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3JJ v« Zeit der Makkabäer.
hat sich unter cheokratischer Leitung der Propheten Hag-
gai, Sacharja, Maleachi, unter der kirchlichen Be¬
mühung ESrä'ö, unter der organisirenden Hand Rehe-
mia's neu angcsiedelt. Es gedeiht wieder, wiewohl
langsam, im Lande seiner Väter, aber die Stimme der
Propheten ist verstummt; der Kanon deS alten Testa¬
ments ist geschloßen. Erst mit Johannes dem Täufer
und mit dem, dessen Vorläufer er war, ChristuS, be¬
ginnt das Sonnenlicht der unmittelbaren Offenbaning
Gottes wieder, und das neue Testament wird aufge-
than. Zwischen beiden Testamenten aber liegen vier Jahr¬
hunderte, bedeckt von nächtlichem Dunkel und tiefer Stille,
in der kein Laut der Rede des Allmächtt'gen hörbar wird.
Kein biblische- Buch erzählt uns ein Wort von dieser
Uebergangszeit aus dem alten in's neue Testament. Ein¬
zig unter den apokryphischen Büchern geben uns die der
Makkabäer einiges Geschichtliche an die Hand.
Indessen ist doch der fleißige Leser der heiligen Schrift
begierig über diese vier Jahrhunderte, wo die Bibel
schweigt, etwas zu vernehmen. Er überschreitet diese ge¬
schichtliche Kluft nicht gerne mit einem einzigen Sprunge,
ohne sich umsehen zu können nach dem, was diese Jahr-
hunderte dem Volke Gottes gebracht haben. Es ist aber
nicht nur Wißbegierde überhaupt, die diesen Wunsch in
ihm rege macht; er fühlt, daß da» Verständniß des
neum Testamentes selbst viel dadurch gewinnen muß,
wenn man die unmittelbar vorhergegangrne Zeit näher
kennt, und einfleht, wie die Verhältnisse, die man vor^
sich fleht, geschichtlich geworden sind. Der Leser verließ
am Schlüsse deS alten Testaments die JSraeliten «och
unter dem Eindrücke der Ermahnungen, wie sie geflos¬
sen aus prophetischem Munde, und durch die Berichte
der Evangelisten lernt er daS Judenthum kennen, wie