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Jüdische Korrespondenz.
Nr. 38
Han denen Voreingenommenheit an. das; Lues vor¬
handen war, und die Kranken wurden zu einer
schädlichen Parforcekur verurteilt. Es wurde ein
Schuldspruch auch bei Mangel an Beweisen aus¬
gesprochen,
Da, wie wir sehen werden, die Ursache auch der
Londoner Endemie zum großen Teil auf all-
gemciuen jüdischen Schicksalsschlägen beruht, so
möge die Darlegung der historischen Ursache des
spezielle» Elends, das zur Krankheit in diesem
Falle führte, Platz finden. Die Vertreibung der
Juden aus vielen Aufenthaltsorten in Rußland,
itl denen sie bisher ihre Existenz fanden, beim
Regierungsantritt des Zaren Alexander UI, war
die Ursache, Dieser Akt des Kaisers ist von großem
psychologisch-historischen Interesse, Ich bin nun
in der Lage, ihn aufzuklären.
Ich war durch meine Beziehungen zu allen
Schichten der russischen Gesellschaft über den
Kaiser, als er noch Kronprinz war, orientiert. Er
hatte einen glühenden Laß gegen die Korruption,
besonders angefacht durch die ungeheuren Mal-
versationen, die sein Onkel, der ältere Nikolai
Nikolajewitsch, während des türkisch-russischen
Krieges vollführte.
Praktisch uneingeweiht, begann er wirklich
sofort den Kämpf gegen die millionenköpfige
Schlange der Korruption, welche Köpfe von Gro߬
fürsten, Ministern und Senatoren, von Zivil¬
und Militärfunktionären aller Grade bis hinab
zu den Gendarmen und niedersten Bediensteten be¬
saß, Das ganze Leben der Bevölkerung war aktiv
und passiv auf die Korruption eingegliedert. Da
zischelte ein schlauer Schlangenkops dem Selbst¬
herrscher aller Reußen ins Ohr, daß Beamten¬
bestechung die Ursache sei, daß Juden an zahl¬
reichen Orten leben und arbeiten ohne Nieder-
lassungsrechte, und der Zar begann seinen tragi¬
schen Don-Quichotte-Feldzug mit der furchtbaren
Vertreibung zahlloser armer Teufel aus ihren
Wohnsitzen, wo sie mühselig ihre Existenz fristeten.
Aus diesen Elenden rekrutieren sich die Tausende
von Emigranten in London — meist arme
Schneider —, bei denen die Qualen der Verfol¬
gung, die Pein der Fremdheit der neuen Heimat
und die elende materielle Existenz die Endemie der
Geistesstörung hervorrief. In der Ursachenerkennt-
nis (Aeliologie) spielt also der geschilderte poli¬
tische Vorgang die erste Rolle,
In meinem „Offenen Briefe" an O, Bcadles
(Juliheft des „Journal of Mental Science"), der
unter unter demselben Titel: „The insane Jew“,
wie der Artikel des englischen Kollegen erschien,
ging ich ausführlicher auf die Prädisposition
(Veranlagung) ein, mit welcher die Juden und
Jüdinnen überhaupt für Nervenkrankheiten: Para¬
lyse, Tabes, Epilepsie, Hysterie usw-, behaftet sind
und die die Veranlassung des Ausbruches der Krank¬
heit war.
Die Juden sind überhaupt für Kopfarbeit
prädisponiert, sonst hätte Moses nicht seinem Volk
den Monotheismus aufgebürdet, der bei den
Aegyptern, Babyloniern und Indern eine Geheim¬
lehre der Priester war. Viele Jahrhunderte lang
rang Jehova mit den Götzen in den Köpfen des
Volkes in oft tragischer Weise. Diese Anlage für
verwaltende Kopfarbeit kam noch mehr zur Geltung
seit der Epoche der ersten Diaspora (Zerstreuung)
in den Tagen von Nebukadnezar, und als die
nervenkrafterhaltende Beschäftigung mit dem Acker¬
bau und die Landwirtschaft aufhörte und dann
auch der Ausschluß vom Gewerbe eintrat und aus
religiösen Gründen keine Beziehung zu den Künsten
der Malerei, Plastik und auch zur Technik vor¬
handen war. Die spanisch-jüdischen Gelehrten ver¬
mittelten besonders auf Betreiben Friedrichs II,
von Hohenstaufen und seines großen Kanzlers
Thomas a Vincis die Kenntnis der Christenheit
mit der griechischen und arabischen Philosophie.
Die Vorliebe für Kopfarbeit bei der Berufswahl
dauert bis heute an, was natürlich die Entwicklung
der Paralyse und anderer degenerativer Krank¬
heiten erhöht. Ganz besonders gesteigert muß der
Widersinn wirken, daß in überfrommen Kreisen
fast im Kindesalter die Beschäftigung mit der
scholastischen Dialektik des Talmud forciert wird,
wodurch bei fähigen und unfähigen Gehirnen die
Paralyse geradezu gezüchtet wird. Dazu kommt in
neuerer Zeit bei den Weibern die überspannte
feministische Bewegung mit ihren perversen Zöli¬
batsbestrebungen und Ueberanstrengungen geistiger
und physischer Natur, welch« zur Degeneration
führen. Die gewaltsame Entfernung von der Natur
und der gemütlichen, ruhigen Gewerbstätigkeit hat
die jüdische Volksseele energisch in ein sozusagen
überintensives Familienleben hineingedrängt mit
einem exzessiven ehelichen Geschlechtsleben, das
besonders bei den Weibern zu schweren Nerven¬
leiden führte. Vom Beginn der Geschlechtsreife
bis zu deren Erlöschen wurden den Weibern die
Lasten der Mutterschaft aufgebürdet und über
diese hinaus galten Anrecht und Verpflichtung.
