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Dar» arendsn «ich »och die Verfechter
VolkagenialHlt und Voffqkraft. dt»
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)ili mm, M» da* Va» niete steh «sGat
liteam uad vtid» walten steht z» tete« JUafenaenT*
aoadata damit ea »er Gatt kntd«a bflteNk „D**te ich vott,
dafe da hart di*«, e»d date tat eia» t tite lte Adar and
Idcte» Stirn in «dam . . Ve» Haa Hil m wkat da «in
Udtertrstor genas*« . . . Stehe, Ich wfl) dich Mutern, «her
nicht «I» Sflber, »andern ich will dich auserwählt machen im
Oien dem Elend*.** (Je* 48, 4, 8, 10.)
Schon aus der kurzen Skizrienmg die ser der bewufiten
Religioitafeindlichkeit gegenüber immanenten Gefahren ergibt
steh die Notwendigkeit, zu einer klaren Formulierung de, theo¬
logischen Probiere, im Zionsmus und su konkreten Forderun¬
gen der Religion an den Zionismus so getan gen. Es genügt
recht, sich auf die mögliche religiöse Auswirkung^ bestimmte!
GefthJareornente su verlassen. E* gibt ein Wissen um Inhalt
und Grün«an des jüdischen Ge isa*«. Aua diese m Versen ergibt
sich tmausweisUch die Forderung, die der jüdische Geist an
daa jüdische Leben richten muh, soll es „jüdische, Leben** min.
Es kam an, nur darauf an, das Problem zu zeigen *nd
durch negativ» Abgrenzung kenrortreSan su lernen. Vielleicht
ist es uns wenigsten, andeutung s we ise gelungen, zu sagen, wo¬
vor der Zionismus sich hüten muh. Die Frage nach der Ein¬
gliederung in die Kontinuität de» jüdischen Geisteslebens wird
für den Zionismus immer brennender werden. Das rinzig zu¬
lässige Kriterium für eine jüdische Kultur der Zukunft ist dm
religiös* Forder un g, die das Judentum durch die Jahrtausende
bewahrt hat. Der „VidgänionJremue“ kraBich, um mit Franz
Roaenzweig zu sprechen, wird die Dringlichkeit dies« Forde¬
rung nicht anerkennen wollen. Aber die g esch i ch tliche Gröhe
und die heroische Leistung des zionistischen Aufbau, fordern
auch hier letzten Emst und letzten Einsatz aller Verantwor-
tung s bewifhten. Der Aufbau bereitet, wie Dr. Elk sagte, das
Kommen des Moschiach vor. Aber er bleibt trotz seiner Gröhe
üvr Vorbereitung. Er ist noch nicht da, letzte Ziel, nicht die
Lösung der „Judentums!rage". Die Bedeutung des Probltens
dar Religion im Zionismus wird «st von wenigen erkannt. Aber
die Wenigen haben die Pflicht, unablässig zu warnen und zu
fordern. De» jüdische Volk darf am Ende der Tage nicht sich
selber unWeu werden, nt* um zu leben wie alle anderen. „Wo
das grobe Gebot und die grobe Geduld gepredigt werden, dort
findet nur zu rasch die Philosophie der Flucht ihre Verkündi¬
ger. Auch in eine Idee,, in eine Pflich t, wird der Mensch, als
Kind seiner Ahnen, hin eingeboren und es gibt einen Abfall
auch von diesem Tage der Geburt. Wenn der harte Emst die
M en sc he n ruft, dann bleiben oft nur die Wenigen; — sie sind
der „llebeiTest*. Aber es liegt doch ebenso sehr des Tröst¬
lichen in diesem messianischen Worte. Der Ueberrest ist die
Rechtfertigung der Geschichte. Sie ist nicht vergeblich ge-
teesen." (Beeck, Das Wesen des Judentums» Seite 279.) Jode
aste bedeutet nicht nutf Abstammung und Blutszugehörigkdt
Jode sein meint auch die Aufgabe und die Bewährung vor der
^Forderung Gottes. Max Nordau sagte in einer seiner ersten Kon-
breden: Das Judentum wird zionistisch sein oder es wird
k». Vielleicht dürfen wifhawt« daa Wort «brandete:
f Zf fla hm ^ T wfrd jüdisch aste oder *r* wh» nicht sein.
