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unvninögliche Intelligenz die Aufnahme in den Schoß der Gemeindeberathnng :
ermögliche. Dies kann nur vurch die Herabminderung d«S CensuS auf ein
entsprechendes Minimum erreicht werden.
Mehr aber als von den Wablstatuten an und für sich hängt die
Bildung eines würdigen, der Pester Gemeinde entsprechenden und den übrigen
Landcommunen als Muster dienenden CultuSvorstandes von der Art und
Weise ab, wie der Wahlact von Seiten der Wähler aufgefaßt und mit
welchem Ernst und Eifer er gehandhabt wird. Das beste Wahlstatut würde
durch Gleichgültigkeit, Lauheit oder auch durch irrige vorgefaßte Meinungen ;
im Publikum wirkungslos gemacht werden. Bor Allen muß man sich dessen ׳
klar bewußt sein, daß eS sich bei der Ausübung des WahlacteS um eine I
Ehrensache und um daS heiligste Interesse der ungarischen Zudenheit handelt, j
Die Pester Gemeinde, vermöge der Zahl der Mitglieder, so wie durch |
deren materielle und geistige PrLvalenz ist dazu berufen, die geistige Leitung
für die Iudenheit des ganzen Landes abzugeben. Bon ihrer rechten oder j
verfehlten Zusammensetzung hängt zum großen Theil die Erfüllung oder das '■
Zunichtcwerden unserer theuersten Hoffnungen ab. —
Man hat in neuester Zeit so oft den Nachdruck auf die Intelligenz
bei den zu wählenden Vertretern gelegt. Diese ist allerdings eine sehr
wünschenswerthe Eigenschaft. Derjenige, welcher berufen ist uns nach Außen ן
zu vertreten, soll vermöge seiner genossenen Bildung und Erziehung dies |
auf eine würdige Weise zu thun im Stande sein; derjenige, welcher über |
Schul- und Cultusangelegenheit zu verfügen hat, soll wie billig auch die
erwünschte Befähigung dazu besitzen; — aber man würde sich sehr täuschen,
wollte man glauben, daß die GeisteS-Bildung eine der vorzüglichsten und un-
entbehrlichsten Anforderungen an dem zu wählenden Vorsteher bilden. Mehr
noch als Bildung und Vermögen gibt dem jüdischen Vorsteher ein Anrecht
auf daS Vertrauen und^die Verehrung seiner Commitenten der Charakter,
dessen er sich erfteut. — Unter Charakter wollen wir aber nicht blos daS ver-
stehen, was man im geschäftlichen Leben darunter zu verstehen gewohnt, daß
er einen guten Leumund besitze, das er seinen merkantilen Verpflichtungen
Nachkomme, daß er niemals daS in ihm gesetzte Vertrauen in auffallender
Weise verletzt und mißbraucht habe rc.... Alles dies mag wohl auSreichen,
ihm in privatlichen Kreisen die gebührende Achtung zu sichern; aber ein Vor-
steher der Pester isr. Gemeinde'muß diesen Titel eines Charakters in noch
höherem Sinne rechtfertigen.
Er soll ein Charakter sein als Jude und als Patriot!
In erster Richtung wie in der andern muß er von reiner Liebe für
daS allgemeine Beste beseelt sein. Ein eifriger, unerschrockener Vorkämpfer
für das Wohl und Gedeihen seiner Glaubensbrüder und ein warmfühlender
hingebender Sohn des Vaterlandes. Religion und Vaterland — das seien
die Wahrzeichen
eines Lebens und StrebenS, für deren Verherrlichung un-
ermüvlich zu wirlen er als seine schönste ehrendste Aufgabe erachte. Wer den
Ehrenposten eines Pester iSr. CultusvorstandeS würdig bekleiden soll, der sei
vor allem Ander« eifriger Freund seines Glaubens und seine« Vaterlandes!
Mögen nur die Wähler ihr festes Augenmerk auf die Erfüllung dieser
beiden Haupterfor^erniffe richten, und die Wahl wird gewiß vom besten Er-
folge gekrönt werden?
