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vornnherei mit einer Gefamtoertretnng der gesetzestreuen jü-
dischen Zugend Deutschlands und ber] Schweiz zu rechnen
war. So erfolgte denn auch in einstimmigem Beschluß die
Konstituierung unter dem Namen ״Bund gesetzestreuer jü-
bischer Jugend-Vereine^, als dessm Zweck in § 2 der bereits
vorbereiteten und von einer — im Laufe des Abends er-
nannten — Statuten-Kommisfion nochmals redigierten Satz-
ungen bezeichnet wird: ״Die Zusammenfassung aller jüdischen
Lernvereine, die auf dem Boden des gesetzestreuen Juden-
tums stehen, zu deren ideellen uns» materiellen Stäckung.
Im Besonderen soll der Bund das Zusammengehörigkeits-
gefühl stärke» und eine Vertretung! der gesamten gefetzes-
treuen Jugend darstellen.' Die!Beratungen wurden am
nächsten Tage fortgesetzt und mit der endgiltigen Annahme
des Statuts beendet. Zum Verhandsorgan ward .Der
Sabbath" bestimmt. Mit der weiteren praktischen Tätigkeit
wurde eine Anzahl von Kommissionen betraut, die Presse-,
die Bücher- und die Propaganda-Kommission. Zum Prä-
fidialverein wurde der Hamburger ,Mekor-Chajim-Verein"
ernannt. Hm Edmund Lew y-Berlin (Auguststr. 84), der
bis zur Stunde noch die gesamten Geschäfte des Bundes be-
sorgt, ist zu jeder weiteren Auskunft gern bereit. Auch sind
durch ihn die Bundes-Sahungen zu beziehen. Wir wün-
scheu dieser jüngsten Organisation der gesehestreuen jüdischen
Jugend von Herzen Glück auf de» Weg und haben das
Vertrauen, daß sie ihrer schönen Aufgabe in vollem Um-
fange gerecht werden wird.
Jahresversammlung des .Verbandes der jüdischen
Lehrer-Vereine des Teulschen Reiches."
Hannover, 27. Dezember. Der Verbandstag, zu
welchem fast alle angcschloffenen Vereine Delegierte entsandt
hatten, fand am Dienstag und Mittwoch Hierselbst im Saale
der ,Börse' statt. Nach Begrüßung der Erschienenen durch
die Herren Senator Leopold Fischer, Vorsitzenden des
Vonlandes der jüdischen Gemeinde, Landrabbiner Dr. G r o-
n e m a n n und Seminar-Direktor 2r. K n o I l e r, erstattete
im Anschluß an den Bericht des Vorstandes über die Ver-
waltnngsperiode 1905—1907 .HerrLehrer Goldschmidt-
Hamburg ein Referat über ,Die Notwendigkeit der metho-
dischen Umgestaltung des hebräische!» Unterrichts.' In der
anschließenden Generaldebatte sprach zunächst Herr Levy-
Frankfurt gegen die alte Unterrichts-Methode. A u e r b ach -
Berlin wies auf den religiösen Jndifferentismus der Jetztzeit
hin und auf das bedauerliche Verhalten vieler Eltern, von
denen zu wenig Gewicht auf den Wert des Religionsunter-
richtes gelegt werde. Es sei unbedingt erforderlich, diesem
Jndifferentismus entgegenzuarbeiten. Die Religion müsse
wieder in den Vordergrund treten und befruchtend auf die
übrigen Unterrichtsgegenstände einwirken. Das beste Mittel
sei eine Verbefferung der Unterrichtsmethode; nur dadurch
könne eine beffere Pflege des Hebräischen uud zugleich eine
lebendigere Teilnahme am Gottesdienste erzielt werden.
