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Die Zeit der Makkabäer.
seiner Thronbesteigung mehrere Jahre in Rom als Geisel
für die Bezahlung der KriegSstener zugebracht. Dort
führte er ein ungebundenes und wenig geordnetes Leben.
Nach seiner Rückkehr benahm er sich den bisherigen An¬
gewöhnungen gemäß, und dieses, in Verbindung mit ei¬
nem Zuge von närrischem Muthwillcn, der in seinem
Charakter lag, machte, daß er den Syrern als ein ty¬
rannischer Narr erschien, und gehaßt und verachtet wurde.
In der Verwaltung seines Reiches strebte er dar¬
nach, die, seit seines Vaters unglücklichem Römerkriege
wankende Macht neu zu befestigen, und glaubte die Mit¬
tel hiezu, theils in der Besitznahme von Aegypten, theilS
darin zu finden, daß er alle seine Untcrthanen, nament¬
lich aber die Juden, zu der Annahme gleicher Sitte und
Religion bringe. Zu letzterm hatte er in Palästina die
besten Aussichten. Wie in den ältern Zeiten, so zeigte
sich auch jetzt wieder bei den Juden, nachdem sie eine
Zeitlang Ruhe und Fn'eden genossen, die Neigung, den
gebildeten, mächtigen und reichen, heidnischen Nachbar,
Völkern sich gleich zn stellen. Der Glaube der Väter er¬
schien als etwas Einfältiges und Veraltetes, hingegen
die Sprache, Art und Religion der großen Völker als
das Zeitgemäße und Vernünftigere; überhaupt schien es
vortheilhafter mit den Völkern Hand in Hand zu gehen,
als sich abzuschlicßen und sich außer den Verkehr zu stellen;
der äußere Vortheil abk bekommt in Zeiten, wo das Le¬
ben aus der Religion gewichen ist, nothwendig daö
Uebergewicht.
Das Verderben der Zeit hatte selbst die Hohepriester-
liche Familie ergriffen. Der jüngere Bruder des Hohen¬
priesters Onia III., mit Namen Josua (welchen er aber
in den griechischen Namen Jason verwandelte), stürzte
seinen ältern Bruder und nahm seine Würde ein (im J. 175).