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Zeitichrifi der im Kartell-Gonneni der Verbindungen, deuiidier Studenten
Mücken Glaubens
vereinigten Korporationen.
.Die Verbindungen im A E. stehen auf dem Boden deutschvaterlandischer Gesinnung. Sie haben zum Zweck denAamps
gegen den Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft und die Erziehung ihrer Mitglieder zu selbstbewußten
Juden, die im Bewußtsein, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte, Äultur- und Rechtsgemeinschaft mit dem
deutschen Vaterland unlöslich verbundenen volksteil bilden, jederzeit bereit und imstande sind, für die politische und
gesellschaftliche Gleichberecbtigung der Juden einzutreten. — Der A.L. lehnt die Bestrebungen zur Lösung der
deutschen )udenftage außerhalb Deutschlands ab. — Zu politischen und religiösen Sonderbestrebungen innerhalb des
Judentums nehmen die Verbindungen im A. L. keine Stellung, soweit dies nicht durch Absatz \ und 2 bedingt ist.-
Ttautigen-Tlnnatime durch den Verlag
und bas IC. C.« Büro, Preis 1 War* für
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Verlag und das K. C.»BQn>.
17. Jahrgang
April—(Dai 1927
2. lieft
Nachdruck unserer Aussätze, mit Ausnahme der durch einen besonderen Vermerk gegen Nachdruck geschützten, unter
Quellenangabe gestattet.
SDhGli» Walther Rathenaus Weg als Deutscher und Jude. S. 13. — Kamps ober Entsagung 6. 15 —
Jüdische Schleds- und Ehrengerichte. S. 18. — Der K. C.er im Philistertum. S. 20. — Das Problem des
Judentums nach Otto Meininger. S. 21. — Bücher- und Blätterschau. S. 23.
Matthrr Kalhenaus Mrg
Bon Dr. Ernst Fraen
I.
In einigen Wochen jährt sich zum 3. Male
der Tag, an dem Walther Rat Henau, der
Deutscheste der Deutschen, durch Mörderhand fiel.
Fünf Jahre sind im Lause des welthistorischen
Geschehens wie «in Sandkorn in der Wüste; aber
sie werden zur historischen Epoche eines Volkes,
wenn sich in ihnen im Leben dieses Volkes Wand»
langen politischer, kultureller und seelischer Art
vollziehen, die von einschneidender Bedeutung
für seine Entwicklung find. Wandlungen solcher
Art scheint mir im Laufe der letzten fünf Jahre
daS deutsche Volk durchgemacht zu haben. Nicht
alS ob eS /ich ln seiner Gesamtheit von seinem
Standpunkte losgelöst hätte, gleichsam wie hyp¬
notisiert auf die deutsche Vergangenheit zu star¬
ren, und einzig und allein in ihren Kräften
daS Heil zu erblicken, den Staat der Gegenwart
aber und die.Männer, die die deutsche Einheit
unter Einsetzung ihrer ganzen Persönlichkeit auS
dem EhaoS der NachkrtegHeit herauSgeholt und
erhalten haben, als minderwertig im Sinne einer
moralifchen Beurteilung anzusehen» — davon find
wir im deutschen Vaterlande gewiß noch weit ent»
als Deutscher und Jude.
kel, A.tz.V. Thuringia.
fernt. Aber ebenso gewiß ist es» daß heute be¬
reits in den weitesten Kreisen der politisch Inter¬
essierten durch die Notwendigkeit einer realpvliti-
schen Betrachtungsweise der Ereignisse und ihres
Ablaufs eine gerechtere und leidenschaftslose Be¬
urteilung unserer staatlichen Entwicklung und der
Männer, die sie gelenkt und gefördert. Platz ge¬
griffen hat.
Unter diesen Männern steht an erster Stelle
neben Friedrich Ebert, dem ersten deutschen Reichs¬
präsidenten, Walther Rat Henau, der deutsche
Jude.
WaS Walther Rathenau unferm deutschen
Vat«rlande staatspolitisch geleistet hat. als er ihm
durch feine VerdandlungSpolttik auS der völligen
Isoliertheit, in der es sich nach 1018 befand,
den Weg inS Freie wieder wies, wie er für die
deutsche Wirtschaft durch seine theoretischen und
polUischen Leistungen Neuland schuf. daS alles
wird einmal eine nicht allzu ferne Zukunft wür-
digen und anerkennen. Aber eins tritt schon
jetzt auS dem Nebel der Vergangenheit inS heiie
Tageslicht der Gegenwart: daS.ist das Bild
Walther RathenauS» des Menschen.