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uob wachsten Regierung stand; und auch in unsere« Vaterlande
lebu er'vor 1848 unaa-efochtea. nicht besser' und nicht'schlimmer
als die übrige» Unterthanen der Landesherren. Kaum aber erklärte
da» besetz von 48 die BolkSmaffe — ohne die Juden — ftrt von
der feudalen Herrschaft de» Assel», so lernte der Jude gleich seine
neue Herrschaft kennen. Al» hierauf die Zwangsherrschaft über alle
Bewohner des Lande» in gleichem Maße fich' erstreckt hatte, so
hatte er wieder — obwohl gedem-thigt und zurückgesetzt — wenigsten»
Pöbeliusulten nicht zu befürchten. Kau« aber ttat da» 48ger Gesetz
wieder tu Kraft, so begann hiermit zugleich auch die Iudenhetze. Aber
zur Ehre diese» wirklich großherzigen Volke» sei e» gesagt; und
zwar, ohne Winkelzüge gesagt, da» Volk ist besser als feint falsche»
Eivilisatoren e» ausschreien; denn zu zählen find ja die Su-schrei-
luuge» die vorgekommen; und gewiß hätten auch diese nicht statt-
gefunden, wenn Hetzer hiezu nicht den Impuls gegeben-
Und so kommen wir zu der falschen Behauptung dieser
falschen Propheten, die besagt: ״da» Dolk wäre gegen die Gleich-
stelluug der Juden; es stehe alle» zu befürchten." Ich aber, der ich
diese» Bolk kenne, indem ich als Kaufmann in stetem Verkehr mit
ihm stehe, ich, und mit mir Tausende rufen euch zu: es ist das nicht
wahr! Der Ungar ist, so lange er nicht durch falsche Aufklärer und
fanatische Volksverführer — — — irre geführt wird, vom Herzen
gut und duldsam; wenn nun gar da- Gesetz und die wahre
Aufklärung seiner natürlichen Güte und Duldsamkeit zu Hilfe kom-
men. so möchte ich den Ungar sehen, der gege» da» Landesgesetz wie
gegen Gottes- und das Naturgesetz Ausschreitungen fich erlauben
wollte. Ich fstrchte diese» Volk nicht! Ihr verleumdet diese» gute
Bolk bei der ganzen großen, civllifirten Welt, wenn ihr behauptet,
daß es das Volk sei, da- fick gegen Gleichstellung der Juden sträube.
Ihr seid es! Ihr? die falschen Propheten; ihr die falschen Auf-
klärer eures armen, von allen Seiten gemi-brauckten Volke-!
,Man kommt in Gegenden — sagt einer dieser Pamphletiften
im ״P. H" — da fieht man Gestalten, daß man glaube» könnte,
man sei plötzlich in- Davidische Reich gekommen." Hat je ein Gläu-
kiger rom heiligen Psalmeusanger von dem auch der Stifter-der
christlichen Religion seinen Ursprng datirt, oder hat je ein Anhänger
der pofitiven Religionen vom heiligen Lande, da- allen Gläubigen
heilig und hehr ist, und heilig und behr sein Muß, mit solchem Hohn
gesprochen? Und die Polen? die edlen Polen! nicht so? haben diese
bei der großen Verbrüderung, diese Menschen au» dem Davivischen
Reiche auch so verhöhnt? oder auch: befriedigt der Anblick de- Wal-
lachen im Großwardeiner und im Araber, oder der de» Kessel- und
PfaanenflickerS, au» dem Arvaer Comitat besser euer ästhetische- Ge-
fühl als der Anblick dieser bloS verwahrlosten, irre geführten Hasst-
däer? O dir ihr euch berufen fühlet, durch die- periodische Presse
auf die Ereignisse einzuwirken. und Menschen aufzuklären und zu
erziehen, für Gott und Staat zu erziehen, misbraucht das Werkzeug
nicht, da» Gott euck in die Hand gegeben, treibet nicht falsche- Spiel
mit Gott und Staat und mit euren fchwachgristigen. leichtgläubige«
Meuscheybrüderu! Führet fie lieber gar nicht, als daß ibr sie irre
führen sollet! —
»Schließlich sagt ibr: Die orthoboreo Anhänger des Juden«
\ lhums sind schon gar nicht darnach angethan, emancipirt zu werden."
Ich aber wiederhole nur, waS ich euch im Eingänge schon sagte:
Weder der echtgläubige noch der skeptische Jude oder Ehrist find zu
fürchten; zu fürchten siud blos, die, wie dir falschen Propheten
keiner der beiden Richtungen ganz ««gehören; aber für die ist
vaS Staat-ge setz da, um die Ausschreitungen zu bestrafen;
wie schon vor zwei Tausend Jahren ein Rabbi lehrte: ״Wer da»
Joch der Religion abwirft, auf den muß man geben da» Joch de-
StaatengesetzrS. *)
M»s jetzt dringlich Wh thut!
