Seite
Seite 6.
Freies Blatt.
Nr. I I.
vor;»bringe». Seine Zeugen, unter, denen sich ein entlassener Bank¬
beamter und der verkommene-Marquis Morrs besanden, wußten
nichts zur Entlastung Trumonl's an;usühren. Trumonl selbst gestand,
daß er hünklg lüge, wobei er sich aber solgendermaßen ;art ansdrückke:
„Meine Aiünstlerphankasie verleitet mich nia'nchnial. ei» Detail ;» er
finden, das die Aufmerksamkeit errege» soll. Manchmal sel?e ich d,i
und dort ein Vtdjt, eine Farbe auf." .'licht so schonungsvolt^ wie
Trumonl sich selbst, behandelte ihn der Vertreter des Privalklägcrs,
der gewesene-Minister Waldeck stioussrau Er keunzeichnere Triiinoiii
als einen Verleumder von Profesnon, ^er vom Besudeln der Besten
lebt, niemanden verschont, >iirche»snr>ten ebensowenig wie Privatpersonen,
und diiret, sei» (Geschreibsel Frankreich vor aller Welt hcrabsepl. Ö'eradezu
vernichtend für Trnmoiit waren die Be orte, welche ihm Staatsanwalt
^'lüvvi widmete „Es gibt kein schmerzlicheres Schauspiel," sagte, er,
„als wenn ein Ebrenmann verleumdet .wird: doch erscheint dasselbe
gloßartig. wenn plötzlich die Wahrheit zu Lage gefördert wird, '.'lach
Waldeck Rontfeau's trefflicher Anklage bliebe mir eigentlich nichts zu
sagen übrig. Aber meine Pflicht verlangt es, n»d ich mache mir eine
Eine daraus, Ihne» meine Meinung über den Fall- rückhaltlos Z»
sagen Triimont scheint geglaubt zu Naben, ich würde ihn tragisch
nehmen Ich' nelinie Herr» Lr.inioni nicht einmal ernst. Es wird mir
leicht sein, ib,n die vorgebundene° falsche P r o pl> eke n in a.ske ab
z n reiße » lind das 'Zeucht des I lei ne n .*'' c f chät'ts mann Vit eia teil
in enthülle», der den glänzend.» Einfalt hatte, de» schlimmsten I»
itincten-eines Pöbels zu dienen Lrnnioiil macht ans den Vorteil, was
ihm beliebt »enden beißen bei ibm nicht bloß die Israeliten. >,nde itt,
ioee >,em großen S aewtogen — io iieunt er sich selbst mit jener
re,lenden Bescheidenheit, die ihn charallerisirt - nicht zu Gclichle lieht,
'.h'a p oleo n war nach L iniiionl ein Jude, die Marschalle -.'len und
Masiena Jiidcn, >''a mb e 11 a 'ein Fnde und hnß richtig' t^amberle.
Paris von 7rosa war ein.»ende, abei, fügt T.rnmonl hinzn. Hal- vn
I,nkele sich, dies izi der .Schonen .Helena einingesieheii. In eliiem'
folchen Anstande besinnnngsloier Wnili scheint Heu Lriinioni schon
weniger Ladet als Mitleid in reidienen und nicht'so sehr der »>nstiz
als der- Pallwkogie verfalle» zu sein '.'ll'ei man täusche sich nicht
L ieier ichenil'ar Ueberreiile ist ein '.Gewerbetreibender, der'schlau
ans jeiuen Schrine» Eaviial schlagt und es verdient, das Cl> er
>, a » v t der re. et - e b ende n Berlennider genannt zu werden" Lei
Staatsanwalt verhehlte es den E'eschivoreneu nicht, daß sie Tinmöni
als Ehnfleil 'und Ancr erklären werde, wenn sie ihn, freisprechen, da
gegen als Zicken. wenn sie ihn vernrtheileü. Wie schon oben erwähnt, _
ließen es die "'eschwore»en darauf antoinnie». Während und nach der
Berhandlnng arrangirien Märanis Mor-'-s nud andereFrennde Truiiioni s
im «"ei'idils'ääle und ans der Straße Heine Ei eene, welche voltieiliches
Einschreiten nötliig machlen' Mor--s, der als selige den Levulirleii
Vag n er re der Bestechlichkeit geiieben Halle, winde von demselben ge
srideri L ie «beschichte «vielt in -Frankreich, folglich wird es. npewoht
Moi--s A.ns«i>>chle gebraucht, schließlich koch in einem T»eil tominen.