Rabbiner Tr. Gronemann erwartet nicht viel von einem
gegen den religiösen Jndifferentisinus gerichteten Kampf. Es
komme für's Erste lediglich darauf an, die Kinder zu ge-
winnen ־ und durch eine verbefferte Unterrichtsmethode zu
feffeln. Vor Eintritt in die Spezialdebatte wurde ein Antrag
beraten: K 1 der Satzungen um einen Zusatz zu bereichern,
der die Behandlung solcher Fragen, die zu r e l i g i ö s e n
Streitigkeiten innerhalb des Verbandes führen können,
ausschließk. Nach Begründung des Antrages durch A m r a m-
Borken beantragte der rheinisch-westfälische Verein U e b e r -
gang zur Tagesordnung. Die meisten Redner
äußerten sich dahin, daß der Antrag zum Statut überflüssig
sei. Nachdem der Vorsitzende, Oberlehrer Dr. Fiegel mit-
geteilt hatte, daß auch innerhalb des Vorstands die Ansichten
über den Antrag sehr geteilt waren, wurde Uebergang zur
motivierten Tagesordnung beschlossen und also der Zusatz
zum Statut abgelehnt. Zu der Spezialdebatte über.das Re-
ferat, betr. die Notwendigkeit der methodischen Umgestaltung
des hebräischen Unterrichtes, berichtete Reallehrer Feiner-
Hamburg über die Arbeiten der Kommission und verlas die
von ihr entworfene Vermittelungsthese, die das Erfordernis
einer Modernisierung des hebräischen Unterrichtes in knapper
Fonn betont. Diese These wurde mit einigen redaktionellen
Aenderungen angenommen, dagegen der Antrag auf Be-
fchränkung des Religionsunterrichtes mit großer Mehrheit
abgelehnt. Lehrer N u ß b a u m - Wiesbaden referierte über
den Stand der Kantorenbewegung in Deutschland. Nach
längerer Debatte erklärte sich dK^BerbandStäg für eine von
einer Kommission ausgearbeitete Resolution, welche die Ver-
pflichtung des Verbandes zur Förderung der kantoralm
Fragen und die Organisatton der Kantorensektion innerhalb
des Verbandes festlegt. — In der zweiten Sitzung an!
Mittwoch nahmen die Beratungen über die materielle Lage
der jüdischen Lehrerschaft im Deutschen Reiche einen breiten
Raum ein. Die Ausführungen des Referentm. Lehrer
Andorn- Krefeld, gipfelten in der Feststellung eines Not-
standes in der jüdischen Lehrerschaft, deren Angehörige, ab-
gesehen von wenigen Ausnahmen, gegen ihre christlichen
Kollegen weit zurückftehen müßten. Nach längerer Debatte
genehmigte die Versammlung die nachstehende von dem Re-
ferenten eingebrachte Resolution:
.Die wirtschaftliche Lage des größten Teiles der jüdischen
Lehrerschaft ist völlig unzureichend, der deutschen Judenheit un»
würdig und der kulturellen Entwickelung widersprechend. Die j
Gleichbehandlnng der jüdischen Lehrer mit den Lrtslehrern in I
Hinsicht auf Besoldung, aus Sicherung der Anstellung der Alters- ;
und Hinterbliebenen-Versorgnng muß überall verlangt werden. I
Die jüdische Lehrerschaft hegt die Erwartung, daß die jüdischen Der-
bände in Gemeinschaft mit den staatlichen und kommunalen Be»
Hörden die baldige Verwirklichung dieser Forderungen in die
Wege leiten werden." !
Die Organisation der Verbandspensionskasse war Ge-
genstand einer längeren Debatte. Schließlich stimmte die
Versammlung einem Anträge Feiner- Hamburg zu, eine
Konnnission mit der Durchberatung der Organisation der
Kasse zu betrauen. Direktor Silberberg -Ahle»! be-
richtete im Aufträge der Simon-Stiftung über Ziele und
Tätigkeit der Israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem.
Jln Anschluß daran wurde die Einrichtung von Ausbildungs-
kursen für jüdische Lehrer beschlossen. Ein Festkommers
vereinigte am Abend die Delegierten.
