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Da« Keiligthum.
dort gegebene Auseinandersetzung zu verweisen, und be¬
merken hier nur, daß in Beziehung auf das Heiligthum
und seine Geräthe wir sowohl der Kurze als der Klar¬
heit wegen vorzichen, die typische und die symboli¬
sche Bedeutung derselben nicht eine von verändern zu tren¬
nen, sondern sie zusammengefaßt miteinander zu betrachten.
Unsere jetzige Aufgabe ist daher, die symbolisch.typische
Deutung des Heiligthums und seiner Geräthe
unfern Lesern darzulegen.
Dabei darf nun freilich kein Ausleger es sich ein¬
fallen lassen, im Besitze der Unfehlbarkeit sich zu glau¬
ben, in dem Sinne als ob er für die Gedanken und
Ansichten, die er ausspricht, eine ausschließliche Rich,
tigkeit ansprechen wollte. Denn wenn er aus den alten Hei,
ligthümern einen schönen Sinn herausgefunden hat, wie will
er beweisen, daß nur dieser Sinn darin dürfe gefunden wer¬
de», und daß was ein Anderer Anderes findet, darum von
vorneherein unrichtig sein müsse? Wir erklären daher so«
gleich, daß wir ferne sind von dieser Anmaßung, und daß
wenn wir das, was wir denken, unfern Lesern mittheilen,
wir dabei Keinem zu nahe treten wollen, der den gleichen
Gegenstand mit der gleichen forschenden Ehrerbietung
betrachtet, aber in seinen Gedanken auf ein verschiedenes
Resultat kommt. Das eine Licht bricht sich in verschie,
denen Farben, und dieses Auge weilt vorzugsweise auf
der einen, jenes auf der andern. Von einem und dem,
selben hohen Schloße entwerfen verschiedene Zeichner eine
möglichst getreue Ansicht; sie haben nicht den gleichen
Standpunkt Igewählt und sie zeichnen verschiedene Riffe,
und bilden doch alle daS gleiche Schloß ab. Sei daher
unsere Auffassung auch nicht die allein-richtige, genug
wenn sie nur keine un-richtige ist.