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IM AUFSTIEG
EINE JÜDISCHE MONATSSCHRIFT
L JAHR, |L HEFT, IJOR 5600 (MAI 1930) BERLIN-WIEN
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WAHRE HIOBSNACHRICHTEN KOMMEN — SCHLAG AUF
SCHLAG — VON DER PALAESTINAFRONT. UNSERE STEL¬
LUNGNAHME ZU DEN TRAURIGEN EREIGNISSEN FINDEN
SIE IM INNERN DES BLATTES UNTER DER KI ÜRIK «BEMER¬
KUNGEN» IN DER NOTIZ «VON DER PA LA ESTI N A FRONT».
KEINE ILLUSIONEN !
Alle Religiosität hat, weil Hingabe der Persönlichkeit, eine gewis¬
se Neigung, in religiöse Selbstgenügsamkeit überzugehen. Von dieser
gibt e3 zwei Arten: Die eine ist die Selbstverscnkung religiöser Hü--
henmenschen. Die andere ist dort vorhanden, wo Menschen des
Durchschnitts oder solche, die unter dem Durchschnitt stehen, vor¬
wiegend auf das eigene Seelenheil bedacht sind. Während nun die
eine, weil durchaus selbstlos, ihre Rechtfertigung in sich trägt, als
Beispiel einer unüberbietbaren Hingabe der Religion im allgemeinen
jedenfalls mittelbar dient und unter gewissen Umständen auch mit
;lätigem Intensse für diese verbunden sein kann, — bedeutet die an¬
dere, der das Schiksal der Religion im allgemeinen gleichgültig ist.
eine Gefahr, welche die Religiosität durch Kälterdie Religion durch
Untätigkeit bedroht. ——
Leider können wir nicht behaupten, dass wir von der Gefahr ver¬
schont geblieben sind. Im Gegenteil: Die gewohnheitsmässige, so
ganz unenthusiastische Weise, in der die ungeheure Mehrheit unse¬
rer Gläubigen die gottesdienstlichen Akte vollzieht.ihr blindes Nicht*
ergriffensein von Gottes Weltenpracht, ihre Unlust, sich Rechen¬
schaft darüber abzugeben, ob sie auch den Befehlen der Thura, die
sich auf das Verhältnis von Mensch zu Mensch beziehen, ordentlich
gehorsamen, ihr Mangel an sozialem Einfinden, ihr unhewusster
oder bewusster Verzicht auf alle Werbung unter denjenigen, bei.
denen das religiöse Gefühl verschüttet ist, legen von ihrem religio-