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RuMch - jü-ij» e Peobttme
Der bakannte amerik nn isch e Pchelftstisser Elt«» T ob en kin ist
ans »er Rückreise «u, Sowjetrnßlayb. wo er p$K 9meie lang
m* Arsche Telegraphen.«geutur »erttete» hü. t» London ei»,
getroffen. M» di« drei Hauptproblem«. »er bene» die Jede»
Knßinnb» gegenwärtig stehe». bezeichnet« Herr Tobenkin i» einer
Unterred«,« mir de« Leiter de» Londoner IIA^Vüro» den
R»n>«tti»«»,. die jüdische latartctyWtlkfe Kolonifttioa ««»
di« Viedererringnn- der bürgerlichen Rechte für di« Deklassierten,
Der Antiftmiti»»»». führte Herr Tobenkin «««. nimmt i»
Rußland allmählich di« Formen «», »ie er si« i» Veutjchlanb
«»d i» eine« gewisse» K«»»she auch in de» vereinigten Staate»
Heißt. Der Jude wird heute i» Rußland nicht »rehe al» inserier
rerachiet. (fr ist melmehr »ff«« der Stellung, die er einnimmt,
»er da hl. Seine Fähigkeiten dringe« ihn überall i» dt« vorderste
-leihe, -leid und Eifersucht, di« dadurch nnvermeidlicherweife
erweckt »erd«», machen da» Lebe» der jüdischen veamteu und
»er jüdische» Arbeiter i» den Fnbrike» recht »ndehaglich D«
iedach dt« Regie rung »it eiserner Land dnrchgreift »n» Zurück«
sennng auf chrund von rassenmäßigen oder nationalen Er«
»agnn ge n al« Verbreche» betrachtet» kann der Lm»ftmiti»mu»
i» -tnßlnnd »ie «ehr al» ei» Una«»eh»lichkeir «erde«: politische
Möglichkeit«» Hot er nicht. Di« Zudem werden sich an ihn zu
gewöhnen heben di» -u der Zeit, da da» russische Volk über ihn
yiaanogewachftn ftin wird — nnd e» wirb auch noch über so
»anch« andere Mangel in Erziehung und Kultur hi»au»»och,en
«üsieu.
Zur Beiprechuug der jüdische» Kolonisation i» Rußland
übergehend. erklärte Herr Tobenti», seiaer Meinung nach habe
«,n von dieser Seche ui »iel Aufheben» g«««cht. Die jüdische
Kola»if»ti«n ändere nicht de» Jude», doch sei auzuerkennen, dah
durch sie au»gezeich»«te Arbeit zugunsten der deklassierte» Juden
geleistet worden ist. Sie war htz diese eine Art letzter Zu'lucht.
Der deNossierte Jude, der ans» Land ging, hat sich bürgerlich
«habilitiert. Dar auch sei» eigene» Lene» i« Grunde »erspielt,
so hat er doch dadurch, dag er auf de« Lande siedelte, seinen
Kinder» i» eine« neuen rechtliche» Stete» »erholfen. »er ihnen
die Miglrchteit ja Unterricht »nd Anstellung erschloß. Mit dein
vegin» der Kollektivierung der Landwirtschaft hat di« jüdische
Kolo»isati»n»be»eguRo eine» ernsten Kuckschiaa erlitten. Der
Zu de war seine« Desen nach Individualist. So lange er sein«
Ernte in seine eigene Scheuer einfüheen konnte, hatte er ei»
Gefühl der Sicherheit. Jetzt aber, da er seine eigene Ernte gar
nicht zu sahen bek«n«t. ist sein Interest« an der Landwirtschaft
-geschwunden. Tie ist ihm nur nach Mittel -u de« Zweck, au»
eine« Deklassierte» zu eine« Vollbürger -» »erden.