IN ALLER KÜRZE
Wie der -Frankfurter Zeitung" gemeldet wird, hat der
Gamatederat de» Nordseehades Westerland ein¬
mütig zum Aasdruck gebracht, dab Juden al» Badegäste in
Westerland recht erwünscht seien.
^Sächsische Innenminieti
israelitischen
Iäutr.*
. vom Besuch der ___
i Schutze a usgeschlHWS» tesd, nkhts d eanm dai
ieterMMt'hat d«
t ReiigKgaamefnd
nähme de« Rai
München, ha „StaataaaAeiger** wird eine Erklärung
de« Treuhänders der Arbeit für de, Wirtschaftsgebiet Bayern
veröffentlicht m der dieser gegen die Verfiwaag der NsBO
der Deutschen Arbaitefroru in Mittelfranken, aa& jüdische Be-
triehtinhaber einen arischen Vertreter als Betriebcführer nam¬
haft zu machen haben, Strilurg nimmt. In dieser Erklärung
-Die Gauleitung der NSBO der Deutschen Arbeitsfront in
Mitteifranken hat vor einigen Tagen in der Presse bekannt¬
gegeben dab im Bereich des Gaues Mittelfranken Juden als
Bet r iebs;Obrer nicht in Frage kommen, und dab jüdische Ge¬
schäftsführer einen arischen Vertreter zu benennen haben.
Diese Bekanntmachung und Anordnung ent¬
behrt der gesetzlichen Grundlage, weil da, Ge¬
setz zur Ordnung der nationalen Arbeit keine Bestimmung ent¬
hält, auf die sie gestützt werden könnte.
Jerusalem. Im Monat Januar 1934 sind 2063, im Fe¬
bruar 1934 2900 Juden zu ständigem Aufenthalt nach fcrez JIs¬
rael gekommen. Von der Einwanderung»- und Arbeitsabtei-
hmg der PaÄstina-Exekutive wird die Zahl der im Jahre 1933
nach Eres Jbrael eingewanderten Juden mit 30 327 angegeben.
Nach einer amtlichen Statistik wird die Zahl der Einwanderer
aus Deutschland für das Jahr 1933 mit 6803 angegeben.
*
Jerusalem, Die Palästina-Regierung hat der Execu¬
tive der Jewish Agency soeben 1360 Arbeiter ein wanderungs-
zertifikate za Vertagung gestellt, die auf die Einwanderung»*
ouote für das nächste Halbjahr angerechnet werden. Die Höhe
der nächsten Halbjahrseinwanderungsquote wurde noch nicht
fest g esetzt.
Haifa. Am Montag, den 12. März, wurde der neue jü¬
dische Friedhof von Haifa, gegenüber dem Badestrande von
Kfar Samir, b Kilometer von der Stadt entfernt, der Benutzung
übergeben. Die Vertreter der Kehilla und des Rabbinat, ver¬
senkten in den Boden zunächst nach altem jüdischen Brauch
eine Lade mit unbrauchbar gewordenen Thorarollen und reli¬
giösen Schriften. Sodann wurde als erster der Architekt A 1 -
Fred Ke ich au, Konstadt O.-S. beigesetzt, der am Tage
zuvor in seiner Arbeit plötzlich am Herzschlag gestorben war.
Der Verstorbene ist vor einer Reihe von Jahren in Breslau zum
Judentum übergetreten und war seit dreiviertel Jahren in Ha,fa
ansässig
Aufruf zur Arbeitsbeschaffung
An alte jüdischen Betriebsführer, freien Berufe, Haus¬
hai tsvorständel
An den jüdischen Industriellen, Kaufmann, Handwerker,
Arzt, Anwalt und an die jüdischen Hausfrauen!
Die Reichsregierun^hat in begrüßenswerter Initiative zur
Arbeitsbeschaffung im rruhjahr aufgerufen. Wir erwarten,
dab diesem Appell auch alle jüdischen Betriebainhaber und
sonstigen Schattenden folgen, die fremde Menschen beschäftigen
und beschäftigen können. Dabei hat jeder deutsche Jude nach
besten Kräften mitzuhelfen. In Stadt und Landl
Schafft neu« Stellen für Arbeitslose! — Helft mit! —
Und wenn ihr neue Arbeitsplätze L
privaten Berufen Jeder Art •frei mai
angemessener Form der jüdischen
Ihr hatte« noch eine dampfend» Schüreei auf dem Fest¬
tisch de, Pessach-Festes, ein freundlich erleuchtete,
Zimmer, ein euch versorgende, Einkommen! —
Jene Arbeitslosen nicht! —
Eure Betriebe und Berufe gaben euch noch Mittel, ein
auskömmliches Leben zu Führen, euch und euren Kin-
Jene arbeitslosen Glaubensgenossen hungern seit Jahren und
fristen ihr Leben kümmerlich, ohne Arbeit, ohne Einkommen!
