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JUEDISCHE RUNDSCHAU
Nr. 73
Der Riikrieg
Von Joseph Frled.'cld.
Der Kriejf, den die Dcrbcrstämmc des Rifgcblrgcs lu
Nord-Marokko seit fünf Jahren »legrclch gegen die Spanier
und seit einigen Monaten nun auch mit wechselndem Er¬
folge jregen Frankreich führen, int nicht nur für diese beiden
Länder und nicht nur Infolge der möglichen Koiifliktutoffc,
die jede Verschiebung der Machtverhältnisse im weltlichen
'Miltclinccrbrckon und an der Straße von Gibraltar in i»uh
birgt, für Europa von Bedeutung, sondern der zähe Wider¬
stand, den diese an Zahl sehr geringen Stamme der Ikslt/.-
nahme ihres Landes durch europäische Kolonisatoren entgegen¬
setzen, hat in ganz Afrika und Asien einen lebhaften Widerhall
gefunden. Die unter der Leitung Abd el Krims, der seine
Fähigkeiten als Staatsmann und Organisator, seihst an euro¬
päischen Maßstäben gemessen, bewiesen hat, stellende Rif-
Republik umfaßt das Gebiet von zwölf Stämmen mit einer
Gesamtbevölkerung von ungefähr 300000 Seelen, unter denen
höchstens 60000 waffenfähige Krieger sich befinden werden.
Der Umstand, daß dlcso kleine Schar, die nur unvollkommen
über schweres Kriegsmaterial und über technische Kennt¬
nisse vcrfüjrt, eine europäische Macht entscheidend schlagen
und der bedeutendsten europäischen Militärmacht von heule
eine schwere Aufgabe stellen konnte, läßt sich den Siegen
Mustafa Kcmals, über die Bestimmungen der vereinigten
europäischen Großmächte an die Seite stellen. Er bedeutet
den Beginn einer Epoche, da d*e asiatischen und afrikanischen
Völker, langsam mit den Prinzipien europäischer Kriegs¬
technik und Organisation vertraut, sich der Kolonisation ihres
Landes durch die weiße Rasse mit Erfolg widersetzen.
Die Rifis haben in den vorhergehenden Jahren das ganze
spanische Protektoratsgebiet in Nord-Marokko mit Ausnahme
kleiner Landstriche um die bereits seit Jahrzehnten spanischen
Städte Tctuan und Mclilla in ihren Besitz gebracht. Abd el
Krim, der dem mächtigsten der Rifstämmc angehört und ans
einem alten berberischen Ilcrrschcrhausc stammt, hatte In
diesen Jahren gemeinsam mit seinem Oheim Abd cl Salam und
seinem Bruder Maulay Mohammed, der In Spanien Ingenieur»
Wissenschaft studiert hat, die Rifstämmc, die seit jeher sich
durch einen Geist der Uiinbhlingigkcit und auch vorher nur
in einem sehr nominellen Abhängigkeitsverhältnis zum Sultan
von Marokko gestanden hatten, zu einem modernen Staate
organisiert und eine Armee nach europäischem Muster ge¬
bildet. Er war fest entschlossen, die so schwer gewonnene
Unabhängigkeit auch weiterhin zu verteidigen. Da stellte
sich ihm in Frankreich ein Gegner von erheblich größerer
militärischer Bedeutung ah Spanien. Frankreich hatte seit dein
Jahre 1912, da der Schutzvertrag zwischen dem Sultan von
Marokko und der französischen Regierung abgeschlossen
wurde, demgemäß Frankreich das Protektorat und die wirk-
l'che Regierung über den größten Teil von Marokko antrat,
bedeutende kolonisatorische Erfolge in Marokko erzielt. 1012
stellte Marokko einen völlig verfallenen, von inneren Un¬
ruhen zerrissenen Staat dar, wobei freilich nicht vergessen
werden darf, daß hier wie in der Türkei oder In China die
europäischen Mächte ein Interesse daran hatten, die im Lande
bestehende Anarchie nicht aus der eigenen Kraft der be¬
treffenden Völker überwinden' zu lassen. Seit 1912 hat Frank¬
reich unter Marschall Hubert Lyautcy für die Schaffung ge¬
ordneter Verhältnisse, eine europäische Rechtssprechung, den
Bau von Eisenbahnen und Straßen, Einführung moderner
WirfschafUmcthodcn und den Beginn einer wenn auch sehr
in den Anfängen stecken gebliebenen öffentlichen Erziehung
und öffentlichen Gesundheitspflege gesorgt. Dabei hütete sich
aber Frankreich, seine kolonisatorische Tätigkeit in das dem
Rifgebiet benachbarte Tal des Uerghaflusses zu tragen, woher
die Rifstämme in ihrem unfruchtbaren Gebirge die notwendigen
Getreidemengen bezogen. Abd cl Krim mußte jede Besetzung
des Ucrghatalcs als eine Bedrohung seiner Existenz auffassen.
