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Juden in England verfolgte. Diese Epik »de spielt in der
weltgeschichtlichen Stunde der Herrschaft )liver Cromwells
über England) und führt an einen Knoten nfnkt allgemeiner
und jüdischer Geschichte. Profeffor Dr. E r n st K a n t o r o -
w i c z (Frankfurt a. M.) skizzierte in sein« n Kurs über Ge-
lauer Jüdisches Gempindedlatr
Nr. 1
sellschaftskunde, die in der jüdischen Etwa
Recht gebührend berücksichtigt wird, die G
schaftlichen, sozialen und staatspolitischen
eine Fülle von Material zur Erarbeit!
flösse nach. Dozent Dr. Albert Lewk
gestaltete sein Referat über die jüdische E
in Schlesien zu einem grundsätzlichen Da
Erwachsenenbildung aus. In einem Aus
das Referat berichteten, Vertreter schl
gemeinden über die Bildungsarbeit in rh
gaben einen Einblick in die Möglichkeit
jüdischen Kulturlebens auch in den kleinfj
enenbiidung mit
ydbegriffe wirt-
enkens und wies
dieser Wissens-
w i tz (Breslau)
chsenenbildung
ag über jüdische
racheabend über
»scher Provinz¬
en Bezirken und
der Erhaltung
n Orten: gerade
hier sind mit bescheidensten Mitteln oft bemerkenswerte Er¬
folge erzisslt worden. — Die übrigen Abende waren — oft
bis Mitteirnacht — mit Aussprachen über die letzten Dinge
menschlichen und religiösen Seins, meist mit Martin Buber
als Mittelpunkt, ausgefüllt. Sie schufen gemeinsam mit der
Interpretation eines Bialik-Gedichtes durch Ernst Simon,
mit einem Oneg Schabbat, mit Singabenden, die hauptsäch¬
lich von Prof. Kantorowicz und Edgar Freund (Breslau)
gestaltet wurden, und mit Spaziergängen die Grundlage für
eine wirkliche Lebensgemeinschaft. Unvergessen bleibt vor
allem der Freitagabend, an dem Martin Buber mit
schöpferischer Kraft aus den Psalmen las. Den Dank der
Hörer brachte am Schluß der Beranstaltung Prediger
Falken st ein (Landeshut) in herzlichen Worten zum
Ausdruck. Die Teilnehmer bleiben erfüllt von dem Gehalt
der Lernwoche, die fruchtbar weiter wirken wird.
Kurt Schwerin.
Iwe/ Jaljtte ßdtj&fe Qatleffnstaffen
Der
deutschen
Die Zentralstelle für
lehnst assen hat soeben einen
hie Arbeit der letzten zwei Jahre h
umfangreichen Bericht, der nur de
Lachbearbeiter bestimmt ist, entn
Einzelheiten:
Wandel der wirtschaftlichen
Judentums hat das Äufgabenge
Darlehnskassen ganz außerordentlich erwe
der Arbeiten der Zentralstelle konnte
jüdischen Darlehnskassen in Deutschland e
Jahren 1933 und 1934 wurden !z w e i besi
kaffen erweitert, sechsundzwanzig örtliche
zirksdarlehnskassen neu aufgebaut.
Rach dem ersten Halbjahr! 1934 arbj
land insgesamt fünfundyierzig j
lehnskasfen. Die Arbeiten der Darl
allen Berufszweigen, besonders > den selbst
Gewerbetreibenden zugute. Interessant
sjüdische Dar-
htigkeitsbericht über
:ausaeg«ben. Dem
engsten Kreis der
inten <oir folgende
erhältnisie des
iet der jüdischen
ert. Auf Grund
litt Ausbau der
vlgen. In den
hende Darlehns¬
ud siebzehn Be¬
iten in Deutsch-
d i s ch e D a r -
ihstskassen kamen,
»igen jüdischen
hierbei die
Unterschiede zwischen Stadt uisi d Land. Die.
Orts-Darlehnskassen in den Städten Verden in An¬
spruch genommen von 40 Proz. Kaufleuten, 21 Proz. Hand¬
werkern, 9 Proz. Einzelhändlern, 9 Proz Vertretern und
Angestellten, 6 Proz. freien Berufen, 1k ■ Proz. übrigen.
Bei den Bezirkskassen sind neben lsÄ5 Proz. Kauf¬
leuten, 20 Proz. Einzelhändlern, j insbesond« rf die Dich- und
Landhändler, mit 14 Proz. .vertreten, zu Herren 12 Proz.
Handwerker, 7 Proz. Vertreter und Angestellte sowie
24,5 Proz. übrige Berufe kommen. Besorders hoch ist die
Inanspruchnahme der Darlehnskassen durcki pie Handwerker
in B e r l i n, wo diese mit 28 Proz. an zweiter Stelle stehen,
während bei den Darlehnskassi n im Re m ohne Berlin
das kaufmännische Element unter -den l iarlehnsnehmern .
