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DER AUFSTIEG
EINE JÜDISCHE MONATSSCHRIFT
II. JAHR, VIII. HEFT IJOR 5691 (APRIL 1931) BERLIN-WIEN
Die Gottlosen, wie sie sich selbst nennen, rücken, wie es
scheint, zum Generalsturtn- vor. Unerhört ist die Frechheit ihrer
Angriffe. Wie alle religiösen Menschen müssen auch wir uns zur
Wehr setzen, vorerst unsere Getreuen mobilisieren, Männer und
Frauen. Ja, auch Frauen. Denn wie könnten wir ohne" sie unser
Judentum und unsere JUdischkeit aufrecht erhalten? Das vor¬
liegende Heft VIII bringt Aufsätze von dem Judentum tief ergebenen
Frauen, Mitgliedern der Aulim-Gesellschaft, bringt einen Artikel
über das Problem „Judentum und jüdische Frau" und kommt an
verschiedenen Stellen auf dieses Problem und auf die Aktion der
Gottlosen, die uns die Dringlichkeit der Frage erneut vor Augen
fUhrt, zurück.
JUDENTUM UND JÜDISCH!? FRAU
Das Judentum schwebt nicht in der Lütt. Ks Mal einen TFager: das jüdische
Volk. Wenn dieses versagt, muü jenes' ins (ileitcn geraten. Und leider sind beide,
die Ursache und 'die Wirkung, schon ziemlieh stark Wirklichkeit geworden.
■i s Judentum ni cht w e i t er i ns U n abs e hl i a ie Hielte n soll, dem
Kernics indischen Volkes Einhalt geboten werden. Je mehr wir giaunof
davon überzeugt sind. daU die grolle Stunde des Judentums wiederkommen muü,
destd mehr müssen wir darüber nachdenken, was wir in der Sache Jun können.
I nd desto weniger dürfen wir sie aui du- leichte Achsel nehmen; Damit \ur
dien Schwierigkeiten begegnen können, dürfen wir uns keine kleiner vorstellen,
ds sie ist. Damit wir allen Problemen gerecht werden, dürfen wir keines über¬
eilen, am wenigsten eines von den wichtigsten. —*~
Em solches wird uns durch das Verhalten der jüdischen h'rau zu Judentum
nd Jüdischkeit gestellt. Das braucht nicht erst bewiesen zu werden. Niemand
wird daran zweifeln, dal) die Trau als Mutter. Gattin, Hraut und Schwester einen
iberragenden EinfluU auf den männlichen Teil des Volkes ausübt. Anderseits
ist es bei einigem guten Willen zur Wahrheit kaum bestreitbar, dali dieser.Ein*
ilutf heute zum gröüercn Teil nicht in einem für das Judentum und das jüdische
Leben günstigen Sinne ausgeübt wird.
OcwiD, es gibt auch heute tröstliche Erscheinungen: So. dali sich im
Westen ein im ganzen zufriedenstellender Typus der thoratreuen h'rau herausge¬
bildet hat und im Usten wacker und mit einem gewissen Erfolge daran gearbeitet
wird, einen solchen Typus zu schaffen. Allein, insofernc und insoweit im Westen
der AbbröckelungsprozeU weiter geht und insbesondere auch in der Orthodoxie
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