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Neuer Kampf um die Gemeinden!
Die Jüdische TciefrapkeiyAgcntar verbietest (olfode
Erklärung:
Die Fraktion de* Jädischen Volksbamdes mtd
der Zionittiickin Versiaigeag in der Bsrtteer
Jüdischen G emeind e «reckten es kn latere*«« der Jüdbcfccn
Ge*«jaÜM*t für iwUragbar, dai der Vorstand der Jüdischen
Geme i nd e in einer Zusammensetzung bestehen bleibt, die dem
wirklichen Sinn dar jüdischen Bevölkcnatg nacht mehr ent¬
spricht. Die beiden Fraktionen, rieb dessen bewußt, dafi hinter
ihnen die überwiegende Mehrheit der Berliner Juden steht,
fordern eine unverzüglich* Verandenarg jn der Zusammen¬
setzung der Gemein de gremien «ter stärkster Berücksichtigwg
der von ihnen vertretenen Anachaawig, nach dmch ent¬
sprechende Umbesetz «mg der Dezernate.
In dem Kampf ton die Erfüllung der jüdischen Gemeinde
mit dem lebendigen Geist des Judenhass erwarten rie die volle
Unterstützung der gesamten jüdbehen Oeffentlichkeit
Im Zusammenhang mit dieser Erklärung der beiden Frak¬
tionen der Berliner Gemeinde steht auch eine Resolution, die
auf einer Arbeitstagung der Zionistischen Vereinigung für
Deutschland am vergangenen Sonntag in Berlin beschlossen
worden ist. Es heibt da:
1. Die zionistische Bewegung m Deutschland erhebt den
Anspruch, das gesamte jüdische Leben in Deutschland ent¬
scheidend zu beeinflussen. Die sachliche Führung gebührt dem
Zionismus auf allen Lebensgefahren, auf denen dre zionistisch«'
Initiative den deutschen Juden neue Wege zu konstruktivem
Aufbau und systematischer Hilfsurbeit gewiesen hat: in der
Frage der jüdischen Schulen, der Berufs- und Wirtschafts¬
politik, der Förderung des Palästina-Aufbaus und der Aus¬
wanderung.
Der Zionismus kann sich jedoch bei der gegenwärtigen
Gesamtlage der Juden in -Deutschland nicht darauf be-
st^iränken, einzelne Sachgebiete zu betreuen, sondern mul
verlangen, dafi die zionistischen Erkenntnisse als Grundlage
einer Neugestaltung des gesamten jüdisdien: Lebens dienen.
2. Die Arbeitstagung der Z. V. f D. beschließ: Die
deutschen Zionisten fordern eine personelle und organisato¬
rische Umgestaltung der zentralen und Örtlichen .Instanzen der
deutschen Juditihett, die den Zionisten den ihnen zustehenden
Einfluß auf die Gestaltung der jüdischen Arbeit in Deutsch¬
land verschafft und sichert. Der gesch&ftsführende Ausschufi
wird beauftragt, die cor Realisierung dieser Forderungen iu*-
wendigen Aktionen ebizuleiten und für ihre Durchführung Sorge
zu tragen.
Diese heidin Verlautbarungen beschäftigen sich, wie man
siebt, nicht nur mit den Verhältnissen In der Berliner Ge-
»nehme. Allerdings hier ist der Hebel anzusetzen, wenn man zu
einer „personelten und organisatorischen Umgestaltung der
zentralen, und örtlichen Instanzen der deutschen Judenheit“
kommen will. Berlin ist beute noch weit mehr als in früheren
Jahren die jüdische Grofigemeinde, die sich an Zahl noch
ständig vergröbert, weil die Abwanderung aus den kleinen
Gememden anhält. Die Zusammensetzung der Gemeindekörper¬
schaften und damit aller zentralen Organisationen beruht aber
immer noch auf den Wahlen vom Jahre 1931! Im Wege von
K omp romifiverhandltmgen ist zwar einiges erreicht worden,
aber der dominierende Einfluß ehemals politisch-liberaler und
heute religiös-liberal er Juden ist unvermindert grofi. Es sind
zu «tnera groben Teil noch völlig dieselben Menschen, die
nicht nur an Jahren, sondern vor allem in ihrer gesamten Ein¬
stellung def Zeit um die Jbhrhundertwer.de engehören, die in
ihrem Herzen vielleicht noch heute dem verschwundenen Drei-
Klassen-Wahlrecht und ähnlichen zeitgemäßen Einrichtungen
nachtrauern.
