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Nr. 117.
«io braucht wähl kaum eigen») betont jit werde», daß sich auch
liier der ainiseinitische .Geist" in Bubenstreichen Luft machte.
Hofraih Nothnagel wurde wegen seiner Eigenschaft alö Präsident
der erwähnten Unicrsuchnngscoinniission in seinem Lehrsaalc, just
als ein Tnphnskranker hcreingerollt worden war, der Gegenstand
einer johlenden Insulte, der er aber, an, dem Krankenbette seines
Patienten stehend, eine ganze Slnndc hindurch mit jener Ruhe
Stand hielt, welche die himmelhohe Ueberlegcnheit über diesen
atademischeir Janhagel verleihe» mußte. ! In welchen Gedanken'
sumpf sich unsere studitendc Jugend-verirtt hat, beweist die Frech¬
beit, mit welcher die nun zur Reckenschnst gezogencii Studenten
Io etwas wie gine Maßregelung des Proifessvrs Nothnagel wegen
seiner hervorragenden Theilnahme an der Abwehrbewegtutg fordern.
Halbwn.bsigc Bursche, welche die Untcriaguug ihrer kindisehen,
aber nichtsdestoweniger vaierlandsverrälheijischen Umtriebe für eine
Beeinstnssnng der Freiheit erklären, haltesn es mit der Wahrung
der per'vnlichen Freiheit' vcreinbarlich, daß ein Professor wegen
seiner liberalen "politischen Haltung geniaßjregelt werde. Das siird
die Nachfolger der Legionäre von 1^4^,'das ist das Material,
ano welchem sich jene Freiwilligen- der Rctlungsgesellschaft
reerntirtcn, die Herrn Dr. Bragassti's Wohlgefallen sanden, und
deren niangelhaste medicinistche Kenntnme vielleicht just zu obseönen
Eonstatirnngen hinrcichtc». Daß „Die Um Bragassh" an den
Seankalen im Hörsaaie des Hofrathed Nothnagel betheiligl waren,
kann von ihnen selbst nicht in Abrede gestellt werden. Inwieweit
sie die Nolle bloßer Eoiuparsen oder eifriger Negisscnre gespielt,
wird die u,i ,Fnge befindliche Tisciplinaruntersuchnng ergeben»
Tas Uriheil in diesem Falle wirb zuverlässig eine neue Ber-
nrtbeilnng des Aniiseinitisnins sein. a
Per alf> 2lcferbauar und l)nnd-
, nvrfer. j
i-.;» v £*. ■„•. iferllto' I» Pa IIII ov e r? -
Emo. bei Hanplverwnrfc, der von aiimcpiiknchcr 2eite- gegen die
- Faden eibeben wird, deskebt daiitsi daß sie sich nur wenig oder gar
r:du an den eni'agungdvoUeren, speeiell körperliche Äiistrengitngcn er
'oido.rden Arreiken nnierer EnlNir bcthcMcn. Man hält ihnen
roi, d.»n ne sich rirar in die gelehrten Faches hincindrängen, daß die
'en.'N inner ihrem 'Etnstunc siede, -daß sie-IHandel und ««eldverkehr
tnin NachU-eile ihrer Eoneurrenken und des Bublicnms an sich gerissen
l aben, daß sie aber eine ..ausgesprochene Abi cigung" gegen „wirklich
nnvnche Tbaugleii". nämlich gegen Handwerk und Ackerbau, an den
Tag legen. Abge'eben davon, daß inan in die
'Nutzung der geistigen Arbeit und der Thätigkeit beim Gntcrnnilauf
niiden tonnte, 'ragt es ncki. ob man die Juten n irklich init gutem Grund
deshalb takeln kann, weil ne in der Producrim defGiiter nicht oder
nur :n gerinaem Maße thäiig und. Sind die
minder
e'ab
gk zu loiverüchen Arbcitsleiikunten, oder haben sie ein
euibaes rl-oinitbeil gegen die Arbeit im Sch
nedersprechen, daß im alten Testaiicine von weiten Länder
Juden etwa von Natur
vciße ihres Angesichts?.
v'iitäa und Israel die eirede in.
