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Mitglieder vo» tarirn Anordnungen berührt werten, wie sehr ihnen
also daran liege« müsse, eine solche Vertretung ins ?eben zu rufen,
von welcher vie gerechtesten, billigsten unt weisesten Maßregeln zu er»
warten find. —
Fast alle G meinten — tie größeren wenigstens — bieten,
natürlich im engeren Raumverbäluiiß, dasselbe Bilt, wie die unsrige.
UeberaU Rabbiner. Vorstand. ja beite in terselben Stellung. fast
überall auch schon wohlgeortnerer Gottesdienst, eigene Schulanstalt.
Vereine, Stiftungen nnv sonstige Institute. Unsere Großgemeinte hat
nach der Fülle ihrer geistigen unt materiellen Kräfte, nach dem
Reichthum ihrer Hilfsmittel, zumal da sie oft genug von Glaubens
genoffen teS ganzen Landes besucht wird, den erhabenen Beruf, eine
Mustergemeiude für die P-ovin;ialgemeinden zu werden was sie in
einigem Grate zwar schon ist, aber auch noch in manchen Stücken
rist werden müßte. Wer für daS Wohl und die Ehre unseres Stam--
meS ein fübtendes Herz bat, wird die Einwendung: das gehe uns
nichts an, als eine Lieblosigkeit zurückweisen.
Im Gegeniheil — die Gemeinsamkeit unserer Bestrebungen,
die Solidarität unserer Jntereffen mit jenen der Landgemeinden,
oder besser gesagt mit Men der gesammten Iutenheit in Mittel-
Europa, machen tieLchließung eineö dauernden Ber--
h ä l t n i s se s zwischen sä m m t l i ch e n Gemeinden d e S
Landes sehr wünschenswerth. Ich erwähne zunächst nur tie Zu
׳chriften rer hiesigen Eultusgemeinde an die anderen ungae. Gemein-
den in Betreff rer Ungar. Sprache, sowie die LantesauSschuß Sitzun-
gen in Betreff der EmaneipationSfrage. ES soll aber — sage ich —
ein dauerndes und immer geschürztes Band sein, tas
sie alle umschlingt-. Wenn unsere Autonomie nur erst vom Gesetze im
Allgemeinen gewährleistet ist. dann wird sich die Nothwendigkei»
mancher Spezialgesetze bald genug ergeben. insbesondere über taS
V.rhältniß der Synagoge zum Staate, über ihr Lerbältniß za den
christlichen Kirchen. vielleicht auch über ein jüdisches Ehegesetz, ver-
steht sich nach den Satzungen des mos. rabb. Eberechtes u. s. f. Auch
auf dem Gebiete der Verwaltung wird daS Zusammenhalten
aller Gemeinden eine rüstige Macht entwickeln, als Unterstützung
der Behörden, wenn sie nach Recht und Gesetz verfahren; als
Lchutzwehr, wenn sie Eingriffe in die Sphäre der autonomen Reli-
gionsgemeinde versuchen. Dasselbe gilt vom Verhältniß zu den
christlichen Kirchen; denn auch hierin kann freundliches, duld-
sameö Einvernehmen bestehen, kann aber auch manche Collision ein-
treten. Welche andere, als die hiesige Gemeinde soll nun den Mittel-
Punkt jener Verbindung bilden? Von welcher andern, als von der
unsrigen soll daher diese Verbindung eingeleitet werden?
Die Anstalten der christlichen Kirche werden zwae zum großen
!heil von kirchlichen FondS erhalten; zum Theil aber werten sie —
zumal jene der katholischen — vom Staate oder der Eommune vo-
»rt, das heißt auS Staats- oder ComiOunalmitteln erhalten. Diese
Mittel werden durch Steuern herbeigeschsifst; zu den Steuern tragen
die Juden bei. und zwar unter übrigens gleichen Umständen nicht
um einen Kieuzer weniger als die christlichen Mitbürger. Die Juden
helfen also vie Kosten speeisisch christlicher Institute tragen. Jüdische
Anstalten genießen dagegen vom Staate oder, der Eommune keinerlei
Dotation oder Subvention. Die fünf Auster-Hauptschulen wurden
b.kanntlich mittelst jener Million gegründet, welche ausschließlich von
den Juten als KriegSftrafe für die der ungarischen Sache bewiesene,
besondere, opfermuthige Treue gezahlt wurde. Dieses Mißverhältniß
soll beseitigt werden — und eS ist eine für unS gewiß wichtige Rechts-
und finanzielle Frage, ob und in wieweit auch für jütische Anstalten
der Staatshaushalt in Anspruch genommen werden könne; dieser
Gegenstand berührt den Säckel Aller, welche Cultussteuera zahlen.