Vor eurer Tür. Standen nach nicht threWas, Kälte,
He raste id! —
Bai Janen abd sie tefe langem zu Gastl —
Ear» Ktedsr (drei noch gut gshisidet und haben aaR zu
n— haben «eMöglid^ait da« SchulLusorfies und der
Beraoli tigksit bei euch stehst! —
Dl» Kinder lener armen Menschen sind eiend, abgerissen, hun¬
gern und irreren!
Eure alten Ekern und notleidenden Verwandten leben
noch oft gut von den Brteamen eures Ueberfluaeete
Jen« haben keine sorgenden Verwandten und Elten» mehr!
Packt euch dieses Elend nicht an? —
Kennt ihr denn schon „Frau Sorge ?
Kennt ihr sie so wie jene?
Erschreckt ihr nicht vor diesem Schicksal, das euch euch
einmal blüht, »renn ihr heute nicht Nächstenliebe zeigt und
helft! Nehmt euch ein Beispiel an jenen Aktionen der Regie¬
rung, die mit so bedeutsamen Erfolgen der Arbeitslosigkeit zu
Leibe gehen! —
Dir alle wir alle in Deutschland sind arbeitslos an teuere
Tag wenn wir nicht Gemeinnutz vor Eigennutz stellen und
darbenden Menschen Stellung und Brot verschaffen!
Eigennutz ist Unmoral,
. Eigennutz ist aber auch Dummheit!
Gemeinnutz ist in der jüdischen Gemeinschaft und Fa¬
milie stets oberste, Gesetz gewesenl War es so in besseren
Zeiten der guten Wirtschaftsperiode. so muß es erst recht
oberstes Gesetz bleiben in Zeiten der Wirtschaftskrise!
Unzählige Arbeitslose erinnern euch gebieterisch an eure
Pflicht! —
Wir sind ihre beauftragten Sprecher!
Wir sind die Sprecher unseres Gemeinschaftsgewissens!
Wir fordern für alle und damit für euch:
1. Jeder Betrieb, jeder freie Beruf, die noch beschäftigt
sind, fordern sofort Arbeitskräfte bei uns an!
2. Bei Lehrlingseinstellung wende man sich an uns.
3. Jeder Haushalt, der Kräfte sucht, tue dasselbe.
4. Auch Aushilfskräfte für jeden Beruf fordern Sie bei
uns an!
5. In Werkstatt, Fabrik, Kontor, Kanzlei, in Kliniken, Hei¬
men, bei Aerzten, Anwälten und anderen freien Berufen, in
Heimarbeit, Landwirtschaft, Reklame, Hausarbeit usw. werden
Menschen gebraucht! Sie alle vermitteln »vir.
6. Wir verlangen und erwarten, dab jeder Betrieb mit
10 Angestellten und mehr mindestens einen jüdischen Er¬
werbslosen, bei gröberem Umfange entsprechend mehr bei
uns anfordert! Betriebe mit kleinerer Belegschaft können sich
individuell einrichten. Berufsforderungen und Sondenvüneche
sollen erfüllt werden! Die Auswahl der Geeigneten bleibt Ihnen
natürlich überlassen.
Wir erwarten und verlangen, dab Sie uns auch die doppelt
darbenden älteren Arbeitssuchenden unterbringen
helfen, die Familienvater und Familienversorger, die
älteren Ledigen, die infolge Berufsumschichtung Stellung su¬
chenden Akademiker und anderen Erwerbstätigen.
7. Wir erwarten, dab Sie diesen Aufruf, diese Erinnerung
an Ihre Menschen- und Gemeinschaftspflicht nicht getengweilt
beiseite legen, sondern ausschneiden und zum Gegenstand so¬
fortiger Erledigung machen. Er soll Omen ein Mahnruf bleiben
und stets Dir Gemtenschaftsgewissen sein! Er soll Sie auf-
rüttek», nicht nur oberflächlich an reden! Kommen Sie von
»eibet zu uns und stellen Sie Arbeitskräfte ein. Eine grobe
Zahl Ihrer Kollegen sind Omen bereit, mit gutem Btepite voran¬
gegangen und helfen uns täglich bei unsertgn W«
Wir bitten nicht für uns und unser Ami s o n dar n fttr
Deshalb haben wir da. Recht, Sie alte, die Sie Arbeit au
schaffen vermögen, kategorisch an Ihre Pflicht zu erinnern!