N.in und Wem ihren Unterhalt fand. Um
"-g»n:raii aiizn'nhren. i'o und die. seimigen Si
deren Bevölkerung sich
m Ltidten zn'aniinengczogen har, sondern durch den Ban von
auch Beispiele aus der
alis. die im Hafen von
n Lo'i.n schleppe», Juden: Juden sind die Hafenarbeiter, die Last
:»i 2 '-lonichi: «t dsn inarokkanischen Stü, ten, wo der eingeborene
1 e: o-.is der Faulheit ein.- Tugend machrs besteht der arbeitende
.' r Bo. olkernng ans Juden: und in dch anglo indischen Armee
r\ B'.ae: J'raet ein geschätztes Soldaten natcriat.
Am .ebrrcetislen 'iir die Beurlbeilung der
!> -::t Bl'ck in das Tuende London--,' in
..a'N'ch.o:
a.n i'iung
med -
Land
vorliegenden Frage ist
dem sich die Schaaren
ihrem Zuge - nach England zunächst fest-
re ^'eineittwesen bildet, die sich in dem Gc-
Weit'ladr 'llt'ain genug ansnehmen. Hier in dem
Aroeitersiatistik lag noci eNie besondere Bcr
'ich hui de nt Berdienst und der vebcnsunicrhaltung der
»eii Jiii’-at; er n-efriü» r>-9ie|trten berliner Wochen
:en
der
cingcwandcrle» Juden zu beschäftigen, weit min eilten Feldzug gegen
daS ävvuttufik s.v--teiu ins Werk setzte, das System, welches die Ueber-
füllung des ArbcitsmarkteS benützt, um Arbe ter nur gegen Hunger-
löhuc zu beschäftigen. Da. die Opfer dieses Systems zum großen Theil
Juden waren, so stellte mau vielfach daS Verlangen, dem auch wiederholt
in den Persammlungen von Arbeitslosen Ausdbuck gegeben wurde, die
jüdische Einwanderung zu beschränken oder gänzlich zu verbieten. Zu
einem solchen Schritt wird man sich in einem Lande allerdings schwer
.entschließen, wo man nur ungern zu legislativen Experimenten seine
Zuflucht nimmt, sobald sich irgendwo ein wirlnichcr oder eingebildeter
Uebclftand hcräusstcllt. Das geht schon ans dtm Berichte des Unter*
Haus Comit»''s hervor, welches sich spcciöll mit diesem Gegenstände zu
beschäftigen hatte, und welches, wenn es auch dir Frage für die Zukunft
osscn ließ, doch von c nein Verbot der „pattjier immigration" für
die Gegenwart abricth. Tie jüdischen Arbeioer in London wenden
sich fast ausschließlich bestimmten Handwerken tu. Biele sind Tabak-
arbeiter oder Bäcker; die Tischlerei, die Schirm- und Stockfabrication
gibt Manchen Beschäftigung, die große Mehrzahl aber sind Schuster
und Schneider. Die Masscnproduction von Schnciderwaarcn geringerer
Dualität ist fast gänzlich in die Hände jüdischer Arbeiter übergegangen,
und daS hat seine guten Gründe.
