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««Ich' graßtl -«wicht in den hdchsten Xttiftn auf kie nll>
016 !« Lrprhuvg gdegt wird, und auch dt« Regierung hat «in
Jntereff« daran, daß wir unsere Jugend an der Hand der
Religion zu gottetsürchiigen und lugendhafien Bürgern «r»
,iehen.
Korrespondenzen.
Aev»k»vG, 70. Januar. Entgegen der Lntschelduna^ welche die
3nval1tität»- und Alters-Versoraungsaustalt für Schlesien
in Bezug auf die Befreiung der verncherungspflicht jüdischer
Lultusdeamter getroffen, hat -ie Anhaltinische Regierung dir ver-
ficherungrpflicht derselben ausgesprochen. Sie . schrieb dem
S sigen Magistrat hierüber folgende»! «Die Beschwerde des
ntor» und Lehrers B. m Bernburg über den Bescheid des Magistrats
vom 14 . August d. 3 » Verweigerung einer Puittungskarle betreffend,
welche de» formellen Erfordermffen entspricht, muß auch m mateneller
Beziehung für begründet erachtet werden. Zunächst steht ohne weiterer
fest, daß Beschwerdeführer nicht zu denjenigen personalklaffen gehört,
welche nach tz 4 de» Reichrgesetzer vom 22 . 3 uni ! 88 - von der ver-
ficherungspflicht befreit find. Es bleibt daher ledialich zu prüfen, ob
derselbe in eine der nach $ \ leg. dt za versichern-en Kategorien von
Personen eiinureiben ist. Hierbei war aber in Betracht zu ziehen,
einmal die Art seiner Thätigkeit und dann seine sociale Stellung.
Die Functionen des Lantor» und Lehrer» bei einer jüdischen Lultur-
gemeinde bestehen nach der Auskunft de» Lpnder-Rabbiners im vor-
tragen der vorgeschriebenen Gebete, Vorlesen au» der Thorarolle und
dem Religion»unlerricht der Kin&or. Nur wegen letzteren Punkte»
bedarf derselbe einer gewiffen. wenn auch beschränkten wiffenschaftlichen
Vorbildung. Im Allgemeinen kann seine ThätiLeit eine vorwiegend
aeisttgr. d. h. wissenschaftliche nicht genannt werden. Seine sociale
Stellung aber erhebt sich zweifellos nicht über den Personenkreis.^ber
nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch und vom Standpunkte wirth-
schaftlicher Auffaffung dem niederen Betriedsbeamteustande angehört.
Der Beschwerdeführer muß hiernach entweder als Gehülfe oder alr Be-
triebrbeamter im Sinne -er Ü ! des Gesekes angesehen werden.
Auch in letzterem Falle ist derselbe verficherun^spflichtig. da
sein Gehalt 2000 Mk. nicht Übersteigt."
Mrefchv», 2 . Februar. Herr Lantor Lzechanowitz begeht am
27. d. M. sein 2 »jährige» Amtsjubilävm.
ALeustvi». st 3anuar. Gestern feierte der Lulturbeamte
Herr Freyer ln Dletzro mit seiner Gattin da» Fest der goldenen
Hochzeit.^
frtttllffcrt a. ITT., 22. 3anuar. (Gig. Mitth.) Die meisterhafte
Rede, welche Herr Direktor vr. M. Hirsch bei der jüngst erfolgten
Einweihung der neuen Gebäude» der Volksschule-der I»ra-
»litischen Religionrgesellfchast gehalten, ist nach stenographischer
Aukeichnung im Druck erschienen.*) Die vortrefflichen Schlußwotte,
welch» dar Programm nicht nm unserer, sondern jeder wahren
jüdischen Volksschule bilden, verdienen weiteste Verbreitung. Sie
lauten: «Möge diese Stätte — nur wenige Tage kennen uns ja
von unserm Lvannkasest, dem jüdischen Licht- und Veibefeste — eine
Stätte de» Lichte» fein, in der da» Licht -er Gottesfurcht und der
Geistesbildung seine treue pflege finden möge immerdar! Möge in
diesen Räumen stet» ein Geschlecht herangebildet werden, aurgestattet
mit allem für da» Leben nöthigen Wiffen und Rönnen! Mögen aber
diese Geschlechter zugleich stet» hingefühtt werden zn jenem Baume
de» Leben», zu jenem ewigen «vuelle der Erkenntniß. au» dem fie
stch und ihre Lrbenspflicht erkennen mögen, auf daß sie festwurzeln
m dem Boden de» unverkürzten nnd «»verkümmerten Gottesgesetzer.
