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Studien, lieber den Bibelkarion des Fl. Josefus.
"Es ÄeibtUsomurübrig änzünehmen, daß Josefas zwar
"das echte Buch als kanonisch gekannt, aber nichts destowem-
ger das apokryphische Buch benutzt hat. Die Folgerungen
von einer einstmaligen Vorlesung des apokryphischen Buches
und dessen späterer^VeMavHUrM'Mn" es ist'doch-Wohld -
zunehmen, daß
dann aber, als das echte emgeführt ward, für den zweiten,
bestimmt wurde, um dem alten jnJD auch sein Recht zü 1
lassen; besonders wenn , wir uns erinnern, daß in Griechen¬
land die Bibel griechisch vorgelesen Wltffcr ^8%$ - % S5,bi ^
184 , die echte Stelle darüber , Novella 146, steht bei Eichh.
Sml. Z. 166 Anm. q.). Noch will ich anführen, daß auch
in dem Worte n\3ttfn (Esther 9, 29), welches gar nicht recht
pchM 'wrll'Und in-der LXX fehlt (Anm. 150), eine Be¬
ziehung auf das apokryphische Buch gesucht werden könnte.
Es könnte nämlich eine Glosse sein, die irrig das größere
apokryphische Buch als die rjjBWin m.lN betrachtet hätte.
Schließlich nun noch zwei Bemerkungen über den Namen
ovg«ioe-bei'SofefuS und über die Bezeichnung Ha-
rnans als Macedoniers in der LXX,
Der Name aniD ist auch in der I XX mit &Q 0 VQai
gegeben. An einen alten Schreibfehler (wie Havercamp
Anm. zur Stelle) ist gewiß nicht zu denken ; vielmehr ist aus
dem Zusammenhänge bei Jos. ziemlich klar, daß er dem
Worte eine griechische Ableitung von cpQovgslv (bcn>a?
4jen=-DmpßO unterschiebt. Es folgt aber daraus weder,
daß er das Wort wirklich für ein griechisches gehalten, noch
daß er es aus der LXX genommen haben müsse. Es scheint
vielmehr der Name oder die Aussprache $qovqccl bei den
Juden, wenn sie ihre Feste griechisch bezeichnen wollten, ge¬
bräuchlich. gewesen-zu sein. Es gab aber für die meisten
Feste (nvO ausgenommen) solche griechische Namen, (wie
wir auch jetzt wieder Ostern, Pfingsten, Weihnachten, sogar
Fastnacht im gemeinen Leben anwenden, und wie man da¬
mals die Personen-Namen ins Griechische übersetzte oder grä-
cisirte); so aH^voTtrjylcc (?j oder xcc) für ntöD, vrjatsia für
D w n> > so auch q)SvK für roilD (dieses Wort ist jedoch in
den BB. der Makk. mit syKcdvcu wörtlich gegeben, daher
war vielleicht neben rjDlin auch nrun in gebräuchlich; wie
wir den Namen p-offl dp später durch »i"-) verdrängt und
das rabbinische durch 'lyo&r wieder ersetzt sehen). Daß
nun Josefus dem Namen cpqovq(xC oder cpQOVQctloi, gegen¬
über seinen heidnischen Lesern, für die das Werk bestimmt
war, lieber eine griechische Ableitung geben wollte, als eine
unbekannte persische, ist sehr natürlich; wenn nicht gar schon
den Erfindern der Bezeichnung cpQovgcd das cpqovqslv vor¬
schwebte. Sonst mußte dann Josefus die richtige Ableitung
bekannt sein, da sie in der LXX ebenso angegeben ist wie im
hebr. Text (9, 26; noch dazu mit dem Beisatz ort 8ux-
XCktqs avxcSv nalovvvciL (seil, ot xItjqol) cpgovQcd: also
wußte der Uebersetzer auch, daß das Wort nicht hebr. sei).
Uebrigens kann das eingeschobene R auch auf einer Dialekt-
Verschiedenheit beruhen, da sich Aehnliches mehrfach sinder.
