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• Nr. 11.
Freies Blatt.
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im Sinne der Antisemiten sei» t-inucnY" Die Änlwvri, welche mir der gebildete
Mann gab, war echt antisemitisch; er schleuderte nämlich einfach sei» Bierglas
nach mir, und nur einer rasche», ausweichenden Bewegung habe ich cS zu danken,
daß die Antwort de« Herrn k. k. PostosficialS nicht an meinem Kopse zerschellte.
Ein Loinmentar hiezu ist wohl überflüssig. Es gibt mancherlei Grunde, die
mich abhalte», gegen de» antisemirische» Urwaldmenschen kläglich vorzngehsn;
wenn Sie jedoch, geehrter Herr Rcdacteur, diese Zeilen üi Jhrcin geschätzten
Blatte veröfsentlichen wolle», so bitte ich die« zur allgemeine» Lharakleoistik
der Sitteiiverwilderung iir unserer Stadt zu thu» .
Mitj vorzüglicher Hochachtung
/ I!. M.«)
(l'Cflflt.) Der am i>. Oimi in Prag verstorbene Psychiater Professor
£f. Jakob Lischt hintcrlicß ein nicht unbeträchtliches Permögc»,
welches testamentarisch meist wohlthätigcn Zwecken zngcdacht ist ». VI.
sind 10.000 fl. zur Heranbildung jüdischer st naben für das Handwerk
bcsliiniiit.
(Wi.cdtr (5i»tr.) Der Begründer und Vorsi^ende des Kölner
Antiscinitcnvcrciiics, ein gewisser Karl Zulins E! inner, ist, wie sich
heranSstelst, ein Hochstapler gefährlichster Art, dem gegenüber der
TiebShehlcr Dostalck, der Bertraucnsinann unserer Antisemiten, rein
wie ein Engel erscheint. Bor einigen Tagen erzählte das rheinische
Wcltblatt: „Eine Anzahl von Männern in unserer Mitte ist bekanntlich
der Ansicht, daß man in unserer von socialen Wirren nervös durch
zitterten Zeit nichts Bcsicre» thnn lönnc, als die Bürger durch eine
gehässige Heye zu entzweien, zu' spalten und zn verfeinden. Tie
Männer, welche in dieser ernsten Zeit sich diese Ausgabe stellen, haben
einen „Tentsch socialen (antisemitischen > Verein" ins Heben gerufen.
Ter Begründer und Borsichcndc dieses Vereines, ei» Herr ls!rnncr,
mit dem. verwechselt zu werde» ei» angesehener Herr dieses RanicnS
nicht wünscht, hat kürzlich in einer Bersainliilung den anwesenden
Pglizeicommissär anfgcfordcrt, seine Erklärung zn Protokoll zu nehmen,
von jüdischer Seite seien ihm 10.000 Mark geboten worden, wenn
er von der Bewegung znrücktrcte. Herr l^rnncr hat nicht vcrrathc»,
welcher. Jude auf diesen weisen Einsall verfallen sein soll: seine Be
Häuptling schwebt also in der- Vuft. Um so größeres Aufsehen erregte
es, daß in der letzten Bcrcinssitznng mitgcthcilt wurde, Herr (^runcr
habe sich aus Gründen, die man nicht bckanntgcbcn lönnc, gcnöthigt
gescheit, auS dcm Verein auSzutrelen. Es heißt, daß eine Umschau in
d<r Vergangenheit der Familie Grnner Tinge ergeben habe, in deren
Bcnr^hcilung die chrcnhaftcii Juden und Richtjudc» einig, sind. Wer
die Geschichte der Hetzbewegung in Tcntschland verfolgt hat, wird nicht
finden," daß dieser Vorgang zufällig ist. Bei dein gesunden Sinne
unserer Bürgerschaft können wir nur glauben, daß die Bewegung in
Köln den Todeskeini sin der Brust trägt." Inzwischen hatte Grüner
Reißaus genommen, und die Heilungen brachten die weitere Meldung,
daß er von der Staatsanwaltschaft in Magdeburg 'wegen Betruges
steckbrieflich verfolgt und auf cincm Rhein-Tainpfcr bei Bonn verhaftet
worden ist. Run erfährt man auch Rähcrcs über das Vorleben dieses
..Social Reformers". Gpnner saß schon früher einmal wegen Betruges
»n t^cfängniß. Sei» ganzes Heben ist aus. Vage, Betrüg und
Schwindel basirt. Er pflegte sich als Einjähriger, Assistenzarzt :c. ans
ziisviclcn und die Heute zu brandschatzen Al »her hatte er eine Stelle
als Krankcuwärtcr, später äls .Kellner, inne. In Hannover will er.