Fcldmarschall Liautey schien aber aus der Erkenntnis heraus,
daß die großen Erfolge der Rifis das Prestige der weißen
Rasse und damit die Sicherheit des französischen Kolonial¬
besitzes in Nordafrika gefährden (wo insbesondere in Tunis
die jungtunlsische Partei dem Beispiel Aegyptens und der
Türkei folgen will), den Plan gefaßt zu haben, eine völlige
Die Bekehrung
Von Möies Waldmann.
Meine Großmutter, ~ sie zählt über 00 Jahre und Gott
jassc sie so alt werden, yk Unsere Erzmüttcr Sara —
ist für mich immer der Inbegriff der „Esches Chajil"
gewesen, von der in Liedern unserer Altvordcrcn so viel
gesagt und gesungen wird. Als Kind und später als Gym¬
nasiast war es für mich höchste Seligkeit bei der Groß-
muttcr Ferienbesuch zu machen. Großmutter behandelte
mich nämlich wie einen Erwachsenen und führte mit mir
ernste lange Gespräche über alles, was sie Interessierte.
war nfcht gelehrt. Sic konnte wie alle Jüdinnen
ncbraisch nur lesen und hatte im Bethaus die Hilfe der
»Vorsagcrin" nicht nötig. Im übrigen kannte sie außer
.-Tehincs" nur ein Buch, d.i<j D.-utiich.Cliiuuheh, und Samshig
•^•'uhmiltng las sie fttuiideiiUug in dicicm wundervollen Buche
j'Wsen Stil an Volk-.miirchcn erinnert. Das Dcutsch-Chumisch
^nntc meine Großmutter auswendig. Einige Male gestattete
s :e mir ihr aus der „Zecnu weurenu", wie der Name des
Dcutsch-Chumisch offiziell lautet, vorzulesen. Ich verbuchte
meiner Großmutter einen Sehabernack' zu spielen und einige
;»lattcr umzuschlagen. - Wiewohl sie halb eingeschlummert
;*ar, merkte sie mein Vorhaben und rief unwillig: Da
■'«t Du sehr viel ausgelassen. Es heißt darin ganz anders."
Meine Großmutter wohnte in Czortkow. dem Sitz des
^rühmten WunderrabbN Mose« David Friedmann, des
^ohncs des Rabbi Israel von Rizina. Kein Wunder, daß
S C n 0r 5S niUl , t f, r mlt mlr " hr 0ft übcr dc » R ' lhhi «"<!
-:« ».. Cha * bi(Jlm s P rach - Nu " war aber mein Großvater
*v M,sna Ktt, Rationalist gewesen, der unter dem Ein-
jussc eines Schülers von Chajim Luzatto aus Padua, des
ert-lrt! \?, S 5 ha P f ira « dncr der hefteten Bckämpfcr des
starteten Wunderglaubens war. Von meinem Oroßvatcr
wun.u??, Ka ^ pfcn * c * en d,c Chassldlm wurden die
*incn I If * DI Ü$ C 5 r2ähIt * So 5011 cr cj ™al durch
Mall h w tCI ! C1 Ll S ? ld Sich Schira * im ( S P^creste vom
hahÜlf ^ Wundcrrabbis) und zwar Schabbeskugel verschafft
haü. • C J?assid, der meinem Großvater „Kugel" brachte
v Zr ? mtt l Freundcn frohlockend erzählt, daß mein Groß'
l « insgeheim gläubiger Chassid geworden sei und sich
Unabhängigkeit des Rifstaatcs nicht zuzulassen» sondern ihn
zur Anerkennung der Oberhoheit der europäischen Protei;-
tomtnmacht und d« Sulla»» von Marokko zu zwingen. Daher
haben im Frühjahr 1«*» die franzüiitachcn Militärposten bc-
{tonnen den Ucrp.hnfluß zu überschreiten und die Ebene zu
besetzen die die Klfls bisher als Ihre Kornkammer betrachtet
haben. Die neue französische linksiibcralc Regierung, die nach
den.Wahlen im Mal vorigen Jahrco zur Regierung gelangte,
berief den Feldmarschall nicht ab und statt Lyautey durch
einen Zivilist™ 7u ersetzen, ließ »lc Hm Vorbereitungen
/uns l'eld/ugo gegen die UifU weiter treiben. So kam ea,
daß Frankreich wenige Monate später In einen Krieg mit
dem Kifstaat verwickelt wurde, ein Krieg, der in Frankreich
selbst sehr unpopulär und der Regierung Painlcvc durchaus
unerwünscht ist.