Jüdisches Lehrer-Seminar in Köln.
Köln, 29. Dezeinbcr. Auf Einladung des Kurato-
riunis fand anläßlich des ,Vcreinstages für die Jnteresseti
des orthodoren Judentums' am Mittwoch, den 25. De-
zember in Berlin eine Ziisammeiikunft angesehener Männer
aus allen Gauen Deutschlands statt. Nach Begrüßung der ,
zahlreich Erschienenen führte der Vorsitzende des Kuratoriums, '
Herr Isidor Dülken, etiva Folgendes aus:
.Tos Kuratorium glaubte, gerade den jetzige» Lcreinstag j
zum Anlas; einer Besprechung über das Seminar wählen zu j
sollen, da doch die Heranbildung von Lehrern zu den vornehmsten j
Aufgaben des geietzcstreuen Judentums gehört und ein in diesem
Sinne geleitetes Seminar in erster Reihe das Jntereffe und die
Unterstützung eines jeden Glaubensgenosse» beanspruchen darf. |
Die während des M jährigen Bestehens des Instituts ausgebil- ן
deten Lehrer, deren Zahl 300 übersteigt, üben heute, mehr' oder
weniger, eine segensreiche Tätigkeit über ganz Deutschland aus.
Dieses gemeinnützige Wirken für die Fortpflanzung unserer hei»
ligsten Güter in den Herzen der Jugend hat auch bislang in
alten Teilen unjeres Vaterlandes Förderung gefunden, was bei
dieser Gelegenheit mit Tank und Anerkennung hcrvorgehobcn
werden soll. Tie Verhältnisse bringen es aber mit sich, daß daS
Kuratoriun! nunmehr wegen Beschaffung größerer Geldzuwend-
ungen sich an die Oeffentlichkeit wende» muß. Die Anforderungen
der Schulbehörden an die Lehrerbildungsanstalten wachsen; ein
Zeichensaal, eine Bibliothek, Unterrichtssäle für Physik und Ehemie
sind eingereichl worden, außerdem in diesem Jahre aus Anordnung
der Köiiigl. Regierung eine Uebungsschule usw. — Ter innere
Ausbau des Seminars sei heute derart, daß dasselbe binnen
Kurzem als vollgiltig vom Staate anerkannt wird und d i e G e- ׳
nehniignng zur Ablegung der st a a t l i ch e n A b »
s ch l u ß ^ P r ü f u n g zu erhoffen ist. Gerade dieser letztere
Punkt ist von g r ö ß t e r B e d e u t u n g sür das Institut, denn
es darf mit Bestimmtheit erwartet werden, daß demselben dadurch
S ' ..
Lebensmittel-Teuerung sind die Ausgaben, einmalige wie fort-
lausende, naturgemäß bedeutend gestiegen. Das Kuratorium hat
sich schweren Herzens dazu verstanden, alle diesen großen Aus-
gaben zu bestreiten, obwohl keine entsprechenden Einnahmen ge»
gcnüberstanden, von der Erwägung ausgehend, daß dieselben
unbedingt erforderlich waren, um die Anstalt auf der Höhe zu
erhalten, und in der Hoffnung, daß für das vollständig ausge-
baute Institut der Lpsersinn in erhöhtem Maße sich betätigen
werde."
Redner schloß mit dein Ausdruck der Hoffnung, daß
ein so mustergiltiges Lehrer-Seminar keiner weiteren Für-
spräche bedürfe, daß es als unserer Aller Ehrensache em-
Pfunden werden würde, das zu erhalten, was wir von dm
Vätern ererbt haben. Die Ausführungen des Vorsitzendm
machten sichtlich auf alle Anwesenden tiefen Eindruck. An
der lebhaften Diskussion beteiligten sich die Herren Rabbiner
Dr. A u e r b a ch-Halberstadt, Provinzialrabbiner Dr. B a m-