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Sin Pilgerbad im Jordan.
Strom. Von den Frauen schritten einige unerschrocken
hinein, und wurden von zwei Männern, die sie führten,
wohl untergetaucht; andere blieben bis an die Knöchel
im Uferschlamm stehen, und begnügten sich damit, daß ihnen
das heilige Wasser reichlich über den Kopf gegossen wurde.
^Nahe bei der Stelle, wo die Pilger in die heiligen
Fluchen sich einsauchten, war ein Tamariskenbaum, der
sich über das Wasser hereinbeugte, und mit dem Stam«
me die Oberfläche da bestrich, wo gerade die Strömung
am stärksten war. Mancher Badende, vom Wasser da¬
gegen getrieben, kam glücklich unter dem Baume weg
und entging, wenn er geschickt genug war einen Zweig
zu erhaschen, dem Schicksale, wenige Schritte weiter un¬
ten in den gleichen Zusammenstoß zu gerathen. Wir be¬
merkten einen Mann, welchen die Strömnng Hegen die¬
sen Baum führte, der aber die Geistesgegenwart hatte,
in den Strom hinaus zu-schwimmen, wo er, pfeilschnell
fortgeriffen, erst eine gute Strecke weiter nnten auf ei¬
ner Sandbank wieder. Boden gewann. Bald darauf trieb
das Wasser einen Russen gegen diesen Baum; als er
unter demselben durchgekommen, suchte er vergeblich ei¬
nen Zweig zu ergreifen, und wurde an den weiter unten
stehenden hingettieben, unter dem er nicht wieder hervor
kam, so daß ihn Jedermann für verloren hielt. Er ge¬
langte jedoch endlich weiter unten wieder ans Ufer, zwar
nicht todt, aber äußerst erschöpft. Unmittelbar nach ihm
hatte ein Anderer dasselbe Schicksal, ertrank aber wirk-
lich. Nachher fanden die Pilger, als sie ihre Leute über¬
zählten, daß ihnen keiner fehle; sie schloßen also der Er¬
trunkene sei ein Muhammedaner gewesen, der sich mit
eingeschlichen, und «tdch ihrer Meinung war nun das
Unglück, das ihn betroffen, eine gerechte Sttafe für die
Entweihung der heiligen Ceremonie, die er sich erlaubt.