Seite
au- der alten, gauz alten Zeit haben wollte, während gerade mein
Dater, dem vorgeschrittenen Zeitgeiste Rechnung tragend, nur für
einen Rabbiner der Neuzeit stimmte? Die BHauptung
ferner, daß mein Bater von Eigennutz geleitet werde, ist, gelinde ge-
sagt, so unverschämt, daß ich wirklich nicht weiß, yb ich ihm gar auf
diese Beschuldigung antworten soll. — Sollte Herr Rover wieder
vergessen haben, daß sowohl der Tempel als auch die Schule ihr
Entstehen hauptsächlich meinem Vater zu verdanken haben?
vergeben, mit welchen Mühsalen, und ich sage mit welchen Geld-
opfern? eben von Seite meines Bater- diese Gebäude errichtet wur-
den, und welche Zeit und Mühe noch heute sein Amt in Anspruch
nimmt? und kann endlich da von Eigennutz die Rede sein, wo
auch nicht die geringste Gelegenheit zur Befriedigung desselben vor-
Händen wäre, wo nicht einmal d e r Nutzen geschöpft werden kann, den
der Schulbesuch der eigenen Rinder etwa böte?
Daß Herr R. «einen Vater auch noch ״geistiger Armuth" be-
schuldigt, nun, über diesen Borwurf, der freilich aus Herrn R.'S
Munde gar zu lächerlich klingt, mag ich kein Wort verlieren; —
nur eine Bemerkung erlaube ich mir noch anzufügen: Herr R. war
an der ReSzthelyer Schule angestellt, ist aber sei-
ner Stelle enthoben worden.— Ist dies, geehrter Leser,
nicht Grund genug den Mann, der etwa hiezu beigetragen, zu be-
geifern? — Leopold Prager.
ltcher Strafen ihre gegenwärtigen Diestgeber verlassen müsse», den
Ersten künft. MtS. fest. — (Presse.)
Rremsier (Mähren.) In hiesiger Stadt, vormals wegen Ju-
denhasse- berüchtigten Stadt wurde Herr Simon Hartman in
die Gemeindevertretung gewählt, wobei derselbe unter Anderen auch
die Stimme der Rapitel-Getstltcheit erhielt.
Berlin. Im Abgeordnetenhause legte der Justizminister einen
Entwurf, betreffend die Eide der Juden vor. Nach diesem Entwürfe
soll der Eid in Zukunft mit bet Formel: ,Ich schwöre bei Gott dem
Allmächtigen uno Allwissenden" beginnen und mit den Worten: ״ So
wahr mir Gott helfe" schließen. Alle übrigen sonst abweichenden For-
mein sollen abgeschafft werden. ,
Wochen-KslenLrr.
Freitag t. März — )9. Adar.
Sonnabend 2. ״ . 20 == ״ ms *a שבת כי תשא ; Hast:
Donnerstag 7, ״ . 25 — ״ Lzech. c. 36, v. 16 -v.38.
Oeslhirhtlirhe Kedenktsge.
3. März 1619 st. R- Ephraim Lentschty in Prag.
Offene Korrespondenz der Redaktion.
An 70 ״ in 2": Nur wegen typographischer Schwierigkeiten mußte Ihr Auf-
sah bisher zurückbleiben. — Hr. I. S. Fr. in G. W.: Ahr nachttägliches Schreiben
ist uns erst am Schluffe de- Blattes zugekommen. —
Vernüschtr Mchrichten und Iotizen.
Ofen. Gestern am 26. d. M. ward der hies. Cultusgemeinde
eines der edelsten und trefflichsten Mitglieder durch den Tod entrissen,
ein Mann, den ^t'e Ofner Gemeinde ihren Stolz und ihre Zierde
nannte. Herr Lleä. vr. Ignatz Löblin, k. k. Schulrath, städt.
PhyfikuS und GerichtSarzt. Mitglied der Gesellschaft der Aerzte zu
Buda-Pest und Besitzer des goldenen Verdienstkreuze-, endete im
Alter von 61 Jahren sein, Dem Heile der leidenden Menschheit und
dem Wohle seiner Glaubensgenossen gewidmete- Leben. Al- Mensch
von biederstem Charakter, als beruf-treuer und kenntnißreicher Arzt,
als warmer Förderer der Bildung und des Fortschritte- in Synagoge
und Schule, als fteundlicher Vermittler und Fürsprecher, wo eS galt
dem Geftänkten und Gedrückten da- Wort zu reden, erfreute er sich
im Leben der ausgezeichnetsten Achtung und Werthschatzung von Hoch-
und Niedriggestellten, von GlaubenSbrüdern und von Bekennern freut-
rer Religionen; und wird sein Hknttitt, von Allen die ihn gekannt,
aus tiefster Seele betrauert.. — Friede seiner Asche!