Zn erwähnen nuu nur noch,, daß Lriinionl de» Pariser Inden, >im
ihnen den ,n den VIngen eines sraniöfischen Ehanpiniilen größten j
Schimpf anziiil!!!», das Evilheien „deutsch" anhängte. ,,','cieder mit den j
deutsche» Znkeiil" net L.ilinonk. Sie „dentscli nationalen" Aiilisemilcn
iviid das nietik geiliien, denn i'ie selbst befolgen eine ähnliche Lattil ,
und dennnuren die .>ud--n in kenlschen Monarchien als -freunde-, der j
sra»io>'!''chen -lievnblit. I ie Vo.albedürsnisse des -,'lniiseniilengeirerbes find ,
eben verschieden. '
Ltt Alle-MNlldtrllllg Der Zllden aus stillst! and. Tie russische ^
-lieg:- rung l-.at, -ne aus Petersburg' genieldet wild, den Plair des ;
Baien .H ,, ' et«, binnen siliifnndiwaniig ö.ihren '(>()«««• Inden j
ins Rußlaizd in e:ne neue .Heimat auswandern zu lassen, genehmigt. ^
ln, ,'nilue 1J seilen in nach«! 2Ü i/JO Znken answander». Ctm
weitere:! Berlau'e »cU dann jährlich Ac Anzähl der Answändeicr j
g'sieia.i! weiden. ->» Petersburg überiiimmk ein .Hsrich'tcher Een'tral
ausichuß di» Hauptleitung, in einige» änderen rumfdieu Städten werden j
V' al-emil- s euiditet L ie auswändernden »*u&eu ■ treten vollkommen
ans ' :i: rnisischen. IInkerkhaneiweibände ans. erhallen'»»entgeltlich die
»okhig'ii bar :.' and sind -von der Wehrpflicht entbunden, ohne daß
die ia:.iü>tb!c:tend-en '^taubensgenvisen zur Zäkitiing von 'Strafgeldern' '
für ue v.iv'Iichkei würden, Um der drück sehr der Ansgeivanderien vor '
inb.nigen und ;ur ? efiinq von Unionen ninß die A'iöciälion IO«) «NM»
diiilal bei der dcegierniig hiiiierlegen, die stets wieder voll zu ergänzen i
find, sobald ne bis auf B.'> >t «> verausgabt worden ?as Ministern»»
des h>.ii!N'ii ilb.riiiiNittl ei. Ueberivachnng der gefamnilen Angelegenheit.
Den »cilvrilvcrsolgilngtu in ('irictliculaiiD.> Ei» geuaner ;
Veniter der griechischen Berhalinine ed,reibt »ns z» den wiederholleik
»«»denbeneii in «''laedirniand -x-olgendes: „BSas die griechiidien .?«ndeii
im AUgeni.inen betiint, io fehlt es ihnen 'vollständig an i«olitifd)cnt ;
Einfluß. Bei einer Esesammtbevölkernug von 2,200.000 Seelen leben
in ganz Griechenland nur rund 10.000 Juden, davon über 3000-in
Thessalien. Tort wo nicht von auswärts Conflicte in die Bevölkerung
getragen werden, ist das Zusammenleben der Griechen mit den Juden
ei» ganz gutes. Bis vor wenigen Jahren war die antisemitische
Bewegung den Griechen etwas gä»;lid> fremdes, wenngleich der Jude
bei ihnen, wie bei allen Ehristen des Srients, nicht als voll galt'
Seither aber" wurde namentlich von Ungarn und Frankreich ans der
Autiseniitisinus fi'mftlid) ins Vaiib getragen und jede Oselegenheit ist
gut genug, um sie zu einer kleinen »Uidenheve auözubenten."
(Zwei jüdische Gesandte.) Bekauntlid) ist der lfsesandte der Ber¬
einigten Staaten von Amerika in Eonstantinopel,' Herr Hirsd>,
nebenher bemerkt eines der beliebtesten Aiigrifssobjerte nuferer Sdjand-
blattaiitisemite», ein Jude. Auch sein Borgänger, Herr Strauß, ipar
ein Jude. Ter New-zstorke.- „Independent" ein kirchliches Blakt) sdireibt
über die Thäkigkeit der beiden <ssesandten im Interesse der amerikani¬
schen Missionssd,ule» Folgendes: „Wenn die amerikanisd>en Missions
institnte in der Türkei vor dem Untergang bewahrt sind, so verdanken
sie es »nler dem Sd>npe der Borsehnng wesentlich der Thätigkeit des
Herrn Hirsch. Ein anderer Punkt. Ter NegierungSerlaß, der Herr»
Hirsch in seiner Bertheidigung der amerikanischen Missionen besondere
Tienste geleistet hat, ist das ^regulativ, weldies 'fein Borganger, Herr
Strauß, zu (Zünften., der Missionöschulen erwirkt hat. Herr
Strauß und Herr Hirsd> sind Inden. Tas d>ristlid>c Pnblicnin sollte
in -seiner Haltung gegen unsere jüdischen Mitbürger ebenso frei von
religiösen Bornrtheilen sein wie diese beiden Männer, deren persön-
lidie Smnpathien für das Schicksal christlidier Missionen in der Türkei
im Wesentlichen entsdieidend waren.“
antifoinitifcbcn l\'ivinon und l\'t
fammhmaon.