Die Offensive ging von Abd cl Krim aus. Das Ziel seiner
Operationen war, die französische Postenkette nördlich vom
Uerghailussc von ihrer Operatioushasis abzuschneiden uml
zugleich die Ernte aus den Ucrghatalc heimzubringen. Ein
weiteres Ziel war, womöglich sich in den Besitz der alten
Hauptstadt Marokkos" Fe* zu t>ctzcti und damit die Bahnlinie
Marokko nach Algerien zu beherrschen. Viele der von Frank¬
reich bereits früher unterworfenen Stämme gesellten sich
hinzu. Sein Augriff gelang nur zum Teile und zwar durch
die geringe Widerstandsfähigkeit der französischen farbigen
Truppen. Aber Frankreich war genötigt, einen großen Teil
seiner weißen Armee nach Marokko zu entsenden, und der
Krieg, dessen Ende trotz der vereinigten Aktionen der Fran¬
zosen und Spanier noch nicht abzusehen ist, hat in Frank¬
reich selbst innerpölitische Verwicklungen zur Folge gehabt.
Abd cl Krim hat sich bemüht, bereits im vorigen Jahre durch
die Abscndung einer Abordnung nach Paris, den Frieden mit
Frankreich zu wahren, aber die Franzosen haben den gleichen
Fehler getan wie 1922 die Engländer den Türken gegenüber,
und die Abordnung Abd cl Krims gar nicht angehört. Die
Fricdcnsbcdingungcn, die das französische Ministerium In
Uchcrcinstimmung mit Spanien Abd cl Krim nach seinen
Erfolgen gemacht hat, konnten ihn keineswegs befriedigen;
denn sie räumten ihm nur eine beschränkte Autonomie ein,
weniger als er heute bereits tatsächlich besitzt. Andererseits
fürchtet Painlcvc durch eine volle Anerkennung der Unab¬
hängigkeit des Rifsfnatcs das französische Prestige zu schä¬
digen, und es ist für die französische Regierung schwierig,
die Vorkehrungen des Marschall Liautey im vorigen Jahre
getroffen und die die französische Regierung damals nicht
verhindert hat, zu desavouieren. Doch hat der Krieg bereits
zu dem Ergebnis geführt, daß Marschnll Liautey, desaen gnnzos
Lebenswerk innig mit der Koionisiorung Marokkos verknüpft
ist, wenn auch nicht offiziell abberufen, so doch kalt gestellt
wurde. Marschall Pctam hat den Oberbefehl In Marokko
übernommen und die französische Regierung unternimmt die
größten Anstrengungen, um den Krieg schnell zu einem
günstigen Ende zu führen, da nur so innerpölitische'" Ver¬
wicklungen infolge dieses Kilegcs In Frankreich gelbst ver¬
mieden werden können. Abd cl Krim und die Rifis Rind
dagegen entschlossen, In ihrem schwer ?ugäiig'icheu Gebirge
ihre Unabhängigkeit aufs äußerste zu verteidiget-, und sie haben
den Beweis erbracht, daß es ihnen möglich war, einen mo¬
dernen gut organisierten Staat zu schaffen. Gleichzeitig stellen
dis Sympathien der mch-.mcd v i:,chcn BivölkirimT Afrikas ind
Asiens auf ihrer Seite, denn sie scheu in ihrem Kampfe iiieh)
den Krieg zwischen einem kleinen Bergvolk und einer mili¬
tärischen Großmacht, sondern eine Auseinandersetzung
zwischen der kr-lrmisicrun^strndcnz Europas und dem neu er.
wachten nationalen und demokratischen .politischen Bewußtsein
des.Orients, der in den letzten Jahren von Europa nicht nur
die Technik, sondern auch die Lehre von der Selbstbestimmung
kleiner Völker übernommen hat.
tfr-
»cr ProzrS Steiner
Lemberg. (J.T.A.) Am 1 Oktober wird die Haupt-
Verhandlung gegen Stanislaw Sic ig er beginnen. Vor¬
sitzend;- des .Oerichtcs wird wahrscheinlich Richter An-
gclsky sein. Die jüdische Rundschau wird über den Ver¬
lauf des Prozesses Griginalbcrichtc veröffentlichen.