Leidet sind die beider, jüdisch-zionistischen Gruppen der
Berliner Gemeinde bisher nicht immer einig gewesen, sonst
hätte eine Umänderung unhaltbarer Zustände wohl längst er¬
zielt werden können. Bedeutsam ist daher zunächst, daß die
beiden Gruppen jetzt gemeinsam vorgehen werden. Von dem
Ergebnis der Verhandlungen, die zu führen sein werden, wird
es alsdann afahängen, weiche Schritte weiter ergriffen werden
müssen. Da in den Provinzgemeinden die Verhältnisse hn
wesentlichen dieselben sind, wird den zionistischen Forderungen
auch hier entsprochen werden müssen. Ein Wahlkampf de»
jüdischen Parteien in den nächsten Monaten wäre gewiß ein
aus den verschiedensten Gründen bedauerliches Ereignis. Aber
es geht nicht an, dafi die Gemeindegewaltigen. weil sie die all-
seitige Abneigung gegen solche Wahlkämpfe in Rechnung
stellen, sich gegen berechtigte Forderungen einer Gruppe ver¬
sperren, die heute unzweifelhaft in einem offenen Kampfe eine
überragende Position erringen würde. Also gerade wenn man
den Frieden, Burgfrieden oder wie man es nennen mag, will,
möge man beizeiten einlenken. (Vgl. auch die Ausführungen
von Direktor Kareski unserer „Presseschau“.)
Die Lage im Zionismus
Austritt dir RtviiMstM
Im April hat in Jerusalem die Tagung des Actions Comi-
täs der Zionistischen Weltorganisation stettgefunden, die wich¬
tige politische, wirtschaftliche und finanzielle Fragen zu be¬
handeln hatte. Wirtschaftlich und finanziell hat die Organisa¬
tion in den vergangenen Jahren unter der Leitung von Nah um
Sokoiow große Fortschritte gemacht, wie allseitig anerkannt
wurde, wenn auch selbstverständlich die starke Einwanderung
im Gefolge der deutschen Ereignisse des Jahres 1933 neue
schwere Probleme und Gefahren mit sich gebracht hat. Da¬
gegen ist die politische Entwicklung, sowohl innen- wie außen¬
politisch, weniger befriedigend. Zu den außenpolitischen Eta¬
gen soll hier nicht Steifung genommen werden, Inrverpo
tisch hat auf der Tagung in Jerusalem tue Stellung zu den
Revisionisten einen breiten Raum eingenommen und
zum Austritt dieser Gruppe aus der Zionistischen Organi-
geführt.
Der Kampf z wische n Rseteäontemt» «nd offiziellem Zio¬
nismus ist seit einigen Jahren eine schwere Belastung der Be¬
wegung g ewe s en. Sek der unglücklichen revisionistischen
Konferenz in Calais hat es dauernde Differenzen gegeben, die
zunächst schon einmal zu einer Spaltung im Revisionismus
selbst führten. Die Sparmtmg wucha^ als de Revisio n is t i sc he
Wek-Union die politische Prärogative der Zionistischen Or¬
ganisation nicht anerkannte, selbst politische Aktionen ein¬
leitete und durchführte, und — mit einem Worte — eine zio-
~nistische Disziplin ablehnte, gleichzeitig aber ihren Mit¬
gliedern den Verbleib in der ZO gestattete. So entstand die
merkwürdige Situation, dafi es Revisionisten gab, die nur der
Rev. Union angehörten und. solche, die beiden Organisationen
angehörten.