Dt« verhiltniste, unter denen di« Inden in der Krim
arbeiten, sind bei weite« schlechter al» di« Verhältnisse, unter
denen Pioniere der Landarbeit jemalg in A«erika oder iy irgend
eine« nnderen Lande gearbeitet habe». Der Hanptarund hierfür
ist. dah «an i» Kuhland nicht weih, wofür »nd für wen man
nrbeittt. Der LOstlÜT?. da» Organ der Regierung. da» die
jüdische Keloaisarioa leitet, hat ein Interest« daran, zu zeigen,
doch die Juden «in a» «gezeichnete» Menschenmaleriol für de»
Ausbau de» sozialistischen Staate» find. Diese» Ziel aber läßt
di« Leute kalt, ihr Vnnsch ist e». sich eine wirtschaftlich« und
Politische Position zu sichern. In »ielen der jüdische« Dörfer
gab e» kein Vaster, di« Lente «uhten «eilenweit gehen, um
Vaster i» bekomme». Dir Sowl'etbeamten hatten zwar wieder-
holt versprochen, datz dies« Verhältnisse ge Hessen «erden würden,
e» ist aber alle» bet« alten geblieben. Den einzigen Lichtstrahl
in dieser Lag« bildet die Arbeit de« Ioint Distribution
Lowmittee, da» mit einer ganz »nrnsffschen Exaktheit orbeiter.
Anch der «ORT" leistet der jüdische» Bevölkerung beträchtlich«
Dienste.
In de« letzten Monate«, erklärt« -en Tobenki» zum
Schlug, har di« Sowjerregiernna oersucht, da» REP-Stzftr« in
einem gewisse» Umfang wiederberzustelle», hatte jedoch hierbei
keinen Erfolg. Tanftnde von Inden, dt« sich mit Kleinhandel
befahr hatten, waren, «b wa h l diese Tätigkeit al» legal erklärt
worden war. in die Kategorie der Deklassierten eingereiht
worden. Vettere Tausend« waren r» Gefä»g»i,strafen oernrreut
worden, »eil sie nicht in der Lage waren, dt« hohen Stenern
zu entrichten, die ihn«« »ft von R«giernng»bea«te» willkürlich
^e ge jchrteben wurden. An» diesen Erfahr»»-«» haben di« Inden
gelernt nnd walle« sich daher nnr solche» Beschäftigungen zu-
wenden, di« unzweifelhaft behördlich «gelosten sind, wenn sie
auch für solche Arbeit wahre Hungerlohne erhalten. St« wollen
lieber im Gefühl der Sicherheit hungern, al» in einem gemiffea
Dohlstaud leben nnd dabei fürchten müsse«, dah plötzlich eine
Aendernna der Regierung» Politik «inttitt, die für sie Kerker
oder verbau»»»- noch Sibirien bedeute, könnte.
«Rtirelifttafc ProPNG—Visto,
mexUn t, KafeUat csf Staaütast«»
Der Bund der Gottlose« har die «o»kauer Zentrale der
jüdisch-tomMnnistischen kulturelle« Arbeiterorganisationen ans«
gefordert, eine Anzahl von Mitgliedern dieser Organisationen
namhaft zu machen, die an der Montaner Universität ««gebildet
werben sollen, um später al» autireligiöse Propagandisten nnier
der jüdischen Bevölkerung tätig pe fein. Die jungen Lentt »erden
an der Universität al» ordenttiche Hörer inskribiert «erden und
i« Genest derselbe« Rechte stehe« «ie die Hörer anderer Fakul«
täten. Die Sowjetregieruno wird die Kosten ihre« Unterhalte»
während ihre« Studium» bestreite«.