Mit ih« im Zusammenhänge steht ein andere wesentliche Frage,
welche für das religiöse Leben und somit für die moralische Hebung
unserer Gemeinde von hoher Bedeutung ist: Bon unseren Frauen
und Kinvern kann nur der bei weitem geringste Theil dem öffent-
lichen Gottesdienst so oft anwohnen, als ein religiöser Wanvel es
zu« Bedürfuiß «acht; denn die Betfitze der Synagogen find Privat-
eigenchu« und der geringe freie Raum im Schiff derselben wird
von Männern eingenommen, die kein solche» Eigenthmn besitzen. In
ten Frauengallerien gibt e» einen solchen Raum vieAeicht gar nicht,
oder er kann nicht wohl ohne Beschämung benützt werden. Was die
Jugend betrifft, so wird nur für eine verhältnißmäßig geringe Au-
zahl SchnlgotteSdienst gehalten. Für die zahlreiche Schülerschaft «m
der Oberreaischule und an dem Gymnasium wäre eine gemeinsame
gottesdienstliche Andacht eine sehr ersprießliche Einrichtung. Hierin
thur Reform noth; aber welche — wird für die Bertreierschast ein
eben so ernster als schwieriger BerathungSgegenstand sein,- Hier nur
soviel, daß uns im Interesse der Religiosität und Sittlichkeit daran
gelegen sein muß, den häufigen Besuch des Gottesdienste» Jedem aus
unserm Glaubensbunte zu ermöglichen.
Dies Land zählt an 40V iSrael. Gemeinden; wir bedürfen eines
Rabbiner-Seminars, aber wir besitzen noch keine». Die von der kai-
serlichen Regierung zum Range eines solchen erhobene Preßburger
Jeschiwa mag wohl eine lehrreiche Talmudschule sein; aber eine
Hochschule für zeitgemäße und berufstüchtige Seelsorger tst sie nicht.
Heber die Pflege der ungarischen Sprache in der Gemeinde-
schule und über die wirksamsten Mittel zur Befferung der Sprache
überhaupt in den untern Schichten der Bevölkerung hier nur soviel,
es müsse jeder Familienvater zum Besten seiner Kinder den lebhaften
Wunsch empfinden, daß dieser Gegenstand von geschickter, eben so
sicherer als ruhiger Hand behandelt werde; dies kann aber nur von
einer einsichtsvollen Vertreterschaft erwartet werden
In Berücksichtigung de» eben Auseinandergesetzten sollte daher
unsere ״Intelligenz" besonderen Eifer in ihrer Betheiligung an
den Wahlen bezeugen. Vor Allem ist es 1 a eben das vorwiegende
Interesse für Kunst, Wissenschaft und Cultur überhaupt, was diesen
Stand ausmacht. "
Unsere ״Gebildeten" sind vom Fünfziger-Ausschuß mit aner-
kennenswerther Vorliebe zur Wahl beigezogen worden. Dieser Auf-
forderung nicht folgen, wäre bei ihnen Verrath ay dem Berufe. m
dem sie sich öffentlich bekennen, und sie würden Schmach auf sich
laden durch Verleugnung eine- Standes, dessen Ehre sie sonst in
den Augen der Welt genießen. Auch auf den Ruf unserer Gemeinde
im Ganzen übt dieser Umstand einen sehr fühlbaren Einfluß. Alle
Welt weiß nämlich, daß bei der bevorstehenden Reorganisirung auf
die Männer deS Wissen- ganz besonders Rücksicht genommen wurde.
Bon jedem Collegium, welches aus der Wahl hervorgeht, muß also
tie öffentliche Meinung annehmen, daß die gediegensten Potenzen
darin ihren Play in ausreichendem Maße gefunden. Wenn sich aber
die Männer des Wissens von den Wahlen fern halten und dadurch
die neue Körperschaft nur wenig geistige Potenzen-in sich faßt, so
wird die Welt durch unser eigenes Verlchulden zu dem irrigen Aus-
spruch gezwungen, . diese ungenügenden Kräfte seien noch die besten,
die wir aufzubieten!vermöchten.
Also. verehrte Leser, allgemeine^ lebhafte Mitwirkung. öffent-
liche Wahlbesprechungen! Dr. 3gna* Mannheimer.
Bescheidene Minke lür die jüdischen neuen
Bibelübersetzungen.
Pom Hauptschul-Leiter Wilhelm Och». (Verspätet.)
In Nr. 46 der ״Allg. Ztg. d. I." v. I. eröffnet die Phi-
lippson'sche Btbelanstalt, daß ein Eomits, der daselbst genannten
Gelehrten, zur Ausführung deS längst projectirten Werke» sich bereit»
gebildet. Unter den da bezeichneten Grundsätzen der ״Revision" (der
Bibelübersetzung) heißt e»:
״a., va die Philippson'sche Ueberietzung überall nach phtlolo-
gischer Treue und genauem Anschmiegen an den hebräischen Text
strebt, es sich aber hier um eine Volks- und Schulbibel handelt, soll
in dieser mehr auf den flüssigen Ton und den deutschen Sprachge-
brauch geachtet werden." I
Wenn unsere beschränkte Erfahrung uns richtig lehrt, so scheint
die geuettsche Methode, wenn auch nur mach und nach, wie jede,
volle» Denken erfordernde Verbesserung, doch immer mehr Boden
in unseren Volksschule» zu gewinnen- Am bemerkbarsten ist die» auf
dem sprachumerrichtliche« Gebiete. Daß nun die hebräische Sprache,
sowohl ihren Formen wie ihrem Geiste nach, sich vorzüglich für
den genetischen UmerrichlSweg eignet, dürste uns hoffentlich jeder
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