Der Streit um «Be sog. zionistische Disziplin hat rieh in
letzter Zeit durch einige Ereignisse verschärft. Er ruhte
auch nicht, trotzdem von Palästina aus, von Führen* der Ar¬
beiterparteien, ein Versuch gemacht wurde zu einer Befriedung
mit den Revisionisten zu kommen, und zwar auf dem wich¬
tigsten Gebiet der Arbeit Auch von beiden Etecutiven waren
gewisse Vereinbarungen getroffen worden, die einen wirk¬
lichen Friedensschlufi erhoffen ließen. Auf der Tagung in Je¬
rusalem stand aber auf der Ta g eso r dnung die Frage der zio¬
nistischen Disziplin, und zwar wurde verlangt, daß eine ent¬
sprechende Klausel auf den Schekel, der jetzt für den in die¬
sem Jahre bevorstehenden Ziontstenkongreß zum Verkauf
kommt, aufgedruckt würde. Dieser Antrag wurde angenom¬
men, und daraufhin haben die revisionistischen Mitglieder des
AC die Sitzung verlassen, und der offizielle Austritt ist durch
. das revisionistisch« Executivkomitee jetzt der Zionistischen
Executive kt London notifizert worden. Wiewohl die Haltung
der Revisionisten in den einzelnen Ländern zu diesem Schritt
nicht ganz einheitlich ist, — in Ungarn z. B. bleiben Zionisten
und Revisionisten weiter in einem Verband — bedeutet die Er¬
klärung der Rev. Union den Bruch und die definitive 5 p e U
Wir können nicht sagen, daß wir im Jahre des 75. Ge¬
burtstages von Theodor Herzl über diese Entwicklung
Freude empfinden. Der Schritt der Revisionisten ist, ob rie in
diesem oder jenem Punkte im Recht sein mögen oder nicht,
ein« schwere Schädigung der von Herzl geschaffenen Bewe-
yrn » upd O r yni^f on., Ufti Ns-io >
die treuesten be wahrer des ncnl amen Erbes und (jetetsu be¬
zeichnen, mußten den Bruch und die Spaltimg unter alleftvbn-
ränden vermeiden. Für die vielen, ailzuvielen, Gruppen und
Parteien im Zionismus hat es immer die Möglichkeit gegeben
— und gibt es auch heute — die Organis»:ion auf legalem
Wege durch Eroberung des Kongresses zu beherrschen. Die¬
sen und nur diesen Weg «hafte die Rev. Union gehen, wenn
sie der Seche, dienen und sich nicht selbst ins Unrecht setzen
wollte. Die Aufgabe der Revisionisten war es, bei den Wah¬
len zum nächsten Kongreß die berühmten 51 Prozent zu er¬
langen. Damit, aber wahrscheinlich euch schon mit 49 Pro¬
zent, wären sie der herrschende Faktor im Zionismus gewor¬
den. Wir verstehen nicht, warum so kampflustige Menschen,
wie di« Revisionisten e* meist and, nicht diesen Weg gehen
wölken. Wir verteidigen keineswegs alles» was auf der ande¬
ren Seite geschehen ist und geschieht, aber von einer neuen
Spaltung 'können wir uns keine HiHe für das jüdische Volk
versprechen. Und von Menschen, die einen jüdischen Staat
bauen wollen, muß man wohl in allererster Reihe eine ge¬
wisse Mindestdisziphn verlangen können.
Die Zionistische Orgteraation wird weiter kämpfen und
arbeiten. Die Probleme ki Palästina imd der Galuth sind zu
ernst, als «laß man ach ständig in Parteikämpfen aufreiben
kann. Wir hoffen, «laß «Le Organisation daher nicht schwächer
sondern stärker ihren Weg gehen wird. Der 19. Kongreß muß
ein Arbeatskongreß werden- flx
Enfers entre Machiavel et Montesquieu“ identfiztert. Laase
man in „Joe das e und in Levy ev aus, so ergebe sich ohne
weiteres der Name Joty. Die ausgel as s enen Buchstaben hätten
offenbar etwas fieheimes für die Juden zu bedeuten- Nach¬
dem der Expert« noch einige Ereignisse der Weltgeschichte
nach seiner Methode gedeutet hat, stellt er eine Krille von
Fragen: „Wo ist das geheim« Staatsarchiv der Jurten?“ —
„Woben die Juden sie Dokument« sofort herausgeben?“ —
„Wer ist beute der oberste offizielle Weise?“ — „Wer ist
heute der Kanzler des Judentums?" — und fügt hinzu: „Das
Judentum wird diese Fragen hier nicht beantworten.“
I!N ALLER KURZE
Frankfiot a. M. (JTA). Die Synagoge in Sicken-
hoven bei Babenhausen (Hessen) ist von der Bür¬
germeisterei zumTreise von 1800 RM gekauft worden und soll
nach Entfernung der Kuhgegenstände als Heim für «Le Hitler¬
jugend verwendet werden. Die Jüdische Gemeind« in Sicken¬
hoven, in der einst em reges jüdisches Leben herrschte, ist
auf zwei Familien zusammen geschrumpft. Die Synagoge war
lange Zeit verwaist. In ihr fand schon lange kein Gottes¬
dienst mehr statt
Antwerpen *J. T. A.) Der Oberrabbiner von Antwerpen,
Rabbi Amiel, einer oer bedeutendsten Führer des Misrachi,
der in letzter Zeit insbesondere durch seine Bemühungen um
eine Verständigung mit der Agudas Jisroe) hervorgetreten ist,
wurde als Nachfolger des verstorbenen Rabbi Aronson als
aschkenasischer Oberrabbiner nach T e 1 A w i w berufen. Rabbi
Amiel dürfte rieh bereits in nächster Zeit nach Palästina be-
geberL um seinen neuen Posten anzutreten.