„Sit habe« »icht» ja nertteren"
Ijilltsch« IwMikm aaf de» «ege »ach Birv-Bidftha»
Die erste Gruppe der vom Vorstandsmitglied der
Lzet, I. Aaschke», in Litanei für die jüdisch« Siedlung
in Liro-Bidlcha» aageworbeuev Arbeiter ist am
lg. August in Mo«kau eingettoffen. Die Au»wanderergruppe
bestehe au» 30 Erwachsenen und LS Kindern. Während ihre»
kurze» Aufenthalte» in Moskau hatten di« Mitglieder der
Grupp« eine länger« Unterredung mit de« jüdisch-kommunistifthe»
Führer Merefchln. De« Mostauer ITL.-Vertteter gegenüber
erklärte« -ie Auswanderer aas die Frage, wa» sie veranlagt habe,
nach Viro-Bidschan au»zu«andern: »Wir habe» nicht» zu ver¬
lieren nnd könnten dort immerhin etwa» aewianen. Wir suchen
nicht» al» die Möglichkeit einer Existent.- -lach wenigen Stunde»
setzt« der Tran»port die -leis« nach Sibirien fort. In Moskau
werden dieser Tage noch einig« andere Gruppen ausländischer
Arbeittr für Biro.Vidjchan au« verichiedenen Ländern «rwarttt.
nicht 4000 jttische Seele» i» Bira-Bidschan
Rach den letzte« Feststellungen leben heute in Liro-Bidscha»
WH- jüdische Seelen, von denen die Mehrzahl in staatlichen Land-
wirtschaftrkollrttioen. die übrigen in handwerkliche« Produktions¬
genossenschaften beschäftigt sind.
Ei« Teil der Ernte ist de» jüdische» Kolo»ie« der Krim
verlöre»
Wie äu» der Krim «itgeteilt wird, sind im Durchschnitt
15 Prozent der Getreideernte in den jüdischen Kolonien der Krim
al» Folge de» kurz nach dem Schnitt eingetretenen -legen» ver¬
loren gegangen. In einigen Rayon» beträgt der Ernteverlust
sogar 40 Prozent.
Im jüdischen -layon Kalinindorf wurde di« Ernte durch
die -legenfälle unterbrochen. 63 Prozent de» Getreide» liegt noch
auf den Felder«: bei anhaltendem Regenwetter ist mit deren
Verlust zu oechnrn. Bi» zum 15. August haben die jüdischen land¬
wirtschaftlichen Kollektiven der Krim etwa 130000 Zentner Brot¬
getreide bei de» Staatssperchern eingeliefert. da, find 47 Prozent
der Gettetdemenge, die sie in diesem Jahre überhaupt ab-
znliefern haben.
Schwere Strafe für Dstldnng de» Veschneid»»g»akte»
Die Lehrerin an der jüdischen Schule in Krementschuk,
Kremenizka, hatte sich vor dem .Klub der Rott» Lehrerschaft" zu
verantworten, weil sie di« Vollziehung de« Beschneidungsakte«
an ihre« neugeborenen Söhnchen geduldet hat. Sie verant¬
wortete sich dahin, dass ihre Eltern ohne ihr Dissen den religi¬
ösen Akt vollziehe« ließen. Die» wurde ihr nicht geglaubt, «nd
sie werde wegen „Duldung eine» barbarischen Akte«" für lech«
Monate au» der Lehrerorganisation ausgelchlossen. Da»
Bildu»g»ko«missariat wurde enucht. si« für di« gleiche Zeitdauer
vom Lehrdienst z» suspendieren. Der Mnfikantenklub. dem ihr
Later, ein Musiker, anstehört, wurde ersucht, auch seinerseit, gegen
da» her Vollziehung eine» „blutigen Ritual»" schuldig« Ritzned
entsprechend vorzugehen.
Wtsrachi «mb »ie Fußballkämpfe
»« Sabbattz in PalSsti,»
In der Frag« der Veranstaltung von Fußballspielen am
Sabbath in Palästina hat sich, wie der Jüdische« Telegraphen-
Agentur mitzsettilt wird, die Zentrale de» Mi»rachi in Iernsalem
an de« Präsidenten de» Makkabi-Deltverbande». Herrn
Dr. Lelewer-Berlin gewandt und dessen Intervention erbeten.