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Wiener Brie!
(Von unterem b. O. Korrespondenten.)
Der Kongreß ist vorüber: seine Sliiuuuiupj, das h c o c .
Stimmung seiner let/lcn Tage, die so schult pruiami-n'ari,.-:, (] ,
Krisenlage genannt wurden, sucht die Opposition m Vcr.,j !; -...
hingen noch ein wenig für ihre Zwecke auszuwerten, u.
Versammlung der „radikalen /.iouisfeu", dir kurz mch p.r,..'
dipinj' des Konrwms stattfand, brachte Töne In ,i,
rloidsUM-he Propaganda, die bU mm unj-ewohnt w.irm.
Auf u'iht i Iii t'üdwr Set- W'-rd n d> K->rj ; r«'!ic-g ■ |> j : \
günstig glossiert, die allgemeine Presse verfallt die Lim«; ^.,
Anständigkeit und der objektiven Anerkennung, auf der sie < : «
während des ganzen Kongresses bewegt hatte, nicht ■ - •:
mau von der rosenroten LUütc der Assimilation ab, der ,,.\ r . •
beiterzeitung", die unter protestierender Vcrschämtlirit üi- ;r |
emeritierten Israeliten nnuches Unsinnige an; d.-r Se!/::n, t ; ;
brachte, und <L*u notoiischeu 1 lakenlircu/blätte:n, denn s...
läge »a«."h Abflauen der Kon'.'iel',sens:.tio:i wieder sinkt, - ...
bringt inilunlrr sogar sehr kluge und gut informierte Art;,.t'
über' die zionistische Arbeit. Nebenbei sei, in diesem Zis
sanimcnhang, rincr etwas grotesken Entgleisung drr ,,\X'i: !;cr
Allgemeinen- Zeitung" gedacht, deren Reporter mch
erfolglosni VorFtÖllcn nach nücn Parlciriciilungeu dr< kv,.,^
grosses hin endlich von den eisernen Mannen Jalv,'. :i
rmpfaugen wurde und in haushohen Lettern w:ku;-,; ^
daU Jabotinskv der kommende Mann sei. Nicht h, ;: y'
aber In vcrliäituisuiäftig kurzer Zeit werde er d.c Ov>c'.:ck.j
des Zionismus brstimmen. Dieser etwas unbeholfene Au?dr:::'. ; | ]1"-".\ r
eines Gedankens, der Sohn eines Wunsches ist, blieb tfiicis | • > ' f ", iL
licherweise vereinzelt: die anderen Blätter, die vor Kurze-S 1^"*^
noch Zionismus mit einem Achsel/uckou des Herai:>.grhr r , 2 \-A ^
taten, erfahren den eisernen Ernst der Kon|unkti:r und lu'it'.;.» f «s;'.ib nr ,
sich, Sensationen aufzusitzen. Die Ilakcukrcuzlcr wieder, d;c j wirksai
der Zionistcnkongrcb viel Geld gekostet hatte, sicherlich n:::.; | -nlcug
viel weniger als uns, liquidieren ihr Interesse am Kontr., | 'i
durch eine Reihe von Plakaten, von denen manche Mannes!'//- |
erreichen. Aus einem dieser durch das österreichische Pro:;. 1
gesetz geschützten Affichcn sei- ein Salz wiedergegeben, e.; |
wcniger'aiif d ; e literaiischcn Talente: seiner Verfasser, al<
ihre Art, Politik-zu machen, hinweist, wenn geistlose, ha;',. |
triefende Verhetzung überhaupt Politik genannt werden k:r '
Es hcillt da: „Weil wir den Schwindel des Z-'onisnr.is :::r; ;
glauben, schon aus dem einen Grund nicht, weil diese Au-
Wanderung volle 7000 Jahre dauern würde; ir^h 30 Jnhr -
Zionismus sind glücklich <:QC01 luden in Paläs :na ,>ir,e v,\.\t
— Orstorreicli allein hat «X)0OD — Vorrat für 30t) Jnluc.-
Allenfal's ist dieses Plakat, aus dessen Kosten eine .größere An¬
zahl von obdachlosen Volksgenossen dieser arischen P!.i!:v.
