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Die häuslichen (>eremo,ncn überhaupt
Haltung von Israels Heiligthum zu thun. Die Einen, mit Blind-
heil geschlagen, riechen mit zelotischem Eifer zur Fortführung des
Kamrftö. zur Rücksichtslosigkeit gegen die obwaltenden örtlichen
llmstanve und zeitlichen Verhältnisse, wichen keinen Finger breit
von dem herkömmlichen Recht oder Unrecht. Die Andern, klarer
und kluger, riechen zur Nachgiebigkeit, zur Fügung in die unab¬
änderlichen äußeren Verhältnisse, so weit sie nur das innere reli¬
giöse HsiUglbum Israels unberührt ließen. Ja sie glaubten dies
gerade dadurch nur retten zu können. Die zetvtische Partei behielt
öbres stürmischen Eifers wegen die Oberhand in jenem Streite,
aber das Heiligxbnm Israels unterlag damals im Kampfe gegen
den äußern Feind. Rom's weltliche Macht zerstörte den Tempel
und untergrub Israels Selbständigkeit und Reich.
Die Machr? welche ver Hang zur Welt ausübt, bedroht
auch jktzl wieder das Heiligthum Israels und seinen Bestand. Die
religiösen Kämpfe der Gegenwart gelten seiner Rettung. Sie wird
aber schwerlich durch den zelotischen Eifer der sogenannten Alt¬
gläubigen, um nicht zu sagen: Rechtgläubigen (orthodox) bewirkt,
die in Allem, was alt ist. das von Moses Vererbte und von Gott
Offenbarte, das allein Wahre und Richtige erkennen, und die —
man vergleiche die jetzige» Zustände in Berlin — immer noch in
der Festhaltung an Unvollkommenheit und Unordnung des Gottes¬
dienstes und gottesdienstlicher Verrichtungen im Hause, wie in der
Synagoge, als den Zuständen Israels in der Zerstreuung am besten
entsprechend, und am meisten die Sehnsucht nach dem frühern
Glänze Jerusalems wach haltend, eine Erfüllung des jüdischen Ge¬
setzes erblicken. Vor Allem muß inneres Verständnis, und äußere
Anständigkeit den religiösen Uebuugen, Formen, Handlungen und
Zeremonien wiedergegeben werden. Dann wird auch das Interesse
dafür wieder erweck: werden und überhaupt die Begeisterung für
die Religion Israels wiederkehren. Dies alles aber wird bei der
großen Masse des indischen Volkes zu sehr vermißt. Es fehlt
zunächst das Verständnis? der religiösen Formen, darum wer¬
den sie auch nicht mit Anstand, weil nicht mit Interesse, ge¬
übt. Sie gelten Keinem, was sie sollen, dem Einen gar Nichts,
dem Andern Zucht das Rechte. —