Seite
Es ist ein großer Trost, also mehr als erstaunlich, was
die Jugend, aber auch unsere Männer und Frauen leisten können,
wenn sie geweckt werden und wollen, und das Wort des zum
Gebet gewordenen Berichtes meldet sich in unserer Erinnerung:
„Du gäbest viele in die Hand weniger!"
Wo liegen nun die Parallelen zwischen den Mackabäern,
Uber die dieses Urteil zuerst geprägt wurde, und uns: unter
welcher Voraussetzung können sie gezogen werden?
Wir müssen den Begriff „aussichtslos" aus unserem
Denken streichen, dann» werden wir der heutigen Not und ihren
Forderungen gerecht und fangen an, im Kleinen zu wirken. Ist
das nicht auch der eigentliche Sinn des Wunders vom Krüglein
heiligen Oeles? Es leistete mehr, als man erwarten durfte;
Dauer und Leuchtkraft hatten sich vervielfacht. Wie der Keim
alles Lebenden im Stande der Winzigkeit gerade die höchste
Kraft besitzt und uns die nicht ganz zu begreifende Wahrheit
vorweist, daß noch stärker als die Gewalt dieser rätselhaften
Materie die ihr innewohnende Potenz sein muß, so sollen wir,
aber wir alle, in schlichtem Vertrauen, doch beflügelt von der
unsichtbaren Größe einer heiligen Aufgabe den Feind suchen
und schlagen!
Den Feind in uns selbst! Denn das ist die Großtat der
edlen Helden gewesen. Antiochus Epiphanes war ja garnicht
die höchste Gefahr und die Hellenisten auch nicht. Ihre Ver¬
suche, eine Verbindung von jüdischem und griechischem Geiste
zu schaffen, waren im Grunde etwas Natürliches, Gesundes, Not¬
wendiges und Hochpolitisches- Hätte damals das Judentum nicht
auf beiden Seiten den Extremismus gewählt und sklavisch ent¬
weder alles urteilslos adoptiert oder sich jeder weltverbindenden
Tendenz begeben, die Völkergeschichte würde eine andere Bahn
betreten haben, und das Judentum wäre die Weltreligion ge¬
worden! Aber dies hinderte 'der jüdische Feind im eigenen
Lager, jene Oberschicht, die morsch und faul bis zum Kern, nur
noch durch Geld und Ehren gestachelt, gewissenlos die Gesamt¬
heit verriet und obendrein in schlechten Ruf brachte. Böse und
Narren sind auch heute Geistesverwandte, und vor ihnen wollen
wir uns hüten. *
Wer jedem anderen Streben den vorgedruckten Toten¬
schein aushändigt, weil es seinen Genuß und Gewinn stören
könnte, der will den freien Geist im Judentum ausmerzen und
seinen Genius paragraphisch einzwängen. Er versagt Billigung
und Bewilligung, ehe er urteilsberechti^t ist. Wohl dem echten
jüdischen Liberalismus, er glaubt nicht nur an seine eigene
Kraft im Judentum!
Um im Bilde der Mackabäergeschichte zu sprechen: Es
gellt bei uns nicht um Wettrennen, sportliche Leistungen und
die einzufangende Gunst der Massen. Es handelt sich nicht um
das Herausstampfen von Talenten, um Lockung oder Suggestion.
Den Erfolg wird nur haben, wer still und im Kleinen ohne Ehr-
z