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Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten.
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Freitag, Len 14. Februar. All.
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Dir Anstellwigrsähigteit jüdisch« Lehr« in Prroßm. Eortsetzmig.) —
S,rre»,,»dn>,n>: Berlin, Wien. Wien. — Einige« üb« da« BrrhLttniß de«
Inden» und Ehristmthmn». — Zu dem Aussätze ״Mnnlrre und trübe Br-
danken am Büchertische."-Inserate. y~
Die Anflrüungsfähigkeit jüdischer Lehrer iu Preußen.
sKortsetzuug pi S. »«.)
Meine Herren! Sie werden aus diesen mitgetheilteu Thal»
sachen entnehmen, welch ein Labyrinth von Widersprüchen zwischen
diesen Bestimmungen de- Aultu--Ministers besteht. 8» ist aber
schon von dem früheren Aultu--Minister v. BethmanN-Hollweg,
wie wohl er sonst im Ganzen dieselbe Ansicht, wie der jetzige
Herr AultuS-Minister hegte, anerkannt worden, daß die Realschulen
Kommunalschulen seien, und daß bei ihnen in der Regel der kon-
fessionelle Eharaster nicht vorhanden sei. Gleichwohl ist den beiden
Männern, deren ich im Eingänge erwähnte, dem Dr. JutrosinSki,
der bereit- seit 1809 bei der Realschule in Posen, und dem vr.
Warschauer, der fest 1% Jahren, wenn ich nicht irre, ebenda
erfolgreich wirkt, eine definitive Anstellung bisher verweigert worden.
Beide sind Männer von anerkannter Tüchtigkeit, mit den besten
Zeugnisien über ihre Qualifikation und ihr Lehrertalent auSge-
stattet; Beide bereits, und zwar der erste allmählich bis zur
zweiten Oberlehrerstelle vorgerückt, in Funktion als HülfSlehrer
mit einem bedeutende« Gehalt mit Pensionsberechtigung, und Bei-
den ist noch immerfort trotz wiederholter Anträge der Kommunal-
behörden, trotz der wiederholten Beschlüsse, die von diesem Hause
in dieser Richtung gefaßt worden sind, die definitive Anstellung
versagi. Ja, meine Herren, eS ist sogar vorgekommen, daß der
jüngste von Beiden, der l)r. Warschauer, nachdem er sein Probe-
jahr an der Realsch^te״tzpll« 1 det und auch da sich eine sehr gün-
stige EenHir de- Provinzial-^chulrath» erworben hatte, das voll-
gültige Zeugniß über die bestandene Prüfung nicht erhalten konnte.
Zwar wurde es von dem Direktor der Anstalt ihm ausgestellt;
solche Zeugnisse müssen abe» nach dem Ihnen angeführten Regle-
dient auch von dem Regierungs-Kommissar unterzeichnet sein. Der
Regierungs-Kommissar weigerte sich, ein solches Zeugniß, da- doch
nur auf Thatsac^en sich bezieht, mit zu unterschreiben, (Hört!)
weil eben dazu erst noch eine ministerielle Erlaubniß nothwendig
sei, und man nicht wissen könne, wie der Herr Minister darüber
entscheiden werde. Heute, meine Herren — heute Morgen —
habe Ich erfahren, daß allerdings von Seiten des Herrn Minister»
dem betreffenden Schulrache erlaubt worden ist, da- Zeugniß zu
unterschreiben; dasselbe ist aber noch nicht in die Hände der Be-
cheiligten gelangt. Nun, meine Herren, ich will Sie nicht weiter
behelligen mit Klagen, die allerdings sich noch viel weiter aus-
dehnen ließen; ich habe mich beschränkt, innerhalb dieser Position
meine Bemerkungen zu machen. Das aber werden Sie doch
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7« Zweiter Jahrgang. 1868.
einräumen müssen, daß hier eine Berwirrung herrscht und eint
widergesetzliche und verfassungswidrige Behandlung. Da- Hau-
hat wiederholt darauf angetragen, daß dem abgeholfen werde —
in den allerschärfsten Formen — fünf bis sechs Mal — und ich
habe jedesmal diesen Gegenstand hier zur Sprache gebracht. Alle-
ist bis jetzt erfolglos gewesen! Meine Herren, ev scheint aller-
ding- so, als wenn hier prinziplo« verfahren würde; man schwanke
hierher und dorthin, bald mache man eine halbe Konzession, und
dann gehe man wieder einen Schritt oder gar zwei zurück. Aber,
meine Herren, ich. glaube doch, daß hinter diesem Scheine der
Prinziplosigkeit ein wirkliches und — ich kann nicht ander» sagen,
ein mir verderblich scheinende- Prinzip ruht, das Prinzip nämlich,
daß konfessionelle Element in unserem Staate und in unserem
Schulwesen dem humanistischen gegenüber voranzustellen und
da» Letztere immer mehr in den Hintergrund zurück zu drängen.
Ich glaube, daß in dem uns — oder richtiger, dem anderen Hause
vorgelegten Schulgesetz. Entwurf, soweit er sich darauf bezieht,
diese» Prinzip vollkommen Nar und scharf hervortritt. Meine
Herren, ich mache hier zugleich darauf aufmerksam, daß in den
neuen Provinzen, wenigstens in einem großen Theile derselben,
sb viel mir bekannt geworden ist, — nnd ich glaube diesen Nach,
richten vertrauen zu können <— von ähnlichen Zuständen, wie hier
in unserem alten Preußischen Staate, und von einem ähnlichen
Berfahren bisher nicht die Rede war. In Hessen und Nassau,
namentlich aber in Frankfurt a. M. kannte man solche Maßregeln
nicht. Nun, meine Herren, fragt e- sich doch: können und dürfen
wir länger einen solchen Zustand bestehen lassen, der in der That
die Altpreußischen Einrichtungen so in den Schatten stellt gegen-
über den neuen LandeStheilen? Ich sage ferner, wie ist eS mög-
lich, daß eine Staats-Regierung, die von der Aufopferung-fähig-
keit, die von dem Patriotismus ihrer jüdischen Staatsbürger auch-
noch in den letzten Kriegen, die dem Baterlande beschieden wai^A
wie in allen früher« Gefahren, wo da- Vaterland in Noth 1 vM
die sprechendsten Beweise erhalten hat, die e» selbst bezeugt hat,
daß ihre Bekenner jüdischer Konfession in keiner Beziehung, sei e»
in der Schlacht, sei eS im bürgerlichen Leben ihren übrigen Mit-
bürgern nachstehen, wie ist e« ihr möglich, daß sie fort und fort
wider die bestehende Verfassung und Gesetz immer von Neuem
diese Verunglimpfung und Rechtskränkung meinen Glaubensgenossen
zu Theil werden läßt? Meine Herren, durch ein solches Verfahren
befördert man wahrlich nicht t/en Rechtssinn und da» Recht»,
bewußtsein unter den Staatsbürgern, aber man verwandelt da-
durch die segenspendende Aufgabe einer wirklich heilsamen Staat«,
kunst, die Frieden und Eintracht unter den Bürgern desselben
Staate« herbeizuführen sich bemüht, gerade in ihr Gegentheil.
Meine Herren, ich bin zu Ende, ich schließe und behaupte; da«
Preußische »uum cuique gebührt den Juden auch!
(Bravo! links.)
Abgeordneter vr. Techow: Meine Herren! Indem ich
auf denjenigen Gegenstand zurückkomme, von dem mein verehrter
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