jene» Gesetze», da» e» verstanden hat, auch die sturmumtosten, de-
scheidensten Hütten de» jüdischen Leben» zu Heimstätten de» Lichte»,
der Lebensheiterkeit, de» innigen Familienglücke» zu gestalten! Aber
nicht ein einseitiger Geist der weltstucht und der jsolinma ist der
Geist, der hier gepflegt wdden soll. E» werden her Geschlechter
herangedildet werden, dorcbttänkt mit jener Erkenntniß und durch-
dmngen von lenem Lewutztsetn. daß e» der Stolz de» 3udenthum»
und seine welthistorische Mission ist. der Menschheit 'nicht nur den
Glauben an den einen Gott erhalten zu haben, sondern auch da»
Bewußtsein von dem fteien Menschen: durchttänkt mit jener Lehre,
die die Gottähnttchkeit. die Gottebenbtldlichkdt. dir Gotterkin-schaft
aller Menschen ohne Unterschied der Abstammung, ohne Unterschied
der Religion aus die Fahne geschrieben hat; durchttänkt mit jener
Lehr», welche eben deshalb die ewig« Seligkeit allen reinen Menschen
als solchen zuerke«nt und deshalb auch da» Ziel aller Menschheit,-
entwicklung nicht etwa dann erbllckt, daß alle Menschen juden.
sondern daß alle Menschen rein« Menschen werden; durch«
drangen von jenem Bewußtsein; -aß es ihr« heilige Aufgabe ist,
gegen alle Menschen di«'Menschenpslicht zu erfüllen, in
jedem Menschen ohne Rücksicht ans «aff» aber Religion
oen Menschenbruder 3 « sutzetz wt* |a achten, und dem «tchk
iüdischen Bruder gegenüber el» Speo ff en de» Abrahamsvolke, die»
doppelte Gewissenhaftigkeit als doppeltheilige Gewtffen »Pflicht zu be»
währen. Die» ist der Geist, der hier gepflegt werden soll. Aber
der Geist, der hier gepflegt wird, wird immer mehr das betonen, was die
Menschhdt cinet, alr was fie ttennt.und in diesem Geiste wird dieseSchule
an Universalität von keiner Simuitanschule je Übertroffen werden können.
Denn der so erzogene, so hercrngebildete jüdische Mensch hat da»
weiteste Herz, den weitesten Blick, und. ohne alle konfessionelle Um-
fchränkuiig. für alles Gute und Herrliche die strt» bereite Thatkrast
und die stet» offene Hand. 3" diesen Räumen' sollen Geschlechter
h»rangd»ildet werden, denn» ferner ein Einblick erschloffen wird in
die. Gesetzmäßigkeit -er Natur, auf daß vor ihrem innen, Auge die
Erkenntniß aufgehe, wie nirgend» die Willkür. überall -ie Herrschaft
der Gesetze» e» sei, die Leben und Gedeihen erzeuge, und e» soll
ihnon ׳ gezeigt werden, wie nach dem alten jüdischen Worte Sy חרות
ן nvnSn, d,e wahre Freiheit nur auf dem Boden de» fteudigen Ge-
I horfamr gegen dar Gesetz erblühe. Ls soll ihnen endlich auch ein
! Einblick m die Gänge der Geschichte eröffnet werden, auf daß fle die
! sittliche Wellordnung ahnen und ihr Vaterland lieben lernen. Die
! jüdische Schule ist so glücklich, daß fle sich flr diese heilige pflege
| der Vaterlandsliebe nicht zo beschränken braucht auf die pfleae avb
. Kräftigung all -er tausend zarten Fädett, durch die der Mensch mit
seinem vaterlande verknüpft «st. Sie Hot noch ein andere» ,nächtige»
j Agen». einen anderen mächtigen Faktor, der sie unterstützt in dieser
pflege de» vaterländischen Kmne». 111 der Erziehung eines Geschlechter,
dar tteu steht zu Kaiser und Reich. Diese» Agens ist dar religiöse
pflichtgebot. dos es dem Juden zur heiligen Pflicht macht. '
alles daranzusetzen für die Förderung de» Wöhle» de»
Vaterlandes. Eine 3ugend. die so geleitet, so herangebildet wird,
die von diesem Geiste beseelt ist. können wir ruhig hinaustreten !offen
in'» Leben. Sie wird vorbereitet sein für die ihrer harrenden Kämpfe,
gefeit gegen die versührongen. -ie sittlichen und -ie forial-politifchen
Verführungen. Und wenn es auch nicht bei ausnahmrlo» Allen gelingen
sollte, wenn auch da» Licht, das hier gepflegt wird, bei Manchem vielleicht
vorzeitig erlischt, so spricht zn nn» die Lichtlehre. die da» Makkabäer-
licht uns alljährlich in Erinnerung bringt: nS PV, נבתח , wir
haben unsere Pflicht erfüllt an den uns anverttauten Menschensproffen.