säulcnpolitikcr sorgloser gemacht werden könnten, ein prn.m;
Maßstab für die Größe der Lügen, mit denen gegen uns r<:-
kämpft wird, In drr öj;tcrreichi<rhcn Provinz,
Kampfnl 7ttni P.ciRniH, einer beliebten Wiener So:nm^rfri;c!ic,
wo Plakate, wie überhaupt gedruckte Worte, wer.ig Iuterc?;.'
hervorrufen, entschloß m:.n sich unter lebhaft, meist zu n.üb¬
licher Stunde zur Kenntnis gebrachten Hinweisen auf d :
Zionistenkongr^ß, die ji:di*chc:i So*nm?rgä-t': um Mitten:-!:!::
Jrbcnsgef.'ilirlich ru bedrohen und hinaus/uwerfrn, d? jn Sclih-.:',
der Saison vor der Türe steht und für dieses Jahr nichts m'::
zu erwarten ist. Und bis zum nächsten Jahr, di w; r:
die MnkcnkrcuzknabcTi sehr genau, haben die Herren J c r.ic!i;<:'
die Abonnenten jener Platter, denen der Antiarmitieinns höch¬
stens eine stets zu verschweigende, temporäre Gc-chäftsstörn:':
ist, die Sache längst schon vergessen.
Dies rind die Nachwirkungen des Kongresses ,'n Oester¬
reich. Alles andere, was Schinok an den Inscratcngcstaden err
veröffentlichten Meinung in rührenden Stimmungr,b;lr!e:ii \r,-i
Sich gibt, konnte ich nicht konstatieren. Es sei denn, d.-i.'i
es an der Zeit wäre, jenseits von Meinungsverschiedenheit^:!
die ja doch letzten Endes nur Verschiedenheiten des r,f:
\on Eltrlk"itsmomcii'eii bestimmten Tempcr-mru's sind, mt
erster Arbeit zu beginnen, soweit es in Oesterreich möglich 'w.
Piumcr b^ ( !flckwönscht Herber! Samael
Jerusalem. (J.T.A.) Lord Plumcr hat nach Eintrcf'e-
der Nachricht über die Ernennung Herbert Samuels tuz
Vorsitzendem der K^hl.n Kcmmis 1 i n f lgcrdc^ Telcfr:mr. an
Samuel gerichtet: „Wir beglückwünschen Sie zu Ihrem neun
Erfolg und zur Ucbcrnahmc eines neuen und schweren öffent¬
lichen Amtes. Wir alle in Palästina fühlen i;r
durch die Ihnen zuteil gewordene Auszeichnung geehrt."
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nur schäme, das offen einzugestehen. Mein Oroßvatcr aber
tat mit der „Schabbeskugcl" folgendes: Sonntag früh nahm
er seinen großen Kater, den er, aus mir'unbekannten Gründen,
„Rcwitsch" nannte, führte ihn auf den Ringplatz von
Czortkow, rief einige Juden zusammen und warf dann des
Rabbi Schabbeskugcl dem Kater zum Fräße vor. Diesen
Streich hat mein Großvater übrigens schwer gebüßt: am
nächsten Freitag wurde er im Schwitzbad von den Cha«r.idlm
windelweich verprügelt. . . . Von ihrem Manne also hatte
meine Großmutter ihre Ansichten über Wundenabbincr und
Chassidlsmus tmd sie verfehlte nicht, auch in mir Ver¬
achtung für den Aberglauben der Chassidim zu erregen,
die sie „Böcke" nannte, welche um den „Bär", den Rabbi,
herumhopsen.
Sehr oft führte mit mir meine Oroßmutte.r religio»«;.
phüor.ophiRrhe Cir-.prüehr. IrJ, Wlir r t\.- ; , 1J j;,), rr a \{ mu |
hatte lükhucis „Kraft und Stoff" gelesen, ein lliiih, das
unter den Ostjtiden weit verbreitet war und von den Hask.v
listen geradezu als neue Bibel verehrt wurde. An Po¬
pularität konnten sich mit Büchners „Kraft und Stoff" nur
die Schriften von Bernstein über „Astronomie und Natur-
wUficnsohnft" mesr.cn. — Auch Ich war ein begeisterter
Anhänger von Büchner und bcsehloO, meine Großmutter
wählend der Ferien, als ich bei ihr zu Besuch war, auf¬
zuklären! Tagelang las ich ihr aus meinem Evangelium vor.