Ter Slrom der russischen Flüchtlinge, die nach England oder
Amerika wandern, setzt sich zusammen aus solchen, die innerhalb des
sogenannten „ IudciiraiwnS" ansässig waren, die aber durch die strengere
Handhabung der Gesetze gezwungen wurden, sich den bereits übcr-
! füllten größeren Städten znzuwenden, und von hier nach einem vcr-
! geblichen Kampfe ums tägliche Brot zur Auswanderung gcnöthigt
> wurden. Hauptsächlich sind es Handwerker, die im Londoner Hafen
' landen. Om Fahre lStiö hatte man in Rußland den jüdischen Hand¬
werkern die Freizügigkeit cingcrüuint. Bor dret Jahren begann man
jedoch mit der Austreibung aller solcher, die änßerhalb des „Juden-
rayous" ansässig waren und in,-Bezug auf Geschicklichkeit in ihrem
Handwerk nicht bestimmten, ziemlich hochgegriffeucn Anforderungen ge¬
nügten. Diese Maste von mehr oder weniger „angelernten Arbeitern"
wurde jetzt auf den Londoner Arbeitsmarkt gcwarfcn. Sie waren nicht
besonders kräftig und als Lastträger oder in einem anderen Zweige
der „-tuiskilli-4 labonr* nicht verwendbar. Sie fühlten sich fremd in
den neuen Berhältniffcn, und^or^kkllen Dingen halten sie kein Bcr-
ständniß für die Borcheile corporativcn.Borgehens. Mit der Resignation,
die sie in Rußland gelernt halten, überließen sie sich daher den Händen
des „Schweißers", d. h. sie übernahmen in ihrer Wohnungen oder in
ungenügenden Werkräumen solche Arbeiten, die wegen der bei ihnen
bis aufs Kleinste dnrchgeführten Arbeitsthcilun z kein besonderes Ge¬
schick erfordern, und zwar für einen Lohn, der feum für den nöthigsten
LcbcnSnntcrhalt genügt, und bei einer Arbeitszeit, )ie bis zu 20 Stunden
am Tage ausgedehnt wurde. Wer eigentlich ein Schweißer sei, darüber
hat auch die Eneil»'tccomurission keine Aufklärunz gebracht. Man hat
darunter wohl den kleinen Unternehmer verstehen wollen, der zwischen
dem Großhändler und dem Arbeiter steht und einen Theil des ArbeitS-
gcwinnsteS einstrcicht. Es hat sich aber Hera isgcsteUt, daß in den
mcistcu Fällen ein solcher Bermittler gar «ich vorhanden ist, daß
vielmehr der Regel nach der Arbeiter direct a r den Grossisten oder
auch im HansirHandel an den Eonsumcnlcn al setzt. Der eigentliche
„Schweißer" ist daher das Publicum' selbst, das billige Waarcn haben
will, ohne danach zu fragen, ob der Preis dem Arbeiter das zum
Lebcnsunt rhalt 'Nöthige gewährt. Das Eharaktesistische des srvoatinx
-eu.-n, besteht darin, dag kAicmand da ist, den man für diese Aus¬
wüchse verantwortlich machen könnte. Würden die Arbeiten in einer
Fabrik vorgenommen, so ließen sich alle Mißbr iuchc auf. Grund der
Fabriksgcsctzgcbung absteUcn, die gcwiste sanitär! Anforderungen und
eine Matimal-ArbcitSzeit vorschreibt. Das Schwei jsystcm ist eben genau
betrachtet nichts Anderes..als die Hausindustrie, de sich durch Massen-
produclion gegen die Fäbrik zu wehren sucht. Wc m einmal der jüdische
Arbeiter durch die Macht der Bcrhältniste in diese Hausindustrie gedrängt
ist, so wird cs ihm naturgemäß schwer, sich auf eine höhere gesellschaftliche
Stufe zu heben. Eine Arbeitszeit von 10, 18 und noch mehr Stunden
täglich bei ungenügendem Lohne und in nngesunsen Werkstätten muß
den Arbeiter geistig und körperlich ruinircn, so daß er zu intensiverer
Arbeit unfähig wird und seine Arbeitsleistung nicht mehr beträgt, als
was ein englischer Arbeiter in ,der Hälfte der Zeit beschafft. .Trotz
alledem gibt ca in London eine Menge jüdischer
in ihrem Metier zu bedeutender Fertigkeit gebracht haben, und dann
auch die hohen Löhne erhalten, die für skilleck labour gezahlt werden.
Eine große Zahl jüdischer Arbeiter lebt noch
den ihnen angewiesenen Bezirken, und gelernte
Glaubens sind über das ganze Czarenreich vcrbr:
Zahl, jüdischer Ackerbauer in Rußland keine kleine
l enke in Rußland in
Handwerker jüdischen
itet. Daß auch die
sein kann, geht auS
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