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DER AUFSTIEG
EINE JUEDISCHE MONATSSCHRIFT.
I. JAHR, i. HEFT NISSON 5690 (APRIL 1930) BERLIN-WIEN
DIE REUGJOESE KRISE DER HEUTIGEN MENSCHHEIT IST
AUF IHREM HOEHEPUNKT ANGELANGT ! UNSERE STEL¬
LUNGNAHME ZU DEN EREIGNISSEN IN SOWJETRUSSLAND
FINDEN SIE IM INNERN DES BLATTES UNTER DER RUBRIK
«BEMERKUNGEN» IN'"DEN NOTIZEN «PRIMITIVSTE WUETE-
RICHE» UND «VERDIENSTLICH UND LEHRREICH».
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IDYLL ODER SCHICKSAL ?
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Wir alle, cue wir uni innerhalb der tho rat reuen Gesamtheit irgend¬
wie verantwortlich fühlen, kommen die einen frtier, die andern spä¬
ter, die einen mehr willig, die andern mehr widerstrebend, zur Er¬
kenntnis, dass es trotz aller Mühe nicht gelingen will, «Zug in die
\Sache zu bringen^ Wohl ist die glaubige Jüdenheit schon einiger-
massen organisiert und lässt sich nicht mehr so leicht bagatellisie¬
ren. Aber noch immer wächst die Zahl der Abfälle, noch immer ist
Umkehr ein e Seltenheit und noch immer ist die niederhaltende
Schwerfälligkeit des thdratreüen Durchschnittsmenschen nicht über-
• wunden.
Woran liegt es? grübeln wir. Und antworten, die Einen: Daran,
dass die Mentalität unserer Leute noch nicht auf religiöse Pflichten
eingestellt ist, die Uber die persönliche Erfüllung der direkten reli¬
giösen Obliegenheiten hinausgehen. Die Andern: Daran, das» kein
sichtbares, enthusiasmierendes Ziel da ist, wie es andere Parteien
oder Gruppen besitzen.
Nun liegt ja zweifelsohne ein Körnlein Wahrheit in diesen sorgen¬
vollen, resignierten Erklärungen. Tatsächlich fühlen sich die Thora¬
treüen in ihrem religiösen Leben noch immer wie in einem Idyll,
über das sie nicht h inauszusehen brauch en. Und eb enso tatsächlich
kann es für religiöse Menschen, also such für Thoratreue, kein Ziel
. im Sinne irgendwelcher materieller Errungenschaft geben, das mehr
auf sie wirken könnte als ihr Verknüpfteein mit Gott Allein das