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Dies« gufamsttnfUOuat spricht 6tt«bt gtnug. 6U um<
satt nicht nunigct all fünfundstebztg Bezirke, and
dt«Ziffer dürfte aus nahe,» hundert steigen. Wohl ist«»
wahr, e» handelt fich in zahlreichen Fällen' nur n» «ine
Kraftprobe, aber ist die Thalsach«, daß t» annähernd eilten»
Mertel sä«mlicher Wahlkreise dies« Kraftprobe gewagt wird,
Bewerber aus der Bildfläch« erscheinen dürfen» deren »Pro¬
gramm' in der lufhebung der Ewancipaiton gtpselt — ist
diese Tharsache nicht kennzeichnend genug für de» llmsang,
den der Anltsemtittmu» gewonnen, und nicht Rahnnng ge¬
nug, zur Abwehr sich |ufammtn|uf(tUt6tnt Daß überall
dort, wo antisemitische Kandidaten zur Wahl stehen, jeder
Jude an der Bekämpfung ihetlnehiuen, sein «ateriellel und
phpfischel Seiften etnsetzen muh, braucht nicht gesagt ,«
werden; aber dawti ist nicht annähernd genug geschehen:
diejenigen, an welche diese« Le bot nicht unmittelbar
herantritt, unsere Glaubentgenossen in allen de« Wahlkreisen,
welche von anttsemilischen Kandidatur«» verschont geblieben,
haben die Pflicht, durch m a t e ri r l li Förderung de» Kamps
in den grsährdeien Bezirken erleichtern »u helfen"») lind «er
wird engherzig, pflichtvergeffen zuÄAehe», woso Großet auf
dem Spiele steht, wo e» gilt, eine Gesahr zu bannen, welch«
un« »l l« bedroht? Wahrlich, e» hieße an dem Ehrgefühl,
an der Selbstachtung, an der Einficht der deutschen Jubenhett
»erzwetseln, würde sie diese schreiendste Forderung überhören
und nicht in opferbereitem Weitetser, in opferfreudiger Hin¬
gebung Alle» leisten, wat ste |u leisten vermag. Wat Demoft-
hene» einst gegen Philipp von Makedonien gesagt, daß die
größt« Hoffnung für die Zukunft sei, wa« fich all die
größte Berfäumniß in der Bergangenhett erwie», dieser
Wahrsah mag un» Mahnung und Zuversicht sei» in dem
schweren Jammer der Segenwart. Eben «eil die Sünden
der Bergangenhett, die sträfliche Lnthätigkett so bmer fich
gerächt habe», darum muß und wird jetzt energische Arbeit,
kräftige» Seiften an ihre Stelle treten, und werden wir, jeder
an seinem Platz« und nach seine« Können, arbeiten und
leiste», bann darf dar Bewußtsein gewissenhaft erfüllter Pflicht
un« mit freudiger Zuverstcht auf den endliche» Sieg wappnen,
dann wird auch da» gegenwärtige Beschlecht würdig sich be¬
währen der großen Ahnen, welche nicht« Höhere» kannten, al»
dt« Ehre de« Iudenthum« und der Judenheti!
Korrespondenzen.
ferlin, 17. Mai. D«r-„Btrkin für iüdis iie fite.
schichte und Literatur" erläßt folgende« Prei«-Au».
schreiben:
»Die unteqeichneti tt-mmisfio» W „iveretn» für jüdisch»
Geschichte nn» Lttteratnr" in Berti» letzt tzierdnrch >i»n> Peeil non
FK»sh»»ß«»t Warf
fite bi« li«i Grzä-lu«, «ui, «eich» tzillel und fein« Zelt
betzondelt, ktttn Jntzelt und gönn dem verftitndnil der ilreeiittschen
Iu,«n« inl Allee »on >1—1« J»tzee» »nßepatzl lein muß. All Stnfter
werden dt» «eierlindtlchen P°l>e«r,tzl»»,»» ««, gmd. «chmtdt
«mpsohleu. DI» Irpttztun« fo> tat streng obiectlner DarsteLung einzig
und allet» »atzt» wirte», de» reit«»!» Sinn der Jugend p, kräftigen
und ft» fti, Ni, tzelde» und Setz,er Jereit« p> degrtstm». Der »«Inn,
de, Sqätzlun, darf I« Drulk»»,en »ich« üdechtzretie».
»utzerde» wird et» Prell »»«
Z»«th»»hrrt Mark
I», dt« »weiltest« Jngentschetft tzletchen Jntzattl un» gleicher Den»«,,
»ue,q«tzt.
») Beiträge zur Bekämpsung antisemitisch»! Landidaturen sännen
dem.Lamitr, zur Adwehr ontisemililcher Angrchr- (Schatzmeister «edr.
äitnederg, Berlin, Aarlftr. liderwiesen werden. Aus Wunsch find
wir zur Vermittelung drrett.
