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3*1• )sraeliüscher WL
Lrhrrr uttli Lailtor.
CrgiB für Die Gefammtintereffen Der israelitischen Eultusbeamten.
(Beilage zur Jüdischen Presse.l
drrautzgegeben von Vr. Hirsch HUde 4 hei«er.
Leiartlkel: Der Entwurf eines Lolkaschulgesetzes. — Viäv»oi H0o»ul«k — GoreesponDeazen. — Inserate.
V«r Entwurf eine» Aokksschutgesetzes.
von Dr. Gdnnr» £U«rf«l» in Arr.in«.
II.
Die» im Einzelnen durch Gegenüberstellung der w.sent-
ltchsten Bestimmungen de» Goßler'schen mit dem Zedlitz'-
schrn Enlwurs näher darzuthun, sei indessen späieren Be-
trachlungen oord! Hollen, wenn da» neue Gesetz, nachdem et
die maß- und geletzaebenben Faktoren besldästigl. in end-
giltiger Fassung »orltegl. Ist doch schon setz! durch Lom-
misstontbeschluß in einem der striiliaften Punkte ein Reue»
geschaffen, welche» slir die Lesammibeurihetlung de» Gesetz-
enlwurs,« von grißier Bedeuiung sein dürste. Wir wollen
daher in Folgentim nur mit einigen Grundprinzipien, mit
deren Annahme oder Ablehnung da» Gesetz steht und fällt,
un» beschästigen.
Der springende Punkt, um «eichen stch namentlich auch
dt« angeregte Sffeniliche Dt»kusstoa der vergangrnen Wochen
drehte, ist unstreitig die schärfere Betonung der konfessionellen
Scheidung der Schulen, wie sie am deuiltchsten in der Be-
stimmung de» ) 14 Abs. 3 )um Au»druck gekangi, daß,
,soweit nicht an einem Orte bereit» eine anderweitr Schul,
»ersaffung besteht, neue Bolktschulen nur aus konsesstoneller
Grundlage errichtet werden sollen". Er ist hier nicht der
Ort, die zahlreichen Einwürs», welche in den vielen Resolu-
luitonen, Petitionen und Streitschriften in den letzten Wochen
»orgebrachl wurden, zu prüfen. Wir wollen vielmehr zunächst
nur dt« historische Entwickelung der Frage der konfessionellen
oder simultanen Schulversaffung darlegen und zu diesem
Zwecke wiederum einige geschichtliche Rückblicke lhun. E» ist
im Berlaus« der Parlam«nt»d«batten wiedeiholl der Minister
». Bethmann-Hollweg zitirt und die Sach« so dargestelli
worden, al» bezeichnete der Zedlitz'sche Gesetzentwurf hin-
ftchllich der Grundanschauungen über den Werth und Unwerth
de» konfessionellen Unienichlt einen Rückschritt gegenüber dem
durch Beihmann - Hollweg vertretenen Standpunkte. Dem-
gegenüber mtgen hier die Autsührungen in den-״Motiven
zu dem Unlerrtchtügesitze" de» letztgenannten Minister» ihren
Platz finden, um darzuthun, daß gerade umgekehrt die in
der Zedlttz'schen Begründung sich aursprechende Grundan-
schauung, «a» un« Juden betrifft, einen wesentlichen
Aoiischrtit in lideialem Sinne daiftelli. In den angezjgenen
Motiven') heißt e« (S. 829):
״Dn vorliegend« Geietz-Lmwurt gedl in de» Au»siU,rnngen
di«j«r Vrstimmungen ibrtr.ffend konf«jfionrlle voikrlchuleni von dem
Siondsone an», daß istertei nur di» »vangelische und di« rimisch.
katholisch« Airche in Leirocht -«zogen werden kdnnen. Diese
Ansicht sticht sich a»f Ar ».tm versasiu״s»-»tku»d«. Derselbe laut«,:
>) vgi .Di« Geschgebong aus dem Gediei» de» Uuter>ichl»wesen»
in Preuße., ». I. |81;~|8»8. Aktenstück« u. f. n>." Drrliu Will!.