10.000 Mark für.die antisemitische Partei gesammelt haben: ob er sie
gcsanimclt hat, steht dahin, jedenfalls hat er sie nicht abgeliescrl.,
lAiltistinikischc ^alirhcitslicbt.) Man schreibt nns ans Süd
dcutschland: „Ich habe Ihnen ans der Blanc der antiseniitiichen
Hcldcnthaten einen interessante» .»vaU - vorznsnhrcn. Er hat insofern
vielleicht ein ssiccielles Interesse für Sestcrrcich Ungar», als der Held
der beschichte 'ein Ungar ist und Herr Rcichstagsabgcördnclcr Zinn»er/
man» die günstige Gelegenheit wahrgcnoininen hat, die .Eultnr
znstäudc' in Ihrem Reiche .in dcm Hellen Hichtc der internationalen
'Wahrheitsliebe der Antisciuitc» zu schkldern. R'ach cincm Referate der
antisemitischen Wochcnzcilnng .Rheinische Wacht‘, in Elberfeld
erscheinend (Rninmcr 2-i <ro>n 4. I»ni>, -hat Herr Zii»»iermau>B-i.
einer Versamnilling des .deutsch-socialen Vereines' i» Elberfeld Ai~
getagt: .In .Frankfurt a. M. 'chivcbtc ein Proccß, der aitch^ini
üicichstagc zur Tpr. che gekomnic» ist. Ter Jude Schall in ai/ er
beißt übrigens Halinei und betrieb sei» Geschäft nntcr der <v
Schallincincr, dein Raine» seiner Ehefrau'' hatte viele Heute betrogen
und war dafür zu einer geringe» Strafe vcrurtheilt. JTas <Bericht
l'illigtc ihm mildernde Umstände zu, und zwar ans der Erwägung:
>. Ter Angeklagte sei zwar ein begabter Mensch,, habe sicli aber von
.Anfang än in einer HcbcnSstcllung bewegt, die ihm ein Vergehen
gegen daö Eigcnthnin nicht als etwas Schlimmes erscheine» lasse.
~) Name »nd Adresse deS Absenders sind i» der Redaclio» bekannt.
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2. Tic Inden hätte» überhaupt moralische Tcfcctc. Wohin soll"
führen, wenn solche mildernde Umstände überall' playgreifen?
österreichischer Jude würde zii seinem Sohne sagen: Hcvi, fange
zeitig an zn betrüge». Wenn du. darin erfahren bist, gehst dn >
dem Sciitschcn Reiche, da kannst du bclrügcn, »nd koniinsl du
(Bericht, werden dir mildernde Umstände zngcbilligt.' — Es ^cvfd licn
mir unzweifelhaft sicher, daß ein ücichtcr nie und Äiinnicr' Tcrartigcs-,
wie nil I und 2 angeführt, getagt haben konntc. Aber das genügte
mir nicht, nnd ich darf vielleicht, ohne die Hcscp Ihres gcschäutcn
Blattes zn crinüdcn, ans die Acten des ProccsscS Halinei,. welclse ich
eingcschcn habe,-kurz cingchen. Ter weiter nntc» initgcthciltc Anczng
wird drastisch beweise», daß es dein Abgeordneten Ziinincrmrnn
nnd der .Rheinischen Wacht' lediglich um die Aufhetzung zn tim» ist,
- und daß eS sich auch hier wieder um Eütstellnngcn nnd Erfind»» zen
»in eine vollkoinmcnc .Unwahrheit handelt. .Wir lasse» nun he»
AnSzng auS den Ploccßactcn folgen: ^
- In der Strafsache gegen den .stanfinaiin Sigmund Halinei, .zue Zeit lncr
in Uiiiersiichiiiigshas«, geboren am kl. Deeembcr Ji'i'i 1 Budapest, verhei eale
feit l. Juli IMS!» mit Marie, geb. Schallmeiner, wegen Betrüge-;.
