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altt und genossenschaftlicher Grundlage errichteten Vereins-
Lehrerkassen eine besondere Bevorzugung verdienten! Auch
das Badensische und Ostpreustische Kassenstatut nimmt
bei der Ausnahme der Lehrer keine Rücksicht auf den Ge-
sundheitszustand derselben. Und so sollte es überall sein,
wo man sich des WeseuunterschiedeS dieser Vereins-
Pensionskassen und der öffentlichen Gcschäftsunter»
nehmungen wohl bemüht ist.
Im Zusammenhänge mit den Aufnahmebedingungen
können wir wohl auch noch ein Wort bezüglich der
B e m e s s u n g d e r B e i t r ä g e für die der Kasse als
ordentliche Mitglieder angchörenden Beamten einfügen.
Die Rabbiner-Witwen- und Waisenkasse hat dafür zwei-
erlei Bestimmungen, eine formale und eine maßgebend
praktische. Nach der letzteren bestimmt sich der Betrag für
die Beamten immer nur nach ihrem Amts»
a e h a l t. Es kommt dabei,,weder das Eintrittsalter der-
selben, noch die Altersdifferenz zwischen Mann und Frau,
wie es im offiziellen Tarif der Kasse angewiesen ist, in
Betracht. Dieser detaillierte Tarif des Statuts hat über-
Haupt nur eine interne Bedeutung für die Kasse. Er
dient ihr nur als Mabstab dafür, wieviel sie zu jeder
Leistung eines Mitglieds nach dessen persönlichen Ber-
hältnisscn aus ihren allgemeinen Mitteln (den Zinsen de»
Kapitalfonds) zuzuschicbcn hat, damit die technische Sicher-
heit des Betriebes nicht leidet. Es ist unbestreitbar, das die
bei der Rabbiner-Witwen- und Waisenkasse gültige Art
der Beitrags-Bemessung am meisten und treffendsten dein
Wesen unserer GemcinschastSkasscn entspricht, indem da-
nach auch pon den Beamten Feder zum allgemeinen
Zwecke nach dem Maste seiner Kraft bei-
zutragen hat und der Minderbcgütette unter ihnen die
Vergünstigungen der Kasse auch billiger erhält, wie der
iin Gehalt Bessergcstellte. Gegen die Gefahr, einer will-
kürlichen höheren Ausnützung ihrer allgemeinen Mit-
tcl, die dabei immer zur Ausgleichung dienen müssen,
schützt sich die Rabbinerkasse durch die Bestimmung,
dast Jeder verpflichtet ist, sich innerhalb eines
Jahres, nachdem er die Möglichkeit zum Beitritt zur
Kasse erlangt, bei ihr anzunielden, andernfalls alle ver?,
säumten Beiträge mit Verzugszinsen nachzuzahlcn hat und
nach dem sünszigsten Jahre überhaupt nicht mehr auf-
genommen wird. Indem die Kasse so alls Neuaus-
nahinen prinzipiell auf ei» m ö g l i ch st frühen
Alter hinzudrängen sucht, kann sie sich auch unbedenk-
!ich bei der Bemessung der Beiträge für die Mitglieder
rein wieder von den Momenten leiten lassen, die sich aus
der
Die
iinmer chre höchste Wcfcnsbcslimnning ausmacht.
Kasse empfiehlt sich auch !» dieser Hinsicht wieder als
Vorbild unserer Lehrcr-Versorgungskassen, von denen iiur
die ostpreustische bisher die Mitglicdsbeiträge nach-gleichen
Grundsätzen bestimmt.
Die Verwaltungsordnung der Rabbiner-Kasse ist
- mit ganz besonderes Feinheit und Akkuratesse geslallet.
' Wir wollen hier nicht aus alle Einzelheiten derselben ein-
gehen, sondern nur das Eine näher in'« Auge fassen,
was uns wegen de« bekannten Streitfalles mit der Ver-
bands-Pcnsionskassc besonders interessieren darf: 10 i e
bei dieser Rabbiner Witwen-undWaisen-
lasse -aS Allge nie i» i n t e r e s s e der Stau-
deSgcmeinschast und der weiteren be-
teiltgten Kreise an der Kasse gcivahrt
i st. Für eine zu gcnicinnützigcn, schul- und standcS-
politischen Zwecken, mit starker sozialer Tendenz errichteten
Kassen-Jnstitution ist cs unbedingt erforderlich, dast den
nicht unmittelbar (persönlich) beteiligten Parteien statutcn-
mästig ein großer Einslust auf die ganze Kassensühning
eingeräumt ivird. Die Kasse kann sonst leicht z» stark
von de» rein egoistischen Neigungen der Kasseninuglieder
beeinflustt und so ihrer ivesentlichcn Bestimmung entzogen
werden. Austerdem berechtigt auch die materielle Be-
teiligung iveiterer Kreise diese dazu, dauernd ein Mit-
bcstiminungsrecht über die Verwendung der Kasseninittel
zu fordern. Das wird selbst von der staatliche» Aus»
sichtSbehörde als berechtigter Standpunkt anerkannt und
immer berücksichtigt. Bei der Rabbiner-Kasse hat man
nun zwar von einer besondere» Vertretnng speziell des
mit der Kasse auf's engste verbundenen und an il>r hoch-
interessieren Rabbiner-Verbandes abgesehen, aber man hat
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die Möglichkeiten einer rechtlichen Einflußnahme deS Ver-
bandeS auf den Gang und die Wirksamkeit der Kasse
allgemein so weit ausgedehnt, daß es kaum noch
einein Zweifel unterliegen kann, daß der Rabbiner-
Verbänd immer die maßgebende, rechtlich« Gewalt fiber die
Kasse chaben wird. Die wichtigste Bestimmung -dafür ist,
dast jeder Rabbiner, soweit er nicht ordentliches Mitglied
der Kasse ist, wie jede Laienperson gegen «inen geringen
Jahtesbeitrag stimmberechtigtes Mitglied der
Kasse werden kann. Und welcher Rabbiner von auch nur
einigem Allgemeininteress« für seinen Stand wird nicht
zum mindesten einen Unterstützungs-Beitrag zu seiner
Kasse zahlm wollen, der ihm auch das Stimmenrecht .bei
derselben verleiht? Dadurch ist aber die ganze
Rabbincrschaft mitbestimmendes Organ
bei der Rabbiner-Witwen- und Waisen-
lasse geworden, und eS ist kein Zweifel, dast die Masse
derselben in der General-Versammlung der Kasse immer
so stimmen wird, wie es in der Rabbiner»
Versammlung vorher zur einigenden Aussprache
gekommen ist. Nach Lage der Sache werden auch
die Rabbiner in den Jahres-Vcrsammlungen der Kasse
immer am stärksten vertreten sein und dadurch bei den
Entscheidungen leicht da« Uebergewicht haben.