Der Misrachi schlägt vor. den Freitag nachmittag al» Spiel-
und Vettkampfzeik zu erkläre». Entsprechend der durch di»
Wo«kendb»wogung in oaropäifchen Ländern für Sonnabend
nockwi ttag erreichte« Arbeil»beendig»ng soll« durch ver¬
einbar« »g «it b« iüdischeu Arbeitgebern i« Palästina erzielt
werbe», dotz AngoGwtte, bereit» von FreitagMittag an «rbeit»-
frei feien. Da» Peisstdtu» de, Makkabi-Welwerbande» wird
»»»»e-r eingretf»» nnd versuche», auf diesem Wege den Konflikt
zu löse«.
Das jü-ifche ««rrika in Ziffern
Der Leiier der statistischen Abteilung de» „Iüdisch-ameri-
konischen Eommiree»". Dr. CH. S. Linfield. gab vor kurze« «in
Buch herau». da» di« Organisation de» öffenilichen jüdischen
Leben» in Amerika rum Inhalte hat und «ohl wen ist. datz
darau, manche interessante Ziffern hier angeführt werben.
Rach Dr. Linfield befinden sich zurzeit i» den vereinigten
Sloaten 4 228 000 Juden die in 10000 Xiederlgssuugen wohnen,
in Grohftädten. Landstädten und Dörfern. Davon leben 4 077 00»
Menschen in 871 Hauptgemeinden, von denen j,d« mindestens
ein vethau» hat. 151 000 Juden wohnen an verschiedenen
Punkten zerstreut, die nicht in der Loge sind, ein Btthau» zu
unterhalte«. Um diese Ziffern der öffentlichen Organisation der
amerikanischen Juden zu würdigen, erscheint es nötig, darauf
hinzuweisen, datz gegenüber den heute bestehenden 871 jüdischen
Gemeinden in den vereinigten Staaten vor 20 Jahren 426
Gemeinden und vor 10 Jahren 580 Gemeinden bestanden haben.
In den Süd-Staaten befindet sich nur «ine einzige organi¬
sierte lüdisch« Gemeinde; in den nördlichen Staate» bestehen 15.
in den westlichen 22 Gemeinden.
Die Juden der vereinigte« Staaten verfügen über folgende
Anstalten: 3116 Synagogen. 7140 oerlchiedene in Verbindung mir
den Synagogen bestehende Anstalten, die mehr oder weniger
religiösen Charakter haben. 6760 örtlich« Anstalten, die sich selbst
erhalten. 50 städtisch« Bereinigungen. 146 nationale Organi¬
sationen.
Gegenüber den heute bestehenden 3118 Synagogen ist
interessant zu bemerken, datz vor etwa 50 Jahren, und zwar im
Jahre 1877, nur 278 Synagogen. 1890 533, 1907 1769 und im
Jahre 1917 1901 Synagogen bestanden haben. Di« Synagogen
in den Vereinigten Lmaten haben im Jahre 1927 für normale
Ausgaben sowie für die Ausführung neuer Bauten 33 390 002
Dollar, obu 8,19 Dollar auf jeden jüdijchen Kopf (Männer.
Frauen und Kinder) ausgegeben
1750 Synagogen unterhalten eigen« Rabbiner. E» bestehen
5 Rabbinervereinigungen. deren Mrtgkiederzahl zusammen 925
betragt. *
1754 Vereine unterhalten Erziehungsanstalten für
Anfänger, wovon 1490 neben den Synagogen bestehen. 450
Vereine unterhalten Wochenragsschulen. 451 verein« nur
Sabbathschulen.
Annähernd 250 000 jüdische Kinder besuchen die Anfänger-
schulen, davon ungefähr 200 000. die in Verbindung mit den
Synagogen bestehenden Schulen.
In den vereinigten Staaten bestehen 5 Rabbiner-
semiuarien. in denen 65 Lehrer 575 Zöglingen Unterricht geben.
Im Lauf« der letzten Jahre beendeten in diesen Anstalten 117
Schüler ihre Studien.
E» besteht ein« Anstalt, da» Dropsy-College für Judaistik
in Philadelphia, die da» Recht hat. den Doktor-T'tel für
Philosophie zu erteilen.
