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258 Griechisch« Schilderungen.
einander bestehen können, und zwingen ihre steifkirchlichen
Gegner, denen Rechtgläubigst und Unwissenheit unzer¬
trennlich erscheint — »nd von ihrem Gesichtspunkte und
ihren Erfahrungen aus, dem Unglauben gegenüber, haben
sie gewissermaßen Recht, — anzuerkennen, daß es ihnen
hauptsächlich um das geistige Wohl der Griechen zu
thun ist. Diese Gegner der Amerikaner*) sind sehr zahl¬
reich; sie besteben aus der ganzen griechischen Geistlich¬
keit, hohen wie niedcrn, und obwohl es einige wenige
gibt, die nicht gerade ihre Gegner sind, so sind sie ihnen
doch nicht schr geneigt; Der Unglaube befeindet sie na¬
türlicherweise hier wie überall. —
Da Sie wissen, daß jetzt in allen Ländern Europas,
und bis nach Kleinasien und Aegypten hin, zu Erbau¬
ung eines gn'echischen Universitätsgebäudes Steuern ge¬
sammelt werden, — wofür die Beitragenden die Ehre
haben werden, daß ihre Namen dereinst an den Front¬
säulen dieses Gebäudes glänzen sollen, — so will ich
Ihnen auch Einiges mittheilen über die neugestiftete, mit
dem Namen des Königs beehrte Otto-Universität in
Athen.
Schon seit längerer Zeit, ehe noch der hellenische
Freiheitskampf ausgebrochen, pflegten die reichern Grie¬
chen in Konstantinopel, Hydra, Chios, Saloniki (Thes-
salonich) und andern Städten deS türkischen Reiches ihre
Söhne nach Europa zu senden, um ihnen dort die Er¬
ziehung und Bildung geben zu lassen, deren sie für ih¬
ren Lcbensberuf bedurften, oder die ihre Stellung in der
bürgerlichen Gesellschaft erheischte. Hauptsächlich gingen
diese jungen Leute nach Paris; viele, denen es mehr um
*) Mit dem allgemeinen Namen der Amerikaner werden von den
Griechen die protestantischen Missionare bejeichnrt, «eil die-
ielden meiftentheil« au« Amerika kommen.