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wie alljährlich, unseren Bedarf mit fünf Zentnern
bei den Bäckern bestellten, die sich mit dem
Mehleinkanf und den Arbeitern hienach ein¬
richteten. Nun kamen aber doppelte Ansprüche,
denen in kurier Zeit entsprochen werden sollte.
Aber auch der Geldmangel trat hinzu. Denn
wenn anch die vermögenden Einwohner von
Jaffa an Spenden es in keiner Weise mangeln
Hessen, und wenn anch die edlen Spender im
Anslande, und ganz besonders das Amster¬
dams r Comitb nns unterstützten, dennoch
reichten diese Gaben kaum für die Hälfte
unseres Bedarfs. Für nns bandelte es sich je¬
doch zunächst nicht um Geld, sondern um Maz-
zoth. Die Bäcker mussten fortwährend soviel
als möglich backen, und wir — mussten zahlen,
was sie verlangen. Um dem Mangel abznhelfen,
erlaubte sogar unser Präsident, der ehrwürdige
hiesige Rabbiner, bei Nacbt zu backen. Schliess¬
lich fehlte es auch noch an Mehl; die Preise
der Mazzoth stiegen enorm in die Höhe, und
Arme wie Reiche mussten auf Pessach zum
Hungern sich bereit halten. In dieser höchsten
Noth wandten wir nns nach Jerusalem tele¬
graphisch nra Hilfe, uns um jeden Preis Mazzoth
zu schicken, welche denn auch ^tatsächlich am
noc Mittag ankamen. Nun denket Euch,
werthe Glaubensgenossen, unsere Lage in der
Zeit, als unsere Brüder tagtäglich von uns
Mazzoth verlangten, — und als diese endlich
ankamen, verbrachten wir einen ganzen Tag
mit der Vertheilung. Sogar noch während der
Halbfeiertage kamen Leute aus Ramleb und
anderen kleinen Plätzen in unserer Nähe und baten
um Mazzoth. So hatten wir nicht einmal wäh¬
rend des Festes Ruhe.
IV. Durchreisende.
In dieser Beziehung haben wir tagtäglich
saure Arbeit mit Denjenigen, die ein- und ans¬
wandern. Die Almosenpfleger im heil. Lande
schicken ihre Armen an die Grenze, d. h. bis
Jaffa, mit der Versicherung, dass ihnen dort
weiter geholfen werden wird. So kommen diese
Armen schaarenweise zu uns, umlagern unsere
Kasse, verfolgen uns in unsere Wohnungen und
lassen uns keine Ruhe vom frühen Morgen bis
zum späten Abend. Auf diese Weise wird diese
Seite unserer Thätigkeit die schwierigste und
unangenehmste, und trotzdem können wir kaum
den zehnten Theil von dem bieten, was von uns
beansprucht wird. Es wäre daher nichts mehr
als billig, dass an allen Plätzen, wo Sammlungen
zu Gunsten der ans ihrer Heimath vertriebenen
Glaubensgenossen vorgenommen werden, ein
Theil der gesammelten Gelder für obigen Zweck
nns znfliessen möchte.
V. Oertliche Bedürfnisse.
Trotzdem dieser Punkt nur unsere Ortsan¬
gehörigen angeht, die sich selbst von unserer
Thätigkeit überzeugen können, wollen wir doch
dieselbe auch hier erwähnen, damit unsere
Glaubensbrüder im Auslande einen annähernden
Begriff davon bekommen, was in den Bereich
unserer Arbeit gehört. Ausser der ständigen
Aufsicht über Schlachthäuser und Badeanstalten
haben wir anch einen Verein unter dem Namen
‘nOR D’TDn nVTBJ man» gegründet, der
in allen Sterbefällen ^“*1 dasNöthige zu besorgen
hat, xworan es bisher am hiesigen Platze voll¬
ständig mangelte. Diese und ähnliche Bedürf¬
nisse durften wir nicht von der Hand weisen;
wir haben ihnen vielmehr viel Zeit und Kraft
gewidmet.
— VI. Schuldentilgung.
Auch hier haben wir eine fortlaufende Ver¬
pflichtung, die schwere Sorgen macht. Wir haben
zwar auch in der diesen Rechenschaftsbericht
umfassenden Zeitperiode einen kleinen Theil
unserer Schulden getilgt, aber auch nur einen
kleinen Theil.
Wir schulden nämlich :
n. unserm 1. Rechenschaftsberichte &58 Gerusch
,, ,, 2. ,, ,, . 18 627 ,,
II II II II 984 y
zusammen 19 439 Gerusch
Hiervon sind abgetragen . . . 3 868 „
dann bleibt als Restschuld . . 18 871 Gerusch
Theure Glaubensgenossen! Verlasset uns
nicht, helfet uns, unterstützet uns, reichet uns
Eure hilfreiche Hand! N —''
Jaffa, 1. El ul 8682.
Das Comitä.
(Folgen die Unterschriften.)
Bilanz pro Ende September 1892.
Einnahmen: : Angaben:
A. Für allgem. Zwecke
Gartuen Para
Ans hiea. Stadt 11,8-2 JO
Ans der Kolooie
pV? PfftO 796 20
Vom Ausland 18,098 29
Summe A 28,244 19
B. Ftir das Krankenhaus.
Aus hie«. Stadt 4,864 00
Vom Ausland 61 ,*66 30
Q*meh Par*
F.d. Krankenhaus 49,802 28
Darleihen an
Kranke . . . 1,047 00
Untersttttauogen
tür not . . 12,659 10
Für Durchreisende 1,477 16
Oertl. u. Vereins-
bedürtuisse . . 17,164 00
Schuldentilgung. 8,671 20
Summa: 86,601 82
Summe B. 56,080 30
ZuH&m menstellmig.
Gemach
Fan
Summe der Ausgaben
82
28,242Gerusch 19 Para
56,030 SO „
84,278
09
R«t: i,sss
28
Hiervon ab Gewinn an
nniD .
.871
00
Reetaohnld: 857
29
- 4 -
+
Druck der Job. Wirth*noheo Hortn>ohdm<‘kerei, Aetien-Gesellschaft, 11,ins