Warschau (J. T. A.) Ein Delegierter der Histadruth Hai-
karim hat vor einiger Zeit in Polen jüdische Bauern, unter ihnen
30 Kolonisten der „Ort -Kolonien in Wolhynien, für die An-
•siedlung in Palästina ausgesucht Nunmehr hat „Ort“ neuen
Kolonisten Kredite zur Uebemahme der frei werdenden Bauern-
steJlen in Wolhynien erteilt, um die Lieber Siedlung der aus¬
gesuchten Bauern nach Palästina zu erleichtern.
Belgrad (J. T. A.) Dem Vorsitzenden des jüdischen Ge¬
meindebundes Jugoslawiens und Vizepräsidenten der jugo¬
slawischen zionistischen Organisation, Dr. Friedrich Pops,
wurde anläßlich seines 60. Geburtstages und 25jährigen Jubi¬
läums als Vorsitzender der Belgrader, eschkenesischen Ge¬
meinde der Orden der jugoslawischen Krone verliehen. Dr. Pops
war früher Vizebürgermeister von Belgrad und ist auch heute
noch Mitglied des btodtrates.
Jerusalem (JTA). Am 7. Mai wurden Verhan«Lungen
zwischen der Agudath Israel und «lern Waad Leumi betreffend
eine kündige Zusammenarbeit der beiden Körperschaften auf¬
genommen. Die Agudath Israel fordert vollständige Autono¬
mie m religiösen Fragen und ist bereit, die übrigen Angelegen¬
heiten der Kompetenz des Waad Leumi zu überlassen. Als
Vertreter der Agudah nehmen an «len Verhandlungen die
Rabbiner Hurwitz, Blau und Weber teil.
Jerusalem (JTA). In der Generalversammlung «ter Pa-
Iestine Corporation soll das Kapital dieser Gesellschaft auf
400 000 Pfund erhöht werden. Der Vorsitzende des Direkto¬
riums, Sir Robert Waley-Cohen, hält sich seit einiger Zeit kt
Begleitung der Direktoren Generalleutnant Sir Travc.’s Clarke
und Walter S- Cohen in Palästina auf, um eine Reihe von
Unternehmungen zu überprüfen, an denen die Gesellschaft be¬
teiligt ist.
Jerusalem (JTA). Wie das Einwanderungs-Amt der Pa¬
lästina-Regierung mitteilt, sind im Monat März 1935 6800 Ju¬
den in Palästina entge w ändert; außerdem wurde im März «die
Einwanderung von 277 Touristen, die sich nachträglich ent¬
schlossen dauernd im Lande zu verbleiben, legalisiert. Somit
beträgt «fie offizielle Einwanderungsziffer für März 7077 Per¬
sonen. Dies sei die höchste monatliche Einwandenmgszjffer,
«Be bisher erreicht wurde. — Im ersten Jahresviertel 1935 —
so wird weiter mitgeteilt — sind 16836 Juden in Palästina ein-
gewandert.
Jerusalem (J. T. A.) Ganz Palästina wurde von einer
außerordentlich starken Hitzewelle erfaßt. In Jerusalem zeigt
das Thermometer 41 Grad Celsius im Schatten. Noch höhere
Temperaturen herrschen in Tel Awiw und in der Scharonebene.
