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zum Zweck« bei Vorbereitung aus die von der Wissenschastl. Der-
«inigung beantragten, vom Schulvorstande genehmigten weiter-
.gehenden Prüfungen in den ReligonSwissenschasten eingerichtet
iverden bezw. auf welche Fächer und Themata sich die Vorlesungen
erstrecken sollen, ergibt die prinzipielle Geneigtheit dafür. Jedoch
könne der Einrichtung der Kurse erst näher getreten werden, wenn
die Prüfungskommission ernannt kein werde. Die Versammlung
beschäftigte sich dann noch mit der von Herrn Dr. Jakob ver-
faßten Besprechung des Coblenzschen Buches ״Jüdische Religion',
die in der Juli-August-Nummer der Monatsschrift für die Wissen-
schaft des Judentums veröffentlicht worden ist und beschloß fol-
genden Protest an den Vorstand der Gesellschaft zur Förderung
der Wissenschaft des Judentums zu richten: Die Wissenschaft!.
'Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin spricht
als korporatives Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der
Wissenschaft deS Judentunis ihr lebhaftes Bedauern darüber aus,
dag die von Herrn Dr. Jacob verfaßte Besprechung des Eob-
lenz'schen Buches ״Jüdische Religion' in der Juli-Aug.-Rummer
der Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums Aufnahme
gefunden hat, da der darin angeschlagene persönliche und ver-
legende Ton ihr weder der Würde der Gesellschaft, noch dem
wissenschaftlichen Charakter ihres Organs angemessen erscheint. —
Am 6. Dezember fand die General-Versammlung der
'Bereinigung statt. Aus dem vom l. Schriftführer erstatteten
Jahresbericht sei heroorgehoben: Es fanden im verflossenen
Jahre 8 Sitzungen mit 7 Vorträgen statt. Die Mitgliederzahl ist
um 4 Kollegen und S Kolleginnen gestiegen und beträgt jetzt 76,
und zwar 61 Herren, 15 Damen. Auf Veranlassung der W. V.
. hat Herr Dr. Kellermann einen Cyklus von Vorlesungen über
״die Bergpredigt und die Ethik des Judentums' abaehalten.
Außer dem fast regelmäßigen gemütlichen Zusammenbleiben nach
der offiziellen Sitzung dienten einige AuSfluge und zwei Familien-
Abende der Pflege der Geselligkeit. Für daS Jahr wurde der
alte Vorstand mit seiner bisherigen Geschäftsoerteilung wieder-
gewählt. Ein nach erfolgter Vorstandswahl vom Kollegen Sacher
«ingegangener Antrag: den Vorstand mit Rücksicht auf die stei-
gende Mitgliederzahl tu vergrößern, kam, wiewohl er erst in
«iner neuen General-Versammlung hätte endgiltia verhandelt
werden können, doch schon zur Vorbesprechung. Dabei verneinten
alle sich zu Worte meldenden Redner, ohne Widerspruch zu finden,
die Notwendigkeit einer Vorstandsvermehrung: sie versprachen
sich von einer solchen keine Erleichterung, sondern vielmehr eine
Erschwerung in der Führung der Geschäfte. Darauf zog der An-
Iragsteller seinen Antrag zuruck. — Der angekündigte Vorkrag des
Kollegen Flanter: ״Der biblische Geschichtsunter-
r i ch t a u s d e r U n t e r st u f e' fiel aus und wird erst bei der
Sitzung des Brandenburger-Lehrervereins am
38. Dezember stattfinden. Die Verlagsbuchhandlung I.
Kaussinann Frankfurt am Main hatte der W. B-,in
liebenswürdiger Weise eine Reihe in ihrem Verlage erschiene!:
Schulbücher zur Kenntnisnahme und freien Verfügung eingesandt,
darunter: das Gebetbuch Schaare Tefillo in neuester Auflage, die
Tefilla Kezara, 2. Auflage, Kuttner: Bibelsprüche, Apolant: Psal-
men, Groß: Religionsbuch, 2. Aufl., R 0 )enfelder: Sprachheft.
2. Aufl. Kollege Falkenberg wies daraus hin, daß namentlich
Las von Levy bearbeitete Gebetbuch Schaare Tefilla in seiner
jetzigen vorzüglichen Form und bei seinem außerordentlich nied-
rigen Preise eine ganz hervorragende, empfehlenswerte Leistung
bedeute. Die eingesandten Bücher wurden gegen einen bestimmten
Mindesieinsatz verlost und der ansehnliche Ertrag einem stellungs-
losen, schwer kranken, der W. V. nicht angehorenden Kollegen
zugestcllt.