Sie vermögen alle noch viel mehr zu tun!
Schafft Arbeit und stiftet Segen! Zeigt Gemeinschafts¬
gefühl! Seid Menschen! —
Arbeitsnachweis jüdischer Organisationen Schlesiens
Dr. Hirschfel<L Vorsitzender.
Parin la Tal Aviv
Folgende Schilderung de, dir«jährigen Tel Aviv«
Purim von Frau Hanna Mannheim geh. Wolfgang wurde
una von «teere Laaer unseres Blatte* zur Veröftent-
- Hebung überlassen.
Kfar Saba, 6. 3. 1934.
. . . Ich «rill euch letz« von dem wunderschönen Purim er-
allhten, den wir erlebt heben. Emgel eitel wurde die Feier am
M ht wo ch abend bei B... a Vorher allen wir ein opulentes Pu-
■ h—itahl» die Krftppchen waren mir sehr gut gelungen, und
dann begann der Verkleid ungsakt, da Kostüm zwang vorge¬
schrieben wer. L. stritte, wie ihr ja auf dem Bilde seht, einen
schon xtem fl eb kultivierten wohttrebenden Araber da. Ueber
der Hose trug er al» Rock ein Rolhuch und oben einen orange¬
farbenes Badetrikot (ohne Hose) von M. und am Hals einen
watfaefdmin Schal Darüber kam das Jackett und als glanz¬
voller Abschluß schlug ein schwarzer Mantel die Lernten, in
Form einer schwarzen Rteeedecke von M. Auf den» Kopfe
verdeckte ein langes seidenes Tuch, mit einem rotweihen Cm-
aertu ch umwickelt, die Lockenfülle, and der schwarze Schnurr¬
bart bildete den Abechlub. Auf der Strebe, als wir hingingen,
sonderte er sich von uns „Pöbel" ab und ging so majestätisch
wie ete Scheich. A„ der zu beiderseitigem gröhten Vergnügen
dl—alfiii Idee gehabt hatte, «ah aus wie ete wilder Beduine mit
einem aus Rull gemachten Bart. Die Begrüfeung wurde natür¬
lich auf arabisch geführt, mit Umarmung und Verneigung mit
gekreuzten Armen. — M als Jeschwoh-Bocher. te den Sechen
vom alten kzkowitz, sah aus, als wenn sie gerade aus einer Un¬
garischen Jeechiwoh entlauf«» wäre; zuerst trug sie eine Maske
als Mordechai, und B. dachte zuerst, der L wäre es. Ich ging
als Apachenjüngllng in A~s braunen Cordeem thosen, bUirem
Hemd, rotem Apacnentuch und rin« Schiebermütze. Alles
war glänzend gelungen, und in Lesern Aufzuge hörten wir uns
die Hagflieh an, di* A. wundervoll las. A., <Se sich nicht üm-
eesogen hatte, hatte wunderschön gedeckt, mit Blümchen in
Berbedtem und einem groben Radieschenbusch mit der Auf¬
schrift „Der schönsten Mater". Sie gab Kaffee and mit Mar
meteds gefüllt» Eierkuchen Wem erihetventindlich, und ich
hatte einen herrlichen Napfkuchen gebacken und nahm auch
eine Flasche Wate mit Durch letzteren kam man m Walleng
and es wurde rin »ehr gelungener Abend. — Am nächsten Mor¬
gen fahren wir schon zeitig — um dem Gedränge an» Autobus
zu entgehen (eine Stunde spät« hat man einem Mann den Arm
awagekugeh) nach Tri Aviv. Daa Wett« war herrlich, und die
Landschaft bot sich uns wieder mal in ganz anderem Lichte;
dte Feigenbäume Nähen in einem ganz zarten R osa. Alles war
das«' angetan, onrere Stimmung auf den höchst en Punkt des
Bai umrtw za bringen; ich hatte da« wtelle Kostüm, M. ein
weibaa Kleid an und wir kamen una vor wie frovitreter, die in die
Groöotadt fahren. Da» zeigte sich such gleich beim Ausetui
gun, dann wir m übten uns erat wieder an <xn Autoverkehr ge¬
währen. Viel Mensehsnverkehr war noch nidids die mtesten
die Nacht vorher schon gebummelt ketten. Nar Überall sah