Dir hochgeheadea Wogen der Zeitgeschichte mache« fich überall
fühlbar, in de« .stolzen Häusern der Abgeordneten de» Volke-, wie io
veu bescheidenen Stuben, wo die Geschwornen der Dorfbewohnerschaft
*) Pttke «bot». 4, Stehe «ich Homilie« L»er dt« Sprüche »er Bäte» »o»
Dr. Meisel. «eite 307.
ihre Zusatymrnkünfte halten. Ruck die jüdische« Gemeindekörper habe«
fich de» mächtigen AnWe» von Austen nicht erwehre» können. MTf»
ist /dgtMacks Aieder Belegung und' lebendige Rührigkeit <01 dKSteAt
einer ssagölmtben !HAWkktt getteten. Freilich- kst *tk<9ir£MM
de» Gute» in Üeftr'Beziehung zii viel geschehe». Solch» BrwtgMG
und Rührigkeit hat hie und da feit Kurzem Platz gegriffen , als o»
ein gewalttger Wirbelwind umhergefahren wäre, um alle» mü fich
i» »Ü»er Hast fortzureiße« was da Festigkeit und Best»»« gewometztt
i« Laufe der Zeiten. In der That wurzelt nicht» so tief, woran
nicht die Axt der Zerstörung wenigste«» »erfuchSwesse angelegt würde.
Die erst bei beweglichen Dingen, al» da find, Lehrer und RSbbtttrn
mit Requisite« und Zugehör, wie wird nnter diesen so weidlich aufgr-
räumt, unbekümmert darum, ob auch mitmtter manche- Kor« mit der
Spreu verfliegt. ״Fort mit Schaden" ist die allgemeine "Parole. —
Ja wahrlich mit ״Schaden", und zwar mit eine« so empfind«
lichen. daß er vielleicht noch nach Jahren und Generationen verspürt
werten könnte, wenn dem Unwesen nicht bei Zeiten Einhalt geschieht.
Wir haben die-mal unwillkührlich in einem launigen Tone begönne»,
denn jede Sache hat ihre komische Seite — e» fiele un» aber schwer,
bei dem überwiegenden Ernst, der dieser Aagrlegenhrit innewohnt, in
diesem Tone fortzufahre». Zustände dieser Art verlangen eine ge»
messene, würdige Besprechung!
Fast in allen Gemeinden Ungarn- tritt mehr oder weniger da»
Verlangen nach gründliche« Umänderungen im Gebiete der Verttetung,
hie und da sogar in cultueller Beziehung zu Tage. Da» ist an und
für sich ein nicht freudig genug zu begrüßende- Symptom. Da» be-
weist. daß manche Mißstände und Mängel erkannt worden, die zu
beseitigen wir an- bestreben. Wir erblicken darin gerne jenen Drmrg
nach Fortschritt, Bewältigung von Hemmnissen und Schranken, die den-
selben hindern und lähmen, kurz jene berechtigten Kundgebungen der
Verjüngung und Neubelebung, die alle Theile und Glieder vti LuudeS
gkichmäßig beseelen sollen.
In all diesem gibt sich die Richtung der Zeit so gut zu erken-
neu. wie in den großen Ereignissen, die maßgebend auf den Gang
dspGefchichte »erden. Die. wenn auck nur mikroskopisch wahruehm-
bare Regelmäßigkeit im Zellgewebe und in der Bildung der Krtzstalle
zeugt doch nicht minder als der imposante Sonnenball von der Macht
und Weisheit de» Schöpfers! —
ES ist demnach recht u«d billig, wenn man in den Gemeinden be-
strebt war, i» so weit der Zeit Rechnung zu tragen, um die Verttetung
in freifiniger Weise zu regeln, alle den Fortschrttt hemmenden Skr-
mente auszuscheiden und neue fördernde dafür rinzusetzen. Ebenso
muß e» lobend anerkannt werden, daß man von der Verttetung Nie-
mand sorgen Manael» an Besitz an-schließen mochte. sobald er dem
Charakter und den Fähigkeiten nach fich dafür würdig und bentfen zeigt.
Auch bezüglich der Schule ist eine gewissenhafte Sichtung der
Lehrkräfte, so weit dies die neueingettetenen Verhältnisse erfordern
u»d rechtfertigen, nicht zu tadeln. Da die Wirksamkeit der früher be-
standeaen Schulbehörde fakttsch aufgrhvrt, so kann e- zunächst nur
vor Gemeinde anheimgestellt sein, ihre Verfügungen und Anordnungen
zu treffen. Allein nicht Alle» waS gestattet ist, kann auch gereckt und
klug genannt werden. E» gibt gar viele Fälle, wo Rücksicht und Billig-
keit — uad andere, wo da» eigene Interesse gebietet, von seiner Macht-
Vollkommenheit keine«, oder nur den schonendsten Gebrauch zu machen.
,Solche Bedenke» scheinen an manchen Orten wenig Beachtung zefun-
den zu haben und leider noch jetzt nicht zur Geltung zu gelangen.
Sonst käme« die Ausscheidungen der Lehrer er» m»«e nicht so häufig
vor, wie fie selbst in den lockeren Zeiten vor 1848 nicht gang und
gäbe waren. Ei» ähnlicher Geist der Unfriedsamkeit tritt auch zwischen
Gemeinde und Rabbiner zu Tage, der sogar hie und da z» unverskhn-
!Wen Trrnnunge» der Parteien hinsichtlich de- Gemeindeverbandes
M»iaß gibt. — Prozesse find an der Tagesordnung. — Die gegen-
fettige Erbitterung ist so schvnvng-lo-, um fie an den höchste» Stellen
auhängig zu machen, ohne Rücksicht für sich und für die Gefammtheit.
Und da» geschieht in einem Augenblick«, wo unsere Geister «ad
Feinde auf jeveu Febler gierig wachen, den wtt un» zu Schulde« komme»
lasse»! I»'einem Momeut.'wo Äle» darauf aakLme, einig z» sei« und
sich brüderlich die Hand der Versöhnung zu reichen, bi» die Zeit
siekömme», wo eine" Regelung und Ordnung im Großen und Ganzen