Die vielen Katastrophen in der Geschichte der
Juden haben den Keim zu schweren Neurosen
gelegt und deren Ausbruch gezeitigt.
Jüdisches Zentral-Mfskomitee
in Wien-
legene Ersuchen, bei Vakanzen sich unserer Ver¬
einigung erinnern und diese möglichst oft be¬
nützen zu wollen.
Unsere Mitglieder, gesichtet und mehreren
Proben unterzogen, haben stets zur vollsten Zu¬
friedenheit ihrer Berufer ihre Dienste besorgt und,
wird es Ausgabe der Vereinsleitung sein und
bleiben, den guten Ruf, dessen sich unsere gemein¬
nützige Institution allgemein erfreut, zu kräftigen
und immer von neuem zu stärken.
Mit dem nochmaligen Ersuchen, die Besetzung
der Portier- und Hausbesorgerstelle durch uns
veranlassen zu wollen, zeichnet mit vorzüglicher
Hochachtung der Vorstand des Vereines der
jüdischen Portiere und Hausbesorger.
Unentgeltliche Stellenvermittlung, I-, Seiten¬
stettengasse 4.
Durch das traurige Kriegsende ist auch über
zahlreiche Juden unsagbares Elend hereingebrochen.
Nach den furchtbaren Leiden des jahrelangen
Frontdienstes kommen jüdische Soldaten erschöpft,
verhungert, in ihrer Gesundheit erschüttert, aus
der Front zurück, ohne Kleidung ohne Schuhe und
Wäsche, ohne Nahrung, oft selbst ohne Mittel, die
Heimreise fortzusetzen, aller Not und allem Elend
hilflos ausgesetzt.
Unter der jüdischen Bevölkerung Wiens und
des Hinterlandes haben die langen Kriegsjahre
vernichtend gewütet, Hunderte von Familienvätern,
die früher ihr Auskommen fanden oder sogar
wohlhabend waren, sind jetzt total verarmt und
die Armen unter uns, welche von jeher die über¬
wältigende Mehrheit bildeten, sind heute noch viel
ärmer als zu irgend einer Zeit, — Zu all diesen
Unglücklichen kommen außerdem noch die vielen
vorübergehend in Wien sich aufhaltenden er¬
barmungswürdigen Opfer der schmachvollen Po¬
grome in Galizien, Mähren usw.
Der Umstand, daß auch bei voller Inanspruch¬
nahme der den Juden zustehenden Rechte aus
staatliche Fürsorge unter den gegenwärtigen Ver¬
hältnissen das herrschende Elend auch nicht teil¬
weise heseiligt werden kann, hat bei einer Anzahl
jüdischer Korporationen und Personen fast gleich¬
zeitig den Gedanken ausgelöst, die private Für¬
sorge heranzuziehen und so zur Bildung mehrerer
die gleichen oder ähnliche Zwecke verfolgenden
Hilfskomitees geführt.
In der Erkenntnis, daß nur ein geschlossenes
Vorgehen wirksame Hilfe dringen kann, haben sich
unter Vermittlung der Kultusgemeinde die in
Betracht kommenden Körperschaften und Personen
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Literatur, Bibel- u. Kommentarwerke,
Jüdischen Zentral-Hilfskomitee
zu gemeinsamer Arbeit vereinigt.
Auch die „Israelitische Allianz zu Wien" hat
sich dem Zeniral-Hilfskomitee angeschlossen; ihre
vor kurzem anläßlich der Pogroms eingeleitete
Aktion bezweckt die Hilfeleistung für die unglück¬
lichen Pogromopfer an Ort und Stelle und wird
daher durch die Aktionen des Zentral-Hilfskomitees,
welche sich auf die in Wien befindlichen notleidenden
Juden beschränken müssen, nicht berührt.
Der Unterzeichnete, aus der Milte des alle
Schichten der Wiener jüdischen Bevölkerung um¬
fassenden Zentral-Hilfskomitees gewählte Ausschuß
stellt die innige Bitte, die in den nächsten Tagen
einsetzende Sammeltätigkeit seiner Delegierten mit
allen Kräften zu unterstützen.
Nur wenn jeder, der aus dem Kriege mehr als
Leib und Leben gerettet hat, zu den sehr bedeu¬
tenden Kosten der Hilfsaktion das Seinige beiträgt,
kann dem unsäglichen Elend wenigstens in seinen
krassesten Formen abgeholfen werden.
Der Exekutivausschuß des Jüdischen Zentral-
Hilfskomitees: Ernst Simon, Präsident; Anitta
Müller, Nathan Eidinger, Dr, Maximilian Stiglitz,
Vizepräsidenten; Richard Bettelheim, Bernhard
Goldstein, Dr. Jakob Engel, Dr. Edmund Kohn,
Emil Engel, Dr. Karl Pollak, Oberleutnant Wallach.
An die P. T. jüdischen Landbesitzer
und Lausadministratoren.
Nach mehrjähriger unfreiwilliger, durch
Kriegswirren bedingter und durch die erzielten ,
folge um so schmerzlicher empfundenen Pause, tr
nunmehr der „Verein der jüdischen Portiere u,
Hausbesorger" wieder in die Oeffentlichkeit und richte
hiemit an die ?. T. jüdischen Hausbesitzer und'
Hausadministratoren das im Intereste aller ge<
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Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Jonas Kreppet. Genossenschafts-Buchdruckerei, Wien, VTO., Hemalser Gürtel 20.