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Allgemeine
Eigenthümer, verantwortlicher Redacteur und Herausgeber: Josef WNNNNN.
AMjtrirte Kuhenzeitmg.
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Pest,
JK 18 .
am 30. November 1860.
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unsere
K»er herannahende Schluß des Jahres 1860 und die Neugestaltung unsereö Vaterlandes veranlassen den Herausgeber dieser Blätter, sich
wieder einmal vertrauensvoll a» deren Leser zu wenden, um ihnen seine Wünsche, Hoffnungen und Grundsätze mitzutheilcn.
Siebenzehn Nummern der ״Allgemeinen Jllustrirte» Judenzeitung" sind i» den Händen der Aboniienten, die sich auf Ungar», die öfter-
reichischen Provinzen, Deutschland, Rußland und Frankreich vertheilen. Das Publikum ist in den Stand gesetzt, ein billiges Urtheil zu fällen über
daS was, und wie wir eS wollen, über die Tendenz, die wir verfolgen, und über die Mittel, die wir zur Erreichung derselben gebrauchen. Wir
wollen das Interesse und die Theilnahme an jüdischen Angelegenheiten wahren, den Fortschritt, den wahren und berechtigten, im CultuS und izi der
Schule fördern, den heilsamen Antheil unserer Glaubensgenossen an der Verbreitung und Erweiterung des CulturlebenS vor Freund und Feind in'S
rechte Licht setzen, das gute Recht derselben im modernen Rechtsstaate, der weder eine ausschließlich religiöse, noch eine exclusiv nationale Grundlage
hat, dessen unerschütterlicher Pfeiler die Gerechtigkeit ist, erkämpfen und vertheidigcn helfen. Wir wollen dein Borurtheil, in jüdischen wie in nicht-
jüdischen Kreisen, entgegentreten; sowohl unsere jüdischen Glaubensgenossen wie unserc christlichen Milbrüdcr sollen der Ueberzeugung freien Raum
geben, daß unsere Zeit menschliche Verbrüderung und nicht fanatische und confessionelle Absonderung, friedliches Zusammenstreben und nicht feind-
licheS Auseinandergehcii will. Wir wollen die Männer, welche an der Spitze der jüdischen Gemeinden stehen, die Herren Rabbiner und Vorsteher, in
ihren heiligen, der guten Sache allein dienenden Bestrebungen unterstützen, und den Herren Lehrern jene Stellung sichern, die ihnen vermöge
ihres wichtigen Amtes und Berufes gebührt. Wir wollen den Gemeinden in unserem Vaterlande dav kostbarste Gut, die Autonomie, nach allen
Seiten hin, gegen cousiftorialräthlichc Zudringlichkeit, gegen französische CcntralisationSideen und gegen unberechtigte Einiuischung wahren. Wir
wollen durch das Bild die Aufmerksamkeit auf jene Männer hinlenken, welche auf den verschiedenen Gebieten menschlicher Thätigkeit wohlthätig
gewirktchaben und noch wirken, die entweder unserem Stamme angehörcn, oder für denselben ihre Stimme erheben. Für persönliche Streitig-
keilen hat unser Blatt weder einen offenen noch einen geheimen Sp.cchsaal, weder ein Thor noch ein Thürchcn; unsere Aufgabe ist eine zu heilige,
zu hoch über Personalien stehende, als daß wir sie durch Kleinlichkeit hcrabwürdigen lassen könnten, und wir setzen uns lieber der Gefahr aus, zu viel
Gutes, als zu viel Schlimmes von maßgebenden Personen zu verbreiten. Dies Alles wollten wir gleich bei der Gründung unseres Blattes, und
wollen es heute wie gestern mit Ruhe und Besonnenheit, ohne patriotische Koketterie, ohne Hast und Eilfertigkeit in sich überstürzenden Rathschlägen,
ohne prullkendc» und schillernden Patriotismus, der ein natürliches Gefühl zur berechnenden Demonstration macht. In wie weit es der literarischen
Leitung unseres Blattes gelungen ist, das vorgesteckte Ziel zu erreichen — darüber mögen die Leser desselben urtheilcn. Dürften wir aber die inimcr
steigende Zahl der Abonnenten und die an uns gelaugten Zuschriften als Maßstab für den Werth und die Bcdentung der ״Jllustrirte» Jndcnzeitnng"
gebrauchen, so wären wir zu dem Schlüsse berechtigt, daß Misere Bemühungen nicht erfolglos blieben.
Allein die Aufgabe unseres Blattes ist eine so viel umfassende und die AuSführnng derselben eine so kostspielige, — für das Letztere niögc
die Ausstattung sprechen, deren sich noch kein jüdisches Blatt bis jetzt erfreut hat — daß wir an die Herren Rabbiner, Gemeindevorsteher, Lehrer
und alle Freunde des Judenthum«, der jüdischen Ehre, des jüdischen Namens und unseres Rechtes die ergebenste Bitte richten, uns durch Pränume
rationell, Beiträge, Zeichnungen, Portraits hervorragender Männer und Frauen, Empfehlung und Förderung unseres Blattes unterstützen zu wollen,
und ein Organ zu kräftigen, dessen höchstes Ziel darin besteht, der Hebung des JudenthnmS nach allen Richtn»gc 1 > und dadurch den Interesse»
unseres engen ungarischen Vaterlandes zu dienen: der echte Jude war und ist überall ein echter Patriot!
Pest, Ende November 1860.
Der Herrmsigeber der ״Mg. Jilnstr. Mklijeitmig."
Noch kill ״Pi uw desiderium.“ j
Geehrter Herr Redacteur! In Nr. 12 dieser geschätzten Blätter er- j
gehet sich Ihr II. Mitarbeiter in näherer Besprechung der von dem viel-
verdienten Herausgeber deS Wiener isr. Jahrbuches daselbst ausgesprochenen
״f»ia doKideria." Erlauben Sie mir nun in diesem vielverbreiteten Blatte
noch einen frommen Wunsch auSzusprechen, auf deffcn Realisirung nach
meiner unmaßgeblichen Meinung um so eher zu rechnen ist, als derselbe
nur daS wieder inS Leben Treten, eines bereits in der vormärzlichen Zeit
dagewesenen, mit der neuen Reichsgestaltung aber sich als Bedürfniß wieder
herausstellenden Organes betrifft. Ls läßt sich nicht verkennen, daß in Folge
des allerhöchsten kaiserlichen Diplomes von! 20. Oct. d. I. auch die Ver- I
hältniffe und Zustände der Israel, in ein ganz anderes Stadium zu treten
anfangen und neue Aussichten gewinnen. Das Jahr 1860 wird in der
Geschichte deS österr. ÄaiserstaateS und der erlauchten Regierung Se. Apost.
Maj. Franz Joseph k. als ei» von kaiserlichen Gnadenakteu überfülltes und
von den DankeSgefiihlen aller Nationen und Eonfessionen umkränzteS Blatt
ewig glänzen und rühm- und denkwürdig dastehen; und wenn schon das
erste Biertel dieses ׳ gnadenreichen Jahres uns Juden am 18. Feber die
Freude der erlangte» Besitzfähigkeit und noch anderer Rechte zu Theil werden
ließ, so eröffnet uns daS letzte Viertel desselben dnrrb den 20. Oktober eine
um so schönere hoffnungsreiche Aussicht in die Ankunft. Denn man müßte gar
zu viel Pessimist sein, oder seine Augen vor dem Gange der Dinge ver׳
schließen, wollte man nicht in einen! fortschreitenden constitutioncllcn Staate