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Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten.
Freitag, Leu 7. Februar.
No. 6.
Zweiter Iahrgaug. 1868 .
Inhalt:
Die AustellungSsLhigteü jüdisch« Lehrer in Preußen. — Sorreop»»-
»eu,eu: Schwerin, Wie», Atzey. — Horeb und Jerusalem. — Notiz. — Berich,
tigung.-Juserotr.
Die Anflellungsfahigkeit jüdischer Lehrer in Preußen.
Bei Gelegenheit der Berathung de« Budget de« EultuS-
Ministerium im Hause der Abgeordneten wurde eine für unsere
Glaubensgenossen hochwichtige Angelegenheit wieder einmal erörtert:
Die Anstellungsfähigkeit jüdischer Lehrer. Wir geben im Nachfol-
genden wörtliche Auszüge au« dem stenographischen Bericht. Die
Reihe der Redner eröffnete: ׳
Abgeordneter vr. Kosch: Meine Herren! Die jetzt vor-
liegende Position giebt mir Veranlassung, Ihre Aufmerksamkeit
auf eine Angelegenheit zu richten, die in diesem Hause schon oft,
wohl alljährlich, Gegenstand einer ausführlichen Diskussion gewesen
ist, welche von der Majorität de« Hause« stet» zu Gunsten der
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^ gewrsen ift; ich meine die Anstellungs-Fähigkeit meiner Glauben»«
genossen, der Juden, in den Ressort« des Herrn Justiz-Minister«
sowohl, al» de« Herrn KultuS-MinisterS. Meine Herren! Glau«
ben Sie nicht, daß ich diese Frage jetzt in ihrem ganzen Umfange
etwa zu behandeln gedenke, ich werde mich streng an die vorlie-
gende Position und an die Grenze halten, die sie mir vorschreibt.
Ich werde mich über da» Justiz-Mknisterium hier nicht oussprechen,
« einmal, weil e« eben nicht zur Sache bei dieser Position gehört,
zweiten», weil ich e» bei der früheren Berathung de» Iustiz-Etat-
unterlassen habe, darauf zUrückzukommrn, einzig und allem au»
der Rücksicht, weil der Herr J»stij«Minister bei seiner noch kurzen
Amtsführung diese Frage vielleicht noch nicht in Erwägung ge-
zogen haben mag. Es wird sich Gelegenheit finden, auf diesen
Gegenstand in weiteren Umrissen allerding» noch später znrückzn-
kommen, nnd da behalte ich mir das Wort vor.
Mein« Herren! Ich gehe also über zu einer Klage, und
zwar zu einer bitteren Klage über da« Kultu«-Ministerium.
Ehe ich mich aber dazu wende, will ich eine angenehmere
Pflicht für mich erfüllen und dadurch auch,zugleich eine Ehren»
schuld abtragen, jit welcher ich mich dem Herrn KultuS-Minister
gegenüber verpflichtet fühle. Sie erinnern sich wohl — die älteren
Mitglieder diese» Hause- —, daß ich im vorigen Jahre bei Ge-
legenheit der Diskussion über die Universitäten, die Universität
Königsberg zur Sprache brachte, bei der statutenmäßig Juden
sowohl al» Katholiken von dem Lehramte ausgeschlossen sind.
De* Herr Kultus-Minister erklärte damals, daß er auf seinem
früheren Standpunkte jetzt nicht mehr beharre, und er gab mir
die Hoffnung, daß sich diese Angelegenheit in günstiger Weise
ändern werde. Ich habe ihm damal« gelobt, wenn das zur That-
fache würde, ihm die gebührend« Anerkennung auszusprechen. Ich
chue da« hiermit, meine Herren. Ich bin dem Herrn Kultu««
Minister zu danken schuldig für die Bemühungen in dieser Be-
ziehung. Hat e« auch vielleicht langer, als ich erwartete, gedauert,
so ist e» doch jetzt dahin gekommen, daß jener Paragraph der'
Statuten der KönigSberger Universität, welcher weder Inden noch
Katholiken zu Lehrämtern zusieß, jetzt nicht mehr existirt, und da
die Kabinet«-Ordre, die sich darauf bezieht, so weit mir bekannt,
nicht zur Oeffentlichkeit gelangt ist, so erlaube ich mir. Ihnen
dieselbe hiermit vorzulesen:
״ Auf Ihren Bericht vom 3. o. (Oktober 1867) ge«
nehmige Ich hierdlkrch, daß bet der Universität zu Königs«
berg unbeschadet ihre« evangelischm EharakterS auch Nicht«
Evangelische al« Privat-Dozenten in der juristischen, medt«
zinischen und philosophischen Fakultät zugelassen, und im
Fall de« konkreten Bedürfnisse» al» Lehrer ausnahmsweise
angestellt werden dürfen.
Baden-Baden, den 14. Oktober 1867. '
(gez.) Wilhelm.
(mj v. Mühl e*._
־׳יי ' Ich »Wf «fö^M'tzdllM'MKHf'destf'Httrn Minister für
fchie Bemühungen DankäuSsprechen, wobei ich allrrding» nicht
d<N Wunsch unterdrücken ktmn, daß diese prinzipiell so wichtige
Brrfügung etwa» weniger verklausulirt wäre. Ich glaube aber,
Mir Herr Minister wird sehr bald Gelegenheit haben, durch eine
dyn Prinzip entsprechendes Thatsache eine allgemeinere dankeüde
Aberkennung zu finden, da, soviel mir bekannt ist, bereit» ein
Antrag der KönigSberger Universität vorliegt, einen sehr befähigt«/
jüdischen Arzt zum Professor in der medizinischen Fakultät rm-fr-
nennen. *
Meine Herren, nachdem ich diese mir wirklich angrneh^
Pflicht erfüllt habe, komme ich nunmehr zu einer bitteren Klage
gegen den Herrn Minister. ES betrifft diese die Nicht «An-
stevung zweier jüdischer Lehrer, de» Vr. IutrostnSki und de« Or.
Warschauer an der Realschule in Posen. Bl« zum vorigen Jahre,
meine Herren, hat der Herr Minister, trotz de» Artikel» 4 der
Verfassung, der den gesetzlich dazu Befähigten in unserem Staate
die Zugänglichkeit zu allen öffentlichen Staats-Aemtrrn gestattet,,
tr^tz de» Artikel l2 der Verfassung, in welcher e» heißt: Der
Genuß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte ist von dem
GlanbenSbekennmiß unabhängig; ich sage, trotz dieses Artikel» hat
de4 Herr KultuS-Minister bi« zum vorigen Jahre angrstandrn,'
Juden als, Lehrer an öffentlichen Schulen anzustellen. Als im
vorigen Jahr« die Sache hier im Hause behandelt wurde, kam e»'
zur Kenntniß de« Haufe«, daß der Kommissar des Herrn Kultus.
Minister« in der Kommission sich dahin aoSgefprochen hatte, daß
die früheren Gründe der Beanstandung nicht mehr Platz greifen.
Die Beanstandung de» Herrn KultuS-MinisterS gründete sich stet«
darauf, daß da» bekannte Juden-Gesetz vom Jahre 1847 noch
iinmrr in Kraft fei, und daß demgemäß die Angehörigen der jüdt-
sehen Konfession nicht angestellt werden dürfen. Der Herr Re-