Satz um Satz wurde diskutiert, meine Oroßmutter war abrr
in ihrem Gottvcrtraun, nicht zu erschüttern. Insbesondere
klammerte sie sich an ein Argument: die Vorsehung. Ich
widersprach. Meine uroßmutlrr aber sagte: „Alle-. Ul
vorausbenimmt und nicht:, kann In der Welt vorkommen,
was nicht vorher in Gottes Ratschluß gelegen war." „Und
wenn ich jetzt, sagte ich meiner Großmutter, trotzdem Gott
voraus bestimmt hat, daß ich etwa 70 Jahre zu leben
habe, Selbstmord begehe, wie wäre das mit Deinem Glauben
nn dk Vorsehung vereinbar?" Die »chHchlc Antwort meiner
Großmutter lautete: „Dann Ist eben vorausbcslimmt gewesen,
daß Du Selbstmord begehen wlrsi." Gegenüber diesem
unerschütterlichen Oiaubcn war also nicht aufzukommen
und schließlich gab ich mein Vorhaben auf, meine Groß,
muttcr zur atheistischen Matcrialistln zu machen. Ich hielt
mich aber weiter an meinen Büchner und meine Großmutter
an ihren Glauben. In der Folge habe ich jedoch den
Büchner verlassen, meine Großmutter aber tet bei ihre
Glauben geblieben. . .
Ein anderes Mal hatte ich das Buch „Der phy^oln-isr!
Schwachsinn des Weibes" von Möbius gelesen, und kh
bemühte mich tum meine Oroßmutter von der Minderweni;-
keit der Frau zu überzeugen. Da kam ich aber schön in.
Keines meiner Argumente wollte sie gelten lassen'. ..M ist'
und Frauen" sagte sie, ,,«;!nd nach Gottes Willen gesrinfüv
rnd erst In ihrer Vereinigung ergeben sie ciw^s
kommen»", und es sei eine Narretei, Unterschiede zwisrhe«
Männern und Frauen machen zu wollen. Ihre Erfahr.;.:-
— sagte sie weiter — lehre sie, daß die Frauen eben«
klug und ebenso gottesfürchtig sein können wie die M i i:-'•
Ucbcrdies werden In der Bibel und den Schuften im .<•■■"
Welsen unsere Pr/mütier den r.i/viifn ii gleich,;«' •<■(/(. ! ; '
sann lrui|-c darüber nach, wieso ich meine Gro";;;.:-"
dennoch besiegen könnte. Und da fiel mir ei-:: h*
Morgcngebetc sprechen die Männer den Scgcns-pn:::i .0:-
lobt seist Du Gott, daß Du mich nicht zu einen V»".-:be
gemacht hast", indes die Frauen demütig zu s.:.;e:i
„Gelobt sei Ooll, der um; nach seinem Willen 'g.-scii.V!-
hat." Wie eine Trophäe schwang ich den Siddur vor
meiner Großmutter und zeigte ihr die beiden Scgen-p.'i- -
Das war allerdings ein schwerer Hieb und zun.idNt Ni''-
meine Großmutter sprachlos. Aber nach einer Wci'r
sie sich und fragte: „Wer hat den Siddur zusammenfiel!!"'"
Ich gab die Antwort: „Uiwerc Weisen." „Sich-t Du. -
sagte meine Großmutter, Männer haben dm Siddur gnv,.nIn¬
halten wir Frauen den Siddur geschaffen, so würde alle-
ganz anders anstehen..." Siddur heißt aber Ordni«!?.
und in der Antwort meiner Großmutter lag vielleicht ii: f
allerbeste Erklärung, woher es kommt, daß die Frauen i«
der von den Männern auf dem Priuzipc der Gewalt r c '
schaffend! Weltorduung nicht das Gleiche zu leisten vci-
mögen wie die Männer,
Besonders reizvoll gestalteten sich jedoch meine jewei¬
ligen Besuche in Czortkow durch zwei Umstände: erstens er¬
lebte ich bei meiner Großmutter die strenge Beobachtung t" ld
Durchführung aller religiösen Vorschriften', die ich zu Hj»^
bei meinen Eltern, (wir lebten als vereinzelte jüdische r'amiüc
unter rulhcnischcn Bauern auf dem Laude,) nicht kennen
gelernt hatte und zweitens war ich Zeuge der Betätigt»
ieiTung
anleiht
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