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Der ganzen Welt mußt ringend du beweisen,
Daß noch die Lebensflamme in dir loht —
Und wisse, Jude: — Bricht die Not auch Eisen,
Der eisernfeste Wille bricht die Not!
Auf, - ’Jude, raff' dich auf! Nicht länger sollen
Die Hände feige ruh’n in deinem Schoß . . .
Von dir, von dir allein, von deinem Wollen
Hängt ab dein ganzes Los!
Antwerpen. Heinrich Grünau.
V. Buch Muses Kap. 20.
Das Buch der Bücher, daA uns zu
eigen ist, hat Verhaltungsmaßregeln
zum Inhalte, die für alle Lagen, in
welche der Mensch versetzt werden
kann, nicht allein das Richtige tref¬
fen, sondern auch alles das vorru-
kehren gebieten, was ihm frommt.
Auch für den Krieg hat die hei¬
lige Schrift eigene, dem göttlichen
Geiste entsprechende Gebote. In dem
oben angeführten Kapitel sind die
meisten festgelegt. Da heißt es:
„Ziehst du in den Krieg und wirst
deinen Feind sehen — er ist dir
mit Roß und Wagen und vielem
Volk überlegen — fürchte dich nicht
vor ihm, denn mit dir ist der Ewige,
dein Gott, der dich aus Mizrajim
herausgeführt hat. Das heißt, wenn
es eine gerechte Sache ist, wegen
derer du zum Schwerte greifst oder
zur Abwehr. Dann ersetze dein Mut
die Uebermacht deines Gegners."
Ferner ist es lehrreich, zu wissen,
wie die jüdischen Krieger zu Felde
zogen vor den vielen tausend Jah¬
ren, wo diese Anordnungen für die
Kinder Israels Geltung hatten.
„Es "trete der Priester vor die
Kriegerscharen und spreche sie fol¬
gendermaßen an: ,Höre, Israel! Ihr
ziehet in den Krieg, es zittere nicht
euer Herz. Fürchtet und flüchtet nicht
vor dem Feinde, denn der Ewige,
euer Gott, geht vor euch her, um ge¬
gen euren Feind euch zu helfen.'"
Dann treten die Richter vor das
Volk und 'sprechen: „Wer ein neues
Haus gebaut und es noch nicht ein¬
geweiht hat, der . gehe und kehre heim,
denn wenn er stürbe, müßte ein an¬
derer statt ihm das Haus einweihen.
Und jener, der einen Weinberg ge¬
pflanzt und ihn nicht gepflückt,
auch der kehre zurück, denn stür¬
be er, müßte ein anderer die
erste Pflücke vornehmen. Und end¬
lich Äua, der, welcher sich jüngst einer
Frau verlobt, kehre Heim, denn, stür¬
be er, würde ein anderer sie heim¬
führen."
Und sie, die Richter, haben wie
folgt fortzusetzen: „Der Mann,
der furchtsamen Herzens ist, kehre
gleichfalls heim, denn er könnte in
einem Sinne seine Brüder beein-
lussen." Und wenn die Richter ihre
Ansprachen beendet und die Betref¬
fenden ausgeschieden wurden, dann
haben die Heerführer sich an die
Spitze des Volkes zu stellen und mit
ihm in den Krieg zu ziehen.
Diese wenigen Sätze geben uns
einen klaren Begriff von dem Geiste,
den ein so ausgewähltes Heer beseel¬
te. Dann erst lernen wir begreifen.