Der weitreichende Einslust der allgemeinen Rabbiner-
schast kann sich aber dann auch bei der Zusammensetzung
des Kassen-VorstandeS geltend machen. Nach dem Sta-
tut der Kasse sind keineswegs nur die ordentlichen Mit-
glieder der Kasse und einige wenige, besonders ausge-
zeichnete Personen für den Kassen-Vorstand wählbar, son-
dern auch alle auberordentlichen Mitglieder. Bevorzugt
sind die ordentlichen Mitglieder dabei nur insoweit, als
zwei von den zehn Mitgliedern des Kuratoriums not-
wendig aus ihrer Mitte gewählt werdcn müssen. Das
Statut sieht demgegenüber mit gleicher Bestimmtheit
vor, daß fünf Mitglieder de» Vorstandes dem Kreise der
bei der Kasse persönlich ganz uninteressierten Laieninit-
glieder zu entnehmen sind, und ferner können die drei
weiteren Stellen, für die nur Rabbiner in Betracht kom-
men sollen, ganz nach dem Belieben der Majorität auch
mit solchen, die nicht ordentliche Mitglieder der Kasse
sind, besetzt werden. Man versteht es unter solchen lim-
stände», dast die ordentliichen Mitglieder der Kasse hier
geradezu besondere Kautelen brauchen, um i» ihren be-
rechligtcn persönlichen Interessen wenigstens bei den
wichtigsten Entscheidungen in Sachen derKassefSatzungs-
Acnderungen etc.) von einer, mehr allgemeinen Ten-
werden zu können. Und dafür ist denn auch im Statut
noch in besonderer Weise vorgesorgt. Im Ganzen liegt
aber auch in dieser Hinsicht bei der Kasse die Tendenz
vor, dast diese wesentlich zu allgemein-standessördcrlichen
Zwecken und mit groben Unterstützungen seitens der All-
gemeinheit errichteten Kasse immer vorherrschen im all-
gemein nützlichen Sinne, zum allgemeinen
Besten der ganzen Standesgemeinschast gehalten und
geleitet werden soll. In diesem Sinne stehe diese Rabbiner»
Witwen- und Waisenkasse uns Lehrern immer in beson-
deren, Plaste als anregendes Beispiel vor Augen, daß auch
ivir Alle«, wa» wir auf diesem Gebiete schaffen und
leisten, immer ausmllnden lassen in das grobe, all-
gemeine Ziel: Für die Gesamtheit unseres
Standes!
Lorrrspondrnjen.
Berlin, 8 .. Juni. Der Leu1sch»JSr«eli1ische ttemrinbc*
bund hat an den preuhtschen Minister der geistlichen und Unter-
richlSairgelkgenheiten eine Petition gerichtet, den jüdischen Re»
ligionsunterricht in denjenigen kleinen und unbrmittelteu
Ennagvgen»Äk>neittden Prrutzen», wo für ihn weder durch öffent
liche jüdische Schulen, noch fettend der bürgerlichen Gemeinde*
durch Anstellung jüdischer Lehrkräfte in den öffentlicken Volks*
schulen, noch in anderer Weise gesorgt ist, aus den! entsprechenden
Fond deS MinisteriuntS zu unterstützen. Durch Umfrage bei den
Provinzial* und VezirkS-Verbünden, sowie bei den Land- und
Vezirksrabbinaien bezw. den Vorfteherärntern ist der Gemeinde-
bund in den Stand gesetzt worden, dein Herrn Minister ein um-
lassendes und zuverlässiges Verzeichnis der einer Unterstützung
für den Reliaivnsunterricht ans öffentlichen Mitteln bedürftigert
Synagogen-Gemelnden jn überreichen.
Berlin, 6 . Juni. Die ״Vereinigung jüdischer Sleltgi-
onSlehrer Berlins״ hat in ihrer letzten Sitzung sich mit einer