Page
SS
Türkisch« 3*ftantx.
Wo man m der Türkei reist, sieht «au überall wüste
Begräbuißplätze, einsam in den öden Ebene«, aber keine
Dörfer, keine Bevölkerung. Außer den großen Städte«
ist nicht- in diese« Reich, was eine Idee früherer Größe
gibt, als diese zahllose« Todtenäcker, denen die eru»
sten Eypreffen einen, wenn nicht erfreulichen, doch we¬
niger niederdrückenden Anblick geben. Selbst die Rui¬
nen der Städte und Dörfer, welchen sie einst angehörten,
scheinm verschwunden. Diese zu deutlich sprechenden
Dokumente des materiellen AuSsterbens der Ration gebe«
zugleich von ihrem reißenden moralischen Verfall. Die
Gräber ihrer Väter waren dem Volk das Heiligste; jetzt
liegen sie wüst, alS wäre ein fremdes Volk eingezogeu.
Sonst glaubte der Türke, er rette seine Seele, wenn er
zu Ehren des Propheten, einen Brunnen erbaue: jetzt
verfallen täglich die vorhandenen. Die zerbrochene Wasser¬
leitung wird nicht wieder hergestellt und da- Wasser bil¬
det bald einen Sumpf, um durch Fieber zu tödten was
die Pest verschont hat. In keinem öffentlichen Werk
offenbart sich noch Rationalsinn und religiöser Glaube.
Das Volk ist moralisch unfähig, sich au- diese» Zu¬
stande zu erheben. Es hat nicht einmal eine Borstellnng
davon, wie demselben abzuhelfen wäre; und wie es
keine Kraft in sich fühft, so ist es auch gänzlich ohne
Vertrauen zu ftiner eigenen Sache. Die Türken sind
des jetzigen Zustandes müde, ja sie haben den allgemein
verbreiteten Glauben, daß sie im Jahre 1840 einer frem-
den Macht unterthan werden. Dabei ist es ihnen gleich¬
gültig woher diese komme, und bei aller ihrer Abneigung
gegen Rußland, würden sie,dennoch eine »moskowitische»
Herrschaft, wie sie es nennen, chrer eigenen Regierung vor¬
ziehen. Jedes Andere erscheint ihnen besser als das Vorhan¬
dene, und nur von außen erwarten sie passiv eine Veränderung.