Dt» SUu|M?t» »üfi«, »i» M« I. Detzem»«» ». g. mit ei««
«Mt» «e rsitze« und pm «nmttzm in dum nmschl«si«ne» K«««rl, in
dm» »er Aewen M Pwfnflem «nttzaite» ist, «» dme > « sttz en» e» M*
Prreins, deren De. Guß», K,r,el«l Polin kp. Stnterftttstr. »e I,
«i»>es»»dt werde». Di« Petit»«g wir» denrch di, onter^ichm», »ammtstte»
»«» zum l. JUt» summend«, J»trrtz ImUdet i»t», »»> da» «efiUtu»
s. Z. ifientlich mtttzeteM wer d e». Da» Verl«i»ncht »er ueeiggetröMr»
«qätzlu», tz-tzdrt de» .«er-in fti, jädischt Guschichw m>»
der dem Persifi«, «inen desttmmte» Anteil um Neingewt»» jeder A»st»tz,
tzutam»« last«, wir». Di« mit de» ». Prrts, «ntztzr»eich»cl« Arbeit
»ars tnnertzald dm nächste» Urei gatzr» nicht verletzt »erden. Aach
dieser Seist st»tzt dem ldeisnfier tu v»I« Perftlgunglrecht ater dnfielt» p.
Perlt» 4. »at 1IM.
IUM. Dr. 1 Ausenzweiß, Oderletzr«, At. Schlier, Prediger Sr.
St Bot», Dr. Hirsch hildeltzetmer, G,mn»fi»l..L«tzr»r Dr. Luchmu»,
E« braucht nicht erst hervorgehoben tzu «erden, baß ber
Satin «tt diesem Pretlaulschreiben ein wahrhast gute»
Werk ihm, welche« sicherlich ungethetlten Betsall finden wird.
Dag Fehle» jüdischer Jugrnd-Erzählungen erweist sich immer
mehr all ein em pfindliche r Uebelftand, deffen Beseitigung zu
de» ernsteste» Forderungen der Tegeuwart gehört. .
Kirf, 16. Mai. Die „Kieler Zig.', da» angesehenst« Organ
unserer Provinz, schreibt: »Wenn die Herren Anitsemtien, deren
e» ja nun in unsere« sonst tzesignelen und gesunden Schleitwig-
Holftetn einige zu geben scheint, in dem Dr. Dannetl
eine neue Stütze ihre» Glauben» und einen tröstlichen Ersatz
für den verflossenen Ehren-Ahlwaidt gesunden hu haben
glaubten, so find ste seit gestern Abend auch diese« Droste»
und dieser Stütze jäh beraubt «orden. Denn wie ber Abg.
Richter t« Retchötage mit dem Rektor, I» verfuhr ber hiesige
Rabbiner, Herr Dr. M. Stern, «U de« Pastor aller
Deutschen: a verfolgte ihn mit der Waffe aklenmäßigen
Beweis,« in die letzten Schlupfwinkel seine» Baue« »nd ent-
larvte ihn, nach den verschiedensten Seiten diese» genttlen
Charakter» hin, in uneniwindltch überzeugender Weise. Herr
Dr. Dannetl ist hier in Kiel und hoffentlich ein für alle
Mal fertig; er darf sich angeficht« dieser Dhatsach« allensall»
mit dem finanziellen Erfolge trösten, der, soll« er allein mit
demselben davongeht, ein sehr ansehnlicher war. Denn da
große Saal de« Klaffen«»' war allerbtng« bi« aus den letzten
Platz besetzt, iheil» »on Antisemiten, unter denen die Studenten
' ein hervorragende« Konttngeni stellten, thetl« von Gegnern
derselben, unter denen die Sozialdemokratie stark »ertreten
war, thetl» endlich von Neugierigen, welche fich an dem
Berlaus dieser traurigen Komödie ergötzen wollten. Am Ein¬
gang de» Etablissement» erhielt «a/ eine große Anzahl von
Drucksachen, darunter den »on Daitnetl verwendeten »Talmub-
Anözng' de« Dr. Jakob E ckrr-, -dt« sogenannten „hundert Ge¬
setze', serner den „echten Tal«ud>Au«zug' de» Dr. Hirsch
Hilde »he im er/sowie eine »Offene Anfrage an Herrn
Herrmann Pohl', dettgleichen ein Flugblatt, enthaltend da»
Urihetl de» Herrn F. C o b l e n z über Danneil, und endlich
wer wollte, konpie auch einen sozialdemokratischen Wahlaufruf
haben. Nachdem Dr. Danneil sich eine Weile durch ab¬
wechselnde» Trinken von Bier und Selter»waffer gestärkt
halle, errffneie er die Versammlung, fich selber al» deren
Borfitzenden proklamirend und da» versprechen gebend, daß
nach Schluß seiner Rede Jeda zu Sari kommen solle. Da
trotzdem au» da Versammlung herau» laut »erdend« Ruf
nach Bildung eine« Bureau» wurde durch eine Ansprache de« ■
Herrn Hetnzel beschwichtigt, und so konnte Dr. Dannetl,
hinter welche» der Kriminal-Kommissar Klein sch mtdt
mit eine« anderen Krtminalpolizisten Platz genommen hatte,
sein Werk begin nen. A us eine detatlirend« Wiedergabe der
’ Dannrllffchen Adlfsthnnigen können wir getr^tz verzichten,
«eil wir dadurch in unsaen Lesern nicht einmal da« pikante
Gefühl de» Widerwillen», sondern lediglich und alleln da«,
jentge einer endlosen und freudebaaren Langeweile hervor-
rufen würben. E» wäre Dannetl wohl unter den fort-