken und meine Arr-e
mcJir kosmopolitisch als national eingestellt. Die neue inte
nationale Lage hat mich eines anderen belehrt. leb ghi:'
an die Macht der jüdischen ethischen Ideen im Leben d<
Menschheit, ich elaubc au das ifisli-.clic nationale Gewiss-
Dieser Glaube beeinflußt meine ganze pratfUschc Atbe;
die mehr in jüdischen Dingen sich auswirkt, wenn x.
«roch immer im Geiste allgemeinen Menschentums. Seit de
Kriege habe ich <les öfteren Palästina besucht und In!
zu der Arbeit in dicicni Laude ein innere» Verlialtnli gr
wonncii. Ich bin Vizeprasidcntin der Bnci Benjamin, eine
Organisation junger jüdisdier Bauern in Palästina. Dies
jungen Bauern sind glcidi mir des Glaubens, daß das ja
dischc Problem nicht allein durdi physische Sicdlungstäii;
keit gelöst werden könne;, sondern daß, die SieOlijpg
Bewegung parallel mit einem geistigen i'l wachen vor *•»
gehen tuilr.se.
Außerhalb des Rahmens der Fels-Stiftung hat Mrs. Ff!
für die Bnci Benjamin-Bank 40000 Dollar, für df
Aaronsohn-La ud wirtsc h af t-s - Fonds 10C00 D-l
pcstiltet. Mrs. Feh hat während ihrer letzten .Anwcsenlif.
in Palästina ein Grundstück auf dem Skopus
berge in der Nahe des Univcrsitätsjrcbäudcs, ferner lOft'-
Du ii am Boden auf dem Karin el in Dekan in <
Niihc sie« JordanlaH und in Chedera k.'iiillirh rrwnibeii
Jerusalem (J.T.A.). Das seit 15 Jahren in Vi
fitiua bestehende jüdische Gericht „Misdinath Haschilmn
hat In dieser Zeit viele Tauscndc von Rechtsf.illcii zwi»cl;r
Juden erledigt. Von Freunden dieses GcridiLs wird jet
bcabsiditigt, einen Verein zu gründen, der die AuigaS
übernimmt, eine Darstellung der bisherigen Tätigkeit <!
Gerirlilm zu geben und für die Publikation wichtiger Uilt
zu sorgen. Die Publikationen werden unter der Lcitu
des früheren litauische« Ministers für jüdische Angelcg«
heilen Dr. S. Rosenbaum, jetzt Tel-Awiw, vorgenommr
■i n I i i ■ « ■ um i j wi i i i »ii n i .»i i i i ni ■ ,] ,j ; ..
J.
Haushalt des Fürsten nutzbar zu machen. Die Tatsache Ihres
Jüdeweins war für die Fürsten kein Orund, ihre Unter¬
stützung nicht In Anspruch zu nehmen. Im Gegenteil — den
Hofjuden wurden — aus begreiflichen Gründen — Privilegien
und persönliche Erleichterungen von den bestehenden Aus*
iiahmegcsclzcn eingeräumt und sie selbst, diese Privilegierten,
besaßen Macht und Einfluß genug, auch für ihre Glaubens¬
brüder fürstlichen Schutz imd manche Vorzugsstellung zu
erwirken. Die relativ günstige Sfrjlunff der Juden Im 17.
und 18. Jahrhundert, trutz der gefährlichen Atmosphürc, die
der 30 jährige Krieg geschaffen, erklärt sich zum Teil aus;
dieser Erscheinung der Hofjuden.
Einen Interessanten Beitrag zur Entstehungsgeschichte
dieses Phänomens für den Bereich der brandenburg-
preuflischeu StaatenpolItFk gewShren die Memo-
iren der Glücket v. Hameln, die durch Verheiratung
ihrer zahlreichen Kinder an Familien wie Llebmann, Balllu,
Qompcrz u. a. geradezu als die S t a in m u 11 e r der preu¬
ßischen VI o f j u d c n bezeichnet werden kann.
III.
