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Zwei Schreiben des Comites für die israelitischen Schulen
in Jaffa an den Herausgeber.
i.
Jaffa, 8, Dezember 1892.
Sehr geehrter Herr Rabbiner 1
Wir beehren uns, Ihnen mitzutheilen, dass
das Locsicomite der Alliance IdraAlite Und-
▼ erselle nnd der “Jvit '22VI» &D8 Odessa,
sowie die Vorsteher unserer Gemeinde nnd die
Delegirten der jüdischen Kolonien am 18. Oct.
eine Zusammenkunft hatten, um das Gedächtniss
des Herrn Michael Erlanger zn feiern.
Es fand ein Trauergottesdienst statt, bei wel¬
chem einige Gebete für die Seelenruhe des Ver¬
storbenen vorgetragen worden.
In Anbetracht der hervorragenden Dienste,
die der Verstorbene dem Jndenthnme nnd be¬
sonders dem Kolonisationswerke in Palästina ge¬
leistet hat, dessen Urheber der vor einigen Mo¬
naten durch den Tod uns entrissene Dr. Pins-
k ei* ,i"p war, ln fernerer Berücksichtignng der
intimen Freundschaft, welche diese beiden wacke¬
ren Männer in den Gefühlen für die Hebung des
Wohles unserer verfolgten Glaubensgenossen ver¬
einigte, hat die Versammlung beschlossen, ihr
Andenken durch Errichtung einer Öffentlichen
Nützlichkeitsanstalt zn verewigen. Diese An¬
stalt, die den dringendsten Bedürfnissen unserer
Gemeinde entsprechen soll, konnte ein grosses
Schullokal sein, ein Spital oder auch ein Asyl
für Arme (ü’ITYlK nO»l)-
Da wir jedoch keine andere Absicht haben
als die, ganz und gar im Geiste der tief be¬
klagten Verstorbenen zu handeln, deren Ziel
die Zukunft unserer Nation war, und zwar durch
sittliche Hebung der israelitischen Jugend, so
glauben wir, ihre Ideen am besten durch Er¬
richtung zweier Schnlgebünde zu verwirklichen
(eine Knaben- nnd eine Mädchenschule), von
denen das eine den Namen „Erlanger“, das
andere den Namen „Pinsker“ tragen soll.
Diese Schulen, die von dem Geiste dieser
beiden Vertheidiger des Jndenthnms durchdrungen
sein werden, sollen ein Geschlecht heranbilden,
wie sie es erträumt haben.
Dank der Unterstützung seitens der A 1>
Hane/ IsraOiite nnd der '22V1» haben
wir schon eine Knabenschule gegründet und
hoffen, auch bald eine Mädchenschule erhüben
zu können. Allein da unsere Hilfsmittel sehr
schwach sind, und da es ausserdem in Jaffa kein
Lokal giebt, das gross genug ist, um alle Kinder
der Gemeinde zu fassen, so sehen wir uns ge-
nOthigt, die Zahl unserer Schüler zu beschränken.
So bleibt unser Werk unvollständig! Die meisten
armen Kinder müssen auf der Strasse bleiben,
als Stiefelwichser oder gelegentliche Hausirer.
Wir sehen es als eine Schande an, die jüdischen
Kinder so auf der Strasse sich herumtreiben zu
lassen, während es doch ihr grösster Wunsch
ist, an unserem Unterricht theilnehmen zu dürfen.
Die Errichtung einer güten Schule ist daher für
uns eine Sache der höchsten Nothwendigkeit.
Während die Christen für die Hebung ihrer
Glaubensgenossen grosse Opfer bringen, während
sogar die Muselmänner Schulgebäude errichten,
bleiben wir hinter den Anderen zurück. Herr
Weinstein aus Odessa, der unsere Stadt
besuchte, hatte, um unseren Plan zu unter¬
stützen, die Gewogeüheit, für das künftige
Schnllokal 5000 Francs zu bewilligen. An¬
dere Summen sind uns versprochen. Auch zählen
wir sehr auf Ihre Grossmutb, geehrter Herr
Rabbiner, nnd wagen zu hoffen, dass, um eines-
theils das Andenken der Herren Erlan ger nnd
Pinsker zu verewigen, andemtheils, um einer der
angesehensten Gemeinden des heiligen Landes
zn Hilfe zu kommen, die die Erziehung ihrer
Kinder dringend wünscht, Sie durch Ihre Mit¬
betheiligung zur Errichtung zweier Schullokale
gefälligst beitragen werden.
Die Subscriptionen werden von Herrn
N i t g o, Direktor der Ackerbauschule der Alliance
in ''Skiü 1 ' mpo» he! Jaffa, entgegengenommen.
In der Hoffnung, dass Sie unsere Bitte mit
Geneigtheit anfnehmen werden, bitten wir Sie,
geehrter Herr Rabbiner, unseren Dank im Vor¬
aus anznnehmen, sowie den Ausdruck unserer
Hochachtung!
II.
Jaffa, 14. Februar 1898.
Sehr geehrter Herr Rabbineri
Wir haben die Ehre, Sie zu benachrichtigen,
dass das Secretariat der Alliance Israilite
uns 868 Francs zugeschickt hat, die Sie, ge¬
ehrter Herr Dr., zur Bekleidung der armen Kin¬
der unserer Schule angewiesen haben. Es würde