Frankfurt a. M., I. Dezember. In der letzten Sitzung
der hiesigen Bereinigung israelitischer ReligionS-Lehrer
und Lehrerinnen sprach Herr E i n st ä d t e r im Anschluß an
dar Andornsche Referat über ״die materielle Lage der jüdischen
Lehrer'. Der Vortragende entwirft ein trübeS Bild von der
traurigen Notlage des >übischen Lehrerstandes. Der jüdische Lehrer
— auch der der Großstadt — sei genötigt, zu allerlei Rebenbe-
schästigungen zu greifen. Infolge seiner Ueberbürdung vermöge
er weder seiner Gesundheit noch seiner Familie zu leb^n, komme
infolgedessen oft müde zum Unterricht und ermangele der Zeit zur
Betätigung auf sozialem Gebiete. An die Großgemeinden trete
gebieterisch die Pflicht heran, ihre Lehrer zu entlasten und ihnen
auskömmliche Gehälter, sowie Pension und Reliktenversorgung zu
gewähren. — AIS eine Ehrenpflicht müßten die Grobgemeinden,
. die oft Tausende für wohltätige Zwecke ins Ausland senden. eS
auch ferner betrachten, den keinen Gemeinden in unserem deutschen
Vaterlande ju ihren oft kaum erschwinglichen Schul- und Kultus»
lasten eine Beisteuer zu geben. Referent macht ferner aus die
bedauerlichen Bestimmungen deS § 11 des neuen BesoldungS-
«ntwurss für preußische BolkSschullehrer aufmerksam und spncht
die Hoffnung auS, daß es dem Verbände gelingen möge, eine
Besserung zu erwirken. Schließlich regt Referent für die Mitglieder
der ״Vereinigung' die Gründung einer Krankenkasse an. Im
Anschluß an daS Referat wird eine Kommisfion eingesetzt, die
vorberatende Schritte zur materiellen Besserstellung der hiesigen
Lehrer tun soll. Die Bearbeitung der Krankenkassenangelegenheit
wir dem Kollegen B. Stern übertragen. .Kollege I. B. Leon teilt
mit, daß von dem durch die ״Vereinigung' herauSgegeoenen
Siddur, ״Schaare Tefilloh', im Frühling dieses JahrS berettS
eine dritte Auflage erschienen und daß, da auch diese nahezu ver-
griffen sei, schon jetzt an die Herausgabe der vierten Auflage
herangetreten werden müsse, Die Verbreitung deS genannten
Gebetbuchs, daS wohl schon im größten Telle aller jüdischen
Schulen eingeführt sei, werde durch die von dem Verleger jetzt
angezeigte Ermäßigung des Preises auf 0,7LeWk. gewiß, noch .
gesteigert werden.
Dortmund, im Dezember. Am Bußtag fand die ftattftretn
der Lehrer im Bezirk Lortmund^teUenkirche« hterselbst statt.
26 Teilnehmer, unter ihnen mehrere Gäste, hatten fich eingefunden.
In seiner Eröffnungsansprache teilt« der Vorfitzend«, Kaufmann-
Gelsenkirchen mit, daß im abgelausenen Jahre Kollege Ostwald- ^
Witten den 70. Geburtstag gefeiert habe, zu dem »hm offiziell
gratuliert wurde, daS daraus eingegangene sehr humorvolle Snt-
wortschreiben Ostwalds wird verlesen. Ebenso wird ein von
Herrn Rosenbaum-Riederschönhausen eingegangenes Schreiben
verlesen, auf die von der Firma I. Lehrberger u. Eo. auSge»
stellten Bücher aufmerksam gemacht, und die von Kauffmann-
Frankfurt, Brandeis-Breslau und einer Stuttgarter VerlagSanstalt
eingegangenen Bücher werden zur Beachtung verteilt. Mtt Ent-
schiedenhett bestreüet der Vorfitzende, daß in jüdischen Kreisen
Lehrermangel vorhanden sei; es bestehe vielmehr eine Ueberpro»
duktion, und es sei daher keinem jüdischen jungen Mann zu raten,
fich deni Lehrrrberuf zuzuwenden. DaS zur Beratung im Abge-
ordnetenhause stehende LehrerbesoldungSgesetz werfe den ganzen
Lehrerstand in ideeller Einsicht unbedingt zurück durch die
Rubrizierung, die dem Lehrer in der allgemeinen Beamtenschaft
zuteil wiick», selbst wenn wir — waS für die Lehrer des Westens
nicht vorauSzusehen ist — materiell vorwärts schreiten sollten.