Die in ben vereinigten Staaten erscheinenden jüdischen
Zeitungen erreichen die Zahl 111 . davon 65 in englischer. 41 in
liddischer. 3 in hebräischer Sprache, noch 2 in anderen Sprachen.
39 jüdisch« Gemeinden geben außerdem eigen« Zeitschriften
Er bestehen annähernd 3000 öffentliche, nationale und
wohltätige Vereine. 66 Prozent davon find mit den Synagogen
verbunden. j
Mehr al» die Hälfte dieser Gesellschaften find national:
die Gesamtzahl ihrer Mitglieder beträat 825 000.
E» bestehen mehr al» 4000 wirtschaftliche Vereine, davon
50S Darl«tzen»-Verein«. 2367 Vereine für gegenjeitige Hilfe.
1342 Chewrorh-Kadischa, 27 Schutzvereine. 1800 aller dieser
Vereine stehen in Verbindung mit den Synagogen.
E» find 61 jüdische Krankenhäuser vorhanden, die sich in
2S Gemeinden befinden, davon 7 für Tuberkulose. Außerdem
bestehen 44 Waisenhäuser. 43 Altershouser und 6 Wohltätigkeit»-
verein« für ausländisch« Juden.
20 verschiedene Organisationen befassen sich mit den Auf¬
gaben für Palästina: sie haben 1550 örtliche Filialen mit
120 000 Mitgllerrrn.
Dr. Arthur Snkheim gestorben
Im Alter von 44 Jahren verstarb in Berlin nach kurzer
schwerer Krankheit der bekannte Schriftsteller und Dramaturg
Dr. Arthur Sakheim.
Ein christlicher Zadenstaaüer ln Schleflen
In dem iutrrestante» Werk« ^Zur Vorgeschichte
Zr»m«m»«" von JL M. Gelber wird anch da»
Treiben de» „Kömg, von Iernknl««". K. F.
G. Senfart. behandelt, sowie seine Au»wirkungen
auf Oesterreich nnd Polen. Auf Gr»r>d eine» im
vreoloner Staotoarchtv vorhandenen Aktenstücke«
(Rep. 14 ?A D 49 Ä werden »nn di« bisher nn.
bekannt gebliebene« Auswirkungen diese» Mieden,
könia," in Schlesien dnrgestellt. Hierdurch wird die
Darstellung bei Gelber i» manchen Puntten ergänzt.
S ebener Staaten ein gewisse« Anfstche». Seyfatt. ober, »ie er
aas seinen Flugschriften und Aufrufen nannte. „Siegfried
sin» I." hatte im Jahre 1830 mit tze« versend von Aufrufen
»*ft Flngschriften begonnen, dir uuter den Juden für di« Wieder-
Herstellnng «ine» monarchistisch regierte» jädtschen Staate» werben
sellten. 1832' versuchte Seyfart. in Krakau mit de« polnisch,
jüdischen Zentrum ln Verbindung z» kommen. Er wollte dort
leine Propogandaschriften drucke» lassen, scheint aber dabei auf
Ablehnung »eiten» der zuständigen Aeusnrbehörd« gestoßen zu
sein. Er »erließ nun Krakau und scheint sich dann in Breslau
kurz« Zeit aufnehnlten zu habe«, da er dort i« Jahr« 1633 seine
AftenMcke (al, Propaganda»aterial) veröffentlichte.