•»״3
,Di« christliche Religion wird bei denjenigen Linrichtongen de» Staate»,
weich« mit der Reiigionrübung im Jusammenhange stehen. unbeschad«t
der in Art. 12 gewährleisteten Religionrs eibeit zu Grunde gelegt."
Kn solchen Einrichtungen ist die öffentliche volkrschule zu rechnen.
Man steht klar, daß Bethmann-Hollweg hierin, wie
nur irgend einer, von den erzreaktionäiften Anschauungen
vom ״christlichen Staate" besangen ist, eine Berblendung, dle
ihn leichten Herzen» dazu führ«, den bedeuisamen Relativsatz
im § 14 der Bersaffungt-Urkunde (״welche mit der Religion»-
Übung in Zusammenhang stehen") stillschweigend zu über-
sehen. Wie ganz ander«, um wieviel sretstnniger find da»
gegen die bezüglichen->u»sührungen in der Begründung de»
Zedlttz'schen Entwurf,»! Eine einfache Gegenüberstellung
dürste genügen, um jeden objektiven Beobachter erkennen
zu laffen, ob in jenen Motiven oder in den folgende»
Worte» «in freierer Geist weht:
»Zunächst wird im tz (4 der Schule der konfefstonelle Lharakter
gewahrt. welcher n&t ihrer Einrichtung ol» Gemeiudeschole durchau»
vereinbar ist. Maßgebend für diese Bestimmung ist zunächst die
Erfahrung, daß die Bevölkerung einer Vereinigung von Rindern ver-
fchiedener Ronfesstonen in derselben Schule zumeist widerstrebt. Vte
Annahme, daß die gemeinsame Unterbringung und Er«
Ziehung n der Volksschule den konfessionellen ~XtTtTin
besonder» ״ähre und stärke, hat stch nicht bewahrheitet. . .
<£$ kommt aber noch ein andere» Moment hinzu. Vie erziehliche
Wirkung de» Unterricht» hängt zu einem nicht geringen Cheile
davon ab. daß e» dem Lehrer gelingt, in der richtigen
Weise auf da» Gemüth seiner Schüler einruwirken. und
-aß Lehrer. Schule und Hau» in der richtigen Wechselwirkung
zu einander stehen. Dafür ist e» von erheblicher Bedeutung, daß
stch die Lehrer, die Schulen und die Eltern der Rinder aus demselben
Alaubenrgrunde bewegen, )ebenfalls wird da» gegenseitige vertrauen
dadurch genährt."
Wir würden diese Gegenüberstellung einer abgelebten
Weltanschauung, die lhr Rüstzeug au» Len Zetten Lori» de»
Großen herholen muß, mit einer anderen, die ihre Resultate
aus dt« Irrffendfte psychologisch« Betrachtung und pädagogische
Ersahrung»l«hr« stützt, nicht unternommen haben, wenn dt«
Ergedniff« der einen wie der anderen nicht am deuiltchsten
in ihrer Auffaffung von der Berechttguug der südischen
Religion alt einer gleich ebenbürtigen mio-den christlichen zu
Lage iräien. E« ist nur solgrrtchttg, wenn Herr». Beihmann-
Hollweg (ib.) sorlsähri:
»Vie praktische Bedeutung diese» Grundsätze» namentlich Juden
und Vifft-enten gegenüber, un- wie deren persönliHe Freiheit -er
religiöse»! Ueberzeuaung nach der Seite der Rindererziehung hin -e-
wahrt ist. wird de! den einzelnen Paragraphen de» Gesetzentwurf»
darzuthnn sein."
Und v<Utr ( 1 b. S. 286)
*)״ den konfessionell eingerichteten evangelischen und katholischen
Schulen wir- dagegen weder für die jüdischen Kinder, noch für die
der Dissidenten «el,- 1 o«».U,!terricht ertheitt."
Natürlich l Nie foOlt sich auch die Idee einer chrifttichen
Staaitvernnstaliung mit der Erlheilung jüdischen Religio»«-
unterrichte» vereinbaren lassen. Ader ebenso natürlich und