Unter der Hitze haben insbesondere «Le des Klimas un¬
gewohnten Touristen zu leiden. Hhzschl&ge und Ohnmachts-
anfäfi« sind eine häufige Erscheinung.
Rio de Janeiro (J. T. A.) Das Brasilianische Parlament hat
ein Gesetz zum Schutz der nationalen Sicherheit angenommen,
das Aufreizung zum Rassenhaß und Verhetzung eines Teiles
der Bevölkerung gegen einen anderen unter Strafe stellt. Das
Gesetz verbietet ferner uniformiert« Privatvereinigungen.
„NationaMeutsche Juden**
Die „Nationelzefturig“ kt Esaen schreftrt: „National-
deutsebe Juden — welch' eine Contratfictio in adjectof Die
AusUndspresae will von einem Protest «fieses von einem ge¬
wissen Juden Naiononn geführten Klubs „gegen den FUgoen-
erlaß Dr. Fricks“ beim Führer und Reichskanzler wissen. Ein
„Protest“ also gegen «las elend« Juden spiel mit den eben und
neuen Fahnen des Reiches! Die Abfertigung auf «fi.-se Unver¬
frorenheit wird eindeutig und immer gültig sein. Wir wundem
uns, daß dieser Klub unter «fieser herausfordernden Bezeich¬
nung überhaupt noch b estehen und damit Anlaß zu unon - J
gebrachtem Meckern finden kann. Ab wenn es überhaupt
„nationaldetrtsche Juden“ gäbe! Ihn das zv begreifen, braucht
man sich nur einmal vorzustellen, Deutsche, «fie das Unglück
hätten. In Palästina zu ritzen, kämen auf «len verbogenen Ge¬
danken. einen Klub — — „national jüdisch er Deutscher“ zu
gründen . . . Auch für Zwitter ist kein Raum kn neuen Reich.“
Verlegung des Moses Mendelssohn-
Denkmals in Dessau
Dessau (JTA). In einer kürzlich stattgefundenen Sitzung
der Repräsentanten Versammlung der Gemeinde Dessau wurde
bekanntgegeben, daß der Magistrat der Stadt Dessau der Ge¬
meinde mitgeteilt habe, «laß die Verlegung des auf dem Bahn¬
hofsvorplatz stehenden Moses Mendeteaohn-Denkmals er¬
forderlich sei, weil an «fieser Stell« «las Kriegerdenkmal er¬
richtet werden solle. Der Magistrat ersuchte um «fie Zu¬
stimmung der Gemeinde zur Aufstellung des Denkmals von
Moses Mendelssohn im Vorgarten des Israelitischen Friedhofs.
Ea wurde beschlossen, dem Anträge der Stadt zuzustimmen
mit der Maßgabe, «laß die Kosten der Verlegung des Denkmals
von der Staat Dessau getragen werden. Die Stadt Dessau hat
hierzu ihr Einverständnis erklärt
4200PallstinaeiewaRtferer in fipril
Jerusalem, 7. Mai Wie «fie JTA erfährt, sind im April
rund 4200 Juden noch Palästina ei nge w a ndert Im vergangenen
Monet war mit 7100 Ekvwanderem die höchste Monataein-
wandsrtmf seit dam Inkrafttreter, des Palästinareandati er¬
reicht worden.