! Der Hausirer.
i
! Sengend auf die weite Fläche
I Nieder brennt der Sonne Gluth,
I Und ein stetes düst'reS Schweigen
j Drückend auf der Haide ruht.
I Gelben SandeS dürre Ebnen
| Dehnen sich zur Wüste dort,
jj Wo die arme Homok-PuSzta
j! Lieget an der Tisza-Port.
In dem jüngsten Lenze schwollen
! Hoch der Stromes Fluthen an,
! Und die trüben Wogen brausten
׳ Ihre Dämme wild hinan;
Wohl ist nun der Fluß gekehret
Wieder in sein Bett zurück.
Doch noch dehnen mächt'ge Seen
Ferne sich vor uns'rem Blick.
Krächzend tönt der Schrei der Möve, ')
Durch die Oede weit dahin.
Während hoch am Wolkensaume
Graue Kranichfchaaren zieh'n.
Bon dem Ufer dort ein Reiher
Sinnend in die Fluthen blickt.
Während hier ein Paar von Störchen
Leise nur, wie träumend nickt.
Und so weit das Auge reichet.
Keinen Menschen eS erschaut.
Und das Ohr erspäht vergebens
Suchend, — froher Stimmen Laut.
Einsam saß ich dort und tiefe
Wehmuth hat mein Herz erfüllt,
Und an meinen» Geist vorüber.
Zog' manch düst'rcs Lebensbild.
Horch! War'S nicht als hält' die Stille
Jetzt ein Menschenfuß gestört?
War niir's doch als ob ich deutlich
Eines Wand'rers Tritt gehört. —
Sieh,. da kommt er, müden Schrilles
Unter schwerer Last gebeugt,
Und sein Haupt, das altersgraue,
Zu dem Boden tjef geneigt.
Nieder wirft die wucht'ge Bürde,
Er von seiner Schulter jetzt.
Seufzend wischt von seiner Stirne
Er den Schweiß, der sie benetzt;
Ein Hausirer isVs, ein Jude,
Der seit manchem Jahre schon,
Weit und breit durchstreift die Puszten,
Schwer sich müht um kargen Lohn.
In de« Dorfes engster^Hütte
Hauset er mit Weib und Kind, "
Die des Anne» einz'ge Freude,
Seines Leides Tröster sind.
An der Arbeitstage erstem
Zieht er, mit der schweren Last
Auf dem krummgcbog'uen Rücken,
In die Ferne — ohne Rast. '־
Sucht auf ungebahnten Pfaden,
Jeden Weiler, jede Hütt',
Wandert ewig lange Tage,
Hin mit alterSmüdem Schritt. !
Wandert — wenn die Sonne glühend
Ihm auf seinen Scheitel brennt.
Wandert matten Fußes, ohne
Daß er selbst sich Ruhe gönnt;
Wandert — wenn auf SturmeSfitt'gen,
Schwere, sinst're Wolken ziehen.
Vor des Donner« mächt'gen Schlägen,
Scheu in'S Nest die Vögel stieh'n;
Wandert — wenn aus rauhem Norden
Eisig kalter Sturm erbraust,
Ueber Fluren, über Auen
Durch die Wälder pfeifend saust;
Wandert — wenn der Schnee in Flocken
Auf die Haide niederfällt.
Und die weiße Sterbehülle
Weithin decket Wald und Feld;
Wandert nun seit langen Jahren
Um zu nähren Weib und Kind, י*
Die des Armen einz'ge Freude, ׳
Seines Glückes Quelle sind.
Goßen weit sich in die Lande,
Flutheten ei» wildes Meer,
Ueber Triften, Fluren, Auen,
Wüthend, unheilbringend her.
*) Bon den Möv-n, im Ungarischen ooiillä oder *iiilj genannt, verläßt eint
Abart, die Lachmöve, im Frühling« für längere Zeit die Küsten der nördlichen Meere,
und wird dann häufig an den Gewässern in manchen Gegenden Ungarns, Böhmen! K.
j gesunden. »nmerk. b. Berfasser».
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