Ueber seine »eiteren Verhältnisse unterrichtet un» «in
Schreibe» de» Vürgermeister» von Görlitz. Demiani da» dieser
am 13. Oktober 1837 der Regierung zu Liegnitz übersnndtt:
-Der Destillateur Setzfarr au» Berlin kn« i« Juni 1884
nach Görlitz und trat »it de» Pachter de» städtischen Smnkellerei-
Monopol» (dem Kaufmann Pap«) i, ein« Geschäftsoerbindung,
wonach er al« Dianstbeamter de» letzteren einen Liquenr. und
Vrnndweinansfthnnk verwaltett. Im Mai 1836 geriet er in potizei-
ttche Untersuchung, weil er sich eigenmächtig und ahae Concefflon
eine» Vrandmeinverlage» «»maßte nnd im Sanft derer er »egen
Beleidigungen der Poiizeibeamren Zur fiskalischen Untersnchnng
denunziert »erde. Er ftlbst nahm Yiervo» Gelegenßeft ja einer
Beschwerde gegen di« hftstge Pall-riverwaltnng. we l che durch
tzohe» Reglern«»reskrtpt vom S. September 1836 entschieden
wurde. Inzwischen erging da» Gerücht, der Seyftrt sei bereit»
für blödsvinig erklärt und uutoa Kuratel gestellt worde». Auf
dievfällige Re güistti aa eawwuaiztat, da» hiesige (Liegnitzer)
Laud- und Stadtgericht die Akten de» Gerichtsamie, von Carpzow,
waran» heruoraing. daß Eeyfart wirklich einmal al» Blödsinniger
unter Kuratel gestellt worden war. wogegen neuere Unter¬
suchungen da» Resultat geliefert hatten, daß er gesunden ver¬
stände« sei: Hierauf ist auch, soviel un» bekannt, die Kuwttl von
de» Land- nnd Stadtgericht hierselbst aufgehoben worden. Die¬
selben Akten enthalten viele Tatsachen, welche mit den neuer«
ding» ap den Tag gekommenen Uattrnehmungen de» Eevsatt in
genauer Verbindung stehen. Schon früher hat er Denkschriften zu
dem Zwecke der Gründung eine» neuen, für die Bekenner aller
drei Hauptteligjonen bestimmten Reich«, ia^ftrusalem verbreitet
«nd sich dabei der Firma Sieaftied Iustu« L, König von Jerusalem,
bedient. Hierüber sowie, daß er selbst nach Konstantinopel geriet
und dorr ftr seinen Zweck tätig gewesen, endlich aber nach Hause
geschafft worden ist, geben dies« dem Land- und Stadtgericht
znruitgestellten Akten vollständige Rachricht."
II.
Im Jahre 1836 hatte dieser für blödsinnig erklärt gewesen«
Seyfart ferne Laitation von neue» begonnen. Seine Beschafti»
f uug mit „geistigen" Getränken scheint ihn vollauf nicht be-
rievigt zu haben. Und so erließ er im Jahre 1886 wieder Auf-
ruft an die jüdischen Gemeinden und Rattiner, in welche« er die
Zeit für die Rückkehr de» jüdischen Volke» nach Palästina für
gekommen anlah. Auch legte er Aufruf«, di« zum Vau «ine»
Tempel» i» Jerusalem auftordern sollten, bei. Diese Agitation
veranlaßt« die gegen alle» Reue immer mißtrauis«he österreichische
Etaat»polizei zu großen Untersuchungen über ihre etwaigen gr-
fähelichen Auswirkungen auf die Inden.
Aber auch di« preußische Polizei war nicht minder tüchtig.
3 » Mai 1837 erhielt di« Glogauer jüdische Gemeind« mehrere
rew^are eine» ^Zion. den 6. Mai. Anno VM" datierten und
M« Siegfried Iustu» unterzeichnet«« Auftnf». der Mr Mitglied-
schaft ny eine« ^Verein zu« Reudau eine» Tempel«" in Iernsaftm
austoederie. Die au» diesem Aufrnf Hervorgeht und wie man auch
an anderen Orten bereit» bemertt«. find Eeyfart» Bemühungen —
safer» wo» bet ihnen von einem ihnen ia Grunde liegenden
Zrel sprechen kan« — nicht so sehr auf die Gründu»» eine«
indischen, ftnder» «ine« un,verfalr«ltgiSsen Staate« gerichtet, zu
vessrn Gründung die Juden am »eisten beittagen sollten. Der den
Gl og nntt Irch««ältesten übersandte Aufruf vlädlett dafür, „dem
Gott de» Frieden» und der Liebe . . . namltch de« gemeinsamen
Vater der großen Familie der MrrAchbett eine» neue» Tempel
ta, errichten, worin alle Völker, Gefchlechter nnd Menschen ohne
An letzen der Perfan. der Religion, de» Romen» oder
der Fnrb« ... ihn durch Glanb« nnd Liebe . . . verehren und in
dieftm prattischen Gottesdienste . . . ihr« wahrhafte Seligkeit,
Kraft (-- ttaft?) der Vergebung der Sünden und de» heiligen
Geiste» f! f> erlangen können."