Seite !kl: ... wen» die Eommiiienten dabei, de» von ibnen angestri bleu
Riilzen errieten sollten, mußte' der Angeklagte notbwetidig Schaden erlei >en:
wenn der Eoinmittciit bei »iedrigem. Eourie kaufte, erzielie er als Bork »»er
einen fchlechten">ia»fpreis, wenn jener bdi gestiegenem tTourie ivieder verk, m'te,
mußte er als .näufer die Tifferen; gegen den Einkaiifeeoiirs aus iciner Tasthc
bezahlen. Ter Angeklagte wollte abch', wie"ia selbstverständlich, Geld vcrdi neu
Er hat daS Borha»de»sei» nnd die. Bereäiliguiig dieses Bestrebens in des
.Hanptveihandluinz selbst drastisch mit der Benieikung belont: „Er fei ja teiu
Menschenbeglinfer." Ter Angektagle, ein geimegter .Nenner der Börse, hat dann
auch.ihatsachlich planmäßig und consegstenl bei der Answahl der Papiere nnd
des Zciipinitlcs des An und Beikauss derselbe» nnd leinen-sonstigen Börse
inanipjilaliouen de» Zweck verkolgt »nd meistens auch erreicht, für de» !o>»
inilicuien eine» Eoiirsverlun. n»d sür sich einen Eouesgepänn herbeizuslihreu.
Seite Ul: Es kamen erschivcreud in Betracht-die dnrcli reiche Berstendes
gaben und eine nicht gewöhnliche Heichtigleii i» der Handhabung der, S» rache
cruiöglichie ratnuirle-l^einandiheil, mit welcher der Angetlagie ovenece...
Seite lR>: Slrasmilkeriid kaui andererseits in Betracht, daß da« Tieiben
des Angeklagten — allerdings ohne dessen Verschulden, sondern danl der ' r'ach
samteii der hiesigen Handclskauuiur und.dem laiche» Einstkircite» der Stras-
behürdea
nicht all;» lange gedauert bat, und daß die Beträge, »in welätv
die oben ansgesnlnic» Geschädigten gekommen sind, bei den meiste» »ich. lehr
bedeutend ivaren, nnd schließlich a>»k>, daß es sich »in Heule hyndsti, welch' mit
den verlorene» Werthen an der Börse iveculiren- wollte» >ncd deshalb^ selbst
wenn sie siäi^i» einen tlnlichen Cominissionär ivendeten, den Verlust der eiben
.riskiric» nnd rie-klren'ivolllen A»?gell 0 i»nicn ist hievon allerdings Tr. Bech
mann, n elcher auf seine Paviere ein reelles und ganz sicheres Tarlebensg'schall
mache» wollte und hiebei don dem Angellagien »in einen recht erheblicheil Be
nag betröge.» worden ist. Tiefer' Falt ist deshalb bei der Slrafansmest'iiiig be
solide,s schwer ins. Gewicht gesattelt."
nns gesä»
Rnminer
Bisniat'ik
den::
„Es
selbst
Ter l'trjlldckt BisllMl-lt. Ans Berlin wird
Sehr geehrter Herr! Sic schreiben in .ihrer letzlen
würde uns liier nicht wunder nelinie», wenn das .Volk' . Bis»
znnl .iiidcn oder Inde»svrößjj.»g machte." r as ist übrigens gescheite»,
zwar nicht vom „Volt", .sondern von Paasch in seinem dntle
Buche. Er sagt cs zwar nicht direct, hegt aber Verinuilningen.
einem Bilde oppan's steht Bismarck r>i»d in Hand litif
Sohne Herbert I» den vcrschlnngcne» Handen-üelil Paasch das
der Zngehörigteii zur."Alliance Isra-liie. T-aß P»do^> i» :
in Ricliard Wagner cineir - Seniilen wittert, ifl Ihne» belannt.
dritten Semiten nrnlie ich Pio Rono In seiner. Schrick
Iesnitisnins" spricht S Ikoniar Baia von dein Papst Pio Roi,
dein jüdischen Hanse Ferretti. Sie sehen, daß jede Persiflage
antiseniilischen Behanptnngen noch übeiirnnipft ivird. Mil bettet
pfchlnng
Bo III Baristr Ahlwardl. Während der Rector Her.niai»
wardt- in Berlin vorn sflcrichtc gegen eine Eantiou von lO.tst»»
ans der Haft, cnllancn wurde, ereilte'den Pariser Ahlwardi,
Truniont, eilt großes Malheur. Auf <^>,,nd eines k^eichtvjornen
vcrdictcs wurde er als Vcr l cn tii de r g c b r a n d in a r t t,
Uconaten t^efängniß nnd einer (Geldstrafe von Ilstst»
ab?x auch dazii vcriirklicilt, das gerichtliche Uri heil durch
Tage ltinlcr einander an erster Stelle seiner" Zeitung sioivie an'
ösken in achtzig B l ä 11 c r n v o n P a r i s n » d a r a n'l
il/p nblicirc n. Trninont hatte den Viteprätidenlen der franz,
kainincz' Bnrdean beschuldigt, für seinen.Bericht über das
^plivilcginin E'eld von Baron AlphonS o t h s ch i l d erhallen zu
ir aber nicht im Stande, auch nur einen Schimmer von"
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