man entzückend verkleidete Kind« von I bis 15 Jahr«» mit
einem derartigen Aufwand, wie ihr es euch nicht denken könnt
Auffallend waren die vielen Biedermeierkostüme in rosa und
hellblau« Seide mit Schutenhütchen, und man konnte wirklich
nicht festst allen, »reiches Kind das schönste war. — Wir faßten
den Entschlafe, am Strand entlang nach Jaffa zu laufen. Des
Me« war tiefblau ruhig und die Salzluft so appetitanregend,
dafe wir gleich auf eurer Bank uns«, Schnitten und den Apfel¬
kuchen (eigenes Fabrikat) verzehrten. Der Weg war wunder¬
bar, am Strand, kurz vor Jaffa, sieht man Araberbehausungen,
Häus« in einem derartig verfallenen Zustand und so roman¬
tisch gebaut, dafe man es nicht glauben »rill daß Menschen dort
wohnen. Dazu kommt ein penetrant« Fellgeruch, da die Ara¬
ber die Felle im Me« »raschen. Jaffa sea>st Hegt auf einer
Landzunge und man kommt vom Strand aus in die Stadt her¬
ein auf stufen. Die Strafeen sind ganz eng alles nirit sich auf
Her Strafe« ab. Der Verkaufsbasar, das Brotbecxen (so ähn¬
lich wie Mazzot), Maronen »rerden geröstet und auf der Strebe
vor dem Gericht sitzen Schreib« und setzen Schriftstücke für
die Klienten auf. Ueber all stehen Moscheen mit groben Tür¬
men, auf denen das Gebet ausgerufen wird, und man kommt
sich vor, »vre in Tausend und einer Nacht. Je näher man auf
der Straße von Jaffa nach Tri Aviv kommt, desto kultivierter
wird die Ge g e nd; und jetzt beginnen auch schon jüdische Ge¬
schäfte. — Wir gingen essen und bekamen für 3 Gruach (40 Pf.)
pro Mann ein herrliches Purim-Menu. Um 2-30 Uhr sollte der
£ug beginnen; die Streben .waren überfüllt um 1 Uhr schon
sämtliche Dächer, Balkons und Fenster gearämmdt voll. Wir
harten uns noch mit A. verabredet, traten ihn, in diesem Ge¬
dränge wirklich ein Zufall, in der Allenbystrabe und blieben
dort gleich in der ersten Reihe am Straßenrand stehen. Ich
wollte knipsen, hätte aber wegen der groben Nähe immer nur
den unteren Teil darauf bekommen. — Makabi-Rriter in blao-
wetfeer Kleideng. der Bürgermeister Diezengoff in ihr« Mitte,
leiteten den Zug ein. Dann folgten die 12 Stämme, jeder
Stamm durch einen Vorreit« mit Schild an gekündigt. Alles
»rar in »rund«voll«, prächtiger Aufmachung, jeder Stamm
führte in d« Mitte auf seinem Wagen sein Wappentier, an
beiden Setten safeen singend« und spielende Mädchen und hin¬
terher kam ein Riesengefolge, so gekleidet als Krieg« oder
Landvolk, wie es zu dem Stamm pellte. Bei Benjamin gingen
nur Kinder hinterher. Jeder Stamm hatte eine extra Grund¬
farbe und es ist unmöglich, alles genau zu b esch reiben. Dann
folgte als Uebetgang zu den heutigen Stämmen (das Judentum
in den verschiedenen Ländern) die Stiftahütte mit Salomo. —
Des Judentum in Rullland wurde verkörpert durch eine in
einen Klub verwandelte Synagoge, auf d« einen Seite mit Ba¬
jonetten bewaffnete Sowjets; Polen durch ein kleine« Häuschen
mit Juden, die alle Steuerzettel in der Hand halten. Die Tpyen
dabei waren waschecht Amerika zeigte einen grollen önde
Sam mit ausgebreiteten leer en Taschen. Das westeuropäische
AsainrilationsTudaatum verkörperte tea Herr mit Frack und
Monokel und d« Aufschrift: „ain ani Jehudi" (ich bin kein
Jude), dahinter tanzende, trinkende und spielende Menschen, die
sich vom Judentum abgew en det hatten. Nun kam der neue
