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<3n dem Blatt des „Reichsbundes jüdischer Zrontsoldaten", der früher einmal „Vater¬
ländischer Bund jüdischer Zrontsoldaten" hieß, schlägt ein Mitglied des Bundes vor, ^die Zudeu
möglichst dem (ordentlichen deutschen) Gerichte fernzuhalten". Lr wünscht für Beleidigungs-
sachen, ja selbst für bürgerliche Rechtsstreiligkeiten „jüdische Schiedsgenchte und Ehrengerichte-,
denen sich „alle Zuden unterwerfen" sollen. Der Vorschlag knüpft unmittelbar an die erfreulichsten
Ueberlieferungen des Ghetto an. Damals gab es jüdisches Schiedsgerichte, die nach Talmud-
Recht urteilten, und unsere Väter strebten mit allen Kräften dahin, vor dem ordentlichen deutschen
Richter ihr Recht ;u finden wie jeder andere deutsche Volksgenosse, heute sind wir schon wieder
so weit, dah deutsche Zuden freiwillig )um Ghetto - Gericht rurürkstreben. Rur so fort, Zhr
tüchtigen Organisatoren! Wenn man Luch den Willen läßt, werden eines Tages di^ jüdischen
Sondergerichte wieder Zwangsgerichte sein, und auf Luch wird stch der Staat berufen, wenn
er Luch von den deutschen Gerichten fortweist.
Uebrigeus — der Herr, von dem dieser sinnreiche Vorschlag ausgehl, ist ein im Berliner
Landesverband führendes Mitglied des Lentralvereins deutscher Staatsbürger 1 jüdischen
Glaubens. , *
Aber das alles sind Kleinigkeiten.. Daneben arbeitet „man" sielbewußt an der „inneren
Befriedung des deutschen Judentums". Was bedeuten diese Worte? Ganz einfach — die
Einheitsfront der Züdischnationalen mit allen übrigen Luiden. Man verhandelt geheimnisvoll
hinter sorgsam verschlossenen Lüren, setzt jeder neugierigen Frage dumpfes Schweigen entgegen,
und eines Tages werden wir' vor der vollendeten Tatsache stehen. Der Aufbau der englischen
Kolonie Palästina, zweifellos heute die größte Sorge der „unbeirrt Deutschen", ist der äußere
Anlaß. Die Züdischuationalen machen der Form halber ein paar belanglose Zugeständnisse und
lachen sich ins Fäustchen. Das Ziel aber ist die „jüdische Einheitsfront, der Zusammenschluß
aller deutschen Zuden, auch derer, die durchaus nicht Zionisten genannt werden wollen, ;u
einer „befriedeten Gefühlsgemeinfchaft", einem freiwilliger! Ghetto größten Maßstabes. Welch
ein Pressen für die „unbeirrt Deutschvölkischen", denen so vson „tüchtigen Zuden" ihr schon etwas
briichiger Antisemitismus neu organisiert wird.
Uebrigens — die Herren, die über diese „Befriedung", mit den Zionisten verhandeln, sind die
führenden Vorstandsmitglieder des Lentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens.
Deutschfühlende Zuden, wollt 2hr weiter mit ansehen, daß Luch das von Euren Vätern
gebaute Haus der deutschen Freiheit und Gleichberechtigung von jüdischen Händen über dem
Kopfe abgerisien wird? Wollt 2hr warten, bis man die Steine ;um Bau neuer Ghetto¬
mauern verwendet? !
Wachet auf! Roch ist es nicht zu spät. Pocht mit fester Hand an die verschlossenen
Türen, hinter denen Euer Deutschtum an Zionisten und Antisemiten verhandelt wird!
Deutsche sind wir, nicht nur deutsche Staatsbürger, sondern deutsche Volksgenossen,
und wir wollen es hleiben. Wehrt Luch gegen die nichtji dischen Antisemiten, aber wehrt Luch
auch gegen die jüdischen Ghettofreunde l Sie sind heute der gefährlichere Feind, sie sind die
Organisatoren des Antisemitismus ( I