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g Nr. 18. Prag, den 8. September 1911. XII. Jahrg. £ an q
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Selichoth.
Vom Himmel blicken trüb die Sterne,
Die Nacht ist kühl, die Nacht ist feucht;
Mein Auge schweift in weite Feme,
Mir ist so schwer, mir ist so leicht.
Der Herbstwind wimmert Jaul und leise, ,
Und Todesschauer die Flur durchzieht.
Noch immer nach der alten Weise
Singt Frau Natur ihr altes Lied.
Und Blatt um Blatt zur Erde zittert,
Und Tran um Trän* vom Aste fliesst;
Durch Trümmerhaufen, längst verwittert,
Still-Bächlein schluchzend sich ergiesst.
Nur dorther blinkt's aus einem Fenster
Und winkt es in die Nacht hinaus,
Und dorten wandelt’s wie Gespenster
Und wandert still in Nacht und Graus. --
Wer sind die Wand'rer, die dort wallen
In dieser Wildnis, wirr und wüst?
Wer sind sie von den Menschen allen,
Die niemand kennt und niemand grüsst ?
Das ist das Volk vom alten Bunde,
Das Gott wie welkes Laub zerstreut! —
Es sammelt sich zur nächt’gen Stunde,
Vor Gott zu klagen all sein Leid.
Wie aus den Grüften hag're Leichen,
So schleichen wankend sie einher;
Sie können keine Ruh erreichen —
Der Tod im Leben ach ist schwer!
Das Volk erschauert rings im Kreise,
Ein Schluchzen zieht durch sein Gemüt;
Noch immer singt nach alter Weise
Juda sein altes Trauerlied.
Sing', Juda, laut im Trauergewölbe,
Sing' laut das alte liebe Lied!
Der alte Feind ist noch derselbe,
Der alte Hass noch immer glüht!
Lass, Juda, deine Tränen fluten
Ob Feindes Spott und Feindes Hohn —
Die alten Wunden noch immer bluten,
Wie einst zu Rom und Babylon. —
Doch lass das Weinen, lass das Büssen,
Trotz Feindes Hohn und Feindes Spott!
Die ew'gen Sterne dich noch grüssen,
Noch ist dein Hort der alte Gott!
Hebräi-ch — Bassgebete.
M. Stengel, Wien*