wir baden bei ihrer Bildung und Erziehung sorgsam geachtet aus
מזיח rm, auf die herrschenden Zeitstromongen. Hätten wir freilich
diese» nicht gethan, hätten wir kein offene» Auge gehabt für die
herHchenden Strömungen und Sttebungen und den doraur sich er-
gebenden Ausgaben nicht Rechnung gettagen, so könnten wir die
Augen nicht ruhige schließen, Durch den hier gepflegten Geist jedoch,
den ich mir kurz zu kennzeichnen erlaubte, werden unsere Kinkntt ge-
schützt sein gegen alle Verführungen und tteu im Leben verwirkliche«
dasjenige, wofür in der Jugend ihr kindliche» Gemüth gewonnen
und begeiftrtt ward." L» braucht nicht gesagt zu werden, welche
mächtige Wirkung diese Worte auf alle Hörer übten, wie zumal die
anwesenden städtischen Behörden d!em «ebner ihre unumwundene
Anerkennung zum Ausdruck brachten. E» erfüllt mit hoher Genua-
thuung. daß eine blühende,' gedeihlich geförderte Anstalt von solch'
echtjüdischen, wdtdlickenden und «msaffenden Grundsätzen gettagen ist.
Darin liegt ein unbeabsichtigter, aber um so machtvollerer Protest gegen
jede böswillige Verleumdung der gewissenlosen und unwissenden 3«den-
feinde. hier mögen ste den Geist spüren, der durch dar 3udenthom
weht und in dem seine 3ug»nd erzogen wird.
Osfenkach a. M., 24 . 3anuar. (Eia. Mitth.) ver hier seit einer
Reihe von 3ahren an der Volk»schole wirkende Lehrer Gabriel wurde
dieser Tage durch hohe» Dekret definitiv an genannter Anstalt angestellt
Dies beweist von Neuem, -aß -a» hessische Kchukministertam nach
dieser Richtung rüstig vonvärtsfchrritet. Diese Anstellung hat noch da«
durch Bedeutung, daß -ie veraebung der Dffenbacher Schulstellen der
Präsentation der Fürsten vsenburg-Birstein bedürfen, der also
gleichfalls nicht hindernd in den Weg getteten ist.
On-apest, 2 *. 3anuar. (Eia. Mitth.) von einem schönem
Doppelfeste will ich 3hnen berichten. 3n der hiesigen Romdach.
Synagoge feierte der daselbst anaestelltr zweite Lantor, Herr Jacob
Spitzer. da»3ubiläun, seiner fünfzigjährigen Wirksamkeit als
6ba«»n und gleichzeitig auch da» Fest seiner goldenen Hochzeit.
Spitzer erblickte im 3ahrr !8!6 in Dftm da» Licht der Welt, ist somit
7 » )ahre alt, seine Frau 3ulte, geborene Fischer, ist um ein3ahr
älter. Beide zusammen repräsentiren da» respektable Alter von !53
Jahren und erfreuen sich einer körperlichen Rüstigkeit und geistigen
Frische, die nicht» zu wünschen übrig lasten. Sie haben drei Söhne,
zwei Töchter und u Enkelkinder. Spitzer war % Jahre alr vorderer
m Dsen, !4 3ahre in Kecrkemet. ist seit so Jahren in gleicher Eigen-
schaft bei der hiesigen Großgemeindr angestellt und erwarb sich überall
die volle Zufriedenheit seiner Gemeinden, da er pflichttreu und gewiffen-
Haft sein Amt versieht. Ver 3ubilar wurde gestern beim Sabvat-
Hauptgottesdienst vor die Thora gerufen, dann erhielt er vom Gder-
kontor 3acod Bachmann einen ergreifenden Ni«ol»»b«A 0 h. welcher
durch den kunstvollen Gesang Vachmann'» und seine» Sängerpersonalr
einen tiefen Eindruck aus die Anwesenden machte. Hierauf bettat
Lantor 30f«f Keller den Almemorund mai-tt keinem Kollegen im
Amt« einen von ihm selbst verfaßttn »ieebabsesok. besten gediegener
/vortlaut, durch prächtige« vorttag noch gehoben, von mächtig er-
«eisend« Wirkung war. 3« -er Wohnung gratulierten dem 3*wpdQr
da» Rabbinat, der Synagogenvorst an d, vr. Goldziher, Mberkontor
Bachmann. Lantor Keller u. A. D. H. &
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