Staosa, daa Juden ta rn in Eres mit Kulisare alter Städte, tensm
Siedlimgahiuscben des KKL (»o wie unseres vielleicht susseben
wird), einem groben Wagen voll bildschön« Kind« mit der
Aufschrift ,Jnn«e AHjah trotz Zertifikatsbeschränkung - ' ein
Wagen mit einem uralten Mütterchen ohne Zertifikat, daher
ausgewiesen. Ein grobes Schild sprach gegen die Namen, die
nicht in iwrit sind, imd dahinter d« Turmbau zu Babel mit
ein« Aufschrift, daß alle iwrit sprechen sollen und noch vieles
andere. Die Estergeschichte, desgleichen die Königin von
Saba mit Gefolge waren glänzend dargestellt Dazwischen tau¬
sende von Menschen in Lost »vagen, auf Kamelen, hauptsächlich
Jemeniten u. a. Tartarenjuden mit Lämmern im Arm, die die
Berge von Ercz Jisreri wieder bevölkern sollen. Den Abschluß
bildete die Ankunft des Meschiach der olle Richtungen. Revi¬
sionisten, Agudisten und Histadrulh vereinigt hat Als „Bestä¬
tigung" haben «stere am Freitagabend gleich wieder Krawall
gemacht. — Wir standen ungefähr drei Stunden. Auf dem
Rückwege war kein Durchkommen, und M. verabredete sich
noch schnei! mit FrL B. S., die vom KKL in Petach-Tikwah
5 Duham bekam und dort Bienenzucht treiben »rill. L. und ich
sogen solo auf Entdeckung aus und trafen auch richtig B. und
K. Von erster« kommt am 12. die Mutter und sie freut sitet
natürlich riesig. Die Leute haben, zu gut B, die jetzt in ein«
Tischlerei lernt (habt ihr schon mal so wa« gehört?), war in
Tflrerias. Tellaloys haben ihre Werkstatt in Ramath Gan b. Tri
Aviv, so erzählte mir Martin Bab, d« dort lernt R. W. aoll
gut aussehen und es gefällt ihr jetzt im Kibbuz wieder gut
Bubi Binetter, das wird P. interessieren, ist hi« mit der zweiten
Matzner-Tochter verheiratet. So, das sind alle Neuigkeiten. —
Nun gingen wir in ein kleines Gartenlokal, da ihr euch ja den¬
ken könnt, dab uns von den vielen Eindrücken d« Kopf
schwirrte und wir uns erst mal sammeln mußten. Um 7 Uhr
»rollten »vir uns mit M verabreden, um nach Hause zu fahren.
Doch mit des Geschicke* Mächten, FrL S. überredete uns und
»vir stürzten uns noch einmal in den Abendtnibel Ea hatte
sich wirklich gelohnt. Am „Groben Stern“ waren Üb« die
ganze Straße bunte Kulissenbogen mit jüdischen Darstellungen
aufgebaut und in der Mitte drehte sich ganz erhöht eine Art
Karussell mit Puppen und Tieren behängen, alles von winzigen
Lämpchen beleuchtet. UeberaH wurden Schiebblättcherv abge¬
schossen, Feuerwerk auf Balkons abgebrannt, Raketen in die
Luft gefeuert, Horrah getanzt, kurzum ein wüst« Tohuwabohu,
in das man sich gern mit hinein ziehen lieb. Dann sahen wir
uns noch ein herrliche« Freilichttheat« vor der Op« an,
machten (abends um 10 Uhr) Einkäufe für Schabbat und fuhren
hochbefriedigt und beglückt nach Hause. Komischerweise hatte
ich mich trotz des Trubels durch die Anregung so gut erholt,
dafe ich gar nicht müde und am nächsten Tage ganz frisch war.
Leid« kann man durch Berichte doch nie die AugenbUckaatim-
mung und alle Kleinigkeiten so genau »riedergeben, doch hoffe
ich, dafe ihr euch doch ein Bild machen könnt
Druckf«hUrt«ufel!
Der Verfasser des Artikels „Neutralität am falschen Ort"
ln Nr. 11 unser« Zeitung vorn 16. März dl Js. hrifet nicht
Dr. Felix Beck«, sondern Dr. Fritz Becker, Breslau.