Wenn so in jener Zeit an fast allen Fürstenhöfcu der
Hofjudc eine selbstverständliche Erscheinung war, so hat
doch keiner eine solche historische Bedeutung erlangt,
wie der Hofjudc am Hofe Karl Alexander v. Württemberg,
Josef SÜD Oppcuhclmcr. „Jud Süß", wie er im
Volksmund genannt wird, war nSmllc!i mehr ah nur Lieferant
oder Geldgeber. Er war der Vcrtriute und Oüiwtllng de»
Herzog», der als Einziger am ganzen württcmbcrglschcn
Hofe In alle persönlichen Angelegenheiten des Fürsten ein¬
geweiht war. Als vertrauter Mitwisser aller Intrigen und
Schäudlichkclten des Herzogs und ah Berater In allen staat¬
lichen Angelegenheiten, genoß Jud SÜD eine Vorzugsstellung,
wie kaum Je ein Jude bIc ümc hatte. Welt mehr ah der
Herzog bestimmte dieser Jude die Ocschlcke Württemberg«
und das Bündnis von Fürst und Jude fand In Ihm selnfo
höchste, aber auch «sr Ine letzte AusprKgting.
IV.
Es Ist kein Wunder, daß sich dio Dichtung früh dieser
Ütstalt angenommen und das was Sage und Legend« um!
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sio verbreitet, dichterisch zu formen versucht hat. Biet
doch das Leben von „Jud Süß", — sein schneller Aulstie
seine Finanz-Operationen, die die Kassen des Staates eben
fiUltcn wie seine eigenen, die rücksichtslose Ausbcutim
dci Volkes durch Immer neuen Steuerdruck, der gcwhscnlo
Wucher mit Geld und Menschen, der Konflikt mit seine
Herzog Karl Alexander und schließlich sein Sturz und tri-
gisches Ende am Oatgen — Reize ffenug, um es in dir
Form eines dramatisch-spannenden Romans zu gieOcu. I>< !
«crMc Versuch liegt über 100 Jahre zurück in der leben«
wahren und lebendigen Schilderung „Jud Süß" von Hauff
Nun hat Lion Feuchtwanger diese Gestalt zum Mitte!
puukt «eines/ großen Romans gemacht, der die Bcachtun;
weitester Kreise verdient.
An sich lag keine objektive Notwendigkeit vor, die Gests! 1
des Jud SÜD, der ganz und gar nicht der Typ jüdisch«
Menschlichkeit und Sittlichkeit darstellt, der Vergangenheit
entreißen. Demi so wenig Jud SfiQ der Jude «.cMcclitfii?
Ist, ebenso wenig kann der Roman Jud SüO der „Roman des
Juden überhaupt" sein. Der Held ist eine historisch be¬
dingte jüdische Erscheinung, der mehr Ausartung als Typ
bedeutet, well schließlich Judentum mehr und anderes i ,!
als jenes Hofjudentum am württcmbcrglschcn Hofe; und n«'
wer das übersieht, nur wer Im Wucher und Geld das Lieme'
des Juden sieht, Ihn also als ökonomische Kategorie wertet,
kann wie Karl Marx sagen, daß der Befreiung der Jude
die Befreiung der Welt von den Juden vorausgehen
müsse.
Aber trotz dieser notwendigen Einschränkung, die zum
wahren Verstünduls des vorliegenden Werkes unerläßlich i» 1 «
Ist dieser Roman, der die Qcstalt des Ifofjuden Süß unserer
Ocgciiwart wieder lebendig machen will, eine Leistung.
Wenn auch der Wert eines historischen Romaus schon
in sich selbst beschlossen liegt, so verleiht die DarstelhinX
der Hauptpersonen des Werkes, Jud Süß, der Hcrzof? f -1
seiner unglaublichen Zügclloslgkeit, sein korrupter Ho'«
Magdnlcne Sybillen, die mystische Ocstalt des Rabbi Gabriel
usw. In Ihrer psychologisch glänzenden Skizzierung ihm not 1 "
einen besonderen Wert.
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