überwiegt. [ \.
Im Jahre.1933 find die Kessen durch eine Schicht von
Darlehnsnehmern in Anspruch! genomm rt worden, bei
denen es sich um die Erhaltung gestehender bisher rentabler
Geschäfte gehandelt hat, die kurch Umsitzrückgang oder
mangelnden Lieferantenkredit ein Darlehn benötigten. Auch
die vielen beruflichen Umstellungm, die da.^Jahr 1933 mit
sich gebracht hat, sind durch die Kredithil n der Darlehns¬
kassen wesentlich gefördert worden. Allmc «ich hat sich die
Kredithilfe als eine selbständige Form der
Wirtschaftshilfe von den änderet! Formen der
jüdischen Hilfsarbeit abgehoben md sich z x; einem Mittel¬
punkt des jüdischen Aufbauwerk« in Deuts bland entwickelt.
In erster Linie haben die Darlehn« !äffen den Ver¬
wendungszweck der nachgesuchten Darlehen geprüft. Wenn
aus dem Verwendungszweck die Rückzahlur ^Möglichkeit ge¬
währleistet erschien, war die Entscheidung über die Frage
der Sicherheitsart von geringerer Bedeut hg. Allerdings
muß jedes Darlehn gesichert werden. Dabei
pflegen in der Regel Faustpfänder und mobile Sicherheiten
nicht genügend zu sein. Hypothekarische Sicherungen
könnten nur insoweit angenommen werden, als die Rück¬
zahlungsmöglichkeit des Darlehns aus seiner produktiven
Verwendung wirtschaftlich sichergestellt erscheint und es sich
für die Darlehnskassen nicht um eine Anlage ihres Kapitals
in Hypotheken handeln kann. Vielmehr können die Dar¬
lehnskassen nur, um möglichst vielen eine Kredithilfe zu¬
kommen lassen zu können, in erster Linie kurz- und mittel¬
fristige Kredite, in der Regel für die Dauer eines Jahres
einräumen. Bei hypothekarischen Sicherungen ist die Ge¬
fahr zu gisoß, daß Kredite einfrieren und auf diese Weise
die Darlehnskassen nicht in die Lage versetzt werden, inner¬
halb kürzerer Zeiträume ihr Kapital an möglichst viele Dar¬
lehnsnehmer zu produktiven Zwecken auszuleihen. Die Regel
bilden nach wie vor bürgfchaftliche Sicherheiten, von denen
sich zeigt, paß sie durchaus in genügendem Maße bei ent¬
sprechendes Bemühung des Kreditnehmers aufzubringen
find. Daneben ließ sich bei kurzfristigen Krediten durch
Abtretung von Kundenforderungen und anderen Formen
des Geschäl tskredites eine bewegliche Gestaltung der Sicher¬
heitsart he:bei führen.
In all solchen Fällen konnten die Darlehnskassen zur
Erhaltung und zum Neuaufbau von Existenzen wesentlich
beitragen, wenn die entsprechenden Unternehmungen sich
als gesunk und lebensfähig erwiesen. Kredite zum
Zweck der Abdeckukig von Schuldverpflich¬
tungen ider zu ausgesprochenen Sanierungen
können vor den Darlehnskassen schon deshalb nicht ge¬
geben werden, weil die Höhe des Einzeldarlehns, auch
im Jnteress; der Kredithilfe für möglichst viele, notwendiger¬
weise beschränkt werden muß. Wie stark die Anforderungen
an die Darlehnskassen gestiegen sind, ergibt sich aus der Tat¬
sache, daß m ersten Halbjahr 1934 der Anzahl nach etwa
80 Prozent, dem Betrag nach sogar 90 Prozent der Dar¬
lehen des g inzen Jahres 1933 zur Auszahlung gelangt sind.
Durch die außerordentliche Anspannung aller verfüg¬
baren Mittel, die unter dem Druck der wachsenden wirt¬
schaftlichen Not vorgenommen werden mußte, ist heute mit
der Tatsach; zu rechnen, daß die Mittel der Darlehnskassen
bis an d e Grenze de ^Möglichen für die Ver¬
ausgabung von Darlehen eingesetzt sind. Den neu an die
Darlehnska
en herantretenden Bedürfnissen wird nur Rech¬
nung getrazsü werden können, wenn den Darlehnskassen
neben den Rückflüssen aus ihren Ausleihungen zusätzliche
Mittel zur Verfügung stehen werden.
Wie auf allen Gebieten von Hilfe und Aufbau wird es
auch hier entscheidend auf die Leistungen ankommen, die
das deutsch^ Judentum aus eigenen Kräften vollbringt.
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