Im Anschlüsse hieran wird die Frage aufgeworfen, ob Unsererseits
nichts für die Besserstellung der zahlreichen jüdischen Privatlehrer
geschehen könnte. Eine alSbald gewählte, Kommisfion, bestehend
auS den Kollegen Meyer-Lünen und Grünewald-Bekum sowie
Herrn Rabbiner Dr. David-Bochum soll darüber beraten und
demnächst greignete Vorschläge machen. Goldschmidt-Dortmund
regt die Sammlung sämllicher vorhandenen, aus den jüdischen
Religionsunterricht bezüglichen Schulbücher zu einer fortwährenden
Ausstellung an. Dies« Sammlung soll mll dem hier begründeten
westfälischen Schulmuseum vereinigt werden, dadurch wird zugleich
der Ebenbürtigkeit der jüdischen Religionslehrer mit allen anderen
Disziplinen auch öffentlich bekundet.
Würjbnrg» 10. Dezember. Die hiesige Israelitische
Lehrerbildungsanstalt erstatt chren Jahresbericht über das
vierundvierzigste Iaht ihres BestichenS 11907/08). Mtt dem Schliche
deS Schuljahres bestanden fieben Zöglinge deS Oberkursus die
Auötrittsprüfung am Kgl. Schullehrer-Seminar dahier mit gutem
Erfolge und wurden in die Praxis entlassen. Die Zahl aller sett
dem Bestehen der Anstalt auSgebildeten und in die Praxis ent-
lasscnen Lehrer beträgt jetzt 861, die in den verschiedensten Gegen»
den Deutschlands und noch wetter hinaus wirken. Die Seminar-
bibliothek wurde sowohl durch Schenkungen als durch Ankauf
wesentlich vergrößert. Der Gesundheitszustand der Anstalt kann
im allgemeinen befriedigend genannt werden; ein Schüler mußte
aus einige Wochen wegen Krankheit inS jüdssche Krankenhaus.
Die Zinsen auS der im Mai 1905 anläßlich deS AmtSjubiläumS
deS Vorstandes de« Anstalt gegründeten ״Nathan Bamberger-
Sttftung' ׳wurden zur Anschaffung von jüdischen Werken, di«
um» Unterricht nöttg find, verwendet. Im Anschluß an diesen
Bericht sei auch sdes 2b jährigen KlaffenjubiläumS der Seminar-
abiturtenten vom Jahre 1888 gedacht, das im Angust d. I. hier
gefeiert worden ist. Die Einnahmen der Anstalt betrugen
88790 88 Mk-, die Ausgaben 85525,86 Mk.
Israelitischer Fortbildungsverei» Montefiore, Berlin.
Vereinslokal: Sipsstr. 12 a.
Wochenprogramm r Sonntag 4—6 Uhr nachm, r Psalmen, Dr.
I. Wohlgemuth. — Freitag 8 a•—9» abends: Mischna, Dr.
Ed. Biberfeld. — Sabbath 11a»—12aa vorm.: Ehaje Odom,
MUgliederschiur.
VercinSabeub: Dienstag, Beginn 9 Uhr: Vortrag über ״Das
jüdische Gebet', Dr. E. Munk.
Bibliothek über LOOV Bände.
Di« Lese- und Bibliothekszimmer find allabendlich
sowie den ganzen Sabbath geöffnet.
Säfte herzlichst willkommen. [164
Die in Jerusalem «erfassten hefcrliacben
Jugendschriften für Schule und Haus
ran W. Jawlti
1) »ihr« »»lonBlos יסדי הימי? לעם בני ישי־אל (ABge•
meine, kan gefasste jüdische Geschiente m» antiken biblischen
Styl Ton Anbeginn bis inr Jetstaeit). Preis Xk. 1.75.
S) Hsaierisk , המוריד (Leeehach für die reifere Jugend ad
ftr Erwachsene mit einem Anhang tan רץ », Palästina mit seiner
geographische■ Beschaffenheit, SchSabeit, Geschichte seiner
alten und neuen Ansiedelungen, Prodnktion samt Henptilgen
der alten jüdischen Kaltau). Preis Xk. 1.75.
S) Deal JaeMath מל ילןץןץ (Lesebuch seit leichterem Stoffs).
Preis Xk. 0.76. — Alle drei Schriften mit Panktation.
sind — wie anok dessen sonstige Werke — ▼eaa Verfasser i. IX,
Berlin, Aittll^katr. Kt, so besiehe■.
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