Was die Bezeichnung Haman's als eines Mcc%z8(6v be¬
trifft, so findet sie sich im zweiten Edikt (Vulg. 16, 10) Und
* 9, 24. — De Wette will auch daraus den hellenistisch-
alexandrinischen Ursprung der „Stücke" (aber es steht ja auch
9, 24 im Kontexte!) beweisen. Warum aber ein palästinen¬
sischer Jude nicht ebenso gut auf diese Idee gekommen sein
könnte, ist, da man in Palästina die Macedonier auch kannte,
gar nicht abzusehen. Ich erkläre mir den Ursprung dieses
hieraus, wie aus dem, was wir über das B. Esra-Nehemia
gefunden haben, werden wir im zwkiteir Artikel im Zusam¬
menhänge betrachten.
Somit habest wir nun diejenigen Bücher, aus welche
MsesusMe MeschichVe Ißplieö bis auf Arta-
xerxes geschöpft hat, sammt denjenigen, die zwar nicht eigent¬
lich historische Bücher sind, vou ihm aber doch citirt und
deutlich als propheeische und von Propheten verfaßte bezeich-
MtWM'n - gM'M ^'ÄV untersucht, und es wäre nun an
der Zeit einmal nachzusehen, ob wir jetzt im Stande sind
den Kanon des Josefus zu ko n sinn reu, oder ob uns noch
Zweifel bleiben, und welche?
Nachdem wir den Leser wieder daran erinnern, daß Jo¬
se fus 22 Bücher zählt, und zwar fünf von Moses, drei¬
zehn prophetisch-historische und vier, welche ,,Hymnen und
Lebensregeln" enthalten (d. h. lyrisch-didaktische), — zählen
wir nochmals die bisher betrachteten und als zum Kanon
Josefus gehörig erkannten Bücher auf:
1) Josua; 2) Richter mit Ruth; 3) Samuel;
4) Könige; 5- CH ro nik; 6 ) Jerem ias; 7) D a n iel)
8) Jesaja; 9) Ezechiel; 10 ) zwölf Propheten;
11) Klagelieder; 12) das apokryphische B. Esra;13j
das apokr. B. E st h er.
Auf den ersten Blick sollte mmi glauben, daß hier die
„dreizehn Bücher" richtig beisammen wären; es wür¬
den uns dann aus unserm Kanon noch fünf fehien: Psalmen,
Sprichwörter, Hiob, Hohes Lied, Kohelet. Nun sind die
Psalmen in der HauptstelM selbst als v^ivot dg zov &sbv
bezeichnet (s. Nt. 40. Sp. 630 1: ' 7 ); ferner haben wir bereits
Namens fo. Das (Josefus hat dafür
nach -er Tradition, steht also auch hier von der LXX un¬
abhängig), giebr die LXX 3, 1 und 9, 10 mit Bovycuo$.
(und zwar ohne Variante) und ebenso steht auch im Prolog
(Vulg. XII, 6 — diese hat dort ebenso; sonst im Texte
Agag). Woher dieser Name gekommen? So wenig Wahr¬
scheinlichkeit die Verwechslung des ^ mit 3 hat, so muß die
LXX doch v;.n oder gar gelesen baten, und dies Bov-
yalog stand ohne Zweifel ursprünglich auch 9, 24. Ein
Späterer vermuthete in dem Worte eine Sinn-Verwandschaft
mit dem Macedonier* und da sich die Stelle im 2. Edikt
(Bulg. 16, 14) „Haman dachte uns zu überlisten und unser
Reich an Andere zu bringen" sehr gut zu machen schien, wenn
statt der „Anderen" bestimmter „die Macedonier"
stiilrde, so setzte er so dafür und verwandelte auch den Bov •
yotteg in V. 10 in einen Mansdeov. Josefus hat im zweiten
Edikte, wo jetzt in der LXX sig Maxsdovctg (iszd^cu steht,
dg äXlovg und das wird die ursprüngliche L. A. sein.
157) Als weiteren, wenn auch gewiß von Keinem noch
für nöthig erachteten Beleg, daß Jos. unter 5 wirk¬
lich die Psrlmen verstehe, füge ich noch Anr. VII, 12, 3 bei.'
’ATiTjllaypsvog ö' fjdri noli^cov 0 dccvtörjg -- (o8ü$
*) Vielleicht ist an Bovueaa in Ph 0 cis, jedenfalls eiuk
griechische Stadt, gedacht.