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Februar 4857.
S Die häuslichen Ceremonien des Judenthums
überhaupt, die des „VZ^vi» «ttkkei»^*) insbes.
Bou Vr. Rothschild, Rabbiner iu Aachen.
Zur Hebung der Religiosität unseres Zeitalters erscheint es
vor Allem nöthig die gotteödienftlichen Formen und Handlungen
im Hause, wie in der Synagoge verständlich und anständig
einzurichten. Beides, das Verständnis wie die Anständigkeit, ist
im Verlaufe der Zeiten daraus entschwunden: doch nicht allein
durch die Finsterniß der früheren Jahrhunderte, sondern auch durch
die Aufklärung der Gegenwart. Der Druck, welcher uns früher
politische Fesseln auffegte, hat uns auch enger an Gott geschlossen
und fester an die Religion gebunden. Als die politischen Fesseln
gehoben oder gar abgenommen wurden, ist auch das religiöse Band
gelockert worden. — Wie da Israel wieder zu seiner frühem Re-
ligiostität des Herzens und des Lebens zurückführen, wie ihm dazu
verhelfen? Dies ist die vielfach ventilirte Frage der Gegenwart,
ihre Lösung Gegenstand des eifrigeu Bemühens auf orthodoxer,
wie reformatorischer Seite. Wie verkehrt darum, wenn beide Seiten
sich so hartnäckig befehden, ausschließen und verfolgen! Man denke
doch nur an den vormaligen Kampf der Parteien in Jerusalem,
als Rom's feindliche Heere eS belagerten. Beiden, der Kriegs- wie
der Frtedenspartei, war es mit aufrichtigem Ernste um die Er-
- *) Unter Inbdsn" versteht man die religiöse Feier, die bei
einem Erstgebornen, dessen beide Eltern weder Leviten noch Aharoniden sind,
abgehalten zu werden pflegt, wenn der Knabe 30 Tage alt ist. — Ned.
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