Sobald der Magistrat zu Glogau hiervon erfuhr (vielleicht
von den Iudenältesten selbst, die in den verdacht der Teilnahme
an geheimen Verbindungen zu kommen befürchteten), beschlag.
nahmt« er di« Flugschriften. Er überreichte sie der Abteilung des
Innern an der Kgl. Regierung zu Äegnitz und fragte an. wie e»
sich mit den Fluglchriften weiter verhallen sollte, ,.da uns nicht
bekannt ist, daß diesem Unternehmen die Erlaubnis der Staats¬
behörden erteilt worden ist."
m.
Jetzt wurde diese Sache zur Slaatsaftäre. Di« Abteiluna des
Innern an der Regierung ru Liegnitz überließ pflichtgemäß dis
Entscheidung in dieser so wichtigen Sache dem Königl. Preußischen
wirklich geheimen Staatsminrster de» Innern und der Polizei,
von Rochow. den man — da man wohl von vornherein eine ab¬
lehnende Antwort voraussah — sogleich fragt«, ob und welche
Schritte zur Unterdrückung der Flugfchrrftenoervreitung zu tun
seien, da sie sicherlich auch ander»wo verbreitet würde». Dos
Ministerium antwortet« zwar (am 29. Juni 1837), dah «» nicht zu
befürchten fei. daß di« fraglichen Aufforderungen Lnklang finden
- J - v — • -- — *' i -
juol
^ ung und Tendenz .„
bekannt war. vorsichtigerweise di« Zirkulation der Derbeschreiben
di» auf weitere» zu untprsagen und die vorhandenen Exemplare
zu konfiszieren. Auch erbat er Mitteilung, ob nicht an anderen
Otten ähnlich« Aufforderungen eingelaufen seien.
Dieftr Bescheid entfacht« de« Feuereifer der Liegnitzer Re¬
gierung. Abteilung de» Inneren. Der Magistrat von Glogau —
dessen wachsame Handlungsweise man bereit» vorher schriftlich
gebilligt hatte — erhielt nun di« Anweisung, sämtliche nach Glogau
gelangt seien. Letzter« Anfrage, ob etwa auch bei anderen *
gemeinden ihre» Bezirk» dieft Flugschriften zirkulftrten, Übenandte
die Regierung zu Lregnitz übrigen» an famtftche Ortt mit Iuden-
gemeinden. mit der Lnweisung. sie. fall» sie irgendwo vorhanden
wären, sofort zu beschlagnahmen und «» ihr «itzuteilen.
Der Magistrat von Glogau übersandte sämtlich« in Glogau
eingettoffen« Exemplar« de» Aufrufe» de» König, von Zion, und
bemertt« dabei, baß di« Iudenälttste» wa Glogau. Oie Adressaten
jene» Aufruf», nicht wüKen, ob auch an ander« Iudengemeinden
derartige Aufforderungen oerftndt ftien. Die e» sich für de«
Liegnitzer vezirk heranostellte. war'Glogau di« einige jüdisch«
Gemeind« ftne» Ve-irk» gewr»«». die von Siegfried Instn» alla»
Seyfart al» Trassat erwählt warben waren. (Die» verdankte si«
wohl dem Umstande, daß dft Gemeind« Glogau fowahl dm Niest«
al» anch die größt« und berühmtest« Gmaeinde dich« BeHittn wa« )