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Nr. 25. Prag, den 15. Dezember 1911. XII. Ishrg. q qq §
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Im Kinderzimmer aus einem Eckchen
Hell lenchtet ein Schimmer, feierlich schön;
Ich folgte diesem lichten Glanze,
Da sah ich eine Menorah stehn.
„SBte lange, sage mir, Menorah,
Dienst du in diesem Hause hier?" —
„ „Schon mehrere Geschlechter zogen
In Freud und Leid vorbei an mir!""
„Es haben Junge dich und Alte
Gewiß in Treue stets verehrt;
Du warst das liebgewordne Erbstück,
Als teures Kleinod allbegehrt!"
„„Du stehst mich an so voll Entzücken,
Du sonderbarer Forscher du;
Willst du, so werd' ich dir erzählen
Mein ganzes Schicksal, hör' mir zu:
Es war vor vielen, vielen Jahren,
Da kaufte mich ein armer Mann,
Gespart hat er manch sauren Groschen.
Jetzt halt' er seine Freude dran.
Wenn er entzündet meine Lichter
Und dann bei feierlichem Sang
Aus frohem Kreise der Familie
Das „Moaus zur* so fromm erklang.
Sein Sohn, der erbte mich mit Tränen;
An meinem Platze blieb ich stehn.
Mit Wehmut dachte er des Vaters,
Hat er die Lichtlein schimmern sehn.
Doch ach, die Söhne und die Enkel,
Sie gaben ihren Glauben hin
Um Ruhm und manche äuß're Ehre,
Um falschen Ehrgeiz und Gewinn.
Da ward ich bald ein unnütz' Erbstück,
Man warf mich zum Gerümpel hin.
Dem Zufall dank' ich's, wenn ich heute
In dieser trauten Ecke bin.
Und manchmal macht ein Menschenkindlein
Was viele vor ihm fehlten, gut;
Gar schwer verleugnet sich, das weißt du.
Ein angestammtes jüdisch' Blut.
Gar manches Jahr Hab ich vertrauert
Dort oben in dem Bodenraum,
Bis mich ein Kind herunterholte.
Mich weckend aus dem schweren Traum,
Ein Kind, dem plötzlich ward die Kunde,
Daß es von Juden abgestammt.
Es hörte von den Makkabäern,
Ward zur Begeisterung entflammt.
Es eilte zu mir ins Gerümpel,
Es putzt mich blank und macht mich fein:
„Du sollst von nun an mir, Menorah,
Der schönste Schmuck im Zimmer sein!"
Die Freudentränen hold verklärten
Des Kindes lieblich Angesicht:
„Ein treues Angedenken bist du,
Bon dir, Menorah, laß ich nicht!"