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b bb B 22. Prag^ den 3. November 1911. XII. Jshrg. g n ° n g
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] Der Nil. [
Es war in der Mitte des Sommers, mit
glühender Hitze
Quälte die feurige Sonne Menschen und Tiere.
Müde und abgespannt
Suchten die Tiere den Schatten, und die
Menschen
Stürzten sich, dem dumpfen Gemach ent¬
fliehend,
Labende Kühlung suchend, in deine Flut.
So nahte dir auch,
Umgeben von vielen Sklavinnen,
Die schöne Königstochter Ägyptens;
Vergnügt mit ihrer Gespielin
Im rauschenden Wasser tändelnd, schwamm
sie alsbald,
Die Lose haschend, nahe ans Ufer, und bog
Das hohe Schilf ein wenig zur Seite; doch sieh,
Da hielt sie plötzlich ihne — und zog erstaunt
Ein kleines, binsengeflochtnes Körbchen her¬
vor! Auf ihr Rufen
Eilte behend eine Sklavin herbei und löste
Die viel verschlungenen Knoten des Flecht¬
werks ;
Und als dies nun geschehn und die Königs¬
tochter
Neugierig den Deckel hob,— da lag, 6 Wunder,
Ein schwarzgelocktes Knäblein im Korb und
' schaute
Mit großen, klugen Äuglein so flehend sie an,
Daß ihr Erstaunen alsbald zu Mitleid,
Ihr Mitleid aber zur Liebe wurde. Sanft
und zärtlich
Hob sie das Kind aus dem Körbchen und
wiegte,
Lange sinnend es hin und her.
„Ist dies nicht“, frug sie zuletzt,
„Ein Knäblein aus dem Volke der Juden,
das seine Mutter,
Zu liebend, es nach dem strengen Befehl
des Königs
Den Händen der Mörder zu überliefern,
Und doch auch zu furchtsam, es länger zu
bergen,
Dem glücklichen Zufall hier preisgegeben?
Und ist dem auch so“, sprach sie kühn
entschlossen,
„Wer könnt es der Tochter des Königs
wehren,
Das niedliche Kind zu begnadigen und gro߬
zuziehen,
Als wärs von jeher ihr Eigen? Ach seht
nur,"seht,
Wie traulich, die runden Ärmchen entgegen¬
streckend,
Der holde Knabe mich anblickt! Ja, komm
an mein Herz,
Mit goldgestickten, prächtigen Kissen
Will ich dein ärmliches Lager vertauschen,
Und liebliche Weisen singend,
In süße Träume dich wiegen!“