' >
- iHeiter.« In kein „äialholii'di eoiiftitiilionellen Berein" ans t>er Wiede»
hi,-!! ker L>e»ri>ze»«'ch!iiiker Veovold M»ih. ans dem die Antiseiniien eine»
-pailainciilariei' ,p-inacht baben, neulich eine» Bortrag über wirlhschasitiche A»-
gelegenbciie». Es waren beiiere Anslassiinge» die der Waltere Schankivirlh z»in
Bene» qab: ». i't eiferte er dagegen, daß der AiiliseiniiisinnS, wie im Berenie
iur VIbirehr desselben gesagt iviirde, schon ini illbsterben begrine» «ei, »nd berief
sich an« den Massenbesuch der Bersaininlnng in der BottshaUc gegen die. Gold
Währung. Wem, -die, Abneigung gegen die Goldn'ührung ein Merkmal a»ti
sei„ii,s>t>er 'Sesiniiniig bildil, dann sind auch Professor Sueß und der „Preß
i»ke" -.«> eu wi r i h unter die -.«Imiicmiten gegangen. In Heurigensachen kennt
er üä> bdiur ans. der gute M»ih.
,Aus der Vropoldstadk.-i Der .'katholisch politische Perei» Veopoldstadt hielt
am !>. Jniii eine Peidainiiiluiig ab, in welcher ans Antrag des ehenialige»
«"einenikeraihes Hans Mehl er, der ievk nur nach „Wilthichaflsrath" ist, das
Pedanerii ansgewroche» wurde, daß die Geistlichkeit'des Bezirke- sich von dein
Pereine >'an ansiiabinstoS fernlialte. Die Uriache,, dieser Abstiiieiizpolitik scheinen
aber zur Ehre der Geistlichkeit schon die Aaüie» zweier Redner in jener BereinS
v. 'iianiiiiliüig zu berraihe» Es sprachen Geinei„deratl> «>i a n icher und sein
Anwalt sür Fälle von ^>ssedächlnißs,tiwäche", ker linvernieidliche Vnege'r.
huin'eher nur vornäiliger als vor .'inrzein in Fnni'hans »nd warf nur dein
Biirgernieisler vor, daß er die niedere» Beainien zu in Eöiibal verhalle» ;»
-tvoUen sä,eine. -Juidi dieser Ailichwäiziing des Biirgerineisters bei alle» inilgsrän
uä'eii "allen Beiichivesler» sprach Herr l'ileger. Er freute sich, kaß die Un
infriekenheil in ker liberalen Partei mit dein Bnrgeineister znnehine, n»d
meinte, es tönnie noch geicheb », daß dieser sich einmal denke: „Hole der
De»sel tie liberale Bagage, da welke id> lieber Antiseniit!' Für eine» Dheil
des Äuditoi'iuins bezeichnend in es, tag kiese Warte Vneger's bei ihm lebhafte
Heiterkeit wach,iefen; durch tas Wort „Bagage" fühlte inan sich angenehin
berührt, gteichsain angeheimell. Dagegen verhallte spurlos ein wirtlich gelniigener
Spaß. Vneger erzählter Das „istaieiland" habe bis vor kurzer Zeit gegen die
Paiiilaregiiürniig geichricbrn, nun schreibe es sür dieselbe. Ein katholischer
Priester habe zu ihm «Acdneri ge>'agt, das „Paleeland" müsse seine Veser für
reine Dniuinköpse Hallen, wen» . es wagt, ihnen Derartiges z» biete». Tein
.Hochivürkige» >'aß offenbar der Schalk im Bocken, »nd das „Paterland" mit
seiner >i>ech''etreichen Slellniig zur Währuitgssrage bol ihm nur eineii will
koniinenen Anlaß, Herrn Vueger anziideüten, daß dessen chainäleonarlige -Hallnng
nur Urlheitslinsähigeii Perlraiien eiiistößen können daß ein srominer Ainiseinil,
ker vor nicht langer .-Zeit i» radikaler Demokratie machte, außerstande sei,
Per»i»il'tige iireznsiibreü. V,leger hat oüenbar die «'eine Ironie, welche in dein
Datei gegen das „Paterland" lag, nidjt geineiki, und auch seine Zuhörer t>oyt
Veopolknäkter Berein haben, ivie schon eiwähnl, für dieselbe kein Berständniß
gezeigt Mit gewissen A'cuten ninß man eben sehr deutlich sprechen. Vueger
drückte auch seine Besriedigniig aus, daß er für salissaelioi'.silnsahig erklärt
w. irke. keiili er werde „von nun an loenigstens Ruhe haben".