Präsident Masaryk
an Naknm Sekelow
Der Präsident der Jewteh Agency. Nah um Sokoiow, er-
beete während s ünes Aufenthalten h» Jerusalem ein m herzlichen
Worten afagefafitee Sc hr eiben de# Pliritte nten der Tschecho¬
slowakischen Republik, Thomas G. Masaryk, in dem «fieser sein
Bedauern darüber zum Ausdruck bringt, das es ihm infolge
seiner nunmehr überstandenen Krankheit nicht möglich war,
zu Sokoiow's Buch „Chibbath Zion“ (Liebe zu Zion), wie er es
beabsichtigt hatte; ein Vorwort zu schreiben. „Sie wissen“,
heißt es m dem Briefe Masaryk's an Sokoiow, „mit welchem
Interesse ich Ihre Arbeit und das, was in Palästina geschaffen
wird, verfolge. Sie haben in der Gewinnung der Weltöffentlich¬
keit für den Gedanken des jüdischen Nationalheims eine der
wichtigsten Rollen gespielt. In dem gegenwärtigen Augenblick,
da das jüdische Vour wiederum eine schwere und traurige Pe¬
riode «lurchmacht, wird Dir Buch eine nützliche Aufgabe er¬
füllen. indem es eine wissenschaftliche Formulierung der Philo¬
sophie des Zionismus gibt Ich sende Ihnen meine besten
Wünsch«, Ihnen und allen, die Ihnen nahestehen und teuer
sind.“
der l ää i s ch ee legend
Berlin, 7. Mai (J. T. A.) Der Reichsauaachvß der jüdischen
Jagend verbände teilt mit:
Der Sportbund des Rekhabundes jüdischer Frontsoldaten
ist «lern Reichsausschuß beigetreten. Der Zusammenschluß der
jüdischen J u g trid ist somit vollendet
„Die Welsen vor Hon-
(Aste einem Gutachten)
Im Berner Prozeß hat der Sachverständige, Oberstleut¬
nant Fleischhauer, seht Gutachten erstattet, in dem sr
«. a. folgenden Zusammenhang z wische n Herzte Roman „Alt-
Mutend“ mtd «len sog. rmtokofr n konstruierte, der zumindest
der Originalität sicht entbehrt. Der Zusammenhang ist für
den Sachverständigen gegeben, indem er «fie Romanfigur Joe
Uvy mh Maate» Jety, 4m Vmhmm 4m „Dialog«, aux
Unterstützt das Jüdische Handwerk!
Grundbesitz soll nicht an nichtarische
Ausländer verkauft werden
Eine Lebensversicherungsgesellschaft hatte im Jahre 1932
mit einem Juden tschechischer Staatsangehörigkeit ein Ab¬
kommen getroffen, in dem sie sich verpflichtete, ein Kapital
von 150 000 RM in Teilbeträgen als erststellige Hypotheken
zur Verfügung zu »eilen. Im April 1933 bat «fie Gesellschaft
den Klager, ihr m Zukunft nur solche Grundstücke zur Belei¬
hung vorzuschJagen, deren Eigentümer arische Reichsdeutsche
seien. Trotzdem beantragte der Kläger «fie Beleihung eines von
einem galizischen Juden ersteigerten Grundstücks. Die Gesell¬
schaft lehnte das ab und erklärte, es könne ihr nicht zugemutet
werden, jüdischen Ausländern durch die Gewährung von Dar¬
lehen zu ermöglichen, deutschen Grundbesitz im Wege der
Zwangsversteigerung zu erwerben. Das Oberlandesgericht
Naumburg hat die Klage gegen «fie Gesellschaft abgewiesen. In
der Urteilsbegründung wird betont, daß nach § 242 BGB der
Schuldner verpflichtet ist. «fie Leistung so zu bewirken, wie
Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es er¬
fordern. Nach nationalsozialistischer Rechtsauffassung unter¬
liege der heimische Grund und Boden nicht mehr der unein¬
geschränkten Verfügimgsmacht des Eigentümers. Er sei ein
wesentlicher Teil des deutschen Volksvermögens und dürfe «len
privaten Belangen eigensüchtiger Spekulation nicht preis¬
gegeben sein. Indem § 242 BGB als obersten Grundsatz «las
Gebot der Beobachtung von Treu und Glauben mit Rücksicht
auf die Verkehrsatte aufstelle, biete er auch «fie Handhabe der
nach Abschluß eines Vertrages geläuterten Rechtsanschauung
und damit dem veränderten Volltsempfmden zu entsprechen.
Dementsprechend müsse nach heutiger Rechtsanschauung dem
Schuldner ein Leistungsvenmigerungsrecht zugestanden wer¬
den. wenn die zu zwar nicht in verbots¬
widriger oder gegen die guten Sitten verstoßender Weise, wohl
aber dazu Verwendung fmden soll, Telle des Volksvermögens
kr die Hände eines nichtarischen Ausländers zu bringen und da¬
mit der deutschen Volksgemeinschaft zu entziehen. (8. LL 230/34.
Urteil vom 5. Januar 1935).