P e st. Die Eremption der Wahlberechtigten von der Prügelstrafe
wurde in der Juder-Curial^Conferenz auch auf Israeliten ausgedehnt.
w. Das ״Wr. Fremdenblatl" thellt nach der ״Allg. Ztg." zwei
Fälle von Jnquifitionsverfahreu gegen jüdische Angeschuldigte mit,
die wahrhaft schaudererregend sind, und an Grausamkeit alles in
jüngster Zeit leider Gehörte und Gelesene weit hinter sich lassen.
Ueber den einen Fall, aus Gömör, haben wie auch Privatbriefe
gelesen; der Schauplatz der anderen Foltergeschichte ist Mi-kolez.
Wien. Laut dem Jahresberichte der hiesigen isr. Armen-
Anstalt für das I. 1860 bestand ihr Vermögen am I. Jänner
1860 in 19.621 fl. 53' 2 kr. Im Laufe des I- 1860 kamen dazu
durch Jahresbeiträge, Legate, Interessen, Spenden :c. rc. 24.614 fl-
kr. Verausgabt wurden 22.465 fl. 31' 2 kr , davon an hies. Arme
13.478 fl. 64 kr., an fremde Durchreisende 2798 fl., für die Speise-
Anstalt 5254 fl. 60 kr. —. Zu Ende des I. 1860 betrug das Der-
mögen der Anstalt 2 t .770 fl. 22' , kr.
T e p l i tz (Böhmen ) Unter den 24 Gemeindevertretern befin-
den sich 6 Israeliten.
Rzeszow, 20. Februar. Am gestrigen Tage wurden sämmt-
liche bei J-raeliten im Dienste stehenden Mägde christlicher Confesfion
durch die Polizei in das Magistratsgebäude und von da nach vor-
ausgeschickter'eindringlicher Ermahnung zum Geistlichen abgeführt.
Dieser verbot ihnen aufs entschiedenste das Dienen bei Juden, und
setzte als letzten Termin, bis zu welchem sie zur Vermeidung körper-
(Etngefenbet.)
Unter den ״ konstitutionellen Regungen" unseres
Vaterlandes verdient wobl auch folgendes Factum eine öffentliche Be-
kanntmachung. In der Ortschaft Derbä (im Neutraer Comitat) hat
am 4. v. M die Richterwahl stattgefunden, und war zur Leitung des
Wahlaktes der Unterstuhlrichter, Herr v. Toth, hereingekommen.
Das konstitutionelle Fest wurde Abends durch Fäckelzug, Beleuchtung
und durch — Fenstereinschlagen gefeiert. Aber es wurden, wohlge-
merkt, nur die Fenster der noch ziemlich außerhalb der Constitution
stehenden Juden zur Zielscheibe der konstitutionellen Steinwürfe ge-
wählt, und dabei halb ungarisch, halb slavisch gerufen: ״Eljen a
hazai Zsidoven!״ <.(L> lebe das Vaterland! Hinaus mit den Juren!)
Wir aber rufen nichts destowenigrr ganz ungarisch und von ganzem
Herzen ״Eljen a haza! und hoffen. daß Bübereien wie die erzählte
entweder ganz aufhören, oder wo sie doch Vorkommen, von den neuen
gesetzlichen Behörden gehörig geahndet' werden. In dem erzählten
Falle ist die- leider nicht geschehen. Mehrere Berböer JSraelite».
»״ant»»rl[1*fr Redrtleur u»d Htr,««,eb»rk JdMf B&rauum.
INSERAT.
0fre« konstruirte und verbesserte
מצות מאשינק
lammt Dorkneter find stet« »orrathig zu haben bet
3-3
üeopold Felwel,
Fabrik: Pest, Pfetfergaffe Nr. SS.
Luch empfe-le ich ferner eine große Su«wa-l aller Battungen
öisen-ZUSbel wie auch Sparherbe
und alle in die« Fach schlagende» Gchloffrrarbeiten.
Niederlage: Pest, Elisabethplatz Nr. 10.
Pest 1861. Druck von Emil Müller» Dorotheagaffe Rr. 12.